Review: World of Warcraft Midnight – Wunderschöne Landschaften mit schwächender Levelphase

Hier sind wir nun. Nach etwa eineinhalb Jahren bekommt World of Warcraft ein neues Addon. Da mich The War Within leider nicht so begeistern konnte und ich mich in letzter Zeit mit Classic Hardcore und The Burning Crusade Anniversary beschäftigt habe, setze ich große Hoffnungen in das neue Addon.

Mit „Midnight” schlägt Blizzard ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte von World of Warcraft auf. Nach zwei Jahrzehnten ist es beeindruckend, wie sehr dieses Spiel noch immer Emotionen wecken kann. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass nicht jede Neuerung automatisch eine Verbesserung bedeutet. „Midnight” bietet wunderschöne Gebiete, eine starke nostalgische Komponente und ein ambitioniertes neues Feature. Gerade in der Levelphase offenbaren sich jedoch Schwächen, die man nach so vielen Jahren eigentlich nicht mehr erwarten würde.

Behausung – Details sind der Schlüssel wenn auch zu präsent

Das größte neue Feature ist ohne Frage die Behausung. Endlich erhält man die Möglichkeit, seinen eigenen Wohnraum zu gestalten, Möbel zu sammeln und sich ein kleines virtuelles Zuhause aufzubauen.

Grundsätzlich ist das ein nettes Feature. Wer Spaß an Individualisierung hat, wer gerne sammelt oder einen Hang zum Perfektionismus besitzt, kann hier problemlos mehrere Stunden investieren. Stühle ausrichten, Tische austauschen, Dekoration optimieren. Das System ist umfangreich genug, um Spieler langfristig zu beschäftigen.

Allerdings wirkt es stellenweise so, als würde einem dieses Feature regelrecht aufgezwungen. Erwartet ihr nach einem Bosskampf starken Loot, ein Upgrade für euren Char? Die Realität sieht oft anders aus. Statt einer epischen Waffe landet ein Möbelstück im Inventar. Ein Stuhl. Ein Tisch. Vielleicht eine Vase. Und das zieht sich auch komplett über die Kampagne. Dort werdet Ihr zwar mit Ausrüstung ordentlich versorgt, aber ihr bekommt mehr Möbelgegenstände als Euch lieb ist.

Das fühlt sich im ersten Moment ernüchternd an. World of Warcraft lebt seit jeher vom Loot Gefühl, vom sichtbaren Fortschritt am Charakter. Wenn dieser Reiz durch Wohngegenstände ersetzt wird, entsteht ein ungutes Gefühl in der großen Erwartungshaltung. Die Behausung ist eine nette Ergänzung, sollte aber keineswegs ein Ersatz für normalen Loot und bewährte Mechaniken sein.

So schön war Silbermond und ein neues Addon noch nie

Wo Midnight jedoch glänzt, ist im neuen Gebiet rund um Silbermond. Die Regionen wirken durchdacht, atmosphärisch dicht und visuell beeindruckend. Es macht schlichtweg Spaß, durch die Lüfte zu gleiten und die Umgebung auf sich wirken zu lassen.

Selten fühlte man sich aufgrund der Umgebung wieder wie vor 20 Jahren. Blizzard hat modernisierte Gebiete von früher integriert, die sofort Erinnerungen wecken. Orte, die man aus früheren Abenteuern kennt, erscheinen im neuen Gewand. Diese Mischung aus Bekanntem und Neuem funktioniert erstaunlich gut.

Natürlich weiß Blizzard ganz genau, wie stark Nostalgie wirkt. Dieses Gefühl wird bewusst eingesetzt. Man könnte sagen, es ist kalkuliert. Doch selbst wenn man das erkennt, funktioniert es. Die emotionale Bindung an alte Regionen ist tief verwurzelt und Midnight nutzt das geschickt.

Gerade beim Umherfliegen entfaltet sich die volle Stärke dieser Erweiterung. Die Welt wirkt lebendig, größer und gleichzeitig vertraut. Hier zeigt sich, wie viel Erfahrung im Worldbuilding steckt. Von den neuen Gebieten und gerade der neuen Hauptstadt, ist es das größte Addon.

Die Levelphase – Das wohl schwächste Glied in der Kette

Gerade im Hinblick auf Classic oder Burning Crusade war das Leveln Deines Charakters die wohl größte Herausforderung. Seit einigen Addons wurde das System zwar beibehalten aber das Leveln hat nicht mehr so viel Gewicht wie früher, sondern ist nur ein kleiner Teil. Die meiste Zeit verbringt man im Endgame. Dennoch wünsche ich mir manchmal wieder wesentlich längere Questpassagen. Aber wie Stromberg schon einst sagte: Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen.

Das neue Maximallevel liegt bei 90. Wer bereits einen Charakter auf Stufe 80 besitzt, kann die neuen 10 Level innerhalb von etwa 15 Stunden erreichen. Das Tempo ist damit relativ hoch.

Wie in den letzten Erweiterungen ist nicht mehr der Weg das Ziel, sondern das Endgame. Und hier liefert Midnight einiges an Inhalt. Sobald die erste Season freigeschaltet wird, öffnen sich die heroischen und mythischen Dungeons. Auch der erste Raidflügel wird zugänglich gemacht.

Zusätzlich kommen neue Szenarien Quests ins Spiel, die für Abwechslung sorgen und weitere Herausforderungen bieten. Das Endgame wirkt gut vorbereitet und klar strukturiert. Hier zeigt sich, dass Blizzard weiß, wo der langfristige Fokus liegt.

So stark das neue Gebiet ist, so schwach fällt leider die Levelphase aus. Zwar wird man über Quests gezielt in die neuen Instanzen geführt, was grundsätzlich sinnvoll ist. Die Dungeons werden organisch in die Story eingeführt und geben dem Fortschritt Struktur.

Doch die normalen Quests wirken erschreckend repetitiv. Im Kern gibt es nur drei Typen:

  1. Besiegt Monster XY.
  2. Bringt mir Z.
  3. Erreicht 100 Prozent in einem bestimmten Gebiet, indem ihr Bürgern helft oder Gegner besiegt.

Diese Struktur wiederholt sich konstant. Kreative Abwechslung sucht man weitgehend vergebens. Genau darüber hatte ich mit Freunden anregende Diskussionen. Einer meinte, das sei schon immer so gewesen. Ein anderer war ebenso überrascht wie ich, wie deutlich diese Monotonie inzwischen auffällt. Zumindest sagt mein Gefühl, dass war in anderen Addons nicht immer so.

Natürlich bleibt das Erledigen der Quests belohnend. Man steigt auf, die Story entwickelt sich weiter und man nähert sich dem Endgame. Doch der Weg dorthin fühlt sich eher wie Pflichtprogramm an als wie ein echtes Abenteuer.

Mehr RP als früher – Qualitativ hochwertige Cutscenes und sehr optimierter technischer Zustand

Zur Story selbst möchte ich nicht allzu viel sagen, da Midnight stark auf Cutscenes setzt und viele Überraschungen in diesen Sequenzen liegen.

Fest steht jedoch, dass Blizzard hier deutlich mehr Wert auf inszenierte Zwischensequenzen legt als in manch früherer Erweiterung. Für Spieler, die stark auf Story bedacht sind, ist das sicherlich ein Pluspunkt. Die Sequenzen sind hochwertig, emotional und visuell beeindruckend.

Mir persönlich war es stellenweise etwas zu viel. Man kann problemlos mehrere Stunden damit verbringen, Cutscenes zu schauen und die aufwendig gestalteten Sequenzen zu analysieren. Das wirkt fast schon wie eine Serie innerhalb des Spiels.

Die Qualität ist unbestritten hoch, doch die Menge kann den Spielfluss ausbremsen, wenn man eigentlich aktiv spielen möchte. Dabei können wir direkt auswählen, ob wir die Cutscene sehen möchten, oder wir drücken während der Zwischensequenz einfach ESC.

Technisch läuft Midnight wirklich gut. Gerade in Zeiten von Engpässen bei Speicher und Grafikkarten ist es wirklich den Entwicklern hoch anzurechnen, dass das Spiel auch auf älteren oder weniger leistungsstarken Systemen stabil läuft.

Die Performance ist rund, Ladezeiten sind moderat und selbst die modernisierten Gebiete wirken sauber optimiert. Blizzard hat hier gutes Ressourcenmanagement betrieben. Trotz grafischer Aufwertungen bleibt die technische Basis zugänglich.

Das sorgt dafür, dass sowohl High End Systeme als auch ältere Rechner eine stabile Spielerfahrung bieten. Gerade für ein MMORPG ist das enorm wichtig.

Fazit

World of Warcraft Midnight ist eine Erweiterung mit klaren Stärken und ebenso klaren Schwächen. Das neue Gebiet rund um Silbermond ist wunderschön, nostalgisch aufgeladen und atmosphärisch stark. Die technische Optimierung überzeugt und sorgt für ein rundes Spielerlebnis auf unterschiedlichsten Systemen.

Die Behausung ist ein interessantes Feature mit viel Potenzial, wird aber stellenweise zu sehr in den Vordergrund gedrängt und ersetzt gefühlt klassischen Loot. Die Levelphase leidet unter repetitivem Questdesign, auch wenn sie weiterhin Fortschritt und Storyentwicklung bietet.

Am Ende bleibt Midnight eine Erweiterung, die besonders im Endgame und in ihrer Weltgestaltung punktet. Wer World of Warcraft seit Jahren begleitet, wird viele vertraute Gefühle wiederfinden. Wer jedoch auf ein revolutionäres Questdesign gehofft hat, dürfte etwas ernüchtert sein.

Solo Wertung

  • Wunderschöne neue Landschaften & hochwertige Zwischensequenzen
  • Gut optimiertes Spiel für PCs die etwas älter sind
  • Gameplayloop nach wie vor vorhanden
  • Questdesign und Levelphase sind eher Beiwerk
  • Sehr starker Fokus auf Housing
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Written by: Chris Hoke

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