VA-11 HALL-A PS4 Review – Ein Cocktail aus Cyberpunk und Hochprozentigem

VA-11 HALL-A (auch Valhalla) – A Cyberpunk Bartender Action ist der volle Titel des Visual Novels, welches seinen Weg nun auch auf die PlayStation 4 gefunden hat – und der Name ist Programm! Als weiblicher Barkeeper namens Jill in der titelgebenden Absteige besteht euer Job darin, den Kunden die gewünschten Drinks zu mixen und euch mit ihnen zu unterhalten. Das zugrunde liegende Science Fiction – Setting lässt natürlich schon darauf schließen, dass es sich hierbei um keine durchschnittlichen Kunden handelt.

Kommt ein Lilim in eine Bar…

Das Herzstück eines jeden modernen Text-Adventures sind die Charaktere, die darin vorkommen und genau hier weiß VA-11 HALL-A zu glänzen: Vom despotischen Nachrichtenchef über die White Knight, den Einsatztrupp von Glitch City, bis zu den attraktiv gebauten Androiden, genannt Lilim, finden sich alle am Tresen eurer Bar wieder. Gerade die Lilim erweisen sich als äußerst interessante Gesprächspartner: Eine ist aufgrund ist ihrer Popularität zur Pop-Ikone geworden, eine andere kann durch ihres extrem jungen Aussehens als Prostituierte ihr Geld verdienen.

Dorothy sieht unschuldig aus, aber sobald sie den Mund aufmacht…

Während ihr fast ausschließlich in der Bar verharrt, bilden die Gespräche mit den NPCs einen Weg mehr über die Außenwelt zu erfahren. Ob es um Hackerangriffe oder Banküberfälle geht, ihr merkt bald das in Glitch City mehr als nur ein paar kleine Logistikprobleme bestehen. Jill’s Wohnung dient nicht nur als Unterbrechung zwischen den Schichten, sondern bietet auch die Möglichkeit über das Smartphone auf aktuelle Nachrichten, den Blog einer Sängerin und eine Reddit-ähnliche Plattform, über welche man sich die Diskussionen anderer Nutzer ansehen kann (die mitunter so sinnfrei wie die im Vorbild werden können).

Jill liest die Klatsch-Spalte der Online-Zeitung „The Augmented Eye“.

Die Story wird hauptsächlich nüchtern erzählt, erfährt aber oft Auflockerung durch infantile oder absurde Witze – so ist Dana, die Chefin des Lokals, ein ehemaliger Wrestler, die mit ihrem Kopf gerne in unterschiedlichen Dingen feststecken bleibt. Ein weiteres Beispiel wäre der Shiba mit Sonnenbrille und Hawaiihemd, der später als Teilzeitkollege eingestellt wird.

Der Kunde ist König… und ein Hund.

„Auf Eis und mit viel Karmotrine!“

Bezüglich Gameplay bietet VA-11 HALL-A weniger Optionen: Interaktionen, die neben dem Lesen von Text geboten werden, beziehen sich zu 90% auf das Mixen von Cocktails. Manche Kunden haben eine klare Vorstellungen von dem Drink, den sie möchten, andere lassen mehr Spielraum, indem sie nur die Geschmacksrichtung ihrere Wunschgetränks diktieren.

Manche Bestellungen wirken eher wie Rätsel.

Je nachdem wieviele Cocktails man an den Mann bringen konnte (und seltsamerweise zählt Bier auch zu den Mischgetränken), wie teuer sie waren und ob der Arbeitstag reibungslos oder mit Fehlern verlaufen ist, entscheidet am Ende über das Gehalt. Wer mehr als drei Drinks hintereinander falsch mixt, wird gekündigt; geht also Game Over.

War der Kunde unzufrieden, schlägt sich das in der Bezahlung aus.

Mit dem verdienten Geld lassen sich dann unterschiedliche Sachen für die Wohung der Protagonistin Jill kaufen: Zwischen einer alten Spielekonsole (die wirklich ein eigenes Minispiel enthält), Tapeten, Teppiche und Poster muss man vor allem darauf achten, was Jill sich wünscht. Fast jeden Abend hat sie ein spezielles Verlangen für einen gewissen Gegenstand, sollte dieser nicht erworben werden, ist Jill am nächsten Tag unkonzentriert und vergisst die Bestellungen der Kunden.

Fazit

VA-11 HALL-AA Cyberpunk Bartender Action hält, was es verspricht: Als Barkeeper mit den Besuchern Unterhaltungen führen (und nebenbei mehr über den SciFi-Welt zu erfahren) und jede Menge Cocktails mixen, sind die beiden Hauptanreize des Titels. Wer sich mehr Interaktion bezüglich Gameplay erwartet, wird enttäuscht werden: Abwechslungen wie eine Runde Wahrheit oder Pflicht mit Stammkunden und den Kollegen sind rar gesät und das ständige Zusammenstellen der Drinks aus den selben Zutaten ermüdet einen bald. Wer sich von VA-11 HALL-A jedoch einfach nur interessante Figuren und einen hintergründigen Plot verspricht, wird vollauf zufrieden sein.

Positiv

+ erinnerungswürdige NPCs, die mit ganz eigener Persönlichkeit auftreten

+ gelungenes Worldbuilding

Negativ

– repetives Gameplay nutzt sich schnell ab

– zu wenig Abwechslung

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger