Preview: Prince of Persia: The Lost Crown – Neues Genre, neuer Prinz, neuer Glanz?

Wir hatten das Glück uns in einem Hands-On von Ubisoft den neuen Titel des persischen Prinzen anschauen zu können und konnten insgesamt fast vier Stunden am Stück mit Sargon verbingen. Wie uns das gefallen hat und welchen Eindruck wir von der neuen Ausrichtung in Sachen Gameplay und Optik haben, verraten wir euch gerne in unserer Vorschau.

Ein neuer Prinz, der gar kein Prinz ist

Erstmals übernimmt nicht der benannte Prinz von Persien die Hauptrolle (Obwohl der Hauptcharakter im Prince of Persia von 2008 streng genommen auch kein echter Prinz war), sondern ein junger Krieger namens Sargon. Dieser gehört den Immortals an, einer Eliteeinheit aus Persien, die offensichtlich nicht besonders viel Wert auf Teamzusammenhalt legt. Zu Beginn findet sich Sargon nämlich direkt allein wieder, da seine Mitstreiter anscheinend keinerlei Interesse an ihm haben. Wie wichtig sie im weiteren Verlauf des Spiels noch werden, lässt sich derzeit schwer einschätzen, ihr begegnet diesen aber während des Abenteuers immer wieder und auch ein paar Überraschungen warten hier auf euch. Sargon fällt besonders durch sein äußeres Erscheinungsbild auf: Ein Undercut, Ohrringe und dunkler Eyeliner verleihen ihm eher das Aussehen eines provokanten Mitglieds einer Boyband als das eines gefürchteten Kriegers. Sein äußeres Erscheinungsbild ist ihm auch im Kampf wichtig und in auffälligen Animationen zeigt er ständig, wie cool er ist. Diese Mischung aus Fortnite, Anime und dem persischen Setting spricht, gelinde gesagt, keine breite Zielgruppe an, wie die erheblichen negativen Reaktionen auf den ersten Trailer deutlich zeigen.

Und obwohl auch mir der Stil zunächst überhaupt nicht zusagte, konnte mich The Lost Crown recht schnell überzeugen, trotz meiner anfänglichen Skepsis, besonders dank schicker Animationen und Cinematics. Falls ihr übrigens von der im Trailer verwendeten Hip-Hop-Musik ebenfalls enttäuscht seid, kann ich euch versichern, dass im Spiel die Handlung mit den Musikstücken einer iranischen Künstlerin wirklich toll untermalt wird. Diese hat mit einem Mix aus traditionellen Instrumenten und moderner Musik einen durchaus hörenswerten Soundtrack komponiert. Was die Story betrifft, Sargons Persönlichkeit bleibt im Verlauf unserer Sessions genauso wie der Rest der Geschichte: blass und kaum erwähnenswert. Die Handlung knüpft an keine vorherigen Titel an, bietet jedoch etwas Hintergrund-Lore. Gelegentlich stößt man auf Steintafeln, auf denen die Geschichten eines ehemaligen Königs eingraviert sind. Diese könnten jedoch kaum uninteressanter sein und bremsen den Spielfluss nur unnötig ein. Wir haben diese nach den ersten beiden schon nicht mehr gelesen. Wenn ihr euch jetzt fragt, ob es nun ein Reinfall ist, müssen wir sofort widersprechen. Der wirklich spaßige Teil kommt nämlich jetzt, das Gameplay.

Gameplay fühlt sich frisch und durchdacht an

Eure Möglchkeiten im Kampf scheinen zunächst etwas beschränkt. Mit einer Taste schwingt ihr eure Doppel-Schwerter, während ihr mit einer anderen den Bogen benutzt, ausweicht oder blockt. Mit der Zeit lernt man jedoch, dass auch diese scheinbar begrenzte Auswahl effektiv zu nutzen ist. Ein aufgeladener Pfeil ermöglicht es Sargon beispielsweise eine große Kugel abzuschießen, die wie ein Bumerang zu ihm zurückkehrt oder ihr prügelt alle Gegner in eine Ecke, um sie dann mit einem der Spezialangriffe zu pulverisieren. Das Blocken ist ebenfalls sehr wichtig, denn neben einfachen Schaden abwehren, könnt ihr bei gelb leuchtenden Angriffen einen wirklich schick aussehenden und sehr starken Konter ausführen, wenn ihr es richtig timed. Die Gegnervielfalt hat uns dabei in unserer Session ebenfalls sehr gut gefallen, bis auf eine fiese Ausnahme. Es gibt nämlich eine Art Gefängiswächter, der euch mit einem unblockbaren Angriff in eben dieses teleporiert, und zwar jedes mal. Somit mussten wir häufig lange Laufen, um wieder zum eigentlichen Punkt zu kommen und besiegen konnten wir diesen Gegner auch nicht, nur betäuben. Das war neben den teilweise auch etwas weit entfernt gesetzten Checkpoints oder einem direkten Zurücksetzen an den Anfang, wenn ihr in einer Sprungpassage den letzten Spike berührt unser größter Kritikpunkt, doch bleiben wir mal beim Positiven.

Denn oberflächlich betrachtet handelt es sich eindeutig um ein Prince of Persia-Spiel. Man hüpft von Wand zu Wand, weicht Fallen aus und gleitet durch die Level. Es war herausfordernd genug, dass ich eine Weile brauchte, um mich zurechtzufinden und als ich es geschafft hatte war es ein wiklich befriedigendes Gefühl durch die Level nur so zu preschen. Es gibt immer wieder optionale Rätsel und Gebiete, ihr könnt Amulette für passive Effekte oder mehr Leben sammeln und diese an Speicher-Bäumen auch ausrüsten, eure Waffen upgraden oder Nebenmissionen erledigen. Obwohl man da sagen muss, bis auf eine Ausnahme bestanden diese bei uns nur aus Sammelaufgaben, die sich über eine lange Zeit im Spiel erstrecken werden. Dafür reißen es die wirklich fordernden Bosse, wie der im Trailer gezeigte Mantikor, wirklich wieder raus und machen wirklich Spaß. Die vielen zwischendurch auftauchenden Mini-Bosse sind nämlich allesamt etwas zu einfach zu überlisten gewesen, indem man einfach immer schnell hinter diese rollt und gelegentlich mit einem Sprung nach oben ausweicht. Doch die großen Bosse lockern das Geschehen schön auf und bringen natürlich auch ein paar lockenswerte Items, daher haben uns die Begegnungen sehr gut gefallen.

Spaßige Alleinstellungsmerkmale

Die Spielwelt von Prince of Persia: The Lost Crown ist dabei durch und durch ein Metroidvania. Die Welt ist ein riesiges Labyrinth mit zahlreichen Wegen, von denen einige noch nicht direkt zugänglich sind. Damit der bisher unerreichbare Pfad aber nicht in Vergessenheit gerät, wurde ein wirklich cooles Feature implementiert. Man kann ein Ingame-Screenshot von der Stelle aufnehmen und an die Karte anhängen. So kann man ständig nachsehen, warum man den Gang nicht weitergelaufen ist, anstatt mühsam zum besagten Ort zurückkehren zu müssen. Sowas erspart viel wirres Umhergelaufe. Noch dazu kommen im späteren Verlauf natürlich auch Zeit-Fähigkeiten. Wir konnten in unserer Session zwar bisher nur den Dash in der Luft ausprobieren, konnten aber in der Welt mehrere Gebiete zeitlich zurücksetzen, in dem wir eine Art Kugel zerstörten. Danach war eine in alle Teile zerbrochene Statue wieder in ihrem alten Glanz und wir konnten diese problemlos erklimmen.

Mit mehreren Möglichkeiten, sich durch die Levels zu bewegen, einer herzhaften Mischung aus Gegnern und Bossen, gegen die man antreten kann und mehr Bewegungsmechaniken, als man mit einem Schwert angreifen kann, waren wir nach unserer Vorschau von The Lost Crown sehr gespannt auf das vollständige Spiel. Es mag ein anderes Erlebnis sein als das, an das sich die Fans von früher erinnern, aber es ist es wirklich spaßiger Ableger, der klar seinen Reiz durch das toll designte Gameplay zieht. Wenn man dann noch etwas Frustresistenz für die Rücksetzpunkte mitbringt, steht einem hier eine wirklich spaßige Neuinterpretation des persischen Prinzen bevor.

Prince of Persia: The Lost Crown wird am 18. Januar 2024 für PlayStation 4, PlayStation 5, PC, Xbox Series X|S, Xbox One und Nintendo Switch veröffentlicht.

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Written by: Nick Erlenhof

Hitoshura, Sith & FOXHOUND-Spectre

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