Review: Xenoblade Chronicles: Definitive Edition – Der Lack ist ab (trotz der schönen Texturen)

Alle guten Dinge sind drei – so lautet zumindest das allseits bekannte Sprichwort! Und Xenoblade Chronicles hat es als noch relativ junges RPG geschafft, bereits auf drei unterschiedlichen Nintendo-Geräten veröffentlicht zu werden. Erstmals auf der Wii erschienen, folgte später einen Umsetzung für den New Nintendo 3DS, nun steht uns neuerdings eine Definitive Edition für die Switch bevor. Doch inzwischen sind seit der Erstveröffentlichung rund 10 Jahre vergangen, es gab unweigerlich Veränderungen im Rollenspiel-Genre – da stellt sich die Frage: Kann Xenoblade Chronicles auch noch mit den modernen Konkurrenten mithalten? Wir haben den Titel für euch getestet, unser Fazit könnt ihr nachstehend lesen.

Shulk, sein Monado, ihr Kampf gegen die Mechon und jede Menge Plot Twists

Mensch gegen Maschine! Augenscheinlich ein ziemliches Klischee, und auch in Xenoblade Chronicles sieht sich der Spieler genau mit dieser Prämisse konfrontiert. Die Mechon, Maschinenwesen von dem Giganten Mechonis stammend, führen regelmäßig Invasionen auf die auf dem Giganten Bionis lebenden Homs durch. Als Kolonie 9 angegriffen wird und dabei auch viele der Homs ihr Leben lassen müssen, entschließt sich Shulk Rache an ihnen zu nehmen. Gemeinsam mit seinem Freund Reyn wandert er quer über den Körper von Bionis und rekrutiert dort auf seinen Abenteuern weitere Partymitglieder.

Ein paar dieser sind auch Vertreter anderer Völker wie Nopon oder die Hochentia. Auf diesen Reisen lernt man auch mehr die unterschiedlichen Beziehungen der Rassen untereinander, erhält also insgesamt jede Menge Hintergrundgeschichte, nicht ausschließlich nur über Bionis, Mechonis und das Monado. Letzteres wird als Waffe von Shulk immer wieder durch die Handlung hervorgehoben, wodurch das Spiel bereits die Relevanz des Schwertes auch außerhalb des Kampfs betont. Gegen Ende von Xenoblade Chronicles eröffnen sich dem Spieler schließlich Tatsachen, die viele der vorher etablierten Dinge wie das Monado sowie die zwei Giganten, die nun als Lebensraum für all jene dienen, in ein anderes Licht stellen und findet durchaus auch ein paar philosophische Ansätze.

Ein JRPG mit Action-Kampfsystems und dem Aufbau eines weitläufigen MMOs

Das Monado bleibt dennoch das A und O für Shulk in Kampfsituationen; mit ihm lernt er ständig neue Techniken, beispielsweise den praktischen Trick, zukünftige Attacken voraussehen zu können. Dafür wird das Geschehen kurzzeitig unterbrochen, Shulk erhält eine Vision, wie und wann die Party angegriffen wird, dann kann er seine Kameraden dementsprechend warnen. Der einzige andere Grund, wieso der Echtzeitkampf unterbrochen werden könnte, sind die Kettenangriffe: Sobald alle drei Aktionsbalken in der Anzeige links oben vollständig gefüllt sind, lassen sich eine Reihe an erlernten Techniken auf die Gegner anwenden. Eine Taktik wäre es zum Beispiel den Gegner ins Schwanken zu bringen, ihn darauf folgend umzuwerfen und im dritten Schritt auf dem Boden ohnmächtig zu schlagen – doch dies ist nur eine der vielen Kombo-Möglichkeiten, die sich euch im Kampf bieten.

Diese Art von Kettenangriffen können zudem noch deutlich verlängert werden, indem man die Harmonie zwischen den Partymitgliedern steigert: Wer öfters zusammen kämpft, dem anderen kleine Geschenke macht oder an designierten Plätzchen vertraute Gespräche mit dem Gegenüber führt, hat bessere Sympathiewerte als ein Partymitglied, welches dies nicht tut. Entsprechende Verhältnisse werden im Menü in einem Diagramm veranschaulicht, wobei es auch ein übergeordnetes Diagramm gibt, welches die Beziehung eines jeden Einwohner-NPCs verschiedener Siedlungen anzeigt.

Nicht nur im Kampf profitiert man von einer engen Beziehung, auch am Schmiedeofen hilft ein gutes Miteinander bei der Herstellung hochwertiger Juwelen, die wiederum in Waffen und Rüstungen eingesetzt werden können. Die Boni, die durch diese Juwelen verliehen werden, sind durchaus nicht zu verachten und können klug eingesetzt den Ausgang eines schwierigen Kampf entscheiden. Sie können in Kisten gefunden, mit NPCs getauscht oder eben geschmiedet werden: Hier sind immer zwei Partymitglieder vonnöten, einem Werfen und einem Techniker, und je besser die beiden harmonieren, desto länger wird geschmiedet – daraus ergibt sich eine bessere Qualität der Juwelen, ergo bessere Effekte im Kampf.

Außerhalb des eigentlichen Storyline kann der Spieler noch durch Nebenquests an jede Menge nützliche Items gelangen – mit einem Nachdruck auf „jede Menge“. Im Regelfall bietet eine NPC bis zu drei dieser Aufgaben an, die sich allerdings alle als „Fetch-Quests“ entpuppen – also solche Aufträge, in denen man eine gewisse Anzahl Items sammeln muss. Zwar existiert später die Möglichkeit, eine zerstörte Kolonie wieder aufzubauen, doch auch dieses Unterfangen läuft nur über kleinere, uninspirierte Aufgaben, für die man kreuz und quer über verschiedene Landschaften laufen muss.

Exakt diese Landschaften verraten viel über die Erscheinungsjahr des Spiels: Während 2010 große „Open World“-Areale in Spielen noch sehr gefragt waren, und sich deshalb sich die Gebiete in Xenoblade Chronicles noch weitläufig öffnen, hat sich das bei neueren RPGs inzwischen geändert. Sobald man relativ früh im Spiel die Gaur-Ebene erreicht und dessen Weitläufigkeit erahnen kann, werden die später folgenden Level auch nicht mehr kleiner. Obwohl dies manche Neuzugänge noch staunen lässt, wird schnell klar: Je geräumiger die Welt, desto leerer erscheint sie auch – und die Zeit, die man in unerforschten Gebieten von A nach B braucht, zieht sich immer mehr in die Länge.

Alles neu macht der Release im Mai!

Die Definitive Edition bietet allerdings auch einige Neuerungen: Sofort fallen die wesentlich klareren Texturen im Gegensatz zu den Vorgängerversionen auf, und auch das übersichtlichere Menü muss hier Erwähnung finden. Inhaltlich winkt Spielern, denen der Titel bisher zu schwierig war, ein „Gemütlicher Modus“, und für jene, die noch eine Extraherausforderung suchen, sogenannte „Tempo-Herausforderungen“. Dieser ist über verschiedene, in der Welt verstreute, Portale erreichbar, deren Durchschreiten zum Nopon-Erzweiser führen. Die von ihm angebotenen Herausforderungen können entweder mit einer beliebigen Party absolviert werden oder mit vorgegebenen Konditionen – das bedeutet eine vorbestimmte Gruppe sowie ein zurückgestuftes Level.

Ist die benötigte Zeit für die einzelnen Aufgaben einigermaßen gut und wurden auch ein paar Kombos verwendet, winken neben der ausgeschriebenen Belohnung auch Nopon-Kristalle, die man beim Erzweiser gleich gegen erstmalig in Xenoblade Chronicles verfügbare Ausrüstung eintauschen kann.

Der dickste Fisch, den Entwickler Monolith Soft hinzugefügt hat, um Veteranen auch für die Definitive Edition zu begeistern, ist der brandneue Epilog „Die verbundene Zukunft“. Ein Jahr nach dem Ende des Hauptquests reisen Shulk und Melia auf die Schulter von Bionis, auf der Suche nach der damals zerstörten Stadt Alcamoth. Mit an Bord schleichen sich die Nopons Nene und Kino, zwei Kinder von Riki, eines ehemaligen Partymitglieds.

Auch wenn das Kampfsystem dem des Hauptspiels sehr ähnelt, ist es dennoch nicht exakt gleich. Shulk kann hier zum Beispiel keine zukünftige Attacken voraussehen, stattdessen stehen der Party nun eine große Anzahl Nopons im Kampf beiseite, die sich in drei Gruppen aufteilen. Die sich selbst betitelten Ponspektoren aus Team Rot greifen Gegner offensiv an, Team Blau heilt meist verbündete Mitstreiter und Team Gelb schwächt den Gegner mit etwaigen Debuffs. Dummerweise stehen diese Teams nicht von Anfang an zu Verfügung, denn die ganzen Nopons wollen erst gefunden und ein Quest vom Spieler erfüllt haben, bevor sie in Auseinandersetzungen einsetzbar sind.

Fazit

In Hinsicht auf Grafik und Aufmachung wirkt Xenoblade Chronicles: Definitive Edition wie ein aktuelles Spiel – im direkten Vergleich wird wohl der Großteil der Fans zugeben, dass es die optisch schönste Fassung ist. Genauso schön ist es zu sehen, dass neben den netten Neuerungen auch ein kompletter Epilog mit circa 10 Stunden Spielzeit zu finden ist, welche den ohnehin schon großen Spielumfang noch um ein Eck erweitern. Leider wirkt genau dieser große Umfang künstlich aufgeblasen – erstens durch die „Fetch-Quests“, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen, zweitens durch die gähnende Leere, die sich in den schier unendlichen Weiten so vieler Areale auf Bionis breit macht. Was 2010 vielleicht noch funktioniert hat, wirkt inzwischen wie ein MMO für eine einzige Person! Zudem ist das Kampfsystem für Neueinsteiger unintuitiv, und während sich Kettenangriffe gut in den Kampffluss einbringen, stellen Shulks Zukunftsvisionen das Gegenteil dar: Sie sind während des Gefechts sogar lästig und dauern zu lange an. Unterm Strich lebt Xenoblade Chronicles von der Story und nicht von den steifen Protagonisten, die sich uns präsentieren, dennoch kommt auch die Handlung erst zu spät wirklich in Gang – erst im letzten Drittel werden die wahren Motivationen und Themen offengelegt, die Spannung erzeugen. Hardcore-Fans werden auch heute noch ihren Spaß finden, bedauerlicherweise ist Xenoblade Chronicles als Titel für die Nintendo Switch schon mehrmals von anderen Rollenspielen überrundet worden.

Positiv

+ klarste und sauberste Grafiken im Bezug auf Vorgänger-Version

+ Zusatzinhalte motivieren Liebhaber der Reihe

Negativ

– Story wird erst zu spät interessant

– Nebenmission hauptsächlich uninspiriert

– Charaktere wirken blass und klischeehaft

– immense Umgebungen lassen das Spiel leer wirken

– Kampfsystem mit Ausnahme der Kombo-Attacken zu unübersichtlich

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger