Review: Hitman 3 – Findet die bekannte Stealth-Trilogie ein würdiges Finale?

Mittlerweile sieben Teile enthält die Hitman-Franchise um Agent 47, vollgepackt mit einiger der besten Stealth-Action-Missionen der Videospielgeschichte. 2021 erhalten wir nun den achten Eintrag, Hitman 3, der auch die 2016 gestartete Trilogie World of Assassination beendet. Die ersten beiden Spiele konnten sowohl Fans und Kritiker überzeugen, nun liegt es an Entwickler IO Interactive die überspannende Storyline befriedigend zu Ende zu bringen – ob ihnen das gelungen ist, erfahrt ihr in den nachstehenden Zeilen.

Was bisher geschah in der Welt der Auftragsmorde…

Agent 47 mit seiner jahrelangen Vertrauten und Handlerin Diana Burnwood – in Hitman 3 weiß man nicht, ob man ihr noch trauen kann.

Den wendungsreichen Plot der letzten beiden Teilen, bei dem die Protagonisten öfters die Seiten wechseln als 47 seine Kleidung, ist schwer zusammenzufassen, lautet aber ungefähr wie folgt: Agent 47 arbeitet für das Auftragsmord-Unternehmen ICA, durch das er vom Shadow Client – später bekannt als Lucas Grey -, angeworben wird, verschiedene Ziele zu töten. Bald müssen die ICA und 47 herausfinden, dass diese Ziele alle Teil einer Organisation namens Providence sind, welche die Geschehnisse der Welt aus dem Schatten lenkt – Verschwörungstheoretiker lassen grüßen! Obwohl 47 im Namen der ICA daraufhin versucht, Lucas Grey zu sabotieren, stellt sich später heraus, dass die beiden Kindheitsfreunde aus dem selben Klonlabor sind, und so machen sie schließlich gemeinsame Sache.

Arthur Edwards wird im letzten Teil vom Handlanger Providense zum überaus gefährlichen Widersacher und Hauptantagonisten.

Ihr Ziel sind die leitenden Figuren von Providence und der Ausführende ihrer Aufträge – die Konstante. Die erste Konstante, ein alternder Mann namens Janus, der sich bereits im Ruhestand befindet, wird in Hitman 2 von 47 eliminiert, doch Arthur Edwards, die zweite Konstante, stellt eine wesentlich größere Gefahr da; so gelingt es ihm, die Macht und das Vermögen von Providence allein auf sich zu konzentrieren. Am Ende des zweiten Teils können 47 und Grey Edwards ihn in ihre Gewalt zu bringen, allerdings gelingt ihm die Flucht. Nahtlos setzt hier die Handlung von Hitman 3 an: Per Skydiving infiltriert er einen Wolkenkratzer in Dubai, um zwei Ziele auszuschalten, deren Namen er noch über einen Tipp von Edwards in Erfahrung bringen konnte. In der Folge wird es 47 zuletzt noch an viele weitere exotische und ausgefallenen Orte verschlagen, beispielsweise in das schottische Hochmoor, eine Rave-Party in Berlin oder auch in ein Datenzentrum in China.

Hier ein Beispiel, wie man in Hitman nicht weit kommen wird: in Chongqing ist die Tarnung aufgeflogen und wir mussten uns den Weg freischießen.

Hitman 3 hält für Fans weitere dramatische Wendungen bereit: der plötzliche Tod eines Verbündeten, scheinbarer Verrat auf höchster Ebene und ein Agent 47, der sich plötzlich gezwungen sieht, sich gegen seinen jahrelangen Auftraggeber zu stellen. Doch auch bei all dem Drama der Rahmenhandlung liegt das Hauptaugenmerk natürlich nach wie vor auf den Missionen, die weiterhin das unbemerkte Eliminieren von Zielpersonen (sowie manchmal einer Zusatzaufgabe) fordern.

Eine konsequente Fortführung der beiden Prequels in Bezug auf Gameplay

Agent 47 versucht in Dubai als Leibwache eines der Ziele engagiert zu werden; diese will seine Fähigkeiten mit einem Messerwurf-Test prüfen.

Was könnte man an der Erfolgsformel der beiden Prequels noch verbessern? So oder ähnlich muss die Frage gelautet haben, die sich IO Interactive im Rahmen der Entwicklung von Hitman 3 gestellt hat. Die Engine der beiden Vorgänger eignete sich bereits perfekt für die Mischung aus Stealth und Action, also wurden nur kleine Neuerungen hinzugefügt: 47 startet nun jede Mission mit einer Kamera, die ihm bei Einsatz Infos zu speziell scanbaren Objekten liefert, sowie Fenster und Lüftungsschächte öffnen kann, wenn er sie kurz mit ihr ins Visier nimmt. Ebenfalls neu sind Schlösser, die sich nur durch Eingabe des richtigen vierstelligen Zahlencodes öffnen lassen; die Codes sind aber meist leicht in der nahen Umgebung zu finden. Wem das trotzdem zu viel Aufwand ist, muss sich nach einem alternativen Weg umsehen – diesen gibt es in Hitman 3 aber immer.

In Dartmoor besteht die Möglichkeit ein Verbrechen aufzuklären – die Kamera hilft bei der Analyse des vergifteten Opfers.

Insgesamt machen diese Features aber wenig Eindruck, wirken sogar fast nur als Ausrede des Entwicklers, etwas Neues hinzugefügt zu haben. Viel wichtiger sind weiterhin die seit dem Beginn der Trilogie bestehenden Hilfsmittel, wie zum Beispiel der Instinkt-Modus, der dem Spieler zeigt, welche Möglichkeiten er in bestimmten Situationen hat, oder ob gerade eine Wache, die ihn identifizieren könnte, um die Ecke kommt. Ein bisschen mehr an der Hand genommen wird man durch die sogenannten Story-Missionen im Menü: Sie zeigen einem mögliche Handlungen innerhalb des Levels, durch die 47 schneller zum Ziel gelangt; im unten abgebildeten Beispiel geht er als verkleideter Wachmann zu einem Kollegen mit Scharfschützengewehr und behauptet einer der Party-Gäste (natürlich eine Zielperson) stehe auf der Abschussliste.

Wenn der nette Kollege mit dem Strichcode am Hinterkopf mal eben meint, da wäre eine Gefahr in der Menschenmenge, drückt man natürlich gern den Abzug!

Der Augenmerk, der aber de facto vielen der wichtigste sein wird, ist das Design der neuen Levels. Und hier glänzt Hitman 3 mit einigen wirklichen großartigen Missionen: egal, ob sich 47 mal als Techno-DJ, Obdachloser für grenzwertige Experimente oder Detektiv verkleidet – und zur Abwechslung mal einen Mord aufkläret, anstatt einen zu begehen (die Ironie geht wohl an niemandem verloren) -, die Missionen sprühen nur so vor Kreativität und ergänzen sich perfekt zu dem cleveren Aufbau der Areale. Das Team bei IO Interactive konnte sich mittlerweile jede Menge Erfahrung beim Erstellen von Sandbox-Umgebungen aneignen und das merkt man auch an der Weitläufigkeit und Fülle an Spieldetails in allen Missionen, mit Ausnahme der letzten.

47 auf den Spuren von Sherlock Holmes: Als Detektiv befragt er Verdächtige, untersucht den Tatort und prüft das Herrenhaus auf Geheimräume.

Die breite Vielfalt an Möglichkeiten zum Lösen der Aufträgen hat wiederum einen hohen Wiederspielwert zur Folge. Obwohl es möglich ist, jede der sechs Mission möglichst schnell zu bestehen, liegt der Reiz darin, alle Optionen in einem Level genutzt zu haben. Echte Hitman-Fans spielen eine Mission so oft, bis sie jeden Stein mindestens zweimal umgedreht haben! Abgerundet werden die Hauptmission durch die bereits bekannten Eskalationsaufträge, in denen man genau die vorgegebenen Anforderungen einhalten muss (z.B. „Schlage die Rezeptionistin mit einer Schaufel K.O. während 47 als Kellner verkleidet ist“), und die mit zunehmender Stufe schwieriger werden. Außerdem kann man auf diese Weise selbst Missionen erstellen und natürlich auch die hochgeladenen Missionen anderer Spieler spielen.

Für die beste Wertung „Lautloser Killer“ darf die Tarnung nie auffliegen, die Kameras einen nicht filmen und die Leichen nie aufgefunden werden.

Sobald eine Mission erfolgreich beendet wurde, werden mit den erhaltenen Punkten neue Möglichkeiten in der jeweiligen Mission freigeschalten: So kann 47 in einem Level bereits verkleidet und der Zielperson nahe starten, anstatt ohne Kostümierung am eigentlichen Startpunkt zu beginnen. Und auch neue Waffen werden für das entsprechende Level freigeschalten – nicht selten winkt ein Sniper-Gewehr auf den höheren Punktestufen.

Fazit

Um die Frage im Titel zu beantworten: Ja, IO Interactive hat ein mehr als zufriedenstellendes Ende der Trilogie geschaffen, auch wenn die kleinen neuen Funktionen nicht notwendig gewesen wären. Hitman 3 wird für längere Zeit wohl der letzte Ableger der Reihe sein, dafür haben die Fans zum Abschluss nochmal großartige Stealth-Missionen, ausgezeichnetes Leveldesign und eine packende (wenn auch für Neueinsteiger verwirrende) Story erhalten. Zusätzlich lassen sich Hitman & Hitman 2 in den neusten Titel integrieren, um ein schönes Gesamtpaket zu schnüren.

Positiv:

+ einige der bestaufgebauten Level der gesamten Franchise

+ Wiederspielwert dementsprechend hoch

+ Stealth-Gameplay nach wie vor großartig

+ Eskalationsaufträge und selbst erstellte Missionen erweitern den Spieleinhalt

Negativ:

– Kamera und Zahlencodes tragen nicht zur Spieltiefe bei

– Rahmenhandlung für Einsteiger äußerst konfus

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger