The Dark Pictures: Little Hope Review – Der Silent Hill Beziehungs-Simulator

Rechtzeitig zu Halloween können Fans von Until Dawn und The Dark Pictures: Man of Medan mit dem nächsten Ableger der Dark Pictures Anthology loslegen. Ob uns der Titel etwas mehr als Man of Medan begeistern konnte und vor allem gutes Material für die nächste Halloween-Party oder einem Horrorfilm-Abend geworden ist, findet ihr wie immer im Test bei uns heraus.

Silent Hill Vibes und ein wirklich überraschender Twist

Nachdem sich der Vorgänger Man of Medan doch etwas zu sehr selbst eingeschränkt hat mit dem leicht durchschaubaren Setting, geht Little Hope einen etwas kreativeren Weg. Ihr begleitet eine Gruppe von vier Studenten und ihrem Lehrer über verschiedene Zeitepochen und müsste die Geheimnisse rund um die Ereignisse in Little Hope enthüllen. Im Prolog begleitet ihr eine unscheinbare Familie in den 70er, deren Schicksal recht flott ein etwas makaberes Ende nimmt. Kurz danach beginnt das eigentliche Spiel, wo sich die bereits erwähnten Studenten zusammen mit ihrem Lehrer nach einem Busunglück in Little Hope wiederfinden. Busunglück, Nebel, schaurige Kreaturen, ein verlassenes Dorf und der passende Soundtrack dazu? Kennt man unter anderem bereits aus Silent Hill!

Die verschiedenen Monster werden euch das gesamte Spiel über ordentlich unter Druck setzen.

Es wäre natürlich kein klassisches Spiel von Supermassive Games ohne der Möglichkeit ständig Entscheidungen zu treffen, die den Ausgang aller Beteiligten beeinflussen. Hier hat sich das Studio in der doch sehr kurzen Zeit nach dem Release von Man of Medan deutlich gesteigert. Die Gesichtsanimationen sind großartig geworden und auch die Übergänge zwischen den Animationen und Zwischensequenzen sind um einiges flüssiger ausgefallen. Aufgrund der Wünsche der Community bekommt man jetzt auch ein Stück deutlicher angezeigt, wenn ein Quick-Time-Event ansteht. Für erfahrene Spieler wirkt das oftmals eher wie eine unnötige Unterbrechung zwischen den spannenden Ereignissen, aber für alle anderen ist es sicherlich eine gute Ergänzung, um mit den unzähligen Entscheidungen besser zurecht zu kommen.

Little Hope spart definitiv nicht bei den verzweigten Entscheidungsmöglichkeiten und versteckten Gegenständen in der Spielwelt: 50 Collectibles, einige “Todesvorschauen” und nette Making-Of Videos warten wieder als Belohnung für alle aufmerksamen Sammler. Ein erstes Spieldurchlauf wird euch gute 3-5 Stunden beschäftigen, aber im Gegensatz zu Man of Medan liegt hier die Motivation darin, ein anderes Ende zu erreichen, deutlich höher. Es lässt sich auch wieder ein erster Teaser für das nächste Spiel der Anthology finden, wenn ihr beim Durchsuchen der Gegenden gründlich arbeitet. Aufgrund der weitaus offeneren Gegend könnt ihr euch jetzt endlich etwas flotter steuern – Die Gehgeschwindigkeit wurde ein Stück erhöht, damit das Abgehen von den unzähligen Straßenabschnitten im Spiel nicht all zu mühsam wird. Wo die Kreativität der Entwickler etwas nachlässt, ist das Aufdecken von Hinweisen. Staub wegwischen ist noch etwas verständlich in der Spielwelt, aber das jemand auf jeden zweiten Gegenstand ein einzelnes Holzbrett anlehnt, wirkt etwas ungewöhnlich, für die sonst eigentlich gut durchdachte Spielwelt mit ihren schaurigen Schauplätzen.

Eure Entscheidungen innerhalb der Dialoge haben einen direkten Einfluss auf das Ende des Spiels.

Filmabend und gemeinsame Story Multiplayer Modi sind zurück

Wer sich nicht alleine über Little Hope drüber traut, kann online mit einem Freund die gesamte Story durchspielen oder mit Freunden im Filmabend-Modus vor dem TV. Hier vergebt ihr wie auch schon in Man of Medan jedem spielbaren Charakter/Charakter-Gruppe einen Spielernamen und sobald ihr dran seid, wird das Spiel kurz mit einer eigenen Animation unterbrochen und ihr könnt den Controller weiterreichen. Diese vielen unkomplizierten Mechaniken und Features machen Little Hope zum perfekten Partyspiel mit Freunden, die sonst wenig mit Videospielen anfangen können. Ihr könnt beispielsweise die Quick-Time-Event Buttons auf eine einzelne Eingabe legen, was den Stress in den unzähligen Situationen deutlich reduziert. Auch innerhalb der Dialoge habt ihr mehr als genügend Zeit, um eure Entscheidung zu treffen. Bereits im Prolog gibt es Entscheidungen, die einen wesentlichen Einfluss auf den weiteren Spielverlauf haben und ihr werdet vor allem vom Kurator mehrmals deutlichst darauf hingewiesen.

Die breite Zugänglichkeit von Little Hope erweist sich als ideales Feature für spontane Spieleabende

Little Hope verbessert sich in vielen Gameplay-Bereichen gegenüber Man of Medan und schafft es wesentlich besser den Spieler hinters Licht zu führen. Auch die Designs der einzelnen Charakter und Monster sind sehr gelungen, wobei sich viele Abläufe innerhalb der Geschichte dann doch zu sehr wiederholen. Die Kämpfe gegen die Gestalten hätten die Abwechslung vertragen können, die man in die unzähligen Dialoge zwischen den spielbaren Charakteren gesteckt hat. Wirkliche spielerische Herausforderungen wird man in Little Hope nicht finden, dennoch bietet die recht kurze Geschichte genügend an Abwechslung und nette Plot Twists, die euch motivieren werden, den Titel mehrmals durchzuspielen. Hier empfiehlt es sich aber, Freunde für die weiteren Spieldurchläufe zu organisieren, weil sich Zwischensequenzen leider nicht überspringen lassen. Trophäenjäger und Sammler müssen sich hier also auf sehr viel wiederholende Sequenzen einstellen.

The Dark Pictures: Little Hope erscheint am 30. Oktober 2020 für PlayStation 4, Xbox One und PC. Hier könnt ihr Little Hope bereits vorbestellen.

Fazit

Little Hope schafft es einige Fehler von Man of Medan auszumerzen und liefert eine spannende Geschichte mit gelungenen Wendungen ab. Manche Bereiche hätten etwas mehr an Abwechslung, Herausforderung und Kreativität vertragen können, aber insgesamt gesehen steht hier einem gelungenen Halloween-Abend alleine oder mit Freunden nichts mehr im Wege.

Positiv

+ Gelungene Geschichte und Plot Twists

+ Überzeugendes Charakter und Monster-Design

+ Enorm einsteigerfreundlich und zugänglich

+ Verbesserte Animationen, Bewegungen und Übergänge

Negativ

– Wiederholende Abläufe und Interaktionen nehmen etwas an Immersion

– Keine überspringbaren Sequenzen machen das Sammeln von allen Sammelgegenständen mühselig

– Fehlende Herausforderung durch hohe Zugänglichkeit und überladene Hinweise

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Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer