Gears 5 Review – Die gewohnte Action ohne große Überraschungen

Nach dem etwas enttäuschenden Gears of War 4 bekommt Entwickler The Coalition eine neue Chance die Serie wieder zu alter Stärke zurückzuführen. Ob das Studio aus seinen Fehlern in Gears of War 4 gelernt hat und was Gears 5 sonst alles zu bieten hat, findet ihr wie immer bei uns im Test heraus.

Im Land der verschlossenen Türen

In der Singleplayer/Co-Op Kampagne geht es im Gegensatz zu Gears of War 4 (Bis auf etwas zu exzessives Tutorial) etwas actionreicher los. Anschließend an die Ereignisse aus dem Vorgänger macht ihr euch mit der eingespielten Gruppe vom Delta Squad auf die Suche nach neuen Satelliten für die Nutzung des Hammers of Dawn. Nachdem bereits einige Gears of War Ableger die Nutzung dieser Massenvernichtstungswaffe behandelt haben, dürfte das handliche Gerät Fans der Serie durchaus bekannt sein. Um die Spielzeit etwas zu verlängern und auch einen Spannungsbogen aufzubauen, klappt die erste Mission dazu natürlich nicht wie gewollt und so zieht es die junge Truppe inklusive Oldtimer Marcus Fenix durch verschiedenste Klimazonen und teilweise für die Serie komplett neue Gebiete. Die einzige Konstante die euch über das gesamte Spiel begleitet sind verschlossene Türen und nicht erreichbare Abschnitte. Die ersten Stunden im Spiel sind dazu noch etwas erträglich, aber wenn man schon aufhört zu zählen wie viele Bereiche man aufschneiden musste oder per Roboter-Begleiter öffnet hat lassen, wird es leicht mühsam. Untermalt wird das Ganze dann noch von ausgesprochen viel fehlerhaften Animationen in Szenenwechsel, wie beispielsweise das aussteigen/einsteigen im Aufzug oder das wohl vom Studio heiß geliebten herunterrutschen von Abhängen.

Jack Gears 5 Arsenal
Als Jack ist man zwar im Co-Op Modus deutlich beschränkter in seinen Möglichkeiten, aber trägt dennoch einen wichtigen Part mit den umfangreichen Fähigkeiten-Arsenals des sympathischen Roboter-Begleiters.

Etwas kurze Verschnaufpausen davon gibt es dann in unzähligen dunklen Gängen oder auch in zwei überdimensionalen offenen Gebieten die für die Serie jetzt neu, auch Nebenmissionen bieten. Diese beschränken sich aber auf “Hol dir einen Gegenstand aus Zone X und eliminiere Gegnergruppen” mit Upgrades für Jack als maximale Belohnung. Zumindest wurden einige der Schauplätze genutzt um auch spielerische Neuheiten in Gears 5 zu liefern. Viele Boss-Arenen verändern ihre Struktur oder Level-Abschnitte setzen euch mit einem starken Wind und Wetterkatastrophen laufend zu, mit abwechlungsreichen Hindernissen, Fallen und einer leicht abweichenden Schussbahn von einigen Geschossen. Kombiniert mit neuen Gegner-Arten entwickelt sich damit oftmals ein sehr dynamisches Spielerlebnis.

Gears 5 Startbildschirm
Das elementare Theme des Titels wird auch bereits über deutlich in allen möglichen Fanartikeln inklusive dem Startbildschirm zelebriert.

Innerhalb der zwei großen offenen Gebieten, kommen wenigstens ein paar kleine Lichtblicke an spielerischen Elementen hervor. Gegner können beispielsweise in aufgesprengten Eisflächen versinken oder plötzlich aus Wüstensand auftauchen, was zusammen mit den neuen Fähigkeiten in Gears 5 den Gameplay-Mix der Serie leicht auflockert. Gears 5 macht generell vieles richtig, was in Gears of War 4 noch stark vernachlässigt wurde bzw. einfach nicht zur Serie gepasst hat, dennoch sind die vielen technischen Schnitzer und das unspektakuläre Leveldesign ein großer Dorn im Auge über die gesamte Kampagne. Der Story Ark der mit Gears of War 4 angefangen wurde, wird mit Gears 5 nicht abgeschlossen, was zwar Raum für einen weiteren Ableger bietet, aber die Charakter-Entwicklung deutlich eindämmt. Es bleibt leider auch nicht wirklich irgendein Boss-Kampf in der Kampagne stark in Erinnerung und viele Abschnitte im letzten Drittel fühlen sich einfach nur noch in die Länge gezogen an. Durch die neuen Nebenmissionen und größeren Gebieten kommt ihr in Gears 5 auf 10-12 Stunden an Spielzeit (12-15 wenn ihr alle Nebenmissionen erfüllen und Gegenstände finden wollt) was eine ordentliche Zeit für eine im Co-Op spielbare Kampagne ist, aber dadurch leidet auch die gewohnte Qualität in vielen Spielabschnitten, was die Kampagne für Singleplayer Spieler schwer empfehlbar macht.

Gears 5 Kapitel 4
Im Co-Op muss immer einer von euch die Rolle von Kait oder JD übernehmen. Der zweite Spieler kann aber auch die Support Rolle über Jack für sich beanspruchen.

Fähigkeiten in allen Modi und Escape Modus als große Neuerungen

Wer sich durch die etwas träge Kampagne gekämpft hat bekommt die gewohnte Multiplayer-Modi Auswahl wie Versus und Horde serviert mit der neuesten Ergänzung: Escape. Bis auf Versus wurde jeder Modi mit eigenen Charakter-Fähigkeiten erweitert. In der Kampagne beschränken sich diese eher nur auf euren Roboter-Begleiter Jack, wo hingegen im Horde und Escape Modus jeder Fähigkeiten essenziell für die taktische Komponente der beiden Modi ist. Überleben und euer Team stehen ständig im Fokus, daher sind die Fähigkeiten unterstützend oder verstärkend ausgelegt. Obendrauf könnt ihr im neuen Escape Modus die auf der E3/Gamescom enthüllten Gast-Charaktere nutzen. Halo (Halo: Reach Charakter Paket) und Terminator-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten und überraschenderweise ergänzen sich die Universen hier ausgesprochen gut. Großteils wie alle weiteren kosmetischen Upgrades eine nette Deko-Idee aber spielerisch tragen die Charaktere relativ wenig zur Abwechslung bei. Die Klassen kommen eher nur im Horde-Modus wirklich gut zur Geltung, wo sich vor allem die Gears of War Veteranen herumtreiben werden um sich die Zeit im Multiplayer zu vertreiben. Horde ist anspruchsvoll wie eh und je und die neuen Waffen, Gegner inklusive aller neuen Fähigkeiten bieten genügend Variation um den beliebten Modus wieder einige Spielstunden abgewinnen zu können.

Gears 5 Escape Modus Charakterauswahl
Die komplette Charakterauswahl von allen spielbaren Multiplayer-Modi in der Übersicht.

Wo Gears 5 deutliche Verbesserungen vertragen könnte ist neben den bereits erwähnten technischen Aspekten die Gegner/Co-Op Partner KI. Von Partnern die einem über mehrere Sekunden nicht wiederbeleben bis hin zu aus dem nichts aufpoppenden Gegnern in Wänden, war in unserem Kampagnen-Spieldurchlauf alles vertreten. Es ist fraglich wie viel hier noch mit einem Day-One Patch behoben werden kann, weil es sich im Prinzip durch das gesamte Spiel zieht. In mehreren Missionen ist die komplette Partner und Gegner-KI für uns ausgefallen was den Stillstand von jeglichen Charakteren erzeugt hat. Ist zwar hin und wieder amüsant leere Schießbudenfiguren zur Zielübung serviert zu bekommen, sollte aber in einem Projekt von dieser Größer nicht vorkommen. Wo man vor Coalition definitiv den Hut ziehen kann, ist die Spiel-Performance im Singleplayer und Co-Op. Der Titel läuft bis auf vereinzelte längere Ladezeiten im Menü absolut fehlerfrei und durchgängig flüssig mit egal ob bei 1080p oder 4K. Ein kleines Manko im Co-Op Modus ist die fragwürdige Nutzung des Bildschirms/TV mit abgeschnittenen Rändern, aber immerhin liefert der Titel auch hier eine angenehme Erfahrung trotz Splitscreen.

Gears 5 Co-Op Modus
Die Teilung des Bildes im Splitscreen-Modus wirkt zwar etwas merkwürdig, liefert aber eine solide Leistung über den gesamten Spielverlauf.

Egal ob zu zweit vor dem TV oder zu Dritt online: Der Co-Op Modus bleibt das Herzstück von Gears 5 und überzeugt wie gewohnt mit einer stabilen Framerate und einer ausreichenden Auflösung im geteilten Bildschirm. Es war für uns leider nicht möglich die Kampagne im Co-Op Online zu testen, aber wenn sich dort die Performance ähnlich gut wie in den anderen Multiplayer-Modi verhält, haben wir keine Bedenken dass ihr auch ohne Probleme die Kampagne online mit Freunden durchspielen könnt.

Neuzugang Fahz Chutani als einziger Charakter mit britischen Akzent und neben flotten Sprüchen hat er auch immer die Sonnenbrille parat.

Gears 5 bringt viel Neues und ist im Gesamtbild gesehen eine Steigerung gegenüber Gears of War 4, nur gehen nicht alle Gameplay-Experimente des Entwicklerstudios wie erwartet auf. Die beiden offenen Gebiete tragen zu wenig zur Geschichte des Spiels bei und wirken durch die wiederholenden Abläufe und Aufgaben zu zäh und nehmen den Spiel deutlich an Fahrt. Generell sind die vielen wiederholenden Abläufe gepaart mit den unzähligen technischen Schnitzern nicht das was man von einer Gears of War Kampagne und einem der größten Xbox Exklusivtitel des Jahres erwarten würde. Wie viel Wiederspielwert die wechselnden Karten für den neuen Escape Modus oder neue Karten für den Horde Modus bringen werden, bleibt noch offen. Momentan ist Gears 5 nicht in der Fassung die man von so einem Titel erwarten würde, was nicht bedeutet dass Gears 5 ein schlechtes Spiel ist, nur leider nicht viel mehr als die Mindestanforderungen an das Studio abliefert.

Escape Modus Gears 5
Die aktuell verfügbaren Escape Karten in der Übersicht

Gears 5 erscheint am 6. September 2019 (Ultimate Edition) für Xbox One und PC. Hier könnt ihr das Spiel vorbestellen.

Fazit

Gears 5 liefert die gewohnt solide Co-Op Erfahrung und bringt genügend neue Abwechslung in den Gameplay-Mix in allen spielbaren Modi. Leider beeinträchtigen sehr viele technische Ungereimtheiten das Spielerlebnis im Singleplayer und die neuen Ideen der Entwickler für die Gears 5 Kampagne gehen leider nicht gut genug auf um sich vom Vorgänger wirklich abzuheben.

Positiv

+ Co-Op großartig integriert inklusive einer soliden Performance

+ Abwechlungsreiches Gameplay durch neue Fähigkeiten, Waffen, Gegner und die Nutzung der Umgebung im Singleplayer

+ Genügend Wiederspielwert durch Neuerungen im Horde Modus+Escape Modus

Negativ

– Offene Gebiete wurden viel zu generisch/wiederholend eingebaut und nehmen dem gesamten Spiel die Fahrt

– Laufend Partner und Gegner KI Aussetzer/Fehlerhafte Positionierungen

– Fehlerhafte Animationen zwischen den Sequenzen wie dem öffnen von Türen, Nutzung von Aufzügen etc.

– Charakterentwicklung/Abschluss der Geschichte überzeugt nicht

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Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer