Yoshi dürfte neben Mario, Luigi und Peach wohl der beliebteste Charakter aus dem Nintendo Universum sein. Daher verwundert es nicht, dass der Dinosaurier regelmäßig seine eigenen Spiele bekommt. Nach Yoshi’s Wooly World (2015) und Yoshi’s Crafted World (2019) ist es nun Zeit für Yoshi and the Mysterious Book. Wir haben uns durch das Buch hindurchgeschmöckert und schildern euch in dieser Review unsere Eindrücke.
Enzo weiß Bescheid

Die Story ist schnell umrissen. Enzo (im Deutschen) bzw. Mr. E (im Englischen) ist eine magische Enzyklopädie, die den Yoshis buchstäblich vor die Füße fällt. Mit Schnauzer und Monokel wirkt Enzo natürlich von Beginn an wissend und vertrauenswürdig und die Yoshis erklären sich sofort bereit ihm zu helfen Notizen über seinen eigenen Inhalt zu erstellen.

Das geschieht dadurch, dass der Yoshi eurer Wahl in die Welten des Buches eintaucht und dort mit der Flora und Fauna interagiert. Dabei stolpert ihr sogar über Bowser Jr. und Kamek, die die Seiten des Buches unsicher machen und für kleine komödiantische Einladungen sorgen. Alles weitere ergibt sich dann aus dem Gameplay, das definitiv in der Casual Ecke zu platzieren ist, da euch nichts töten kann, ihr keine Energieleiste habt und ein Game Over nicht möglich ist.
Versuch macht kluch

Wenn ihr euch für ein Wesen auf den Seiten von Enzo entschieden habt, werdet ihr sogleich in das Buch gesogen und dürft euch dann austoben. Wenn ihr versucht einen Seifenblasen spuckenden Frosch zu essen, wird das von Enzo sofort mitgeschrieben und mit seifigem Geschmack vermerkt. Genauso notiert er sich, dass die Seifenblasen in Kettenreaktionen explodieren, wenn der Frosch vorher eine Chilli zum Futtern bekommen hat. So beginnt ihr bald herumzuexperimentieren, was Yoshi und die Umgebung so zur Verfügung stellen. Eierwurf, Stampfattacke, Äpfel, Musikinstrumentmuscheln und noch einiges mehr können unterschiedliche Reaktionen der von euch beobachteten Lebewesen hervorrufen.

Jedes der besuchten Habitate/Level hat zudem eine geheime Hauptaufgabe, auf die man meist von selbst stößt. Im Shy Guy Level muss man beispielsweise alle vorhandenen Farben finden, während man in einer verfallenen Ruine Schlüssel für den Ausgang finden muss, während man von einem Monster verfolgt wird. Manchmal stolpert man auch über das Nest eines Vogels und schwupp hat man das Levelgeheimnis gelöst. Falls ihr euch einmal aber verrannt habt, könnt ihr jederzeit Enzo per Knopfdruck um Tipps bitten oder gesammelte Münzen ausgeben, um Hinweise auf neue Entdeckungen zu bekommen.

Wald, Gebirge, See, Dschungel, … – Das volle Programm

Für jede Entdeckung, die Enzo notiert bekommt ihr zudem Sterne, die angesammelt neue Buchseiten und damit Gebiete freischaltet. Dabei gibt es verschiedenste Zonen, wie einen Wald, ein Gebirge und auch wassergefüllte Habitate dürft ihr erkunden. Recht spät im Spiel existiert sogar eine Welt, in der ihr besonders genau hinschauen müsst, denn ihr werdet geschrumpft, um noch mehr von gewissen Lebewesen herauszufinden, die ihr davor in Originalgröße bereits erforscht habt.

Abseits der Schlusswelten gibt es aber keine großen Überraschungen. Ihr findet viele bekannte aber auch neue Wesen aus den diversen Yoshispielen und dürft ihnen sogar neue Namen geben. Wer nicht kreativ tätig werden möchte, kann aber auch Enzo die Arbeit überlassen oder sogar die Namen, die andere Spieler auf derselben Switch gegeben haben, verwenden.

Hauptbestandteil des Spiels ist aber das „Ausprobieren“ der Wesen. Was macht der gigantische Fisch, der Yoshi nie ganz verschluckt, sondern ihn zwischen den Zähnen hält, wenn er an Land landet? Wie verhalten sich die Pollen, wenn sie auf Steinen landen? Kann ich auf dem Möwenwesen fliegen? Egal welche Pflanze oder welches Tier man gerade untersucht, man hat immer die nächste Möglichkeit vor Augen.
Ein entspannteres Jump’n’Run muss man erst einmal finden
Wie bereits oben erwähnt, kann man in Yoshi and the Mysterious Book nicht sterben. Wer in ein Loch fällt wird zurückgesetzt und abseits eines Levels in dem man verfolgt wird oder einer handvoll zeitkritischen Aufgaben hat man absolut keinen Stress und kann im selbstgewählten Tempo alles angehen. Hardcore Gamer sind hier, wie bei Yoshi-Spielen üblich, absolut fehl am Platz. Diese Form des Casual Gamings liegt daher auch nicht jedem, aber wir hatten trotzdem sehr viel Spaß Enzo zu füllen.

Die Neugierde, was man noch alles kombinieren kann und auch die Sammelsucht jede Münze, Sonnenblume zum Freischalten von Suchhilfen und jeden einzelnen Eintrag zu jedem Wesen zu finden sind motivierend genug. Grafisch bekommt man ein kunterbuntes Abenteuer serviert, das auch den Fakt einfängt, dass man sich in einem Buch befindet. Es gibt zwar keine Gimmicks wie in den Vorgängern mit Kartonagen und Wolle, aber dafür schreibt euch Enzo direkt in den Level, was ihr gerade gefunden habt.
Ein Audiobook ist Enzo leider keines

Ein wenig enttäuscht waren wir über den Soundtrack, der für ein Nintendo Machwerk wenig Ohrwurm Charakter hat. Bekannte Yoshimelodien werden zwar aufgegriffen, aber so richtig überzeugen wollte uns das leider nicht. Auch der quasi nicht vorhandene Schwierigkeitsgrad ist ein Manko. So sehr das Erkunden auch Spaß macht, gefordert wird man als Spieler kaum. Eine leichte Lernkurve wäre schön gewesen.

Dafür eignet sich Yoshis neuestes Abenteuer auch für die jüngsten Gamer und führt ohne Gewalt, Blut und Gräuel an das Medium heran. Auch die Sprache ist für Leseanfänger bestens geeignet. Dem familienfreundlichen gemütlichen zocken steht also nichts im Wege.
Fazit
Erwartungshaltungsmanagement ist das Zauberwort bei Yoshi and the Mysterious Book, das an sich ein wunderbares Spiel ist. Wer ein extrem entspanntes Abenteuer sucht, das vor allem die eigene Neugier anspricht, der findet hier exakt das. Auch als Einstieg in Videospiele bietet sich der Dino wunderbar an. Für erfahrene Jump’n’Run Fans gilt es zu beachten, dass es absolut keine spielerische Herausforderung, abseits davon jeden Winkel eines Levels zu durchleuchten, gibt. Ganz zu schweigen von hardcore Zockern, die sich hier potentiell langweilen werden.
Positiv
- Knuddeloptik
- Yoshi Fans bekommen die üblichen Fähigkeiten, ergänzt um die gefundenen Wesen
- Sehr, sehr entspanntes Spielen ohne Druck
- Erkundungsdrang und Experimentierfreude werden gefördert und belohnt
Negativ
- Keine Lernkurve/Herausforderung für erfahrene Spieler
- Der OST konnte uns nicht überzeugen
- Keine wirklichen neuen Yoshi Skills



