The Sinking City Review – Cthulhu-Horror mit Sherlock Holmes DNA in düsterer Open World Atmosphäre

Nachdem wir letztes Jahr gegen Halloween mit Call of Cthulhu in die tentakelhaltige Welt von H.P. Lovecraft eintauchen durften, bietet uns Publisher BigBen mit The Sinking City nicht nur ein ähnlich düstere Atmosphäre sondern auch eine gesamte Stadt namens Oakmont zum freien Erkunden in der Third Person Perspektive. Das bei solch einen ambitionierten Projekt nicht alles so reibungslos läuft wie vielleicht gewünscht, und was genau schiefgegangen ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Willkommen in Oakmont – Einwohnerzahl unbekannt, überwiegend Monster

Charles Reed ist ehemaliges Navy-Mitglied und jetzt als Privatermittler tätig und um den Alpträumen, die ihn seit Kurzem plagen, auf den Grund zu gehen, begibt er sich per Schiff in eine eigentlich unerreichbare Stadt – Oakmont – die aus sieben Distrikten besteht. Mit stetigen Spielverlauf gibt erreicht man auch immer mehr Gebiete der Stadt, die übrigens auch über ein Schnellreisesystem bequem erreichbar sind. Doch nicht alle Gegenden sind so sicher wie die vielgenutzten Hauptstraßen, immer wieder stößt man auf befallene Gebiete, in denen die sogenannten Wyldebestien auftauchen – gefährliche Lovecraft-Monster, die man besser schnell über den Haufen schießt oder mit der Schaufel unschädlich macht.

Diese fünfbeinigen Kreaturen sind noch eher harmlos im Gegensatz zu den anderen Gestalten

Wie in jedem Open World Adventure kann auch hier jeder der Lust hat, über Side-Quests mehr Geheimnisse aufdecken, als das die Hauptquest-Line zu bieten hat und sich so nebenbei noch eine Stange Materialien zum Tausch (es gibt keine Währungseinheit in Oakmont) und alternative Outfits verdienen. Im Mittelpunkt stehen aber die faszinierende Charaktere und ihr Verhältnis zueinander: Reichere Familien teilen die Stadt unter sich auf, Sektenmitglieder streifen mit bemalten Gesichtern durch die Straßen und ganz unter in der Rangordnung stehen die Innsmouther – Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft schon fast aussehen wie humanoide Fische.

Die immigrierten Bewohner aus Innsmouth sind Opfer eines vorherrschenden Rassismus.

Rekonstruktion des Tathergangs, Kombinieren von Beweisen und vor allem: Nicht wahnsinnig werden

Entwicklerstudio Frogware hat sich seit der Gründung fast ausschließlich mit Sherlock Holmes Titeln beschäftigt und das merkt man in The Sinking City auch: Nachdem ein neuer Ort von Interesse gefunden wurde, gilt es meist erst die dort nistenden Wyldebestien zu beseitigen und danach auf Spurensuche zu gehen. Sobald alle Hinweise gefunden wurden, kommt es zu Rekonstruktion der Dinge, die dort geschahen. Diese Squenzen werden mit weißen Schemen dargestellt verstreut über das Gebiet dargestellt.

Eine Saufgelage auf hoher See mit verhängnisvollen Folgen

Es ist nun am Spieler die unterschiedlichen Ereignisse eines Tatorts in die chronologisch richtige Reihenfolge zu bringen. Sobald die richtige erkannt worden ist, erhält man eine wichtige Erkenntnis. Zum Beispiel hat im oben abgebildeten Fall nur einer der Seemänner mit einer Schulterverletzung überlebt, diesen gilt es nun in Oakmont zu finden. Wir steuern das Krankenhaus an und sehen dort in den Akten nach, ähnliche Nachschlagewerke gibt es auch bei der Polizei und bei der Zeitung.

Jedes Archiv bietet vier Suchsparten an – in diesem Fall Zeitraum, Personengruppe, Rubrik und Bezirk.

Aus vier Kritierien müssen drei für den Fall passende ausgesucht werden, daher wählen wir bei Person Patient, bei Bezik das Hafenviertel und bei Grund für Aufenthalt Behandlung (der Schulter). Die richtige Kombination schaltet einen Hinweis im Untermenü ‚Gedankenspiele‘ frei, der wiederum selbst mit anderen Hinweisen verbunden wird, und schließlich den Fall zum Abschluß bringt. Nun winken neben einer Menge an Verbrauchsgegenständen und Materialien zur Belohnung auch Erfahrungspunkte, die im Fähigkeitenbaum ausgegeben werden können.

Die Fähigkeiten verraten bereits einige der großkalibrigen Waffen später im Spiel.

Wer sich jetzt schnell jeden Winkel der verderbten Stadt erkunden will, sollte sich vorsehen: Neben Gesundheit besitzt Charles Reed auch noch eine Leiste für sein geistiges Wohlbefinden – sollte man zuviele Leichen oder Wyldebiester sehen, falsche Entscheidungen treffen oder ganz grundlos auf friedliche NPCs schießen, wird man die Leiste ganz schnell auf null – also absoluten Wahnsinn – sinken sehen. Auch dann ist das Abenteuer ganz schnell vorbei!

Grüne Tentakle tief unter Wasser machen Charles psychisch schwer zu schaffen, erkennbar an der blauen Leiste links unten im Bild.

Fazit

Die gesamte Spielewelt von The Sinking City überzeugt mit einer Atmosphäre, die in jeder Faser den Namen Lovecraft trägt, die Einwohner überzeugen mit ihren vielschichtigen Persönlichkeiten und das Bereisen von Oatmont macht Lust darauf, jeden Stein in der Stadt einzeln auf dreckige Geheimnisse umzudrehen. Leider endet damit auch schon das Lob, das man dem Titel aussprechen kann: Zu viele offensichtliche Glitches und eine überholte Grafik zeugen von einer minderen Qualität, zudem ist die deutsche Synchronisation eher lächerlich als dem Spiel zuträglich. Für die Standards von 2009 wäre The Sinking City ein mehr als solider Titel gewesen, zehn Jahre später ist er bestenfalls noch ein wenig über Durchschnitt.

Positiv:

+ überzeugende Lovecraft Atmosphäre mit dreidimensionalen Figuren

+ Open World Umgebung mit einem Blick fürs Detail

+ origineller Handlungsbogen mit Entscheidungsfreiheiten

Negativ:

– Gesichtsanimationen auf frühem PlayStation 3 – Niveau

– deutsche Synchronistation unwillentlich lustig

– ständige Glitches stören Spielfluss

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger