Heute haben wir mal wieder einen Vorabtest für euch. Diesmal geht es um Transport Fever 3, auf das ich mich persönlich sehr gefreut habe. Warum das Spiel trotz meiner Vorfreude nicht perfekt ist, erfahrt ihr bei uns im Test!
Transport Fever geht mit dem neuen Teil in die dritte Runde, und wer die Vorgänger gespielt hat, wird sich direkt zu Hause fühlen. Entwickelt wurde es wieder von Urban Games, als Publisher ist Paradox Interactive dabei. Auch diesmal seid ihr für die Logistik einer gesamten Region zuständig. Ihr baut Routen für Personen und Güter per Straße, Schiene, Wasser und Luft und versorgt die Städte mit immer mehr unterschiedlichen Rohstoffen, damit sie wachsen. Jede Lieferung bringt Geld ein, jedes Fahrzeug kostet aber auch Unterhalt, und so wägt ihr ständig ab, welche Linie sich lohnt und wo ihr als Nächstes investiert. Dafür stehen euch mehr als 275 Fahrzeuge zur Verfügung, von der Pferdekutsche bis zum Düsenjet, dazu über 35 Industrien, darunter auch Offshorebetriebe wie Fischzuchten und Ölplattformen. Transport Fever 3 erscheint am 29. September 2026 für Windows, macOS und Linux und kostet 49,99 €.

Neuerungen und Features
Wenn man sich das Spiel das erste Mal anguckt, fragt man sich zuerst, was sich gegenüber den Vorgängern getan hat. Die größte Änderung ist die neue Engine. Sie sieht deutlich hübscher aus als die Spiele zuvor und lässt zum ersten Mal Tag und Nacht wechseln. Den Sprung merkt man vor allem an der Beleuchtung und an den Nachtphasen, die es vorher schlicht nicht gab. Dazu kommt, dass jetzt jeder einzelne NPC simuliert wird und eigene Ziele verfolgt. Davon habe ich beim Spielen allerdings kaum etwas gemerkt.

Neu ist außerdem die subarktische Klimazone. Die Karte bietet Schnee, Nadelwälder, Berge und Seen, und das anspruchsvolle Gelände verlangt beim Bauen einiges ab. Neue Industrien bringt die Klimazone allerdings nicht mit.

Mit der Prospektion könnt ihr gezielt nach neuen Industrien suchen lassen. Ihr wählt eine Stadt und eine Ressource aus, und Forscher suchen in der Nähe nach unerschlossenen Vorkommen. Werden sie fündig, entsteht dort nach einiger Zeit eine neue Industrie, andernfalls schlägt die Prospektion fehl. So könnt ihr eure Lieferketten gezielter planen.

Dazu kommen die Wahrzeichen. Das sind besondere Gebäude wie ein Amphitheater oder ein Leuchtturm, die ihr mit steigendem Unternehmensrang freischaltet. Einfach hinstellen reicht allerdings nicht, denn für den Bau müsst ihr sie erst mit Materialien beliefern. Ist ein Wahrzeichen fertig, bekommt das Stadtgebiet dafür Boni.

Ebenfalls neu sind die Subventionen. Das sind Lieferaufträge, bei denen ihr z. B. eine Stadt mit einer bestimmten Ressource versorgen oder Passagiere von A nach B bringen müsst. Meistens gibt es dafür eine feste Summe vorab und eine weitere bei Fertigstellung. Manchmal bekommt ihr stattdessen auch Boni, etwa schnelleres Stadtwachstum für eine bestimmte Zeit oder eine schnellere Förderung von Ressourcen. Das ist angenehm, macht das Spiel aber auch recht einfach.
Die Optik und die neuen Inhalte sind klar die größten Verkaufsargumente. Ich finde die Neuerungen gelungen, und sie runden für mich ein ohnehin schon gutes Spiel ab. Für Fans der Reihe lohnt sich der Umstieg meiner Meinung nach auf jeden Fall, gerade die neuen Inhalte machen das Spiel sehr spielenswert.

Kampagne als Tutorial
Inhaltlich wartet das Spiel mit einer Kampagne aus 8 Leveln, einem Karteneditor und natürlich dem Herzstück auf, dem freien Spiel.

Die Kampagne ist im Grunde nicht mehr als ein Tutorial, diesen Job macht sie aber gut. Sie führt euch durch unterschiedliche Epochen und Regionen. In der ersten Mission seid ihr z. B. für den Bau eines Tunnels verantwortlich, müsst Zuglinien planen, Steine an- und abtransportieren und dafür sorgen, dass Menschen von A nach B kommen. Nach und nach lernt ihr so die Möglichkeiten des Spiels kennen, etwa Weichen und Signale setzen oder Strecken elektrifizieren, um fortgeschrittenere Züge einzusetzen. Spielen kann man die Kampagne trotzdem, gerade wenn ihr die Reise durch die Epochen und Regionen mögt oder lieber geführt spielt. Neulingen lege ich sie ohnehin ans Herz.

Freies Spiel
Im freien Spiel habt ihr quasi endlose Möglichkeiten, die Karte und das Spiel an euch anzupassen, darunter auch das Startjahr, das frühestens bei 1900 liegt. Zu Beginn bietet euch das Spiel außerdem ein kleines Tutorial an, das ihr unbedingt mitnehmen solltet. Das Spiel deckt mehr als 125 Jahre Transportgeschichte ab, ihr spielt also mindestens bis in die 2020er, und das letzte Kampagnenlevel beginnt sogar erst im Jahr 2033. Ihr startet mit keinem Kapital auf Unternehmensrang 1.

Euer erstes Kapital kommt deshalb aus einem Darlehen, mit dem ihr die ersten Routen baut, bis diese selbstständig Geld abwerfen. Das kann durchaus knapp werden. Bei mir lief es phasenweise so schlecht, dass ich einen weiteren Kredit aufnehmen musste, um die alten zu tilgen. Neue Unternehmensränge erreicht ihr, wenn eure Städte wachsen, und sie schalten unter anderem neue Gebäude für euren Hauptsitz frei. Parallel dazu werden nach und nach modernere Fahrzeuge verfügbar, sodass ihr permanent am Umbauen, Optimieren und Neubauen seid. Während die Fahrzeuge mit der Zeit gehen, passen sich die Ressourcenpunkte leider nicht der Epoche an, und das schadet der Immersion.

Genau dieses ständige Umbauen, Optimieren und Neubauen macht den Reiz aus. Es ist einfach sehr befriedigend, wie die Städte durch das eigene Zutun organisch wachsen, neue Anforderungen stellen und man dann wie in Factorio alles über den Haufen werfen muss, um zu modernisieren oder neue Ressourcen zu erschließen.
Städte wollen versorgt werden
Damit eure Städte wachsen, müsst ihr sie gut versorgen. Im Stadtfenster seht ihr dafür mehrere Bewertungen, etwa zur Versorgung mit Gütern, zur Pünktlichkeit der Lieferungen, zum Verkehr oder zur Umwelt. Ist eine davon schlecht, wächst die Stadt langsamer oder stagniert ganz. Dabei reicht es nicht, genug Waren abzuliefern, sie müssen auch rechtzeitig ankommen. In einem meiner Spielstände bekam eine Kleinstadt zwar ihren kompletten Fisch, war aber trotzdem wütend, weil die Lieferungen zu lange unterwegs waren. Solche Zusammenhänge muss man sich leider oft selbst erschließen.

Sound und Bedienung
Sound und Musik sind so, wie man es von der Reihe kennt, und vor allem die Soundtracks gehen richtig ins Ohr.
Die Bedienung ist für Kenner der Vorgänger sehr intuitiv. Trotzdem versteht man manchmal nicht, wieso etwas nicht funktioniert. Straßen lassen sich nicht überbauen, und am Hafen muss man Anlegestellen teils komplett neu bauen und die Routen neu setzen, statt sie einfach aktualisieren zu können. Außerdem würde ich einige Fenster gerne größer ziehen. Das kann schon echt frustrieren, vor allem wenn das Spiel dabei laggt oder sich beim Bauen von Strecken komplett aufhängt.
Testsystem
Getestet habe ich auf folgendem System:
Ryzen 5 5600X
RTX 2070 Super
32 GB RAM
Linux (nativer Build) | CachyOS | niri | Windows
Die meiste Zeit hatte ich das Spiel auf Linux am Laufen, aber bei meinem Testlauf auf Windows hatte ich leider dieselben Probleme.
Gespielt habe ich eine Pressebeta, zu der aber angemerkt wurde, dass sie zum Großteil dem Releasebuild entspricht. Bis zu diesem Test habe ich rund 20 Stunden gespielt.

Performance und Abstürze
Und damit kommen wir zum größten Kritikpunkt, der Performance. Ich habe auf jeder Kartengröße gespielt, und die Probleme treten leider überall auf. In der normalen Isoansicht lief das Spiel bei mir stabil mit 60 FPS, wobei ich die Bildrate auf 60 begrenzt hatte. Sobald man nah ins Geschehen reinzoomt, sinkt sie auf etwa 30 FPS, und auch in den Menüs geht es merklich runter. Baut man eine längere Strecke, wird es richtig ruckelig mit gerade einmal rund 5 FPS. Beim Einrichten großer Routen friert das Spiel teilweise sogar für 10 bis 20 Sekunden komplett ein.

Noch ärgerlicher sind die Abstürze. Gut fünfmal hat sich das Spiel bei mir verabschiedet. Auslöser ist wahrscheinlich ein voller Grafikspeicher, denn meine RTX 2070 Super hat 8 GB VRAM, und größere Spielstände schöpfen diese fast komplett aus. Wer eine Grafikkarte mit wenig VRAM hat, sollte die Texturqualität also lieber etwas herunterstellen. Selbst Speichern hat nicht geholfen. Nach manchen Abstürzen waren auch manuell gespeicherte Spielstände verschwunden, und Autosaves lassen sich über das Lademenü gar nicht erst laden. So habe ich leider mehrfach Stunden an Fortschritt verloren. Auch die Kampagne ist mir mehrfach abgestürzt. Dazu kommt ein Fortschrittsbug. Nach manchen Zwischensequenzen und Dialogen hängt die Kampagne fest, weil die nächste Quest einfach nicht ausgelöst wird. Da hilft dann nur Neuladen.
Modsupport
Modsupport ist natürlich auch wieder von Beginn an dabei. Wie gut sich das Spiel modden lässt und wie viele Mods es geben wird, kann ich vorab aber noch nicht sagen.
Fazit
Transport Fever 3 hat alles, was die Reihe ausmacht. Städte wachsen durch das eigene Zutun, und das ständige Umbauen und Modernisieren motiviert wie eh und je. Die neue Optik und die neuen Inhalte machen das Spiel für Fans sehr spielenswert. Ausgebremst wird es aktuell von Rucklern, Freezes und Abstürzen, die Fortschritt kosten. Bleibt zu hoffen, dass Urban Games hier schnell nachbessert.
Pro
- deutlich schönere Optik, vor allem Beleuchtung und Nachtphasen
- neue Inhalte wie die subarktische Klimazone
- Wahrzeichen und Subventionen als neue Ziele
- befriedigender Kreislauf aus Wachsen, Umbauen und Modernisieren
- für Kenner der Vorgänger sehr intuitive Bedienung
- Kampagne als gutes Tutorial durch Epochen und Regionen
- Soundtracks gehen ins Ohr
- Modsupport von Beginn an
Contra
- Einbrüche beim Reinzoomen und bis auf rund 5 FPS beim Streckenbau
- Freezes von 10 bis 20 Sekunden bei großen Routen
- häufige Abstürze, Spielstände gehen verloren
- Autosaves nicht über das Lademenü ladbar
- Kampagne hängt nach manchen Dialogen fest
- Straßen lassen sich nicht überbauen, Häfen sind umständlich
- manche Fenster lassen sich nicht vergrößern
- Einwohnersimulation kaum spürbar
- Subventionen machen das Spiel recht einfach
- Ressourcenpunkte passen sich nicht der Epoche an



