Review: Yu-Gi-Oh! Rush Duel: Dawn of the Battle Royale!! – Ein trügerisches Duell

Na, seid ihr auf der Suche nach Namen wie Yugi Muto, Jaden Yuki oder Yusei Fudo? Dann muss ich euch leider enttäuschen, denn Rush Duel: Dawn of the Battle Royale findet in einer anderen Welt statt. Nämlich der von Yu-Gi-Oh! Sevens, der mittlerweile siebten Nachfolgeserie der Duellanten-Reihe. Seit dem 4.April 2020 läuft der Anime bereits im japanischen Raum und darf mittlerweile auf mehr als 78 Episoden zurückblicken. Den Weg nach Europa hat man jedoch noch nicht gefunden, was womöglich auch der COVID-19 Pandemie geschuldet ist. Umso unverbrauchter ist deswegen das Prinzip des Rush Duel, einer völlig neuen Variante des Kartenspiels. Was das genau ist und ob es auch dem klassischen Duell die Stirn bieten kann, das verraten wir euch jetzt!

Die Zukunft ruft

Herzlich willkommen in der futuristischen Stadt Gōha und Ausgangspunkt eures neuen Abenteuers. Diese ist jedoch nicht ganz so idyllisch wie es den Anschein hat, was an der gleichnamigen Goha-Corporation liegt. Mit Argus-Augen überwacht das Unternehmen die Bürger und ist nicht gerade ein Fan von Protagonist  Yūga Ōdō. Der Grundschüler liebt vor allem Erfindungen und Duelle, kann sich jedoch nicht mit dem strengen Regelwerk von Duel Monsters anfreunden. Deswegen entwickelt er kurzerhand ein eigenes Modell, das sich als Rush Duel durchsetzt. Die Anime-Serie verfolgt die Geschichte von Yūga und seinen Freunden, die sich der Goha-Corporation entgegenstellen. Und da kommt auch ihr ins Spiel, denn als brandneuer Mitschüler betretet ihr die Bühne von Rush Duel. Mit dem Battle Royale-Turnier durchlebt ihr dabei aber eine neue und eigenständig Geschichte im Universum von Yu-Gi-Oh! Sevens.

Diesmal könnt ihr die Spielwelt, in diesem Fall Goha, selbstständig erkunden.

Ein Prunkstück eines jeden Kartenspiels ist die Kampagne, in der erinnerungswürdige Duelle aus der Serie nachgespielt werden. Dass die Vorlage hierzulande noch nicht bekannt ist, tut der Stimmung zunächst keinen Abbruch. Viel mehr sind die zahlreichen neuen Gesichter umso erfrischender, was das Kennenlernen interessant gestaltet. Leider ging man hier wieder den Ansatz, die Serie stark zu verniedlichen. Das spricht zwar die junge Zielgruppe an, alteingesessene Fans können aber eher weniger damit anfangen. Selbiges gilt womöglich auch für die Spielweise und die neuen Karten, die das Prinzip des klassischen Duells komplett verändern.

Das Sevens-Pendant zum schwarzen Magier.

Taktik und Strategie waren gestern

Für all jene, die mit Synchro-, Xyz-, Pendel oder Link-Monster nichts anfangen können, kommt die Entwarnung zuerst. Rush Duel fügt keine neuen Kartenarten hinzu! Dafür hat sich die Spielweise, sowie das Spielbrett grundlegend verändert. Um die 8.000 Lebenspunkte eures Gegners zu minimieren, stehen ab sofort nur noch drei Karten-Plätze pro Reihe zur Verfügung. In der Grundversion war es dem Spieler außerdem nur gestattet, eine Monsterkarte pro Zug zu spielen. In Rush Duel hingegen könnt ihr so viele  Monsterkarten in einer Runde spielen, bis alle Plätze belegt sind. Selbst Tributbeschwörungen können währenddessen ausgeführt werden. Angst davor, dass ihr im nächsten Zug dann ohne spielbare Karten dasteht, müsst ihr nicht haben. Denn jede Runde dürft ihr so lange vom Stapel ziehen, bis eure Hand wieder fünf Karten zählt. Das führt dazu, dass nicht nur ihr, sondern auch eurer Gegner das Spielfeld nur so mit Aktionen überflutet.

Mittel zum Sieg: Einfach nur Monster setzen und auf das nötige Glück dabei hoffen.

Klingt in der Theorie zwar äußerst amüsant, ist in der Praxis aber leider weniger spaßig. Im letzten Ableger  Yu-Gi-Oh! Legacy of the Duelist: Link Evolution durftet ihr noch von einem Pool aus 7.484 Karten schöpfen. Diese Anzahl hat sich in Yu-Gi-Oh! Rush Duel: Dawn of the Battle Royale!! leider drastisch auf 718 verringert. Schuld daran ist eben das neue Spielprinzip, in dem der gewinnt, der stets Monster auf dem Feld hat und das nötige Kartenglück beim Nachziehen mitbringt. Dementsprechend wurden für diesen Anime bzw. Ableger zum Teil völlig neue Monster, Zauber und Fallen entwickelt, um für eine Ausgeglichenheit zu sorgen. Demnach werden die wenigen Karten, die aus früheren Staffeln bekannt sind, als sogenannte Legendenkarten deklariert. Davon darf sich im Deck nur eine einzige befinden. Soweit so gut, doch selbst der Aufbau eures Stapels bleibt euch zum Großteil nicht selbst überlassen.

Die Kartenauswahl mit 718 ist im Vergleich zu allen anderen Yu-Gi-Oh! Videospielumsetzungen sehr gering.

Mogelpackung Spielwelt

Obwohl der Titel mit Battle Royale ein riesiges Turnier impliziert, stellt sich das eher als Falschmeldung heraus. Zwar könnt ihr im Zuge der Kampagne mit eurem Charakter verschiedene Orte besuchen und Gespräche führen, ein Fortnite ist es aber nicht. Stattdessen klappert ihr einen Duellanten nach dem anderen ab und versucht ihn in die Knie zu zwingen. Dabei greift ihr auf sogenannte Rezepte zurück, die im Grunde vorgefertigte Decks sind. Besiegt ihr einen Gegner, erhaltet ihr dessen Rezept. Optional lässt sich mit Nebenmissionen auch eine Währung verdienen, mit der entweder Packs oder Rezepte gekauft werden können. Der klassische Deckbau wird erst sehr spät im Spiel unterstützt, weswegen ihr von Duell zu Duell mit unterschiedlichen Karten reisen müsst. Wenn das dann auch noch verloren geht, weil der Kontrahent schlichtweg bessere Karten jede Runde zieht, erhöht das den Frustfaktor ungemein.

Vor einem Duell könnt ihr euch für vorgefertigte Decks entscheiden.

Auch der Name Rush Duel vermittelt den Begriff eines rasanten Spielablaufs. Dieser ist aber nur dann gewährleistet, wenn in den Optionen alle Nebengeräusche deaktiviert werden. Tut ihr das nicht, wird jede Aktion von euren Rivalen kommentiert und die Information jeder gespielten Karten abgefragt. Da kann ein Duell gut und gerne einmal zehn Minuten gehen, wovon die Hälfte nur auf unnötige Zwischenrufe zurückzuführen ist. Die gibt es zum Glück im Lokalen- bzw. Online-Multiplayer nicht. Doch auch dort zeigt die geringe Auswahl an vorhandenen Karten früh auf, dass man gegen Meta-Decks kein Land sieht.  

Immerhin gibt es Nebenmissionen, die ein wenig für Abwechslung sorgen.

Fazit

Yu-Gi-Oh! Rush Duel: Dawn of the Battle Royale!! ist ein Beispiel dafür, dass Neu nicht gleich Besser ist. Die Rush Duel Mechanik ist höchstens ein nettes Gimmick, das es nicht schafft, ein ganzes Videospiel zu tragen. Hauptgrund dafür ist die geringe Anzahl an Karten und der verpflichtende Griff zu vorgefertigten Decks. Da trösten auch die unverbrauchten Charaktere und die begehbare Spielwelt nicht darüber hinweg.

Positiv:

+ Nette Handlung und Einbindung der Oberwelt

+ Monster werden am Spielfeld angezeigt

+ Spiel basiert auf dem Universum der aktuellsten Staffel Yu-Gi-Oh! Sevens, …

Negativ:

– … die aber leider viel zu kindlich gezeichnet ist

– Zur Auswahl stehen nur 718 Karten

– Man spielt fast nur mit vorgefertigten Decks, was wenig Individualisierung zulässt

– Duelle sind viel zu langatmig und basieren oft auf Kartenglück

– Die taktische Komponente bleibt im Rush Duel außen vor

– Spielwelt ist grafisch auf keinem zeitgemäßen Niveau

Yu-Gi-Oh! Rush Duel: Dawn of the Battle Royale!! ist am 07.Dezemeber 2021 exklusiv für Nintendo Switch erschienen.

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Written by: Manuel Barthes

Passionierter Achievementjäger und Manga-Experte

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  1. Pingback: Preview: Yu-Gi-Oh! Master Duel - Der bisher beste Ableger für jedes Könnerlevel? - Cerealkillerz 11. Januar 2022

    […] Ableger wie Legacy of the Duelist dies durchaus gut erfüllen konnten oder das zuletzt erschienenen Rush Duel etwas Neues probiert, so reicht es einfach nicht immer. Die Menüs zu karg, die Sounds nervig und […]

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