Romancing SaGa 3 Review – Ein aufpolierter Rückblick in das Japan Mitte der 1990er

Die Romancing SaGa als Spielereihe dürfte der westlichen Spielerschaft damals wie heute nicht wirklich ein Begriff sein – und das obwohl sie maßgeblich das Genre des RPGs beeinflusst hat. Der Grund für den verschwindend geringen Bekanntheitsgrad ist natürlich der fehlenden Veröffentlichung in Europa und den USA zuzuschreiben. Romancing Saga 3 zum Beispiel wurde 1995 für die Super Famicom veröffentlicht, erhielt 2010 eine japanexklusive Portierung für Wii und WiiU, bevor sich Publisher Square Enix dieses Jahr endlich für einen Relase im Westen entschied, dafür jetzt aber gleich in einer Remastered Version. Wie sich der Titel nach knapp 24 Jahren nun auf den neuen Konsolen macht, könnt ihr weiter unten nachlesen.

Eine RPG Storyline, die seinesgleichen sucht – und tausendmal findet

Ein antagonistisches Königreich, uralte Mächte des Bösen, Wölfe und Goblins in dunklen Dungeons, Kristalle, die eine wichtige Rolle spielen, und eine Heldenparty aus vier bis sechs unterschiedlichen Charakteren (Schwertkämpfer, Bogenschütze, Magierin, Berserker, Barde, Faustkämpfer) bestehen – das sind die Zutaten, mit denen Entwickler in den Neunzigern ihre RPG-Süppchen würzen. Auch Romancing Saga 3 fällt in diese Sparte, so wirkt das Setting für die In-Game-Welt also zuerst doch etwas altbacken.

Die Grafiken überzeugen jedoch durchgehend

Alle 300 Jahre Jahre verdunkelt der Dunkle Stern die Sonne und vernichtet alles junge Leben; ein Ereignis, das Morastrum genannt wird. Nur ein Baby einer ganzen Generation überlebt – vor 600 Jahren war aus ihm ein diabolischer Satan geworden, vor 300 Jahren eine liebende Matriarchin. Nun steht Morastrum wieder kurz bevor, doch die Bevölkerung befindet sich im Krieg: Mikhail, der Maquis von Loanne muss sich gegen einfallende Truppen zur Wehr setzen, seine Schwester Monica versucht ihm dabei zu Hilfe zu eilen. Durch die Unterstützung vier Einheimischer und einem Meisterfechter namens Tornado gelangt sie zu schließlich zu ihm.

Um kurz darauf zum Schutz in das Schloss eines Vampirs geschickt zu werden…

Man erkennt bereits, die Story folgt ziemlich exakt den Gepflogenheiten damaliger Zeiten, die Storyverlauf hebt sich jedoch von der Masse ab: Dungeons können nach dem Intro in beliebiger Reihenfolge absolviert werden, und unter der Vielzahl von Sidequests sind einige verpflichtend, andere optional.

Romancing SaGa – Der Pionier in Sachen Gameplay

Insgesamt wirken so einige Punkte in Romancing SaGa 3 für damalige Zeiten sehr experimentell: Da wäre zum Beispiel der Fakt, dass man zu Beginn zwischen acht Protagonisten auswählt – vier weiblich, vier männlich – und die Geschichte dann aus eben dieser Perspektive erlebt.

Wir haben uns für den Charakter mit dem wunderhübschen Namen Julian entschieden.

Während man mit dem Gruppe rund um Monica einen relativ normalen Start in ein RPG geliefert bekommt, erhält man mit ihrem Bruder Mikhail eine komplett andere Spieleerfahrung: Er führt seine Soldaten auf dem Schlachtfeld, befiehlt neue Kampfformationen und lässt sie zwischen Angriff und Verteidigung wechseln. Dabei ist auch auf die Moral der Truppen zu achten. Ständige Angriffe senken die Moral, doch ein taktisches Zurückfallen bringt einen großen Moralschub, auf diese Art können wieder taktische Manöver ausgeführt werden.

Diese Schlachten sind meistz knackiger als sie anfangs aussehen

Doch nicht nur in der Schlacht, auch im Alltagsleben besitzt Mikhail als Regent über zusätzliche Funktionen: in sogenannten Thron-Events entscheidet er über das Militär, unterstützt das Volk, führt Verhandlungen mit anderen Nationen und nimmt Steuern ein. Dieses Feature erinnert ein wenig an das fast 20 Jahre später erschienene Dragon Age: Inquisition, wo der Inquisitor über das Leben der Gefangenen entscheidet. Ähnlich wie Mikhail besitzt auch Thomas Sonderrechte; er kann als Geschäftsmann für eine Stange Geld fremde Firmen in seinen Besitz bringen, indem er für sie bietet.

Kampfsystem ist nicht gleich Kampfsystem

Das Um und Auf eines jeden Rollenspiels bleibt das Kampfsystem und dieses ist in Romancing SaGa 3 typischerweise rundenbasiert. Doch abseits des turn-based Action wird viel anders gemacht: Beispielsweise lernt ein Partymitglied Skills während und nicht nach dem Kampf, kann sie dann meistern und dann an andere Kameraden weitergeben. Angezeigt wird dies durch eine kleine Glühbirne über dem Kof des jeweiligen Charakters – natürlich korrespondiert der erhaltene Skill mit der eingesetzten Waffe der Figur.

Sarah hat mit ihrem Jagdbogen den Skill Id Break erlernt

Der Spieler besitzt auch hier die Möglichkeit Formationen auszuwählen, nach denen die Party sich dann aufstellt. Abseits davon gibt es noch den ‚Commander Mode‘: Hier wechselt der Protagonist in die hintere Reihe und gibt von dort aus Befehle, die für die ganze Party gelten, aber keine Details fordern. Beispielsweise können die Angriffe der Kameraden auf einen bestimmten Gegner fokussiert werden, mit welchen Angriffen jedoch genau, entscheidet der NPC. Außerhalb des Kampfs heilen sich die Hit Points der Party automatisch (exakt wie in Final Fantasy XIII) – der Haken an der Sache sind die LP, die Life Points. Wer in der Konfrontation stirbt, erlebt gleich danach wieder eine Auferstehung, hat aber auch einen LP verloren.

In dieser Party hat jeder die vollen zehn Life Points – also keine Sorge

Sobald alle LP eines Charakters futsch sind, ist sie verstorben und für das Spiel nicht mehr verfügbar. Glücklicherweise werden LP beim Übernachten in Gasthäusern, die in jeder Siedlung auf der Weltkarte zu finden sind, wieder geheilt. Das Bereisen der World Map ist indessen sehr simpel gehalten: Mit einem Federkiel wählt man einfach den Punkt (Stadt oder Dungeon) aus, den man ansteuern will.

Über die Weltkarte wählt man ein Teilgebiet aus und dann das genaue Ziel

Fazit

Kann Romancing SaGa 3 mit aufpolierter 16 Bit-Grafik auch in der modernen Videospiellandschaft von heute überzeugen? Durchaus, doch als Spieler muss man auch kleine Abstriche machen! Das Kampf- und Skillsystem waren damals innovativ, sodass sich heute noch RPGs etwas davon abschauen, doch leider fehlt Romancing SaGa 3 ein integraler Bestandteil – das Tutorial. Damals wurde zur Spielenavigation noch die Anleitung zur Hand genommen, doch in der heutigen Welt sind die „Digital Natives“ schon mit fünf Zeilen Text überfordert. Und gerade ohne Vorwissen ist dieses RPG nur sehr schwer richtig zu spielen, da werden neben Kampfformationen und Magiesystemen auch komplexe Minispiele wie taktische Schlachten oder schlaues Verhandeln gefordert. Romancing SaGa 3 ist als Remastered, in dem eine Extradungeon eingebaut wurde, der im Original nicht enthalten ist, ein wunderbares Stück Zeitgeschichte, das – falls man sich auch wirklich Zeit dafür nehmen kann – heute genau so gut funktioniert wie damals.

Positiv

+ rundenbasiertes Kampfsystem und ‚Commander Mode‘ haben nichts an Reiz verloren

+ 16 Bit-Grafik charmant aufbereitet (plus zusätzlichem Dungeon)

+ hoher Wiederspielwert aufgrund von acht unterschiedlichen Protagonisten

Negativ

– kein Tutorial für die teils sehr komplexen Parts des Gameplays vorhanden

– Gegner-Sprites flackern ab und zu

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Written by: Julian Bieder

Retro-Zocker, Gwent-Experte und eifriger Trophäenjäger