Ugandan Knuckles erobert den VR Chat – Segen oder Fluch für Sega?

Es gibt wohl kein Unternehmen, das sich nicht kostenlose Werbung für seine Produkte wünscht. Insbesondere Sega musste in den letzten Jahren immer wieder hart einstecken: Spiele sind zum Teil unfertig, Bugs an allen Ecken und Enden oder haben einfach nur schlechtes Gameplay und Story vorzuweisen. Manchmal sogar alles zusammen. Sonic ist Sega´s Zugpferd, es ist also kein Wunder, dass Sege es trotz allem wieder und wieder mit ihm probiert. 2017 wurde jemandem aus der Fan-Community angeboten ein kommerzielles Sonic-Spiel programmieren, Sonic Mania, weil Sega selbst nur finanzielle Fehlschläge produzieren konnte. Niemand würde sich als mehr freuen als Sega, wenn ein bisschen kostenlose Werbung mit den Sonic-Charakteren gemacht werden würde. Auch wenn es nur ein Nebencharakter wie Knuckles ist.

Unter den Neuinterpretationen ist Uganda Knuckles nur die zweitschlechteste…

Der VR Chat (über Steam zugänglich) ist eine Plattform, genau wie man sie sich vorstellt: Überdrehte Charaktere, sinnlose Dialoge, der popkulturellen Wahnsinn überzogen mit schrillen 3D-Modellen. Ein Treffpunkt für alle, die gerade nichts besseres zu tun haben – Sinn oder Ziel gibt´s nicht. Avatare werden von Usern selbst erstellt und für andere nutzbar gemacht. Einer dieser Avatare ist Knuckles, einer von Sonic´s Sidekicks in verschiedenen Spielen. Wobei dieser Knuckles sein Aussehen aus einer verzerrten Zeichnung zu einem Review von Sonic Lost World erhalten hat. Wir präsentieren: Ugandan Knuckles

Personen, die Ugandan Knuckles als Avatar nutzen, rotten sich zu einer großen Gruppe zusammen, rennen durch die Chatrooms und fragen andere nach dem Weg mit absichtlich schlechtem, afrikanischen Akzent. Wenn sie ein leicht bekleidetes Anime-Girl finden (von denen es natürlich genügend gibt),wird gefragt, ob sie ihre Königin ist und schnalzen dann mit der Zunge zum Applaus (als Anlehnung für afrikanischen Stämme, welche sich so verständigen). Außenstehende, die ihrem Zorn zum Opfer fallen, werden bespuckt, also mit Spuckgeräuschen geschmäht. Das ganze ist natürlich komisch anzusehen, auch wenn man den rassistischen Unterton vielleicht nicht außer Acht lassen sollte. Hier ein kleines Video für Einsteiger, die sich selbst ein Bild machen wollen:

Knuckles´ Popularität befindet sich durch seine „Uganda-Version“ gerade auf einem Höheflug und ein Ende ist noch nicht absehbar. Aber wie kann Sega von dieser Situation profiteren? Die Antwort lautet: gar nicht. Knuckles steht erstens nicht in der vordesten Reihe der Sonic-Figuren, er kommt erst nach Sonic, Eggman, Tails und Shadow, und zweitens kann Sega kein ernsthaftes Spiel auf einem Charakter aufbauen, der momentan so überzogen dargestellt wird. Obwohl ja schon eine Petition für Ugandan Knuckles gestartet wurde, die ihn in den Sonic-Kanon einführen soll. Und ganz ehrlich: Schlimmer als Sonic The Hedgehog für PlayStation 3 und Xbox 360 kann es im Prinzip gar nicht mehr werden.

 

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger

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