Es gibt Spiele, die lassen mich einfach nicht los. Sacred 2: Fallen Angel ist genau so ein Titel, da schon der Vorgänger ein unfassbar gutes Spiel war und ich viel Zeit damit verbracht habe. Diese Erinnerung wie diese Spiele in der Computer Bild Spiele waren und man sich dazu noch nichts durchgelesen hat. Damals 2008, war es ein kleines Highlight für Rollenspielfans, die sich gern stundenlang durch eine offene Welt schlagen, Quests erledigen und sich im Loot verlieren. Jetzt ist die Remastered-Version da und die Frage liegt auf der Hand: Wurde das Spiel wirklich in die Moderne geholt oder ist es eher ein nostalgischer Ausflug in vergangene Zeiten? Nach mehreren Stunden in Ancaria kann ich sagen: Es ist ein bisschen was von beidem.
Grafik & Atmosphäre – Altbacken aber dennoch charmant
Optisch merkt man dem Spiel sein Alter an, auch wenn die Remastered-Version hier und da ein paar Grafikupdates spendiert bekommen hat. Die Welt wirkt insgesamt etwas schärfer, die Farben satter, und die Charaktermodelle haben an Klarheit gewonnen auch wenn sie immer noch klobig wirken. Trotzdem bleibt der Stil sehr nah am Original. Für Nostalgiker sicher ein Pluspunkt ist, aber für Neulinge eher altbacken wirken könnte.
Was aber nach wie vor stark ist, ist die Atmosphäre. Ancaria hat einfach dieses gewisse: weite Landschaften, viele kleine Details und Dörfer, die harmonisch ineinander greifen. Als Beispiel: In einem kleinen Dorf, relativ weit am Anfang gibt es einen Dorfsänger der wirklich die Atmosphäre mit seinem epischen Gesang auffängt. Trotz der grafischen Schwächen entsteht ein Gefühl von Abenteuer, das man so heute nur selten findet.

Sound & Musik – Der Sound reißt uns aus dem Spiel
Beim Sound dagegen wird schnell klar: Hier hätte das Team von Funatics Software wesentlich mehr Feinschliff gebraucht. Schon nach den ersten Gesprächen fällt auf, dass die Tonabmischung einfach nicht richtig passt. Wenn wir direkt vor einem NPC stehen, klingt es oft so, als würde die Person 20 Meter weiter hinten reden, sofern wir dazu noch die Kamera drehen wirkt es so, dass wir noch weiter weg sind. Das reißt einen immer wieder aus der Immersion. Leider ist das kein Einzelfall, sondern passiert regelmäßig. Hier sei aber gesagt: Die Synchronstimmen sind gut getroffen und machen einen tollen Job.
Die Musik selbst bleibt aber ein Highlight. Der Soundtrack von Sacred 2 war schon damals großartig und sorgt auch heute noch für dieses epische, leicht mystische Gefühl. Schade nur, dass die Sprachkulisse und Umgebungsgeräusche da nicht mithalten können. Gerade bei einem Remaster hätte man hier etwas mehr Liebe zum Detail erwartet.

Gameplay & Steuerung – Gewöhnungsbedürftig aber leicht zu verstehen
Das Herzstück von Sacred 2 ist und bleibt das Gameplay. Und das funktioniert auch heute noch erstaunlich gut. Die Charaktervielfalt, das komplexe Skillsystem und die unzähligen Möglichkeiten, seinen Helden zu gestalten, machen einfach Spaß. Dass Gegner mitskalieren, sorgt dafür, dass das Spiel konstant eine Herausforderung bleibt. Normalerweise finden wir das eher unangenehm aber bei Sacred 2 ist es passend. Dabei kann ich nicht genau sagen woran das liegt.
Getestet wurde das Spiel auf Konsole, und dort fällt besonders die Steuerung auf. Anfangs fühlt sich alles ein wenig sperrig an. Um beispielsweise einen Heiltrank zu aktivieren, muss man gleich mehrmals nach links klicken. Das wirkt unhandlich und bricht den Spielfluss. Mit der Zeit gewöhnt man sich zwar daran, aber man fragt sich immer mal wieder, warum man solche Mechaniken nicht besser an heutige Standards angepasst hat.
Auch im Bereich Quality of Life Verbesserungen hätte das Remaster etwas mehr bieten dürfen. Wer beim Händler einkauft, kann zum Beispiel Heiltränke nur einzeln kaufen oder verkaufen. Das zieht sich, besonders wenn man sich bevorraten möchte. Hier wäre eine simple Mehrfachkauf-Option schon Gold wert gewesen.
Und dann ist da noch das Thema Multiplayer: Auf Konsole konnten wir keinerlei Mehrspielermodus finden oder testen. Auf dem PC dagegen funktioniert der Koop-Modus, sodass man gemeinsam mit Freunden durch Ancaria ziehen kann. Ein echtes Plus, das auf Konsole leider komplett fehlt und auch nicht zu erkennen ist wieso dieses Feature rausgenommen wurde.

Technik & Performance – Zwischen Licht und Schatten
So charmant das Spiel auch ist, technisch läuft es nicht ganz rund. Sacred 2 neigt hin und wieder zu Abstürzen. Es ist schwer zu sagen, woran es liegt. Mal passiert es beim Teleportieren, mal mitten im Kampf. Glücklicherweise sind die Speicherpunkte fair gesetzt, sodass man selten viel Fortschritt verliert. Wenn man kurz zuvor manuell gespeichert oder teleportiert hat, ist der Frustfaktor gering. Trotzdem bleibt es ärgerlich, wenn das Spiel einfach plötzlich beendet wird.
Abgesehen davon läuft die Performance insgesamt stabil. Ladezeiten sind moderat, und größere Ruckler gibt es eher selten. Auf der Konsole fühlt sich das Spiel solide an, auch wenn man merkt, dass hier paar Kleinigkeiten hätten besser optimiert werden müssen. Es ist eher eine leicht modernisierte Version des Originals. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Fazit
Am Ende ist Sacred 2 Remaster ein Spiel voller Widersprüche. Auf der einen Seite steht die Faszination dieser riesigen, offenen Welt, die auch heute noch Lust macht. Auf der anderen Seite merkt man deutlich, dass hier einiges an Optimierung fehlt. Es ist eine leicht überarbeitete Neuauflage mit kleinen Anpassungen.
Der Sound ist stellenweise enttäuschend, die Steuerung hätte moderner ausfallen dürfen, und kleinere technische Probleme wie Abstürze trüben den Gesamteindruck. Doch trotz all dieser Schwächen entwickelt das Spiel einen unheimlichen Sog. Man will einfach weitermachen, noch eine Nebenquest erledigen, noch ein neues Gebiet erkunden und den Charakter weiter spielen.
Vielleicht ist es Nostalgie. Vielleicht ist es aber auch einfach die Tatsache, dass Sacred 2 ein Spiel ist, das damals wie heute Herz hat. Es macht trotz seiner Ecken und Kanten Spaß. Gerade, wenn man das Original kennt und wieder in diese vertraute Welt eintauchen will.
Wer also ein modernes Action-RPG erwartet, wird hier sicher enttäuscht. Wer aber Lust auf eine Reise zurück nach Ancaria hat, wird viel Freude daran finden. Das Remaster mag nicht perfekt sein, aber es erinnert daran, warum wir Sacred 2 damals so geliebt haben. Und das allein ist schon eine Menge wert.
Schlussendlich hätte ich mir eine überarbeitete Version des ersten Teils gewünscht. Dennoch hatte ich viel Spaß mit dem zweiten Teil und hoffe, dass die Reihe nicht wieder 17 Jahre braucht, um ein Lebenszeichen von sich zu geben.
Für 20 € kann man allerdings wirklich nicht viel falsch machen. Es macht viel Spaß, in die Welt einzutauchen und die Geschichte nochmals zu erleben.

Positiv
- Es macht Spaß wieder in die Welt einzutauchen
- Stimmige Musik & gute Synchronsprecher
- Gutes Lootsystem und außergewöhnliches Skillsystem
Negativ
- Technisch nicht der sauberste Zustand
- Mehr Quality of Life Verbesserungen würden dem Spiel gut tun
- Grafik bescheiden, trotz Remastered


