Wieso GameStop ab heute wieder alle Filialen in Europa öffnet – Ein Interview mit CEO George Sherman

Wir leben in harten Zeiten, das kann keiner bestreiten – doch die Selbstisolation dient ja schließlich einem guten Zweck, nicht zuletzt um unsere Mitmenschen und uns selbst zu schützen. Auch bleiben die Ladentüren jedes Geschäfts geschlossen, welches nicht als essentiell für lebensnotwendige Bedürfnisse eingestuft wird. Dabei handelt sich im Prinzip um zwei Bereiche: Lebensmittel und medizinische Versorgung. Umso fragwürdiger erscheint es, dass das Unternehmen, welches wir als GameStop kennen, mit sofortiger Wirkung alle Standorte wieder öffnet. Wir von Cerealkillerz mussten also ein wenig investigativen Journalismus betreiben und haben in einer Skype-Konferenz bei GameStop-Vorstand George Sherman persönlich nachgefragt.

CerealKillerz: Guten Abend, Mr. Sherman! Danke, dass sie sich für uns Zeit genommen haben.

George Sherman: Guten Abend! Die Freude ist ganz meinerseits! Ich will in diesen schwierigen Zeiten wirklich jede Chance nutzen, die angeschlagene Reputation meines Unternehmens ein wenig aufzupolieren. (lacht)

CK: Kommen wir gleich direkt zum Punkt! Wieso sieht sich GameStop als Kette plötzlich wieder bemüht, alle Filialen in Europa zu öffnen?

GS: GameStop zählt eben zum essentiellen Handel, ich würde sogar soweit gehen, GameStop den alleressentiellsten Handel noch vor Nahrung und Medizin zu nennen. Wieso, fragt ihr? Nun, ich kann euch gerne erklären, wieso es wichtig und richtig ist, unsere Türen offen zu halten.

1. GameStop expandiert in Chinas „Wet Markets“

GS: Als Unternehmen ist es uns vor allem wichtig, konkurrenzfähig zu bleiben. Und gerade jetzt, wo so viele Läden geschlossen halten, hat doch einer wieder aufgemacht: Die „Wet Markets“ in China!

CK: Dort wo absolut keine Hygienestandards herrschen, die Regierung niemals für Ordnung sorgen kann und der gesamte Handel eigentlich komplett illegal ist?

GS: Das ist genau der Ort, an dem GameStop sein möchte! Wir sehen dort die besten Gelegenheiten für eine Penetration des Marktes und einen Umstrukturierung unserer Kette.

CK: Wie wird die Umstrukturierung aussehen?

GS: Wir werden zuerst einen kleinen Stand exklusiv mit Funko Pop!s-Figuren errichten. Dieser Flagship-Store wird in Wuhan errichtet. Unsere Marktforschung hat gezeigt, das Dinge von dort besonders schnell den Rest der Welt erreichen.

CK: Ihnen ist schon klar, dass dort manchmal Tieren lebendig der Kopf abgebissen werden?

GS: Und nun können die Asiaten selbiges bei den Funko Pop!s machen. (lacht)

2. Videospiele bereiten auf die Apokalypse vor

GS: Der Grund für die Wiederöffnung überall in Europa ist folgender: Während in den USA jeder zweite Bürger bis auf die Zähne bewaffnet ist, ist das in Europa nicht der Fall. Es ist also unsere Mission die Jugend von heute auf den Ernstfall von morgen vorzubereiten.

CK: Und wie genau soll GameStop dabei helfen?

GS: Unsere Spiele sind nicht nur ein Medium zur Unterhaltung, sondern auch zum Lernen gedacht. Wenn erst einmal die Zombie-Apokalypse ausbricht, zeigen Titel wie Resident Evil, The Last of Us, The Walking Dead und DOOM den sicheren Umgang mit Waffen und wie man sich in Extremsituationen zu verhalten hat.

CK: In DOOM sind die Gegner aber Dämonen aus der Hölle.

GS: Wer sagt denn, dass sich die Pforten zur Hölle in nächster Zeit nicht öffnen? Gehen wir lieber auf Nummer sicher. (lacht)

CK: Und die anderen Spiele, die GameStop anbietet?

GS: Wenn das Schlimmste überstanden ist, muss die Erde wieder neu besiedelt werden, dafür haben wir Animal Crossing und Farming-Simulatoren wie Real Farm im Sortiment.

3. Angestellte wollen wie Dreck behandelt werden

CK: Das ist ja alles schön und gut, aber ist es nicht ein ethisches Problem, die Angestellten von GameStop solch einer Gefahr wie jetzt auszusetzen? Ganz ohne Schutzmaßnahmen?

GS: Darin sehe ich überhaupt kein Problem! Unsere Angestellten können im Krankheitsfall jederzeit ausgewechselt werden.

CK: Aber falls es zu einem Todesfall kommen sollte?

GS: Sie wissen, dass sie für ein höheres Ziel gestorben sind. GameStop ist ein Millionenkonzern, eine Entität und bald auch eine Weltmacht, ganz egal was gewisse Stimmen im Internet darüber sagen, dass wir wegen stetig zunehmenden digitalen Verkäufen schwere Verluste einfahren. GameStop wird nicht untergehen! Außerdem kennt jeder Angestellte das Motto unseres Unternehmens!

CK: „Power to the Players“?

GS: Das ist nur der halbe Leitspruch, die zweite Hälfte wird meistens nicht auf dem Logo abgedruckt. Vollständig lautet sie „Power to the Players & Death to the Employees“ („Macht den Spielern & Tod den Angestellten“, Anm. d. Red.) Klar soweit? (lacht)

CK: Völlig klar! Vielen Dank für das klärende Gespräch, Mr. Sherman.

GS: Gerne doch! Und nicht vergessen: Erledigt noch heute eure essentiellen Einkäufe bei GameStop! (lacht laut)

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger