Review: Fire Emblem: Shadow Dragon and the Blade of Light – Die Anfänge einer Erfolgsgeschichte

Fire Emblem wird außerhalb von Japan keinen Erfolg haben!“ So lautet Nintendos Begründung, wieso das Strategie-RPG nur im Heimatland veröffentlicht werden sollte. Und dabei blieb es auch seit dem Beginn der Reihe auf der Famicom im Jahre 1990, bis man 2003 erste Schritte auf dem Game Boy Advance für Europa und die USA wagte. Der weltweite Durchbruch gelang schließlich mit Fire Emblem: Awakening für den 3DS, der die Franchise, die finanziell kurz vor dem Ende stand, zu einem der Top Player bei Nintendo machte. Inzwischen gibt es mit Fire Emblem: Three Houses einen Titel, der wesentlich mehr bietet als nur taktische Schlachten – Schulunterricht, Romanzen und jede Menge Nebenaktivitäten runden das Gesamtpaket ab. Doch wie sah das damals vor 30 Jahren aus? Pünktlich zur Veröffentlichung von Fire Emblem: Shadow Dragon and the Blade of Light für die Nintendo Switch haben wir uns den Erstling für euch genauer angesehen.

Drachen, Ritter und jede Menge Klischees

Marth (dessen heutige Popularität ironischerweise nicht von Fire Emblem, sondern von Super Smash Bros. stammt) ist der Prinz von Altea und ein Nachkomme von Anri, dem Krieger, der den dunklen Drachen Medeus getötet hat. Nach einem Angriff aus dem benachbarten Königreich Dolhr, bei dem sein Vater im Kampf gegen den bösen Priester Gharnef getötet und seine Schwester Elice als Geisel genommen wird, muss Marth jedoch in der Nation Talys ins Exil gehen. Mit Hilfe des altischen Ritters Jagen, der talysischen Prinzessin Caeda und weiteren tapferer Krieger macht sich Marth auf die Suche nach dem heiligen Schwert Falchion und dem Feueremblem (Namenspate für die gesamten späteren Titel), das ihm erlaubt, das Schwert zu führen.

Man sollte sich storytechnisch nicht viel von einem Fantasy-Spiel Anfang der 90er erwarten: Es gibt eine klare Abgrenzung zwischen Gut und Böse, letztere greifen zu hinterlistigen Tricks und okkulten Techniken. Frühe Fire Emblem-Spiele nutzten den Plot nur um von einem Gefecht ins nächste zu führen, daher sind die kurzen Dialoge dazwischen nur so gespickt von Klischees von Drachen, böse Mächte und natürlich dem Auserwählten, der praktischerweise der Protagonist selbst ist.

All die prägenden Fire Emblem- Elemente bereits enthalten

So ist Marth auch der einzige Charakter, dessen Tod zu einem Game Over führt, jeder seiner Gefährten ist hingegen entbehrlich und nur einige gezielte Treffer vom Permadeath entfernt. Ja, auch schon das erste Fire Emblem besitzt bereits die Spielemechanik, die so mancher am meisten fürchtet: eine geschätzte Spielfigur unwiederbringlich zu verlieren. Zusätzlich sind auch so viele andere Aspekte im Erstling enthalten, die die Erfolgsformel von Fire Emblem ausmachen: Strategisches Leveldesign, mögliche Klassenwechsel mit dem richtigen Item ab einem bestimmten Level sowie eine Großzahl an verfügbaren Klassen selbst.

Söldner, Dieb, Bogenschütze, Kavaliere, Paladine, Pegasusritter, Magier, Priester und die Manakete – das Volk, das sich in Drachen verwandeln kann – sind neben anderen alle enthalten. Interessanterweise gibt es auch Klassen, die in moderneren Titeln nicht mehr enthalten sein würden, beispielsweise die Balliste oder der Freiberufler (Freelancer), der für fünf Züge eine beliebige andere Klasse imitieren kann, bevor er sich wieder zurückverwandelt.

Während den Schlachten werden nicht nur Gegner bekämpft, sondern zusätzlich Truhen geplündert, Höfe besucht, welche einen mit Geld oder einem neuen Mitstreiter belohnen, und auch feindliche Soldaten überzeugt, den eigenen Reihen beizutreten. Dabei sollte man die Feindbewegung dennoch im Auge behalten, so gibt es hier kein Raster über dem Schlachtfeld, welches die eigene Reichweite noch die der Widersacher anzeigt – man muss sich also mit dem Cursor selbst ausmessen, wie viel Spielraum man hat.

Etwas, das eingefleischte Fans ebenfalls überraschen wird: es gibt kein Stein-Schere-Papier-System zwischen den Waffen, der später Standard der Reihe werden würde. Leider sind generell kaum Anleitungen vorhanden, wie das Spiel am besten gespielt wird- das erste Level gilt de facto als Tutorial, in dem man NPCs mit Einheiten besuchen kann, und von diesen die Grundlagen erklärt bekommt. Woher man weiß, dass sie diesen Wissen bereitstellen? Gar nicht, das muss der Spieler alles selbst herausfinden. Damals wurde man eben noch nicht an der Hand genommen und bekam die Spielemechanik bis aufs Genaueste erklärt.

Da die Gefechte nahtlos ineinander greifen, ist es nicht möglich, zwischen diesen Items unter den Figuren auszutauschen, ebenso wenig kann man neue Dinge im Laden kaufen. Dies geschieht alles auf dem eigentlichen Schlachtfeld, kann aber erledigt werden, sobald alle Feinde erledigt sind. An diesem Punkt muss noch die Arena erwähnt werden: Dort zieht man mit einem einzelnen Mitstreiter für Gold und Erfahrungspunkte in einen Kampf, der automatisch ausgeführt wird. Auch hier gilt aber: Wer einmal unterliegt, bleibt dank Permadeath für immer tot.

Kleine Anpassungen, um es dem heutigen Publikum zugänglicher zu machen

Ganz ohne Neuerungen kommt der Port allerdings doch nicht auf die Switch: Es handelt sich hier zwar um eine 1:1-Emulation von Shadow Dragon and the Blade of Light, Nintendo spendiert aber zumindest ein übergreifendes Navigationsmenü dazu. In diesem kann man das behäbige Tempo der Figuren etwas ankurbeln – man entscheidet zwischen normaler Spielegeschwindigkeit, doppelter Geschwindigkeit nur während der Gegnerzüge oder zweifaches Tempo für das gesamte Spiel.

Und um den knackigen Schwierigkeitsgrad zu entschärfen – vor allem für Personen, die keinen einzigen Charakter verlieren möchten -, lässt sich jederzeit ein manuellen Speicherstand anlegen sowie zum Anfang jeden vorigen Zuges auf jeder Karte zurückspringen. Gerade dieses Zurücknehmen von Runden erinnert ein wenig an die Zeitmanipulation, die erst viel später mit Fire Emblem: Three Houses eingeführt wurde.

Fazit

Obwohl Fire Emblem bereits 1990 alle Bestandteile für einen Hit hatte, war fraglich, wie sich der Anfang der Reihe heute spiele würde. Nintendo hat daher eine gute, wenn auch sehr simple, Lösung gefunden, das Original unverändert ins Jahr 2020 zu hieven – mit den neuen Funktionen wirkt man dem langsamen Spieltempo entgegen, eine Möglichkeit, seine Fehler rückgängig zu machen, ist gegeben, und das Gameplay selbst funktioniert mit kleinen Abstrichen auch heute noch so gut wie damals. Für alle Anhänger von Fire Emblem und Strategie-Fans eindeutig zu empfehlen!

Positiv:

+ solides Gameplay wirkt auch heute nicht angestaubt

+ Spieltempo kann angepasst werden

+ bessere Zugänglichkeit aufgrund Speicher- und „Rewind“-Funktion

Negativ:

– Bewegungsreichweite der Charaktere werden nicht angezeigt

– Waffen und Items können nur umständlich auf den Karten selbst gekauft, getauscht und gelagert werden

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger