SEGA AGES Virtua Racing Review – Ein technischer Meislenstein in Sachen Emulation

Anfang der 90er waren Spiele aus vollständigen 3D Polygonen eine absolute Revolution: wo zuvor flache 2D Sprites in den Spielhallen dominierten, kamen die  großen Publisher dieser Ära der Reihe nach auf den Geschmack, ihren Titeln vollständige 3D Welten zu spendieren, was einen ungeheuren technischen Meilenstein darstellte. Auch Traditionsentwickler Sega, welcher zu dieser Zeit einer der führenden Namen in Spielhallen- und Heimkonsolenwelt war, hatte mit dem Model 1 eine potente Technologie, die mit Vorzeigetiteln wie Virtua Racing, Virtua Fighter oder Daytona USA beeindruckende Ergebnisse lieferte. Speziell Virtua Racing von Entwicklerlegende Yu Suzuki hat als Erstling immer einen besonderen Platz eingenommen und schaffte es sogar dank des SVP Zusatzchips und einem Preis nach heutigen Standards von rund 199,- auf den Mega Drive und sorgte für offene Kinnladen. So ganz jedoch konnte keine Konsole das Erlebnis aus der Spielhalle nachahmen, wodurch die Model 1 und Model 2 Emulationen immer als fast unlösbare Fälle endeten. Das Team der Emulationsmeister rund um M2, welche sich auch für den im September erscheinenden Sega Mega Drive Mini verantwortlich zeichnen, haben sich aber dieser schweren Aufgabe angenommen und im Zuge der Sega Ages Reihe nun Virtua Racing Arcade für die Nintendo Switch neu aufgelegt. Lest nach, warum diese Portierung ein technischer Meilenstein ist und M2 sich erneut als Könige der modernen Emulation etablieren.

Spielerisch ein kleines, aber feines Paket

In Virtua Racing erwartet euch klassische Arcade Racing Action im Indycar beziehungsweise Formel 3000/Formel 1 Gewand: Zur Auswahl stehen drei verschiedene Strecken für Anfänger, Fortgeschrittene und Experten, in welchen ihr sowohl durch das passieren von Checkpoints gegen die Zeit als auch gegen andere Fahrer um den ersten Platz fährt. Wo man als Anfänger noch recht schnell ein Rennen abschließt und einen Platz auf dem Treppchen ergattert, kann es als Fortgeschrittener schon schwierig werden, das Rennen überhaupt zu beenden, was für eine angenehme Lernkurve sorgt. Damit aber die Langzeitmotivation nicht schon nach 15 Minuten verlorengeht, habt ihr wie bei allen Sega Ages Titeln auch bei Virtua Racing die Möglichkeit, online gegen andere Spieler zu fahren oder lokal gegen bis zu 8 andere Mitstreiter um den ersten Platz zu kämpfen. Auch außerhalb des Spiels gibt es noch viele Einstellungsmöglichkeiten, damit man auf der Jagd nach dem bestem Highscore alternativ eine behutsame Herangehensweise wählen kann.

Zugegeben: Der Content ist nicht umfangreich, aber es handelt sich hier um einen Titel aus der Arcade, der für schnelle Spiele und keine ausufernden Sessions gedacht ist und hier macht Virtua Racing alles richtig: Dank der sehr guten Umsetzung der Steuerung von einem Lenkrad auf den Controller spielt sich der Titel nicht altbacken, sondern eher wie ein netter, kleiner Titel aus der moderne, der durch seine Polygonoptik einen eigenen Charme versprüht. Bei einem Kostenpunkt von 6,99,- ist das mehr als in Ordnung. Die Besonderheit von Virtua Racing liegt aber auch nicht im (gut funktionierenden) Gameplay, sondern in seiner technischen Umsetzung.

Die (fast) perfekte Emulation

Da man glücklicherweise den Zugriff auf den Original Quellcode hatte, konnte man das Spiel unter entsprechendem Aufwand und sehr intensiven Anpassungen quasi komplett frisch auf die Switch portieren und was einen technisch hier erwartet, ist schlicht und einfach nur beeindruckend: Hochaufgelöste Texturen, ein stark erweitertes Sichtfeld und stabile 60FPS bei 720P im Docked Mode und 1080P im Handheldmode. Virtua Racing ist damit quasi nicht nur eine Emulation, sondern vielmehr die erweiterte Definitive Edition des Spiels. Einzig bei bestimmten Farben dürfte es Probleme geben, da Rot und Blau unnatürlich blass wirken, aber insgesamt fällt unter all den positiven Aspekten kaum auf.

Der positive Gesamteindruck setzt sich bei der Akustik fort: Nicht nur hat man die Soundeffekte und den fetzigen Soundtrack, der wie eine aufgebohrte Version von Megadrive Tunes klingt, neu überarbeitet, vielmehr hat man ihn um Stücke der 32X Version, welche eigens für diese Version neu eingespielt wurden, erweitert. Auch die Steuerung geht dank der hervorragenden Portierung flott und problemlos von der Hand und sogar HD Rumble ist mit an Bord. Es ist einfach faszinierend, wieviel Liebe in dieser Portierung trotz geringem Budget steckt.

Fazit

Virtua Racing ist eine technisch beeindruckende Neuauflage eines Spielhallenklassikers, die sich dank der perfekten Emulation, die das Spielerlebnis sogar entscheidend erweitert, hervorragend spielt und einmal mehr die Qualität von M2 unter Beweis stellt. Fans von Arcade Racern und Gaming Geschichte sollten auf jeden Fall zuschlagen.

Positiv

+ technisch brilliante Portierung

+ spielerausch auch nach 27 Jahren noch spaßig

+ lokaler Koop mit bis zu 8 Spielern

+ Steuerung sehr gut umgesetzt

Negativ

– Stabilität von Onlinepartie abhängig vom Host

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Written by: Patrice Naderi

Multikonsolero, Film- und Seriennerd aus Leidenschaft, Technikjunkie, Comicsammler, Sportfan und Müslivernichtungsmaschinerie.