Surviving Mars Review – Eine Geduldsprobe mit Tiefgang

Seit geraumer Zeit versucht sich die Menschheit an der Erkundung des Mars sowohl für den ersten bemannten Flug, aber auch für die Besiedlung in einer (doch noch sehr fernen) Zukunft. Das bulgarische Entwicklerstudio Haemimont Games, welches vor allem durch die Tropico Serie an Bekanntheit zugelegt hat möchte zusammen mit dem Publisher Paradox Interactive in Partnerschaft mit Koch Media den Aufbaustrategen unter uns den Traum einer eigenen Besiedlung des Mars in Form von Surviving Mars, welches seit dem 15.03. erhältlich ist, spendieren. Erfährt in unserem Review, wie sich der Titel geschlagen hat.

Vom Hundertsten ins Tausendste

Das Spielprinzip von Surviving Mars ist rein oberflächlich betrachtet am ehesten mit Sim City, Cities: Skylines und die Siedler vergleichbar: Ziel ist es mittels eines unbemannten Schiffs und diverser Drohnen eine Infrastruktur sowie ein Ökosystem zu errichten, damit in weiterer Folge Kolonisten von der Erde zum Mars transferiert werden können. Im Anschluss daran gilt es ein Sozialsystem samt Nachwuchs und diversen Arbeiterzünften aufzubauen, damit in weiterer Folge die Wirtschaft und die Expansion am Mars voranschreiten kann und die Leute nicht scharrenweise aufgrund schlechter Bedingungen One-Way-Tickets zurück zur Erde buchen.

Doch bevor ihr auf den roten Planeten landen könnt müsst ihr euch für einen Geldgeber sowie eure eigene Expertise, welche bestimmte Boni für Ressourcen, Forschung oder die Population mit sich bringt, entscheiden. Im Anschluss daran könnt ihr noch einen bestimmten Storypfad wählen, um eine (sehr lose) rote Linie zu eurem Ziel zu erhalten. Zu guter Letzt müsst ihr euch noch einen Landeplatz mit möglichst viel Ressourcen, welche im Spiel in Beton, Wasser, Edelmetalle und Strom unterteilt sind und möglichst wenig Umweltkatastrophen wie Sandstürmen oder Meteoriteneinschlägen, aussuchen. Nun geht es los mit der Landung und das Abenteuer Marskolonie kann beginnen.

Auf dem Mars angekommen müsst ihr eure Drohnen ausschwärmen lassen um nach Anomalien, welche Ressourcen oder neue Optionen für die verschiedenen Forschungszweige freischalten, zu suchen und Gebäude zu errichten. Es reicht jedoch nicht nur einfach einen Extraktor aufzustellen, womit die eigentliche Komplexität von Surviving Mars beginnt: Wie im echten Leben müsst ihr eben auch einen Stromgenerator errichten und diesen mittels Stromkabeln zu den Extraktoren verbinden. Damit eure Extraktoren nicht überlaufen sind auch noch zusätzliche Silos sowie weitere Scans der Oberfläche notwendig, um so neue Ressourcenfelder freizuschalten und eure Kolonie ausbauen zu können. Nach etwas mehr als einer Stunde beginnt dann nun der noch komplexere Teil des Spiels, nämlich die Besiedelung.

Für die Behausung der Kolonisten sind Kuppeln mit speziellen Einrichtungen erforderlich, da jeder Kolonist einer bestimmten Arbeitszunft entspringt: So macht es wenig Sinn Wissenschaftlicher mit Ingenieuren in einer Kuppel, welche nur aus Hydrogärten und Feuchtfarmen besteht unterzubringen. Die Kolonisten haben natürlich auch den Wunsch nach einem sozialen Leben und einer Familie und so sind dann Kuppeln mit sozialen Etablissements wie Bars und Nachtclubs sowie Wohnanlagen notwendig. Hier ist also die Work-Life Balance und das soziale Umfeld essenziell, da eure Kolonisten sonst an psychischen Erkrankungen wie Depressionen leiden, Suchtkrankheiten wie dem Alkoholismus zum Opfer fallen oder Heimweh bekommen und zurück nach Mutter Erde flüchten.

Anhand dieser Beschreibung könnt ihr euch ungefähr ein Bild machen, mit welch enormen Detailgrad in Sachen Mikromanagement Surviving Mars aufwarten kann. Speziell Gewohnheitstiere müssen oft umdenken und umkalkulieren, da nicht gerade selten unerwartete Katastrophen eintreten, bei denen allerdings (böse ausgedrückt) der Verlust menschlicher Opfer noch das geringste beziehungsweise kurzfristigste aller Probleme darstellt.

Nichts für Ungeduldige

Angesichts des tiefsinnigen Gameplays könnte man glauben, dass Surviving Mars einen zumindestens Anfangs an die Hand nimmt und in die doch recht komplexe Materie des Mikromanagements einführt, doch dies ist nicht der Fall: Ihr werdet mehr oder weniger in das kalte Wasser geschmissen, da mit Ausnahme von Basics wie der Steuerung und einigen bestimmten Punkten hinsichtlich der Benutzeroberfläche nichts erklärt wird. Surviving Mars verlangt von euch ab Minute Eins Risikobereitschaft sowie Experimentierfreudigkeit und nur wer die Geduld mitbringt sich durch sämtliche Baumenüs zu schlagen, einigermaßen sinnvoll seine Architekturen errichtet und penibel das Ökosystem pflegt wird langfristig Erfolg und vor allem auch Spaß auf unserem roten Nachbarplaneten haben.

Glücklicherweise ist die Benutzeroberfläche nur Anfangs etwas verwirrend und mit etwas Übung werdet ihr vor allem auch auf einem Gamepad recht gut mit der Steuerung klarkommen. Einzig die Bewegungssteuerung für eure Rover Erkundungsfahrzeuge und das generell Erteilen von Einzelbefehlen wirkt sperrig und nicht ganz zeitgemäß. Insgesamt hat Haemimont bei der Steuerung aber sehr gute Arbeit geleistet und wir hatten nach kurzer Zeit auf unserer PS4 keine Probleme mehr.

Abseits des besagten Gameplays gibt es nicht viel zum Tun: weder werdet ihr Aliens noch eine furchtbar komplexe Story erleben. Diese läuft über Textboxen ab, ist absolut nebensächlich und dient wie Anfangs erwähnt nur als roter Faden für den Spielfortschritt. In Anbetracht des Szenarios und des Humors der Tropico-Macher hätte man hier aber definitiv mehr herausholen können.

Play-Doh Optik trifft auf generischen Synthwave

In der Technikabteilung verhält sich Surviving Mars unauffällig und schlicht: Die roten Marsoberflächen sind zwar durchaus nett anzusehen, allerdings haben die Kolonien und ihr Treiben einen leichten Plastilin Look, der im Kontrast zum Planet selbst das ganze (doch sehr ernste und realistische) Geschehen wieder unrealistisch wirken lässt.

Ebenfalls sehr zweckmäßig gehalten ist der Sound: Dieser bietet Sci-Fi Synthwave Standardkost und ist eher eine Randerscheinung. Zwar ist eine wuchtige Beschallung definitiv kein Maßstab für ein gutes Aufbaustrategiespiel, aber es hätte eben auch ein bisschen mehr sein können.

Insgesamt ist Surviving Mars ein ungeschliffener Juwel: Setting, Spielmechanik, der enorme Tiefgang in Sachen Mikromanagement und die Hektik im Ökosystem sind vor allem für Hardcore Aufbaustrategen ein Genuss und werden euch viel Hirnschmalz abverlangen. Anfänger und Non-Hardcorefans des Genres wird die Abwesenheit eines Tutorials sowie die fehlende Abwechslung abseits der Aufbaustrategie wohl eher abschrecken. Wir raten aber dennoch den mutigen und experimentierfreudigen Zockern unter euch unbedingt einen Blick auf Surviving Mars zu werfen, denn mit etwas mehr Abwechslung und Hilfestellung wäre aus einem guten Spiel womöglich sogar ein Titel mit Hitpotenzial geworden.

Fazit

Surviving Mars ist ein gelungenes Aufbaustrategiespiel mit einem interessanten Setting und einem gutem Gameplay, dass sich durch das Fehlen von Tutorials und der Abwechslung abseits der Hauptmission den Weg zu Hitsphären selbst verbaut. Fans des Genres und Freunde von hochkomplexem Mikromanagement werden aber voll auf ihre Kosten kommen.

Positiv

+ Interessantes Szenario

+ Gute Steuerung

+ Tiefsinniges und anspruchsvolles Gameplay

+ Logisch angeordnete Benutzeroberfläche

+ Solide Steuerung mittels Gamepad

Negativ

– Wenig einsteigerfreundlich

– Keine Abwechslung abseits des Kern Spielprinzips

– Grafik und Sound sehr zweckmäßig

– Sperrige und altbackene Einheitenverwaltung

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Written by: Patrice Naderi

Multikonsolero, Film- und Seriennerd aus Leidenschaft, Technikjunkie, Comicsammler, Sportfan und Müslivernichtungsmaschinerie.

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