Vampyr PS4 Review – Ein Liebesbrief an Bloodborne

Mit Vampyr erscheint heute (5. Juni 2018) das nächste Werk von Dontnod Entertainment (Life is Strange, Remember Me). Was Fans ihrer bisherigen Spiele erwarten können und warum sich die Entwickler stark von Spielen wie Bloodborne inspirieren haben lassen, könnt ihr wie immer bei uns im Test nachlesen.

Diese Entscheidung wird Konsequenzen haben

Zwischen 1918 und 1920 war keine schöne Zeit um in London zu leben.  25 bis teilweise sogar 50 Millionen Todesopfer soll die spanische Grippe damals verursacht haben. Passend zu dieser düsteren und tragischen Zeit spielt Vampyr. Ihr spielt Dr. Jonathan E. Reid der anfangs noch durch ungeklärte Ereignisse zum Vampir wird und mit den damit verbundenen Konsequenzen leben muss. Als Arzt füllt er sich verpflichtet weiterhin seinen Patienten zu helfen und dieser Konflikt begleitet euch eigentlich das gesamte Spiel über. Das Studio ist seit ihrem Debüt mit Remember Me (2013) Weit gekommen und konnte dann mit Life is Strange den Durchbruch schaffen. Wichtige Entscheidungen treffen und ein forderndes Gameplay waren daher immer schon Aspekte die ihre Spiele ausgezeichnet haben. In Vampyr habt ihr ein in einzelne Bezirke und Zonen aufgeteiltes London zum erkunden und könnt mit unzähligen NPCs interagieren und deren Geschichten erfahren. Ein interessanter Gameplay Ansatz ist hier das einsetzen von NPCs als Grad für die Schwierigkeit des Spielverlaufs. Wie in jedem klassischen RPG müsst ihr auch in Vampyr leveln. XP bekommt ihr zwar durch das erfüllen von Haupt und Nebenquests, aber eine richtig große Belohnung wartet auf euch wenn ihr die Bewohner von London aussaugt. Somit könnt ihr durch das opfern von NPCs das Spiel leichter machen. Je mehr ihr über die Bewohner heraus findet, desto mehr XP erhaltet ihr von ihnen und viele davon liefern zusätzliche Nebenquests die auch mit guten Gegenständen entlohnt werden, somit haben die Entwickler hier ihr Ziel erreicht. Der Spieler ist im ständigen Konflikt mit den Entscheidungen die ihr treffen muss und den daraus resultierenden Konsequenzen. Wir haben uns dafür entschieden beim ersten Spieldurchlauf keinen NPC zu opfern, was die Kämpfe sehr anspruchsvoll gestaltet hat und uns ein spezielles Ende beschert hat. Die Spielzeit liegt hier bei guten 10-15 Stunden je nachdem wie viel Zeit ihr mit der Welt von Vampyr und dessen Bewohnern verbringt.

Vampyr Screenshot PS4 Pro Dialog Blood

Die Dialog Optionen bieten zwar keine großen Auswahlmöglichkeiten wie man es zum Beispiel aus der Mass Effect Reihe gewohnt ist, aber die einzelnen NPCs und ihre Geschichten sind sehr interessant gestaltet und durchgängig mit einander verknüpft. Diverse NPCs können euch Hinweise mitteilen, die ihr wiederum für den nächsten Bewohner am anderen Ende des Bezirks benötigt. Somit liefert jeder einzelne Bewohner einen wichtigen Part um bestimmte Quests freizuschalten oder abzuschließen. Bis auf leichte Schwächen in der Darstellung der Mimik von einzelnen Charakteren überzeugen die Interaktionen mit den Bewohnern von London durchgehend. Gerade der Reiz versteckte Informationen aus den Charakteren zu kitzeln, liefert eine spannende Komponente für jede Menge Spielspaß. Das Thema Vampir und die diversen Unterkategorien davon werden im Spiel überraschend detailliert behandelt. Nicht wie in manchen Verfilmungen zum Thema:

Die Liebe für Bloodborne und Souls Spiele wird sehr direkt mitgeteilt

Von Trophäen-Namen über Item Beschreibung bis hin zum Gameplay selbst schreit alles nach Bloodborne bzw. generell Souls Ablegern. Man hat zwar beim Inventar und Skilltree sehr gut überlegte eigene Systeme geschaffen aber wenn es in den Kampf geht bzw. zu den Unterschlüpfen merkt man wie sehr diese Spiele wohl den Entwickler zugesagt haben. „We are born of the blood, made men by the blood, undone by the blood; Fear the old blood.“ Diese Textstelle aus Bloodborne wurde sogar fast 1:1 zu einer Item Beschreibung (Old Blood) hinzugefügt. Vampyr hat hier durch die eigenen Levelsysteme und das doch sehr übersichtliche Inventar eine weitaus mehr zugängliche Variante vom üblichen Souls-Aufbau geschaffen. Gegenstände zum aufleveln lassen sich so gut wie überall finden und das Crafting von Heilmitteln oder upgraden von Waffen ihr sehr simpel gehalten. Durch das offensichtliche „anlehnen“ an Bloodborne, muss man sich dann aber auch im direkten Vergleich messen, wo Vampyr hin und wieder mit leichten Mankos zu kämpfen hat. Die Gegner KI ist sehr überschaubar ausgefallen und im späteren Spielverlauf endet vieles im ständigen sammeln vom Blut der Gegner um sich mit den eigenen Blut-Fähigkeiten zu heilen oder starke Angriffe zu verteilen. Es ist wirklich eine sehr gelungene Anspielung auf die erwähnten Spiele, aber geht weitaus weniger ins Detail wenn es um Bewegungsabläufe und Vielfalt von Ausrüstungen geht.

PS4 Pro Vampyr Screenshot

Ähnlich wie beim Regain-System von Bloodborne, wird man hier ständig dazu gezwungen den Gegner zu stunen um an sein Blut zu kommen und die eigenen Fähigkeiten zu reaktivieren. Kombiniert mit den diversen Fern und Nahkampfwaffen liefert Vampyr ein wirklich solides Gameplay was sowohl Souls Fans als auch Neueinsteiger zusagen wird. Die diversen Boss Kämpfe fühlen sich bis auf wenige Ausnahmen am Anfang vom Spiel wirklich sehr abwechlungsreich an und bieten bis zum Schluss einen guten Grad an Herausforderung. Der kompakte Skilltree erlaubt hier einen Fokus auf Blut-Fähigkeiten oder auch das generelle steigern der eigenen Ausdauer/Lebensenergie.

Ladezeiten und fehlende Schnellreise

Die einzelnen Bezirke hat man zwar sehr klein und aufs wesentliche reduziert gehalten, aber ein Schnellreise-System wäre dann doch etwas angenehm gewesen. Gerade wenn man mehrere Hundert Meter durch die Stadt sprinten muss und auf mehrere Gegner Gruppen trifft, kann sich das Quests absolvieren für storylastigen Spielern als sehr mühsam gestalten. Zusätzlich gibt es vermehrte Ladescreens wenn es in neue Bezirke, Häuser oder Gegenden geht, was hin und wieder leicht nervtötend sein kann, aber sicherlich technisch lösbar ist. Etwas enttäuschend ist auch das fehlen von einem New Game+ Modus. Man wird am Ende des Spiels wenig vorgewarnt, dass es dann doch sehr bald zu Ende geht und muss dann doch mit einem neuen Spiel von Anfang an Leben. Gerade bei einem so umfangreichen RPG wäre der Modus ideal gewesen um alle versteckten Dialoge und Gegenstände freizuschalten.

Vampyr Ladescreen PS4 Pro

Vampyr ist ab sofort für PlayStation 4, Xbox One und PC erhältlich.

Fazit

Vampyr übertrifft deutlich alle Erwartungen und liefert ein packendes Vampir-Abenteuer mit viel Storytiefgang und einem Gameplay was sich vieles gekonnt von Bloodborne abgeschaut hat. Bis auf etwas störende Ladezeiten und einer fehlenden Schnellreise-Funktion bietet der Titel alles was man von einem guten Action-RPG erwarten würde. Vor allem die weitreichende Vernetzung der einzelnen NPCs bietet Unmengen an zusätzlichen Spielzeit und möglichen Aufgaben zum entdecken.

Positiv

+ Großartiges Setting

+ Packende Geschichte mit viel Tiefgang

+ Umfangreiche Dialog Optionen und daraus resultierende Konsequenzen

+ Forderndes Gameplay

Negativ

– Ungewöhnlich viele und lange Ladezeiten

– Fehlende Schnellreise/New Game+

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Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer