Review: Towa and the Guardians of the Sacred Tree – Anime Roguelite mit Tiefe

Auch wenn die Version 1.0 von Hades (wir berichteten) vor der Tür steht, gibt es durchaus auch noch andere interessante Spiele im Roguelite/Roguelike Genre, die einer tieferen Betrachtung bedürfen. Eines davon ist Towa and the Guardians of the Sacred Tree entwickelt von Brownies Inc. und mit Bandai Namco als Publisher. Hinter der süßen Anime Aufmachung verstecken sich nämlich jede Menge Systeme, die euch einige Möglichkeiten bieten euren Spielstil zu finden und uns positiv überrascht haben. Wir haben dabei die Steam Version getestet, aber auch die Nintendo Switch, Playstation 5 und XBox Series X|S bekommen je eine Version zum Release.

Der Gute Geist des Dorfes

Ihr schlüpft zunächst in die Rolle von Towa, einem unsterblichen Kind der Götter, das ein Dorf am Fuß des heiligen Baumes Shinju beschützt. Die klassische Fantasygeschichte, dass Miasma/ein böser Nebel durch die Lande weht und jede Menge Monster erscheinen lässt, reißt dabei zugegebenerweise noch niemanden vom Hocker. Der böse Gott Magatsu zeichnet sich dabei als Verursacher aus und seine Magaori Monster müssen wieder zurückgedrängt werden. Towa hat zu diesem Zweck acht sog. Prayer Children im Dorf zu einer Gruppe zusammengefasst, die diese schwere Aufgabe erfüllen sollen.

Das funktioniert aber nicht ganz so gut wie gedacht und Towa muss ihre göttlichen Fähigkeiten nutzen, um die Zeit zurückzudrehen und so eine neue Chance auf Rettung zu bekommen. Im Laufe des Spiels ist der Lauf der Zeit ein zentraler Bestandteil der Erzählung, da das Dorf mitwächst, Dorfbewohner erwachsen werden und euch so mit ihren Eigenheiten immer mehr ans Herz wachsen. Ein weiterer zentraler Punkt sind die durchweg vertonten und reichlich vorhandenen Dialoge mit Dorfbewohnern sowie mit und zwischen den Prayer Children, die die Charaktere weiter mit Leben füllen.

Tsurugi und Kagura – Schwert und Stab

Kommen wir nun zum eigentlichen Kern des Gameplays. Wenn ihr das Dorf als Towa verlasst müsst ihr euch von euren acht Mitstreitern zwei aussuchen. Dabei übernimmt einer die Rolle des Tsurugi (Schwert), der direkt vom Spieler gesteuert wird und der zweite agiert als Kagura (Stab), der dem Tsurugi nachläuft und indirekt oder über extra Tastendruck kurzzeitig direkt gesteuert wird. Jeder der acht hat dabei andere Statuswerte und eine eigene Art als Tsurugi anzugreifen. Als Kagura sind dagegen jedem Charakter zwei Elemente zugeordnet, die die möglichen Zauber einschränken. Das klingt ein wenig überfordernd, aber das Spiel gibt sich mittels kurzer Videos im Auswahlmenü alle Mühe dem Spieler zu zeigen, was er da gerade auswählt. Zudem könnt ihr bei jedem Run eure zwei Akteure austauschen, eure Skillpunkte anders verteilen oder eurem Tsurugi andere Schwerter geben und so eure favorisierte Spielweise finden.

Aus einem Storytechnischen Grund stehen euch aber nicht immer alle Figuren zur Verfügung, sodass ihr manchmal gezwungen seid sowieso durchzuwechseln. Wenn ihr euch dann schlussendlich entschieden habt geht es in zufallsgenerierte Arenen, in denen ihr Magaori in großen Mengen zurück zu ihrem Schöpfer schicken dürft. Dabei ist es wichtig, dass ihr mit eurem Tsurugi zwischen beiden Schwertern hin und her wechselt, denn nur so lädt sich die Ausdauer wieder auf. Je nach Schwert und Charakter habt ihr auch sehr unterschiedliche Angriffmodalitäten. Einer unser Favoriten als Tsurugi ist Shigin, der sein Schwert wie einen Bumerang wirft oder im zweiten Modus mit Schockwellen angreift.

Euer Kagura darf nebenbei alle paar Sekunden einen von zwei Zaubern um sich werfen, die teilweise offensiv, teilweise defensiv gestaltet sind. Wie in Action Roguelites und im offensichtlichen Vorbild Hades üblich gibt es nach jedem Gebiet auch eine Belohnung. Das reicht von Materialien, die fürs Schmieden, Gebäude bauen im Dorf und upgraden eurer Figuren notwendig sind über sog. Graces, die euch passive Skills für den derzeitigen Run verleihen. Diese sind jeweils einem Element zugeordnet und (wie in Hades) jeweils für eine bestimmte Sache eures Movesets vorgesehen. So könnt ihr z.B. jedesmal einen Kettenblitz beim dashen auslösen oder mit einem anderen Typ Grace nach jedem Dash kurz mehr Schaden verursachen. Umso mehr Fähigkeiten ihr von einem Grace sammelt, umso höher ist eure Chance legendäre Fähigkeiten zu finden, die umso stärker sind.

Wenn ein Run mal schiefgehen sollte bekommt man zumindest eine Zusammenfassung, was man erreicht hat.

Und alles wieder von Anfang

Eure beiden Auserwählten pro Run haben jeweils eine HP Leiste, die aber auch als Summe angezeigt wird. Erst wenn beide leer sind endet euer Run. Davor solltet ihr mittels der unverwundbaren Dashes, Backstabs, die mehr Schaden verursachen und geschickter Routenwahl für bestimmte Belohnungen versuchen so weit wie möglich zu kommen, um den jeweiligen Boss des Gebietes zu schaffen und so die Story voranzutreiben. Falls ihr daran scheitern solltet, verliert ihr alle Graces und werde zurück ins Dorf geworfen. Dort könnt ihr aber die gefundenen Materialien verwenden, um für den nächsten Run besser gerüstet zu sein.

Eine Möglichkeit ist z.B. Skillpunkte zu kaufen, die dann für mehr Dashes, Lebenspunkte, Attack Speed etc. ausgegeben werden können. Dabei könnt ihr jedes Prayer Child anders ausstatten, um es so für euren Wunschbuild besser geeignet zu machen. Im Laufe des Spiels kommen dann noch weitere Möglichkeiten hinzu. Beispielsweise gibt es Juwelen, die die Chance auf bestimmte Graces verbessern, Inschriften, die % bestimmte Attribute verbessern oder auch neue Gebäude im Dorf, die neue Shopmöglichkeiten oder passive Verbesserungen auf den Runs bringen.

Towa and the Guardians of the Sacred Tree hat gefühlt fast schon zuviele Optionen und daher ist es gut, dass diese nur nach und nach dazukommen. Und neben den ganzen Kaufoptionen, bei denen es ausreicht, dass man eine bestimmte Ressource einfach nur ausgibt, gibt es sogar noch eine Schwertschmiede, bei der man mit Hilfe kleiner Reaktionsminispiele und etwas Glück beeinflussen kann, wie gut das neue Schwert wird. Wer bis ins kleinste Detail optimieren will, sollte sich also austoben können und darf sich auf einiges an Grind gefasst machen, um genug und passende Ressourcen zu haben.

Es wird viel geredet und geschrien

Sehr auffällig sind die, wie bereits erwähnt, vollständig vertonten Dialoge. Jeder Dorfbewohner hat seine Lebensgeschichte, die des Nachbarn und dessen Cousine parat und ist gewillt, diese mit Towa zu teilen. Bei diesen Dialogen erhaltet ihr meist Ressourcen und jede Menge Hintergrundinfos. Die meiste Zeit sind diese Stories auch recht amüsant und sind im Stil eines Slapstick Anime aufgezogen. Auch die Prayer Children reden während eurer Runs an bestimmten Stellen miteinander und diskutieren über Gott und die Welt. Da gibt es dann Flirthilfen oder Gedanken darüber wie sich ihre Mission auswirkt.

Alle Dialoge sind überspringbar und wir würden empfehlen mit japanischer Sprachausgabe zu spielen, da dadurch die Emotionen der Charaktere trotz der Sprachbarriere schön rübergebracht werden. Im Dorf dagegen nervt das manchmal, da jeder Charakter einen charakteristischen Ruf hat, den er jedes(!) Mal zum besten Gibt, wenn Towa an ihm oder ihr vorbeiläuft. Zum Glück kann man aber jeden Shop auch über das Menü ansteuern, um so nicht hinlaufen zu müssen. Wenn man dagegen Angeln will, was an verschiedenen Stellen im Dorf möglich ist, dann muss man sich zu Fuß dort hinbegeben. Die Angelmechanik ist eine weitere Möglichkeit Ressourcen zu sammeln, da jeder gefangene Fisch Punkte gibt, die man gegen Items eintauschen kann. Das Angelminispiel ist allerdings nur Buttonmashen, sobald ein Ausrufezeichen erscheint und daher nicht der Rede wert.

Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist

Beim Schmieden werdet ihr durch einen etwas längeren Prozess geführt, bei dem ihr zum richtigen Zeitpunkt drücken müsst, sodass euer Schwert möglichst viel „Ausdauer“/Qualität besitzt. Die Steps sind aber die des echten Schwertschmiedens und mit den japanischen Namen ausgestattet, also gibt es sogar einen kleinen Lerneffekt fürs echte Leben. Mit den Punkten könnt ihr dann dem Schwert für euren Build passend Attributspunkte verteilen. Jedes Mal wenn ihr das macht wird aber ein anderes Attribut schlechter und so müsst ihr eure Prioritäten setzen. Wenn zum Schluss wenig Ausdauer übrig bleibt bedeutet das nämlich praktisch, dass ihr in Runs häufig die Waffe wechseln müsst. Aber auch das löst eine Attacke namens Quick Draw aus und wenn diese dementsprechend geskillt ist, kann auch das Schaden verursachen, sodass euch die niedrige Ausdauer dann doch nicht mehr stört. Je nach gewähltem Charakter ist die Quick Draw Attacke aber mal mehr, mal weniger nützlich. Man sieht also auch hier greifen die verschiedenen Systeme ineinander.

Wie auch schon in unserer Preview muss man aber betonen, dass man gut durch das Spiel kommt ohne eine Wissenschaft daraus zu machen. Solange man stetig mit besseren Materialien bessere Schwerter schmiedet und seine Ressourcen für mehr Attributspunkte ausgibt gibt, wird man weiterhin Progress machen. Veteranen von Action Roguelites werden zudem die erhöhbare Anzahl an Dashes schätzen, wodurch man den immer deutlich angezeigten Attacken der Gegner gut ausweichen kann. Selbst mit geringem Schaden, hat man also, genug Ausdauer und Konzentration beim Spielen vorausgesetzt, immer die Möglichkeit Bosse niederzuringen.

Ein interaktiver Anime

Wie aus den Screenshots unschwer zu erkennen ist, ist das ganze Spiel auf eine farbenfrohe Anime Optik getrimmt. Insbesondere die Standbilder der sprechenden Charaktere haben uns dabei sehr gut gefallen, da sie genretypisch völlig überzeichnet Emotionen porträtieren.

Wenn es zu den Animationen kommt, fällt in den Zwischensequenzen im Dorf aber leider auf, dass die Figuren alle zu schweben scheinen. Während eines Runs ist dieses Detail allerdings irrelevant. Insgesamt ist das Spiel schön anzusehen, aber grafisch nicht perfekt.

Dasselbe gilt auch für den OST. Während alle Tracks das Geschehen passend untermalen, sind die einzelnen Stücke recht kurz und wiederholen sich häufig. Auf Dauer war uns das in manchen Gebieten doch zu repetitiv, vor allem wenn man bedenkt, dass einzelne Runs recht lang dauern können. Trotzdem haben wir uns immer wieder ins Spiel begeben, um das nächste Gebiet zu säubern.

Fazit

Towa and the Guardians of the Sacred Tree bietet ein Action Roguelite mit Animecharme, das uns recht viel Spaß gemacht hat. Die vielen Systeme zum Upgraden bieten einige Möglichkeiten sich auf bestimmte Aspekte der acht Charaktere zu konzentrieren. Manchen Spielern könnte das aber zuviel sein. Insgesamt erreicht man nicht das Qualitätslevel, des Hauptkonkurrenten Hades, aber Fans des Genres werden mit Towa trotzdem eine Freude haben.

Positiv

  • Schöner Animestil mit liebevoll charakterisierten Protagonisten
  • Viele Konfigurations- und Verbesserungsmöglichkeiten für den eigenen Build
  • Gameplay ist Actionreich und skillbasiert

Negativ

  • Manche Animationen wirken etwas stumpf
  • Der Soundtrack ist zwar passend, aber etwas repetitiv durch kurze Stücke
  • Manche Spieler dürfte die Metaprogression etwas zu zerrupft sein
Solo Wertung
Teilt uns eure Meinung mit

Written by: Steve Brieller

No comments yet.

Leave Your Reply