WWE 2K20 Review – Der absolute Tiefpunkt der Reihe ist erreicht

2K Sports ist jetzt schon jahrelang mit der 2K-Reihe der einzige Publisher von namhaften Wrestlingspielen, es gibt keine echte Konkurrenz – während andere Sportsimulationen zumindest ein paar Nebenbuhler haben, bleibt WWE 2K20 allein auf weiter Flur. Im Prinzip wäre das auch gar kein Problem, doch die Reihe leidet mit jedem weiteren Jahr an einem größeren Mangel an Qualität. Nun hat Entwickler Yuke’s, Veteranen im Bezug auf Wrestlingspiele, dieses Jahr ihre Zusammenarbeit mit 2K beendet, weswegen der 2Ks hauseigenes Entwicklerstudio Visual Concepts das Projekt alleine stemmen musste – und die Auswirkungen sind deutlich zu spüren.

Die Charaktermodelle wirken äußerst… befremdlich

The Rock scheint sich einer Schönheits-OP unterzogen zu haben.

Dwayne „The Rock“ Johnson ist nicht nur Wrestling-Fans bekannt, auch viele „Marks“ können sich zu dem Namen bereits ein Gesicht vorstellen. Visual Concepts scheint nicht zu diesen Leuten zu gehören, denn das Charaktermodell von The Rock sieht dem Vorbild nur bedingt ähnlich. Der Witz dahinter ist, dass man seine Darstellung schon vor über 10 Jahren sehr realitätsnah in Wrestlingspielen betrachten konnte. The Rock ist allerdings noch relativ glimpflich davongekommen, denn andere Wrestler (vor allem die mit langen Haaren und Bart) wirken eher wie selbsterstellte Figuren. Und wo wir gerade bei selbsterstellten Wrestlern sind…

Endlich ein neues Spiel für die Dreamcast!

Für den „Meine Karriere“-Modus müssen ein männlicher und ein weiblicher Protagonist erstellt werden und gemeinsam mit ihnen erlebt der Spieler dann die Story von ihrer Highschool-Zeit bis zur Spitze der WWE nach. Die Geschichte dahinter ist dabei so völlig überzeugen, dass sie niemand auch nur für einen Moment ernst nehmen kann. Natürlich, Wrestling ist nicht echt und sollte auch nicht seriös dargestellt werden, aber die Zwischensequenzen versuchen zwingend witzig zu sein und enden in reiner Peinlichkeit. Zudem steht vor jedem Storyabschnitt noch eine beträchtliche Ladezeit, die dem Spieleerlebnis auch nicht zuträglich ist. „Meine Karriere“ läuft folgendermaßen ab: Ladezeit für eine Cutscene, dann die (überflüssige) Szene selbst und darauf wieder eine Ladezeit für die nächste Zwischensequenz. Zwischendurch gibt’s auch mal ein Match, allerdings scheinen diese eher in den Hintergrund zu rücken. Schade, denn für WWE 2K20 hat man sich aus dem RPG-Genre einen funktionierenden Fertigkeitsbaum geliehen, der wirklich dazu motiviert, mehr Ausdauer, eine höhere Schlagkraft oder einen zweiten Finisher freizuschalten.

Erhaltene Punkte können hier für Verbesserungen eingetauscht werden.

Gameplay wie vor 15 Jahren

Auch wenn die Anzeigen neumodisch wirken, unter der Oberfläche ist nur Staub…

2K scheint kein Interesse daran zu haben, die uralte Gameplay-Engine auszutauschen, oder der Reihe zumindest eine Grunderneuerung zu spendieren. Stattdessen werden sich Fans der damalige SmackDown vs. Raw-Teile auch heute noch sofort zurechtfinden. Einzig die Tastenbelegung hat sich verändert, und auch die eher zum Schlechteren. Währenddessen spielt Visual Concepts ein wenig mit Neuerungen, doch grundlegend ändert sich eigentlich nichts. Man scheint Gefallen an dem „2K-Türme“-Modus gefunden zu haben, der mit dem letzten Ableger eingeführt wurde und das Konzept dahinter bringt sogar ein wenig Spaß, aber die unterschiedlichen „Türme“ können auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Reihe schon seit geraumer Zeit die Luft ausgegangen ist.

Bereits in den Thumbnails sieht man die gottlosen Interpretationen aktueller und vergangener Wrestler

Mit dabei ist auch wieder der „Mein Universum“ – ein Modus, in dem man seine eigenen Shows und Matchpaarungen organisieren kann, dafür fehlen der aus früheren Teilen bekannte „Create A Finisher“- oder „Create A Title“-Modi. Etwaige Defizite scheint Visual Concepts mit Humor und übernatürlichen Spielfiguren überspielen zu wollen, daher besteht das erste DLC für WWE 2K20 namens „Poltern in der Nacht“ aus Eigenkreationen bekannter Wrestler, die nun Monster darstellen. Vielleicht liefert die Erweiterung auch neue Glitches, denn davon gibt es im Hauptspiel ja nicht schon genug.

Gibt es dafür eine Zielgruppe?

Fazit

WWE 2K20 sieht nicht gut aus – manche Wrestler würden sich wohl selbst nicht wiedererkennen und die Darstellung von längeren Haaren ist unter aller Sau. WWE 2K20 spielt sich nicht gut – die antike Engine ist unter einer meterhohen Staubschicht begraben und der Fakt, dass sie immer noch mit Updates versehen wird, ändert nichts daran, außer dass es mehr Bugs und Glitches in das Spiel schaffen. WWE 2K20 läuft nicht sonderlich gut – bereits im Startmenü (!) wird ersichtlich, dass es erheblich ruckelt und die späteren Ladezeiten sorgen nur noch für Unverständnis. Die wenigen positiven Aspekte von WWE 2K20 werden völlig von den negativen überschattet, an denen die Reihe schon immer ein wenig gekrankt hat, doch dem neuesten Teil lässt sich nur noch eine Bewertung geben: ein neues Tief ist erreicht! Wäre die WWE 2K-Reihe eine Linie aus Rassepferden, müsste man den diesjährigen Abkömmling erschießen.

Positiv

+ „2K Türme“ bieten Herausforderung

+ Flexibler Skill-Baum im „Mein Karriere“-Modus

Negativ

– Fürchterliche realitätsferne Gestaltung der Charaktere

– Engine bedarf dringend einer Grundüberholung

– Bugs und Glitches soweit das Auge reicht

– Schwachsinnige Story mit überaus langen Ladezeiten

– Keinerlei Innovation

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger