2010 erblickte mit Super Meat Boy ein absolutes Indie Juwel das Licht der Welt und fesselte schnell eine große Menge Fans als knüppelhartes Jump ’n‘ Run an sich. Der zweite Teil konnte mit seiner Auto Run Mechanik nicht so sehr überzeugen und auch das Puzzle Spin Off Dr. Fetus‘ Mean Meat Machine war kein Publikumsliebling. Mit Super Meat Boy 3D kehrt Team Meat wieder zurück auf die Ursprungsidee und führt diese in die dritte Dimension. Wie gut das geklappt hat, erfahrt ihr hier in unserem Test der PC Version.
Dr. Fetus is back in Business

Wie üblich hat der Anzugtragende Fötus „Dr. Fetus“ Meat Boys Freundin Bandage Girl entführt und nun liegt es am roten Klops sie zurückzuholen und in jedem Level in letzter Sekunde gestoppt zu werden. Das Spielprinzip ist dabei schnell erklärt. Ihr lenkt Meat Boy durch die Gegend und nutzt eure Bewegungsoptionen ((Wand)Sprung, Dash, Wandlauf und Rennen) um möglichst nicht von Kreissägen, Lasern, Raketen, bodenlosen Löchern, scharfen Kristallen und so ziemlich allem anderen gestoppt zu werden.

Falls ihr doch einmal Kontakt mit einem der unzähligen Stage Hazards machen solltet, habt ihr aber nicht wirklich etwas zu befürchten. Nach eurem Tod respawned ihr sofort wieder am Start des Levels und könnt euch erneut versuchen. Praktischerweise hinterlässt Meat Boy überall eine Blutspur, die ihr als Orientierungshilfe für euren nächsten Run nutzen könnt. Die ersten Level führen euch aber recht angenehm an die Techniken heran, die ihr für spätere Level zwingend verinnerlicht haben müsst.

Sammelwahn
Tatsächlich war es das an Hauptgameplay. Das ist auch nichts Schlechtes, denn die Formel funktioniert und macht Spaß. Nebenbei könnt ihr in jedem Level (exklusive Bosslevels) ein Pflaster finden. Diese sind mal mehr, mal weniger gut versteckt und befinden sich teilweise auch recht weit aussen in Levels, sodass ihr sie auf dem Hauptweg garnicht sehen könnt. Da jeder Level aber weniger als eine halbe Minute lang ist, ist es kein Problem, dass man auch mal länger suchen muss. Schwieriger ist es dagegen, dass das Finden allein nicht reicht, denn man muss dann auch noch heil bei Bandage Girl ankommen, damit irh das Pflaster euer eigen nennen dürft. Wer genug von ihnen findet, schaltet so neue Charaktere frei, die andere Eigenschaften haben als Meat Boy.

So sind sie z.B. klebriger an Wänden oder auch schneller, hüpfen dafür aber nicht so weit. Wir haben aber tatsächlich fast immer zu Meat Boy zurückgewechselt, da die Levels eindeutig auf seine „Physik“ ausgelegt sind. Und die ist sehr floaty ausgelegt, was bedeutet, dass man mit Airdashes häufig gezielt lange Strecken abkürzen kann, was auch dringend nötig ist um die A+ Bewertung eines jeden Levels zu knacken. Diese bekommt man, wenn man eine bestimmte Zielzeit unterbietet.

Die sagenumwobene Dark World
Kenner der Serie wissen auch wofür die A+ Bewertung noch gut ist: Jeder Level hat nämlich auch noch eine Dark World Variante, die man mittels A+ in der Light World freischalten kann. Die Dark World Version baut auf dem Grundkonzept des Levels auf und fügt neue Hindernisse hinzu oder macht erhöht anderweitig den Schwierigkeitsgrad. Da der allgemeine Schwierigkeitsgrad, im Vergleich zum ersten Super Meat Boy, aus unserer Sicht drastisch niedriger ist, freut man sich auf die zusätzliche Herausforderung.

In der Dark World kann man dann auch wieder auf A+ Jagd gehen. Die Zeitschranken reichen dabei von „huch das war ja einfach“ bis hin zu „wie zum Teufel…“ und laden dazu ein die optimale Route durch den Level zu suchen. Besonders wenn man sehr viele Versuche gebraucht hat, macht das wiederkehrende Replay Feature am meisten Spaß: Nach erreichen des Ziels wird einem nämlich jeder Versuch gleichzeitig angezeigt und man sieht wie nach und nach immer mehr Meat Boys verschwinden bis der erfolgreiche Versuch sich zum Schluss durchsetzt.

Klappt die 3D Revolution?
Ein Punkt an dem sich die Geister möglicherweise scheiden werden, ist die Grafik von Super Meat Boy 3D. Der Comic Stil hat zwar durchaus seinen Charme, aber oftmals hat man nicht sofort den Überblick welche Flächen/Wege begehbar und welche tödlich sind. Auch das Abschätzen von Distanzen, die parallel zur Kameraperspektive verlaufen, ist etwas an das man sich erst gewöhnen muss. Um dem etwas Abhilfe zu schaffen zeigt ein Kreis unterhalb der Spielfigur zumindest jederzeit an, worüber man sich befindet. Aber insbesondere bei Sprüngen „in die Tiefe des Bildschirms“ hilft das auch nicht immer. Die Präzision, die man aus den 2D Ablegern kennt, bekommt man hier also nicht zu 100%.

Ein Vorteil ist aber, dass die Verstecke für Bandagen und Zugänge zu Retro Levels (ein Level pro einer der fünf Welten), mehr variieren können. Wir konnten bis zur Veröffentlichung dieses Tests daher auch noch nicht jedes Secret finden, was definitiv ein Plus für die Langzeitmotivation darstellt. Was uns weniger gefallen hat, waren die Bosskämpfe. Vom Grundprinzip her sind diese Kämpfe, wie auch schon im ersten SMB, Autoscroller und beschränken sich darauf die Attacken der Gegner auswendig zu lernen. Da hier aber absolut keine Varianz auftaucht und auch das Ausweichen nie besonders schwierig ist, fällt somit der potentielle Höhepunkt jeder Welt komplett flach. Zumindest bekommt man aber wieder kurze, brutale und teilweise humoristische Videosequenzen gezeigt. Die kommen aber nicht an die Zwischensequenzen aus SMB heran.

Man merkt schon, dass wir hier den Vergleich zum ersten Teil sehr oft ziehen und SMB 3D nie ganz die Güte des Klassikers erreicht. Trotzdem hatten wir jede Menge Spaß und bis nicht jeder Level mit A+ ausgezeichnet ist und wir jeden Retro Bonus Level gefunden haben, wird das wahrscheinlich auch kein Ende finden.
Fazit
Die Rückkehr zum Gameplaystil des Originals und das gleichzeitige Heben in die dritte Dimension funktioniert und hat uns jede Menge Spaß gemacht. Leider fanden wir den Schwierigkeitsgrad nicht immer ausgewogen und teilweise die Levels sogar etwas zu leicht, was insbesondere für die Bosskämpfe gilt. Wer sich aber an allen Achievements versucht und absolut alles erleben will, der wird auch als Hardcore Fan genug Herausforderung finden.

Positiv
- Das Super Meat Boy Feeling funktioniert auch in 3D
- Die Steuerung fühlt sich für die meisten Charaktere sehr gut an
- Sammeln von Bestzeiten, Pflastern und die Suche nach Sonderlevels motivieren
Negativ
- Manche Levels und insbesondere Bosse sind überraschend einfach
- Durch die Perspektive hat man nicht die 100%ige Präzision der 2D Teile
- Die Grafik ist gewöhnungsbedürftig


