Stranger Things 3 Review (spoilerfrei!) – Die Mischung machts

Als Netflix 2016 die erste Staffel von Stranger Things veröffentlichte, konnte die Serie der Zwillinge Matt und Ross Duffer just viele Herzen von Serien- und Filmnerds erobern: Zugegeben bat die Serie kaum neue und eigene Ansätze, konnte aber dank eines authentischem und knallbunten 80er Settings, tollen Schauspielern, dem Genremix aus Science Fiction, Mystery und ein klein wenig Horror sowie viel zwischenmenschlichen Momenten auf ganzer Linie überzeugen und setzte ihr Konzept 2017 mit Stranger Things 2 erfolgreich fort. Nun ist am 4. Juli mit Staffel 3 quasi der Startschuss für die zweite Hälfte der Serie, deren Handlungsrahmen von Beginn auf vier Staffeln festgelegt wurde, gefallen und lädt wieder zu einer Bingewatch-Session par Exellencè ein. Erfährt in unserem Review, warum sich am Konzept auch in Staffel 3 nicht viel geändert hat, die Duffer-Brüder aber in Sachen Effekte, Flashback-Memories und zwischenmenschlichen Entwicklungen noch eins draufgelegt haben.

*ACHTUNG: Dieses Review ist zu 100% spoilerfrei und schildert allgemeine Eindrücke der Staffel. Lediglich der folgende Absatz liefert einen kurzen Einblick in die Rahmenhandlung.*

Alles beim alten, nur eben ein bisschen mehr davon

Sommer 1985: Der 4.Juli, seines Zeichens der amerikanische Unabhängigkeitstag, steht bevor und in der Kleinstadt Hawkins im Bundestaat Indiana ist nach den Vorfällen der letzten Jahre, welche offiziell als Chemieunfall und Umweltkatastrophe vor der Öffentlichkeit geheim gehalten worden, eine gewisse Ruhe eingekehrt. Zwar gingen mit der Eröffnung des neuen Einkaufszentrums Starcourt viele Arbeitsplätze verloren, aber die Stadt hat seitdem keine Probleme mehr erlebt und unsere jungen Helden genießen ihre ersten Erfahrungen in Sachen Liebe: Eleven und Mike schweben auf Wolke Sieben, Max und Lucas genießen ebenfalls ihr Liebesglück und bei der Familie Byers ist auch nach vielen Verlusten und schweren Kämpfen um Will, der dem Mind Flayer in Staffel 2 als Spion und Wirt dienen musste, wieder der Alltag eingekehrt. Doch es soll nicht lange bei der friedlichen Idylle bleiben, denn ein Jahr zuvor versuchten sowjetische Wissenschaftler das geschlossene Tor zur Parallelwelt, auch bekannt als „Upside-Down“, wieder zu öffnen und ermöglichten es trotz eines Fehlschlags dem Mind Flayer, welcher auf unserer Welt formlos und Exil verweilte, genug Kraft zu sammeln, um sich einen neuen Wirten zu suchen. So liegt es nun erneut an Eleven und den Kids sowie ihren Unterstützern in Form von Jim Hopper, Joyce Byers und Co. die Welt zu retten.

Von links nach rechts: Will, Lucas, Eleven, Mike, Max, Jonathan und Nancy

Das Unheil aus einer anderen Welt gepaart mit einer Regierungverschwörung ist als auch dieses Mal wieder zentraler Bestandteil und eigentlich könnte man jetzt meinen, dass sich in den 8 Folgen ein gewisser Abnutzungseffekt breitmacht, doch glücklicherweise kann auch hier wieder das Gesamtpaket überzeugen: Die verschiedenen Handlungsbögen sind zwar (mit Ausnahme eines sehr überraschenden und traurigen Plottwists im Verlauf) vorhersehbar, aber logisch aufgebaut und in sich schön abgeschlossen. Anders als bestimmte Serien, die durch ein plötzliches radikales Abhandeln von zwischenmenschlichen Momenten aufgefallen sind, stimmt hier der Anteil dieser Momente. Zusätzlich verleihen die gelungenen Darbietungen der Schauspieler wieder die gewohnte Verbundenheit zu den Charakteren und der Humor wurde dieses Mal ordentlich angeschraubt und wirkt richtig platziert. Vom ehrlichen Offenbarung von Gefühlen für den anderen bis hin zu den Momenten, wo die jungen Charaktere merken, dass das Leben abseits der Idylle doch manchmal sehr schwer sein kann und durch aufbauende Worte gestärkt werden, ihren Idealen stets zu folgen, kann die Serie auch im dritten Anlauf wieder unser Herz erobern.

Ebenfalls ein Highlight: Jim Hopper und Joyce Byers (beide durch hervorragend dargestellt durch David Harbour und Wynona Ryder)

In Sachen Charaktere haben wir es also wieder mit dem höchstem Niveau zum Tun, aber interessanterweise schaffen es erneut die Nebencharaktere wie schon in der zweiten Staffel durch mehr Dynamik und eine eben noch bessere Chemie aufzufallen und laufen in Sachen Spaßfaktor den Hauptakteuren den Rang ab: Das bereits aus Stranger Things 2 bekannte und Traum Duo Dustin und Steve werden um die rotzfreche, aber unglaublich witzige Schwester von Lucas, Erika, sowie die schlaue und sprachtalentierte Robin ergänzt und sind einfach das Killerteam der Helden von Hawkins.

Wieder das Highlight der Serie: Team Steve/Dustin mit einem neuem Mitglied, Robin

In Sachen Video und Audio werdet ihr wie schon zuvor mit einer hohen Qualität versorgt: Technisch bekommt ihr mit 1080P zwar nur ein Standardbild mit Full HD geliefert, könnt aber bei Besitz eines entsprechenden TV`s und Abonnements die Staffel in HDR, was die gesamte Szenerie farbentechnisch doch um einiges aufhübscht, genießen. Optisch folgen teils klassische Schnitte aus Filmen und Serien mit modernen Cuts für den Authentizitätsfaktor, der die Serie visuell zu einem Erlebnis macht. Die CGI Effekte sind ebenfalls gelungen und der Mind Flayer ist seiner neuen, fleischigen Form beeindruckend widerlich anzusehen. Auch beim Sound habt ihr natürlich 5.1 mit an Bord und bekommt einen guten Audiomix samt herrlichem Synthwave Soundtrack, welcher erneut aus der Feder von Kyle Dixon und Michael Stein stammt, geboten.

Auch hinter Billy steckt mehr als ein bösartiger Frauenheld

Zwei Kritikpunkte haben sich aber dennoch eingeschlichen: Zum Ersten wirkt die kunterbunte Welt der 80er einfach nur hübsch und lässt einen in Kindheitserinnerungen schwelgen, allerdings ist der Einsatz der Stilmittel mit fast schon fanatischer Liebe zum Detail in Form von originalgetreuen Product Placements vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu viel des Guten. Zum Zweiten ist der Ablauf fast eins zu eins der gleiche wie bei den letzten zwei Staffeln. Gewiss werdet ihr bestens unterhalten und das Pacing ist angenehm konstant, aber man kann hier eigentlich auch dasselbe von Staffel vier erwarten, was zwar wohl an Qualität kaum Einbußen mit sich bringen wird, aber ein Ende der Serie dann dennoch eine gute Sache wäre. Schließlich will man ja in guter Erinnerung behalten werden. Und das gelingt Stranger Things zumindestens auch mit Staffel 3 wieder.

Fazit

Auch in Staffel Drei ist Stranger Things ein knallbunter 80er Mix aus Science Fiction, Mystery sowie Horror und kann dank sehr guter Schauspieler, einem angenehmen Pacing und bezaubernder Optik, die an manchen Stellen etwas übertrieben wirkt, überzeugen. Zwar bekommt ihr nicht viel Neues geboten, aber die Mischung stimmt und Fans der Serie sollten in jedem Fall eine Session mit der neuen Staffel einlegen.

Positiv

+ gutes Pacing

+ sehr gute Schauspieler

+ herrliche Optik

+ famoser Soundtrack

+ insgesamt sehr gute Unterhaltung

+ Handlungsbögen verlaufen und schließen schön ab…

Negativ

– … sind aber sehr vorhersehbar

– wenig Neues

– an manchen Stellen zuviel Detailverliebtheit bei Product Placement

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Written by: Patrice Naderi

Multikonsolero, Film- und Seriennerd aus Leidenschaft, Technikjunkie, Comicsammler, Sportfan und Müslivernichtungsmaschinerie.