Unfassbare 16 Hauptteile brachte die Tales of Serie bisher hervor. 2017 kam der vorletzte Teil Tales of Berseria in den Handel und wir können euch heute den Test des Remasters liefern. Diesmal kommen sogar Xbox Series X|S und Nintendo Switch (2) Besitzer zum Zuge und nicht nur Sony und PC Spieler, wie es noch beim Original der Fall war. In dieser Review konzentrieren wir uns jedenfalls auf die neuen Features. Wer mehr Grundsätzliches lesen möchte, dem sei der Test des Originals vom Kollegen Gabriel ans Herz gelegt.
JRPG durch und durch

Trotzdem wollen wir auch hier kurz erwähnen, dass der Kern gleich geblieben ist und Tales of Berseria größtenteils alle Stärken und Schwächen eines klassischen JRPGs bzw. der Tales of Reihe hat. Allerdings muss man hervorheben, dass nach der subjektiven Einschätzung des Autors die Story zu den Besten der Serie gehört und die Party mit der man als Velvet durch die Gegend reist mit Abstand das Highlight des Spiels ist. Das liegt unter anderem an der hervorragenden Synchronisation, die damals wie heute sogar teilweise bei unwichtigen Dorfbewohnern integriert ist.

Das ist angesichts der schieren Menge an Dialogen im Spiel wirklich bemerkenswert und wer keine Lust auf richtig viel Story mit Hintergrundinfos durch optionale Dialoge hat, der wird auch im Remaster nicht glücklich werden. Das sollte sich aber eigentlich von selbst verstehen, wenn man bedenkt, dass das Genre sich im Grunde mit Story + Grinden überspitzt beschreiben lässt. Trotzdem ist Tales of Berseria eher am Ende der „storylastig“ Skala zu finden.
Schönere Grafik, ein Lauftraining und jede Menge Markierungen
Kommen wir zu den Änderungen im Remaster. Neben der grafischen Aufwertung, die nicht der Rede wert ist, hat sich D.A.G Inc. vor allem auf Quality of Life Optionen und einer Vereinfachung eines ohnehin nicht schwierigen Spiels konzentriert. Veteranen werden direkt eine erhöhte Bewegungsgeschwindigkeit wahrnehmen, was Backtracking, Monster ausweichen und den allgemeinen Spielfluss deutlich angenehmer gestaltet. Auch, dass man bereits erworbene Items beim Wiederaufheben direkt ins Inventar bekommt und neue Fähigkeiten/Items werden in den Menüs nun mit einem „NEU“ Indikator markiert.

Ein ebenso willkommenes Feature ist eine Sternmarkierung, die euch zeigt, wo das nächste Hauptstoryevent stattfindet und die Orientierung erleichtert, falls man mal nicht aufgepasst hat, wo es nun hingehen soll. Auch spezielle Dialoge mit z.B. Dorfbewohnern und auch Kräuter, Kisten und die Katz Boxen werden nun auf der Minimap markiert und wer durch ein Tor geht, sieht nun einen Text, wo es hingeht. Diese ganzen kleinen Verbesserungen wirken wie aus einem Guss und machen das Spiel deutlich zugänglicher, weil etwas schneller.

Endgamecontent gleich zu Beginn und ein Ende nerviger Kämpfe

Etwas überraschend war dagegen der gleich zu Beginn verfügbare Grade Shop, der euch für Grade (eine Bewertung nach Kämpfen, die hier als Währung dient) Boni wie mehr HP, mehr EXP oder günstigere Shops zur Verfügung stellt. Dieser Shop war im Original noch ein Endgamecontent bzw. im New Game+ versteckt. Auch ein Kritikpunkt am Original wurde abgeschwächt. Vielfach war es nervig, dass man Zickzack laufen musste, um Kämpfen zu entgehen bzw. man überhaupt kämpfen musste, wenn man einfach nur von A nach B laufen wollte. Diese Form von Kampf ist nun im Optionsmenü abschaltbar und man läuft einfach durch Gegner hindurch. All zu lange sollte man aber natürlich nicht Gebrauch von dieser Funktion machen, denn ohne Grinden fällt man trotz der Grade Shop Boni doch ein klein wenig zurück.

Der Teufel steckt hier jedenfalls im Detail. Tales of Berseria war mit seinen Echtzeitkämpfen zu keiner Zeit ein extrem anspruchsvolles Spiel, obwohl das Kampfsystem in der Theorie eine ziemliche Tiefe besitzt. Mit dem (optionalen) Grade Shop hat man nun eine Funktionalität, die das Spiel noch stärker vereinfacht. Da es aber keine sonstigen Nachteile gibt, den Shop zu benutzen wäre man salopp gesprochen dumm ihn nicht zu nutzen. Wer sich also selbst fordern möchte, muss also auf Optimisierungspotential verzichten, was normalerweise in JRPGs ein probates Mittel der Wahl ist. In diesem Fall finden wir, dass man mit den QoL Optionen fast schon zu freigiebig war.
Kleiderkasten
Positiv ist hingegen, dass viele DLCs des Hauptspiels direkt integriert sind. Wer seine Charaktere also mit Maidkostüm, als Schüler oder Piraten durch die Welt jagen möchte, der kann das von Anfang an ohne weiteren monetären Einsatz tun. Auch die Kampfmusik kann man nun ändern, wobei gewisse Tracks der Deluxe Edition bzw. dem Deluxe Edition Upgrade Pack vorenthalten bleiben.

Womit wir zum Preis kommen. Auf Steam ist die Standardversion für 39,99€ verfügbar, während die Deluxe Edition mit 59,99€ zu Buche schlägt. Letztere enthält neben der erwähnten Musik ein Digitales Artbook sowie den Soundtrack und das sog. „Super-Wachstum-Kräuterset“, dass euch ingame Items gibt. Das Original Spiel kostet indes weiterhin 49,99€ ohne DLCs auf Steam und hat dort seine Daseinsberechtigung verloren. Trotzdem sollte man sich klarmachen, dass man abseits der QoL Verbesserungen dasselbe Spiel bekommt und es keinen zusätzlichen Content, wie z.B. neue Gebiete, gibt bzw. wir keinen finden konnten. Da sind die ~40€ für ein 9 Jahre altes Spiel trotzdem eine Ansage.

Fazit
Das Remaster von Tales of Berseria bringt vor allem ein angenehmeres Spielgefühl, das mit seinen vielen kleinen QoL Features einen besser Flow durchs Spiel bringt. Seine Stärken in der Story und der fantastischen Party aus Charakterköpfen und Antihelden, die neben der ernsthaften Hintergründe auch jede Menge Slapstick mitbringen, hat das JRPG natürlich behalten. Trotzdem sollte man dieses Remake eher als Option für diejenigen sehen, die das Spiel bisher ausgelassen haben oder eine tragbare Variante für die Switch (2) dabei haben wollen. Inhaltlich hat sich nämlich nichts wirklich verändert und neuen Content sucht man vergeblich. Unsere Bewertung spiegelt daher eher die Sicht für Spieler, die das Original noch nicht kennen wider.
Positiv
- Quality of Life Verbesserungen bieten einen verbesserten Flow durchs Spiel…
- und hebeln ein paar Kritikpunkte des Originals aus
- Kostüm DLCs größtenteils direkt mit dabei
- Sowohl Story als auch Hauptcharaktere gehören immer noch zu den Besten der Serie
Negativ
- Wir konnten keinen wirklich neuen spielerischen Content finden
- Veteranen, die das Hauptspiel bereits durch haben, wird auch storytechnisch nichts Neues geboten
- Das an sich tiefe Kampfsystem liegt also wieder einmal brach, trotz der Fülle der Möglichkeiten
- Preispunkt von 40€ für die normale Version ist zumindest diskutabel



