Secret of Mana Review – Demaster statt Remaster

Mit Secret of Mana veröffentlichte der japanische Publisher Square Enix (damals eigenständig als Squaresoft bekannt) im August 1993 den direkten Nachfolger zum Gameboy Klassiker Mystic Quest für das Super Nintendo. Das Action RPG gilt dank seines schönen Artworks, dem fantastischen Gameplay sowie des zeitlosen Soundtracks als einer der wichtigsten Titel für das damalige Flaggschiff von Nintendo. Als das Remake im letzten Sommer angekündigt wurde war die Freude vor allem bei Gamern, welche die Spielewelt der Neunziger miterlebt haben, dementsprechend groß. Am 15.02.2018 erschien nun Secret of Mana für PS4, PS Vita und PC. Erfährt in unserem Review, wie sich das Remake behaupten kann.

Link trifft auf Squaresoft-Tradition

Die Story dreht sich um die titelgebende Substanz Mana, welche der Antrieb für alle modernen Technologien und Errungenschaften der Menschen darstellt. Irgendwann erreichte die Gier der Menschen nach dem Mana ihren Zenit und so kam es zum Krieg, welcher fast zur vollständigen Vernichtung führte. Jedoch konnte ein unbekannter Held mittels eines mächtigen Mana-Schwertes doch noch alles zum Guten wenden. Dekaden später findet unser Hauptcharakter Randi das Schwert und zieht es in bester Excalibur-Manier aus einem Stein, wodurch das Böse auf die Welt zurückkehrt. Durch sein Dorf ins Exil geschickt macht sich Randi nun auf um wieder alles ins Lot zu bringen. Hierbei wird er im Laufe des Abenteuers von der Prinzessin Prim und der Koboldin PoPoi unterstützt.

Gameplaytechnisch kann man sich Secret of Mana wie eine Mischung aus The Legend of Zelda (A Link to the Past) mit dem Touch von Square Enix vorstellen: Ihr durchstreift alleine oder mit Prim und PoPoi durch diverse Ober- und Unterwelten, löst in den Dungeons kleine Rätsel und kämpft im Zuge der rund 20-Stunden langen Kampagne gegen zahlreiche Bosse. Neben der Möglichkeit mit zwei weiteren Spielern das Abenteuer zu erleben hebt sich Secret of Mana vor allem im Kampfsystem von Nintendos Kultspiel ab: zwischen jedem Schlag müsst ihr eure Angriffskraft im Idealfall auf 100 Prozent aufladen lassen um dann besonders starke und kritische Treffer landen zu können. Zusätzlich levelt ihr euren Charakter, habt verschiedene Waffen mit unterschiedlichen Angriffsfertigkeiten und besitzt so mehr Möglichkeiten Randi individuell zu gestalten. Das macht die Kämpfe zwar langsamer, aber dafür wurde auch der taktische Anspruch gesteigert.

Die Beschreibung bezieht sich übrigens auf die Originalversion von 1993 und soll euch als Überblick zum SNES Klassiker dienen, denn an der Ursprungsformel hat sich auch in der Version von 2018 nichts geändert: eher handelt es sich bei Secret of Mana de facto um dasselbe Spiel wie von 1993 nur in neuem Grafikgewand, einer Remaster-Edition des ursprünglichen Soundtracks und dezenten Anpassungen an die Gewohnheiten des moderenen Gamings.

Schlechter als das Original

Die Veränderungen im Detail sind von eher schlichter Natur: neben der besagten neuen Grafik und dem Soundtrack tragen die Hauptcharaktere von nun an Namen (Anm.: in der SNES Version musste man diese selbst vergeben), in bestimmten Zwischensequenzen gibt es Sprachausgabe, der deutsche Text wurde angepasst und das Interface wurde um eine Minimap erweitert und modernisiert.

Ansonsten gibt es mit Ausnahme des wirklich putzigen Artworks keinerlei Neuigkeiten und hier liegt auch das größte Problem von Secret of Mana: was 1993 auf dem Super Nintendo (beziehungsweise 2017 auf dem SNES Classic Mini) dank seiner charmanten Optik und dem generellen Spielfluss gut funktionierte will im Remake nicht so richtig zünden. Es will einfach kein Spaß aufkommen, da sich die Kämpfe in Kombination mit dem neuen Grafikgerüst viel zu träge anfühlen und das Spiel einfach nicht in Fahrt kommt.

Da wir Secret of Mana bei weitem nicht so mittelmäßig in Erinnerung hatten haben wir zum Gegencheck noch ein SNES Classic Mini ausgepackt und den Klassiker erneut in seiner Ursprungsform ausprobiert: Tatsächlich funktioniert das Game im Original wirklich gut und macht das Remaster mehr oder weniger obsolet. Zusätzlich habt ihr auch den Vorteil jederzeit mittels der integrierten Speicherfunktion des SNES Classic Mini speichern zu können. Dies funktioniert im Remake wie im ursprünglichen Original nur nach Abschluss eines Bosskampfes oder in einem der Dörfer.


(Anmerkung.: Der Screenshot wurde mit der Kamera abgefilmt, deshalb die bunten Verzerrungen im Bild. In Natura sind diese nicht vorhanden.)

Lieblose Präsentation und katastrophaler Remaster-Soundtrack

So niedlich das Artwork ist so erschreckend lieblos wirkt die Grafik an sich: Die Texturen sind äußerst schlicht und karg, die Schatteneffekte sowie Beleuchtung generisch und von Gesichtsanimationen fehlt jegliche Spur. Auch der Soundtrack ist in seiner Remastered Variante Welten von dem wunderschönen Original entfernt: hier tauchen aus dem nichts heraus hochtonige Bontempi-Orgel-Inferni auf und quälen die Gehörgänge, so dass wir schon innerhalb der ersten Stunde zum Originalsoundtrack – glücklicherweise kann man das im laufenden Spiel erledigen – umgeschaltet haben.

Ein weiterer Negativpunkt ist die deutsche Übersetzung, welche sich vor allem durch Abkürzungen bestimmter Wörter bemerkbar macht: So wird zum Beispiel aus Goldmünzen GM. Das erinnert nicht nur an die alte Zeit, in der gute deutsche Übersetzungen nicht Usus waren, es geht auch Dank der überarbeiteten Texte in Richtung einer nicht so marktspezfischen Übersetzung der Charme des Originals verloren.

Auch wenn die Vorfreude groß war so ist das Remake von Secret of Mana und schlussendlich eine Enttäuschung auf ganzer Linie, die dem zeitlosen Original nicht würdig ist. Vor allem ist der Preis von 40,- für das Dargebotene schlicht und einfach zu viel. In Anbetracht des Gesamtpakets wäre wohl ein direkter Port des Originals mit erweiterten Features und dezenten Anpassungen in einer Preisrange von 9,90,- bis 14,90,- sicherer und spannender gewesen. Wir hatten jedenfalls bei unserem Run auf dem SNES Classic Mini mehr Spaß als mit der Version für PS4 und würden dazu raten das Geld eher in eine der beiden Varianten zu investieren.

Fazit

Secret of Mana ist ein für den Preis lieblos umgesetztes Remake eines zeitlosen Super Nintendo Klassikers mit trister Grafik und einer unangenehmen Neuauflage des Soundtracks, welches in der Kombination mit dem kaum veränderten und trägen Gameplay in dieser Form nicht wirklich Spaß macht und eine absolut durchschnittliche Erfahrung liefert. Fans, Nostalgiker und Interessierte sind mit dem Original oder einem SNES Classic Mini besser bedient.

Positiv

+ Niedliches Artwork

+ Originalsoundtrack im Menü wählbar

Negativ

– Sehr triste Grafik

– Furchtbares Remaster des Soundtracks

– Zähes Gameplay

– Spartanische Menüführung

– Zu Teuer

– Charme des Originals faktisch nicht vorhanden

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Written by: Patrice Naderi

Multikonsolero, Film- und Seriennerd aus Leidenschaft, Technikjunkie, Comicsammler, Sportfan und Müslivernichtungsmaschinerie.

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