Star Wars Jedi: Fallen Order Review – Die Macht stark mit diesem Titel ist!

Star Wars: Knights of the Old Republic, Jedi Knight 2: Jedi Outcast und Star Wars: Battlefront II (natülich ist hier das Spiel von 2005 gemeint) sind nicht nur drei Beispiele für ausgezeichnete Star Wars – Lizenzspiele, sondern stellen drei zeitlose Klassiker dar, die ihr jeweiliges Genre bereichern. Man kann mit Star Wars also weit mehr machen, als nur die Fans zu bedienen und einen 08/15-Titel mit Lichtschwertern und Machtkräften zu veröffentlichen. Doch genau das war EA’s Ansatz als Lizenzinhaber bei den letzten beiden Iterationen von Battlefront I & II. Obendrauf noch der Lootbox-Skandal Ende letzten Jahres und das Disaster war perfekt. Mit Jedi: Fallen Order versucht sich jetzt Respawn an einem Singleplayer-Titel – ob es dem Entwickler gelingt an die Magie der alten Tage anzuknüpfen oder doch nur wieder eiskalte Geldmacherei dahintersteckt, erfahrt ihr bei uns im Test.

Gestatten, Cal Kestis – Schrottsammler und Ex-Jedi

Jeder der sich auch nur ein wenig mit Star Wars auskennt, dem ist die Order 66 ein Begriff: ein Befehl von Palpatine zur Auslöschung aller Jedi durch die Klontruppen, die Sekunden zuvor noch an ihrer Seite kämpften. Das zwingt alle übrig gebliebenen Jedi zu flüchten und sich in den verschiedenen Ecken des Universums zu verstecken., während das Imperium durch die sogenannten Inquisitoren unter Darth Vader nach ihnen sucht. Ihr schlüpft in die Rolle einer dieser Jedi, Cal Kestis, der sich sein Geld in der Zwischenzeit auf einem Friedhof für Sternenzerstörer auf Bracca verdient.

Die mächtigen Sternenzerstörer bringen bereits zu Beginn richtig Stimmung ins Spiel.

Als es allerdings zu einem Unfall kommt und Cal einen Freund mithilfe der Macht rettet, werden die Inquisitoren auf ihn aufmerksam. Die Zweite und die Neunte Schwester enttarnen den ehemaligen Jedi schließlich und Cal muss um sein Leben kämpfen. In der folgenden Auseinandersetzung zwischen ihm und der Zweiten Schwester unterliegt er jedoch und wird im letzten Moment von zwei ihm Unbekannten, Cere und Greez, mit einem Raumschiff aus der misslichen Lage befreit. Cere ist wie Cal eine Überlebende der Oder 66, gemeinsam reisen sie auf den Planeten Bogano, um nach den Spuren von Cere’s ehemaligen Jedi-Meister Eno Cordova zu suchen. Dort trifft Cal auch zum ersten Mal auf BD-1, den kleinen Droiden, der ihm ein treuer Begleiter wird.

Cal Kestis (dargestellt von Cameron Monaghan) mit seinem kleinen Freund BD-1.

Kurz darauf stellt Cal fest, dass Eno Cordova vor seinem Tod eine Liste mit machtsensitiven Kinder zusammengestellt hat, die das Potential besitzen zu Jedi ausgebildet zu werden. Doch um an diese Liste zu gelangen, muss Cal erst einen langen Test bestehen, der ihn über mehrere Planteten führt. Der Plan ist also klar: das Imperium bekämpfen, neue Machtkräfte erlernen und nach Hinweisen suchen, um ein neues Zeitalter der Jedi einzuleiten.

Nieder mit dem Imperium – bringen wir die AT-STs zu Fall!

Ein paar Teile Dark Souls, ein paar Teile Titanfall 2, verpackt in einem Metroidvania

Ein Star Wars – Titel ohne Lichtschwert wäre wie Bier ohne Hopfen – ziemlich witzlos. Und da das Lichtschwert eine Nahkampfwaffe ist, orientiert sich Respawn an dem momentan gängigen Kampfsystem für Close Combat in Spielen: der Soulsborne-Reihe. Ein wenig von den Besten abzugucken, da ist überhaupt nichts Verwerfliches dran, bedenkt man nur das auch einige andere Franchises wie Assassins Creed seit den letzten beiden Ablegern von FromSoftware-Titeln abkupfern. Für den Spieler bedeutet das auch, das sich die Gegner in Jedi: Fallen Order nicht so schnell unterkriegen lassen. Also lieber mal Abstand halten, warten bis der Kontrahent sich ausgetobt hat und dann im richtigen Moment zuschlagen und sofort wieder ausweichen. Wer zu ungeduldig wird, hat schnell den Gameover-Screen vor sich (in dem Entwickler Respawn lustigerweise auf sich selbst verweist).

Selbst gemeine Trooper können einem in größerer Anzahl schnell zum Verhängnis werden.

Ein Game Over bedeutet auch, dass man jegliche bereits erhaltenen Erfahrungspunkte verliert – diese können aber zurückerlangt werden, sobald man den siegreichen Widersacher beim nächsten Versuch mit einem Schlag trifft. Abseits der Kämpfe, legt der Entwickler auch Wert auf die Inklusion von Wandläufe, die bereits in einem früheren Titel von Respawn, Titanfall 2, sehr dominant vorzufinden waren. Ganz ähnlich mutet die Action auch bei den vielen Rutschpassagen an, in denen der Spieler Cal punktgenau springen lassen muss, damit er nicht runterfällt – gerade diese Abschnitte können in Kombination mit Schwingseilen etwas fummelig ausfallen.

Rutschen scheint ein wichtiger Bereich im Leben von Cal Kestis zu sein.

Aufgrund des Spieleaufbaus eines Metroidvanias ist es in Jedi: Fallen Order notwendig bereits besuchte Areale erneut aufzusuchen. Zum Beispiel ist es möglich, dass man sein Auftragsziel auf Kashyyk erfüllt, den Planteten später aber wieder besuchen muss, da man nun mit neu erlernten Fähigkeiten tiefer in die Bereiche vordringen kann. Bei diesen Fähigkeiten handelt es sich unter anderem um den vorhin erwähnten Wandlauf, den Machtschub, einen reparierten Scomp-Anschluss für BD-1 oder auch (ganz banal) einen Doppelsprung. Natürlich werden im Verlauf des Spiels auch andere Verbesserungen freigschalten, die bei Konfrontationen hilfreich sind – beispielsweise das doppelte Lichtschwert.

Darth Maul lässt grüßen!

Der Weg zur Macht (führt über einen Skilltree und kosmetische Anpassungen)

Wenn man von dem Lichtschwert absieht sind die Machtkräfte die wichtigste Waffe im Arsenal eines Jedi. Cal Kestis besitzt schon relativ früh im Spiel einer der mächtigsten – die Verlangsamung. Damit könnnen schnelle Gegner ausgebremst werden und man selbst erhält eine vorzügliche Chance den Gegner anzugreifen. Das Problem ist, dass diese Fähigkeit nur kurz anhält und das Zeitfenster relativ kurz ist, doch – der Macht sei dank – gibt es in Jedi: Fallen Order einen Fähigkeitenbaum, durch den sich die Verlangsamung und alle anderen Skills verbessern lässt.

Hier lässt sich so mancher Vorteil gegen Fähigkeitspunkte eintauschen.

Abseits von den Fähigkeiten lässt sich auch die Kleidung von Cal verändern, ebenso das Gehäuse von BD-1 und der Mantis, dem Raumschiff, mit dem man zwischen den Planeten hin und her reist und auch als eine Art Hub dient. Was die Fans aber wirklich interessieren wird, ist das Modifizieren des Lichtschwerts. In den Kategorien Farbe (der eigentlichen Laserklingen), Sender, Schalter, Hülse und Material lassen sich eine Vielzahl an Kombinationen nutzen, um das eigene, ganz individuelle Lichtschwert zusammenzubasteln. Die Komponenten dazu sind in den verschiedensten Arealen in Truhen zu finden.

Eine eigene Waffe zu bauen – geht anscheinend auch ohne Lootboxen.

Im Menü lässt sich auch eine Datenbank mit sämtlichen Gegnertypen finden, auf die Cal bereits getroffen ist. Von einheimischen aggressiven Kreaturen über die mysteriösen Nachtbrüder bis hin zu den unterschiedlichen Einheiten der Sturmtruppen lassen sich alle Arten von Infos über die Gegner nachlesen, vorausgesetzt BD-1 hat sie nach dem Kampf gescannt.

Der Name ist beim Raketentruppler Programm!

BD-1 macht sich als Sidekick aber nicht nur mit seinem Scan nützlich, er kann auch Konsolen überladen und später im Spiel andere Droiden hacken, um sie für Cal kämpfen zu lassen. Die wichtigste Eigenschaft von BD-1 ist jedoch seine eingebaute Kartenfunktion. In einem Metroidvania ist es äußerst wichtig gut durch die Levels manövrieren zu können, deshalb besitzt Jedi: Fallen Order ein getreues 3D-Modell der Level als Holo-Karte. Über die Legende kann man bequem herausfinden, wo man selbst ist, welche Bereiche noch unerkundet sind und welche man erst zu einem späteren Zeitpunkt betreten können wird.

Sogar Abstufungen durch Ebenen sind eingezeichnet.

Fazit

Nur die Zeit kann sagen wie man sich an Star Wars Jedi: Fallen Order erinnnert und ob man es in einem Atemzug mit den Klassikern kurz nach der Jahrtausendwende nennen wird. Der Titel stützt sich stark auf bereits vorhandene Gamplay-Systeme und borgt von überall ein bisschen – allerdings bedeutet das nicht, dass man ihn als schlechtes Plagiat in Star Wars – Verkleidung sehen soll. Im Gegenteil: Eine solide Story, die den Plot von üblen Machwerken wie Episode I bei Weitem überflügelt, einträgliche Charaktere auf beiden Seiten der Macht, brillantes Leveldesign mit einem exzellenten Mittel zur Navigation machen Jedi: Fallen Order durchaus zu einem Anwärter für „Spiel des Jahres“. Auch die Idee den Titel als Metroidvania zu konstruieren, erscheint zu erst fragwürdig, funktioniert in der Praxis aber reibungslos und motiviert den Spieler zum Erkunden. Respawn’s Ansatz mit bereits etablierten Elementen ein neues Kapitel im Star Wars Universum aufzuschlagen geht wirklich auf ganzer Linie auf!

Positiv

+ Story reicht locker an die Qualität anderer geschätzter Star Wars Produktionen heran

+ Gameplay überzeugt als eine Art „Dark Souls Light“

+ motivierendes Metroidvania – Leveldesign mit einfach zu bedienender 3D-Karte

+ simple Puzzle und actionreiche Einlagen (z.B. Steuern eines AT-ATs) sorgen für Abwechslung

Negativ

– Häufige Rutschpassagen mit schwammiger Steuerung

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger