Review: Total War: WARHAMMER III mit Tides of Torment DLC – Für den Prince of Pleasure tun wir alles

Die Total War: WARHAMMER Reihe gibt es bereits seit 2016 und den dritten Teil seit 2022. Gemein haben sie eine absurde Anzahl an DLC Paketen, die weitere Helden, Einheiten, Story und Spielmechaniken hinzufügen. Wir haben uns den neuesten DLC Tides of Torment angeschaut und verbinden das mit einer Gesamtreview des Spiels. Für die Veteranen beginnen wir aber mit einer Aufzählung der DLC Inhalte, die man übrigens nach Release auch einzeln kaufen kann.

Lisssssspeln für Slaanesh

Der neue Content von Tides of Torment umfasst Schamanen-Hexer Sayl einen legendären Lord der Dolgan, der Manipulations als besondere Mechanik bekommen hat, um so z.B. die Diplomatie von zwei anderen Fraktionen zu beeinflussen oder für mehrere Runden auf der Weltkarte eine ganze Fraktion aufzudecken. Zudem will er als Endziel ein Dark Ritual ausführen, dass keinem bestimmten Chaosgott zugeordnet ist, wie es bei den anderen Norscan Fraktionen der Fall ist.

Neben Sayl gibt es auch Aislinn, der als legendärer Lord der Hochelfen auftritt und ein Spezialist für Seeschlachten ist. Er arbeitet mit sog. Dragonship Flotten und eroberte Siedlungen werden entweder als Aussenposten oder Kolonien wieder aufgebaut, die einem der Hochelfenlords gewidmet werden. Als erfahrener Kapitän, kann man mit Aislinn auch spezielle Seerouten für schnelles Reisen auf der Weltkarte verwenden, die anderen Fraktionen vorenthalten bleiben. Natürlich haben beide Fraktionen neue, eigene Einheiten wie z.B. die riesigen Curs’d Ettins und Chimeras aufseiten von Sayl oder Sea Elementals oder den Lothern Sky Cutter (einen Adler mit Luftbeiboot) bei Aislinn.

Gereizt hat uns aber für den Test die dritte im Bunde, Dechala the Denied One, die für Slaanesh in den Krieg zieht. Ihre Spezialität ist neben Lispeln (als Schlangenwesen wenig verwunderlich) die Pillars of Cruelty Mechanik, die sie in eroberten Städten Pleasure Palaces oder Thrall Camps bauen lässt. Letztere liefern ihre eigene Ressource „Thralls“ (also Sklaven), die dann in Gebäude in Pleasure Palace Städten investiert werden können, um dort starke Einheiten zu rekrutieren. Der Nachschub aus Thrall Camps versiegt allerdings mit der Zeit, was auch für einen Wegfall diverser Boni sorgt. Dadurch ist man immer angehalten neue Siedlungen zu erobern. Manche Gebäude liefern auch eine weitere Ressource namens Decadence, die für spezielle Items, dauerhafte Dechala Buffs oder temporäre Buffs in Kämpfen verwendet werden kann.

Nicht unerwähnt bleiben soll auch The Masque, die als weiterer Lord für Slaanesh sogar als Gratisupdate verteilt wird.

Ein jeder fängt klein an

Wir haben allerdings Dechalas Fraktion, die Tormentors gewählt und ihre sechs Hände in glorreiche Schlachten geführt. Als Grand Strategy Game teilt sich Total War seit jeher in eine Weltkarte im Rundenmodus und Echtzeitschlachten auf. Wie auch aus anderen Teilen gewohnt, versucht ihr nach und nach immer mehr Siedlungen eurer Nachbarn zu euch zu holen. Dabei bekommt ihr laufend Quests, die eine grobe Richtung vorgeben und euch auch dem kleinen bzw. großen Kampagnensieg näher bringen. Ihr könnt das aber auch genausogut ignorieren und stattdessen die Sandboxstruktur des Spiels ausnutzen und eure eigene Geschichte schreiben. Nichtsdestotrotz helfen die Missionsbelohnungen besonders zu Beginn sehr.

Slaanesharmeen haben zu Beginn als Anfänger auch viel Hilfe nötig, denn sie sind nicht gerade für gute Rüstungswerte bekannt. Stattdessen muss man hier auf die Schnelligkeit seiner Daemonettes und Kavallaerieeinheiten setzen und viel Flankieren, um so die Moral der Gegner zu brechen, damit sie fliehen. Dazu muss man aber in den Schlachten den Überblick bewahren und ggf. auch einmal die Pausefunktion nutzen, die man aber auch zu Realismuszwecken deaktivieren kann. Hier zeigt sich auch wichtiger Punkt der Total War DLC Strategie. Wer den DLC Champions of Chaos bereits gekauft hat, der kann recht bald Chosen und Chaos Warriors of Slaanesh in die Schlacht führen, die mit besseren Rüstungswerten aufwarten. Ein bisschen Pay to Win also, aber zumindest nicht zwingend.

Diplomatie mit der Brechstange

Während ihr erste Kriege führt, könnt ihr aber auch Diplomatie walten lassen. Nur die Startregion von Dechala im Süden der großen Menschenfraktion von Grand Cathay hilft dabei nicht, denn die mögen Chaos und damit uns nicht wirklich. Doch mit vielen Geldflüssen und einem geschickten Siedlungsgeschenk konnten wir eine der Subfraktionen überzeugen unser Vasall zu werden und das trotz des Fakts, dass wir militärisch wesentlich schwächer unterwegs waren. Die AI ist nämlich oftmals nicht gerade die schlauste. Das gilt sowohl für die Strategie in Kämpfen, als auch die Strategiekarte und leider auch für die Wegfindung bei Belagerungsschlachten. Nach neun Jahren Total War: WARHAMMER hätten wir gehofft, dass hier nachgebessert wurde, aber wir wurden enttäuscht.

Das sorgt für unnötiges Micromanagement und traf uns als „Flankierexperten“ manchmal sehr hart. Insgesamt kann man diese Missstände allerdings verschmerzen, denn wenn ein taktisches Manöver gelingt, ist die Freude umso größer. Und was Taktik und Strategie angeht, ist einiges Los. Das fängt schon mit der Auswahl der Fraktionen an, die sich mit ihren Spezialitäten schön unterschiedlich spielen lassen, trotzdessen, dass es grob nur acht verschiedene Typen von Einheiten gibt. Dann habt ihr eure Lords, die Armeen befehligen, Helden, die sich den Armeen anschließen oder eigenständig Sabotage o.Ä. betreiben können und sowohl Lords als auch Helden sammeln Erfahrung um passive Boni und neue aktive Fähigkeiten Freizuschalten. Desweiteren spielt auch das Terrain eine entscheidende Rollen in den Schlachten. Wer auf einem Hügel steht bekommt Boni gegen Feinde, die bergauf kämpfen müssen und in einem Wald kann man Einheiten verstecken, um so einen Hinterhalt zu legen. Es gibt also einiges zu beachten und dementsprechend in die Planung eines Kampfes einfließen zu lassen.

Noch…eine…Runde

Slaanesh der Prinz of Pleasure hat uns jedenfalls stark gefangen genommen, denn sobald die Kampagne ins Rollen kommt, ist das Rundenstrategiephänomen zu beobachten, dass man immer nur noch „eine“ Runde spielt und 1,5h später immer noch nicht aufgehört hat. Dazu trägt jedenfalls auch die hübsche Grafik und die detailgetreue Umsetzung der Tabletopfiguren aus Warhammer Fantasy bzw. The old World bei. Die Animationen sehen gut aus, die Angriffe sind wuchtig und bei den Zaubern (immerhin befinden wir uns in einer Fantasy Welt) schwimmt schonmal ein Geisterschiff durch die Reihen der Gegner oder sie werden von einer magischen Peitsche durch die Luft gewirbelt.

Ein weiterer motivierender Faktor ist, dass trotz der Unmenge an Einzelheiten, die eine Einheit, Stadt oder andere Entität ausmacht, Creative Assembly dieselbe Menge an intelligenten Tooltips hinzugefügt hat, die so gut wie alles erläutern. Gleichzeitig gibt es auch noch eine Art integriertes Wiki, dass euch noch mehr Erläuterungen und Hintergrundinfos zukommen lässt. Dadurch kann man mit dem Spiel wachsen und in einer zweiten Kampagne hat man die Kernelemente schon weitestgehend im Griff.

Auch beim Sound passt alles, die eigenen Einheiten lassen markige Sprüche fallen, die ebenfalls gut integriert sind. Dechala ist z.B. dermaßen selbstverliebt, dass sie ihren Namen weitaus häufiger sagt, als man das von einem gesunden Dämon erwarten würde. So bekommen eure Lords auch etwas Charakter neben den Textboxen und den wenigen Zwischensequenzen in Storykämpfen.

Fazit

Wenn gewisse Kinderkrankheiten, die Fans seit Jahren bemängeln, und die schnell ins Geld gehende DLC Salamitaktik nicht wären, dann wäre Total War: Warhammer III in seinem dritten Jahr ein absolutes Must Have, dass man uneingeschränkt empfehlen kann. Da dem leider nicht so ist, muss man Fans raten zu überprüfen, welche Fraktionen sie spielen möchten, um dann zusammenzurechnen, welche DLCs dafür interessant wären. Mit Tides of Torment hat man aber jedenfalls aber wieder einen schönen DLC geschaffen, der mit seinen drei neuen Lords und damit einhergehenden neuen Einheiten und Mechaniken den Fans dieser Fraktionen sicher Freude bereiten wird. Mit einigen Slaanesh Dämonen im Regal fällt der Autor dieser Zeilen jedenfalls in diese Zielgruppe und dann machen . In Summe überwiegen im Hauptspiel sowieso der Suchtfaktor und die Liebe zum Detail die manchmal auftretenden KI Aussetzer.

  • Detailgetreue Umsetzung der Tabletopvorlage
  • Gewohnte Tiefe des Kampfsystems mit unzähligen Variablen
  • Intelligente Tooltips und viele Hintergrundinfos erleichtern das Erlernen des Spiels
  • Die AI hat manchmal Aussetzer
  • Die Wegfindung bei Belagerungen ist eine Zumutung
  • Die DLC Politik mit kleinen Paketen und teilweisem Pay2Win ist zumindest fragwürdig
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Written by: Steve Brieller

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