Super Mario 3D All-Stars – Nintendo und seine fragwürdige Methode künstliche Knappheit zu schaffen

Wer den letzten Nintendo Direct zu Ehren von Marios 35 jährigen Bestehen mitverfolgt hat, dem wird etwas sehr Pikantes aufgefallen sein: Die Phrase „Limitiertes Angebot“ fällt einige Male, und nicht nur im Bezug auf Hardware wie den goldenen Handheld Game & Watch: Super Mario Bros. (ab 13. November erhältlich) oder das Nintendo-Switch-Online exklusive Super Mario Bros. 35, welches nur von 01.10.20 bis 31.03.21 gespielt werden kann, sondern trifft auch auf das verlockendste Angebot der Nintendo Direct zu: Super Mario 3D All-Stars ist ein Bundle aus drei Super-Mario-Klassikern und wird nur begrenzt angeboten!

Doch in diesem Fall sollte es doch den Online Store geben, über den Spieletitel in unbegrenzter Stückzahl angeboten werden können? Falsch gedacht, denn Super Mario 3D All-Stars wird nur bis März 2021 zum Kauf verfügbar sein, danach wird das Angebot vom Store genommen. Wieso tut Nintendo das? Es ist einfaches Prinzip von Angebot und Nachfrage – sobald das Angebot sehr klein gehalten wird und die entsprechend hohe Nachfrage nicht decken kann, steigt die Nachfrage auf das begrenzte Kontingent ins schier Unermessliche. Wenn man einen Blick auf die Marketing-Geschichte Nintendos wirft, kann man erkennen, dass dies keinesfalls das erste Mal ist, das Big N eine künstliche Knappheit erzeugt.

Die NES Classic und SNES Classic sind zwei gut dokumentierte Instanzen solcher Verknappung – physische Retrokonsolen, die zum Verkaufsstart bereits überall ausverkauft waren, und nur noch über das Web von geldgierigen Menschen zu wahnwitzigen Preisen erstanden werden konnten. Ähnliches trifft auch auf so manche Amiibo-Figur zu – eine kleine Figur aus Plastik, die alles andere als schwer herzustellen sein sollte. Knappheit gab es nicht nur bei Retro-Konsolen: Wer bei dem Launch der Wii dabei war, wird sich vielleicht erinnern, dass es immer wieder Phasen gab, in denen es schwierig war, eine der Konsolen zu erhalten.

Die Gründe hinter diesen verschlagenen Machenschaften sind klar: Nintendo möchte einen möglichst großen Hype auf seine Produkte erzeugen, die potentiellen Käufer denken lassen, sie würden den einmaligen Deal ihres Lebens verpassen, wenn sie nicht sofort zuschlagen oder vorbestellen. Nintendo befindet sich für diese Strategie in einer fantastischen Position, den im Gegensatz zu PS4, Xbox One und PC können Titel nicht über ein anderes Portal bezogen werden – es läuft stets über Nintendo selbst – einem Unternehmen, das seine Fans lieber panisch in Elektronikfachgeschäfte laufen lässt, anstatt auch nur das geringste Risiko einzugehen, an Markenwert zu verlieren.

In solchen Fällen erscheint dann von offizieller Seite ein Kommentar, in etwa dass „die Nachfrage unterschätzt wurde“ oder „es Probleme bei Lieferung und Transport gibt“, doch wie inkompetent muss man als traditionsreicher Videospielhersteller sein, um den Start diverser begehrter Produkte regelmäßig in den Sand zu setzen? Mit Super Mario 3D All-Stars gibt es nun keine Entschuldigung mehr! Hier wird klar, dass Nintendo aktiv diesen Kurs fährt, indem sie die digitalen Versionen des Spiels zeitlich begrenzen – keine angeblichen Missverständnisse oder Fehlkalkulationen mehr, Nintendo strebt ganz offensichtlich die künstliche Knappheit an, um den eigenen Wert zu steigern.

Die Gamer-Community prügelt gerne auf Electronic Arts, Ubisoft oder Activison ein, da ihnen „Live Service Games“, Season Pässe und Mikrotransaktionen verhasst sind, und Nintendo scheint fein raus, da es an diesen Methoden nur sehr begrenzt teilnimmt. Doch dafür fährt Big N ganz andere Geschütze auf, die von minimalistischen Rabatten im eigenen Store bis eben zur „manufactured scarcity“ reichen, um Verkaufspreise weit oben zu halten und die Marke zu schützen. Die logischen Folgen sind Scalper die horrende Preise für diese Produkte verlangen und so mancher Nintendo-Fan, der zwangsläufig leer ausgeht, weil er schlicht nicht schnell genug war oder nicht irre hohe Summen für ein Spiel ausgeben kann, das er eigentlich wirklich gerne gezockt hätte.

Viele von uns kennen Nintendo aus unserer Kindheit: Die ersten Videospielerfahrungen am Game Boy oder Nintendo 64 oder der ungebrochene Zauber hinter Titeln wie Super Mario, Zelda und Pokémon lassen unseren Blick auf den japanischen Konzern verklären – doch hinterhältige Taktiken wie eben diese Verknappung zeigen, dass Nintendo keinesfalls der Saubermann ist, für den er sich gerne ausgibt. Das Unternehmen kontrolliert seine Werke in Alleinherrschaft und melkt sie und den Endnutzer so gut wie möglich aus.

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger