Review: Rhythm Paradise Groove – Chaos im Takt der Musik

Die Rhythm Paradise Serie (außerhalb Europas Rhythm Heaven) bekommt auf der Switch ihren nächsten Teil mit Rhythm Paradise Groove. Wir konnten diesen fünften Ableger ausgiebig testen und erzählen euch, ob wir den Rhythmus im Blut gefunden haben.

WarioWare als Rhythm Game

Wer noch keinen Rhythm Paradise Titel gespielt hat, für den haben wir hier die kurze und prägnante Zusammenfassung: Eine Ansammlung von 1-2 minütigen Minispielen mit minimalistischem Steuerungsschema und unterschiedlichsten Themen. Es handelt sich also sozusagen um WarioWare als Rhythm Game.

Beim ersten Start stellt man zunächst ein, ob einem so ca. alles im Spiel vorgelesen wird. Theoretisch könnte man mit dieser Option das Spiel wahrscheinlich blind Durchspielen, denn auch wenn man optische Clues in den Minispielen nutzen kann, kommt es schlussendlich auf den Ton an. Das wird spätestens dann klar, wenn die sich verändernden Level absichtlich die zentralen Stellen des Minispiels verdecken oder die Kamera herauszoomt. Wer sich hier auf sein Rhythmusgefühl und Gehör verlassen kann, der hat einen entscheidenden Vorteil.

Gut, schlecht und (fast) perfekt

Zumindest an der Steuerung kann es in der Theorie niemals scheitern. Die meisten Spiele beschränken sich nämlich auf einen oder zwei Buttons, die es zur richtigen Zeit zu drücken gilt. Die eigentliche Schwierigkeit besteht in den wechselnden Timings, die gut in die Spiele integriert wurden. Ein Beispiel ist Fruit Flex bei dem ihr als Bodybuilder euren Bizeps anspannt, um Früchte zu jonglieren. Da diese über beide Arme drüber müssen, dürft ihr bei einem Apfel zweimal A drücken, bei einer Birne folgt garantiert noch eine Frucht für mehr Schläge hintereinander und wenn eine Zitrone kommt, müsst ihr in einem schnelleren Rhythmus drücken. Bei einem Fußballtraining müsst ihr hingegen auf den Ballwerfer hören, der euch die Bälle entweder tief für einen Volleyschuss oder hoch für eine Brustannahme mit folgendem Schuss zuwirft. Dabei ist die linke Pfeiltaste eure Brustannahme während A den Schuss auslöst. Als Ablenkung dient in diesem Fall die Gedankenwelt der Fußballerin, die ihr steuert, die sich mit Textblasen und später einem eingebildeten Stadion bemerkbar macht. Wohl dem, der sich hier weiter konzentrieren kann.

Jedes der Spiele wird zu Beginn erklärt und kann auch geübt werden, um die unterschiedlichen Rhythmen zu erlernen. Zudem kann man sich auch das richtige Timing zeigen lassen, falls man nicht intuitiv versteht, was das Spiel von einem möchte. Während der Spiele kann man eigene Fehler gut analysieren, da zumeist unterschiedliche Animationen für zu früh, zu spät und garnicht gedrückt vorhanden sind. Leider gibt es in der Endbewertung keine Statistik, um eventuell systematische Fehler zu erkennen. Stattdessen fällt man durch, wird mit good oder amazing bewertet, wobei letztere Bewertung auch eine Medaille bringt, die z.B. Level in einem gesonderten Modus freischalten kann. Um mehr Minispiele zu bekommen reicht aber die „gute“ Bewertung aus.

Remix Time

Wer sich durch vier Level gedrückt hat, schaltet als nächstes den Remix Modus für diese Level frei. Dabei spielt ihr einen eigenen Song, der aber die vier Level mixt und euch somit deutlich mehr abverlangt, als die einzelnen Minispiele für sich. Uns haben diese Level am meisten gefallen, da hier das simple Gameplay endlich eine Ebene mehr dazubekommt.Und apropos gefallen, ein weitere Highlight ist für uns der Beatspell Modus, bei dem ihr per rhythmischer Eingabe zaubert. Hier wechselt ihr zwischen euren Zaubern, um anzugreifen oder euch zu heilen. Wer perfekt im Rhythmus bleibt, bekommt dafür einen effektiveren Zauber spendiert und zum Schluss eines Levels auch mehr Punkte für die Abschlussbewertung.

Der Beatspellmodus ist auch nicht so verrückt angelegt, wie die restlichen Minispiele. Neben dem erwähnten Muskelfruchtjongleur oder dem Fußballtraining gibt es auch einen niesenden Mond, Roboter die Dosen mit einem Hammer zerdrücken, eine Wolke, die versucht euch mit Blitzen zu treffen oder ein Alien mit dem ihr euch in Tönen unterhaltet. Egal wie absurd die Levels auch angelegt sind, erzählt jedes eine kleine Geschichte. Das verleiht dem Spiel erstaunlich viel Charme – eine weitere Analogie zu WarioWare.

Hau di her, samma mehr

Neben den Singleplayerspielen bietet Rhythm Paradise Groove auch für mehrere Spieler Content. Diese teilen sich in versus sowie co-op auf und bieten im Prinzip ein ähnliches Erlebnis wie die Singleplayermodi. Durch das simple Kontrollschema aller Spiele reicht ein Joycon pro Teilnehmer aus, von denen bis zu vier teilnehmen können. In Sachen Musik liegt der Fokus auf unaufdringlichen Songs, die nur in speziellen Minispielen mit japanischen Popsongs wirklich auffallen. Für ein Rhythmusspiel eine ungewöhnliche Entscheidung hier nicht all-in zu gehen.

Für längere Zeit konnte uns das Spiel jedenfalls nicht vor die Switch fesseln, aber dafür für kleine 15 Minuten Runden, um doch noch ein paar Minispiele mehr zu sehen. Es ist jedenfalls erstaunlich, wieviel die Entwickler aus dem simplen Konzept immer noch herausholen können. Die schiere Menge und die Kreativität überraschen, wenn man bedenkt, dass die Gameplaytiefe nur sehr punktuell mehr hergibt. Schlussendlich gilt es noch zu erwähnen, dass es eine Zielgruppe gibt, für die Rhythm Paradise Groove etwas ganz besonderes sein kann: Perfektionisten. Da es in jedem Spiel eine Medaille zu holen gibt und diese Minispiele per Zufall nach jeder Runde für eine perfekte Runde (mit drei Versuchen) markiert werden können, hat man einiges zu tun und selbst kleinste Fehler hindern einen alles mitzunehmen. Wen hier der Ehrgeiz packt, bekommt für sein Geld wesentlich mehr geboten als Spieler, die mehr nach einem one and done suchen.

Fazit

Rhythm Paradise Groove macht einem die Bewertung nicht einfach, da es sich um eine Rhythmus-Minispielsammlung mit extrem simplistischem Gameplay handelt. Trotzdem konnten wir der Faszination, die die Reihe ausübt, nicht vollständig entkommen und ertappten uns dabei, immer wieder eine Runde einzuschieben. Je nach Spielertyp bekommt man aber deutlich mehr oder weniger heraus. Perfektionisten, die jedem Minispiel ihren Stempel aufdrücken wollen, werden wesentlich mehr Spaß an Rhythm Paradise Groove haben, da die Langzeitmotivation dadurch erheblich gesteigert wird. Wer dagegen abwechslungsreiche Spielmechaniken und anderweitig Langzeitmotivation haben möchte, der muss sich anderweitig umsehen. In jedem Fall legen wir euch die Demo aus dem Nintendo eShop ans Herz, um euch selbst ein Bild zu machen.

  • Charmante, lustige Darstellung der Spiele
  • Eignet sich perfekt für kurze Runden zwischendurch
  • Vier Spieler Multiplayer mit jeweils einem Joycon möglich
  • Perfektionisten haben viel zu tun
  • Fast durchgehend extrem simple Spielmechanik
  • Konnte uns nicht für Langzeitspielen motivieren
  • Nicht alle Spiele sind trotz ihrer Simplistik intuitiv
  • Im Kern tut man ununtebrochen dasselbe, auch wenn es sich nicht immer so anfühlt
Street Fighter Collection Wertung
Teilt uns eure Meinung mit

Written by: Steve Brieller

No comments yet.

Leave Your Reply