Review: Resident Evil Village – Ein unheimlicher Ausflug aufs Land mit Folgen

Wie ein Phönix aus der Asche entstieg Resident Evil 7 im Januar 2017 empor und linderte die Leiden vieler Fans, die der Reihe mit Teil 6 den Rücken kehrten. In Ego-Perspektive und mit neuen Protagonisten gelang es Capcom, dem angestaubten Survival-Horror frisches Leben einzuhauchen, was auch von den Kritikern höchst positiv aufgenommen wurde. So ist es kaum verwunderlich, dass man mit Resident Evil Village, dem offiziell achten Teil des Franchise, die Geschichte rund um Ethan Winters fortführen will.  Dabei verschlägt es den fürsorglichen Ehemann und neuerdings auch Vater nicht nur in das titelgebende Dorf, sondern er gerät darüber hinaus auch in einen Überlebenskampf mit Vampiren und Lykanern. Ob diese Kreaturen aber auch ein adäquater Ersatz für Zombies, Ganados, Majini oder die Molded sind, das verraten wir euch jetzt in unserem Review.

Trautes Heim, Glück allein, Familie Winters

Resident Evil Village spielt drei Jahre nach den Geschehnissen von Teil 7 und dem Horror auf dem Anwesen der Baker Familie. Dort rettete Protagonist Ethan Winters seine Ehefrau Mia aus den Fängen einer verrückt gewordenen Familie und führt seitdem ein friedliches Leben, mittlerweile zu dritt. Denn das Glück des Pärchen wurde mit der Geburt ihrer Tochter Rose perfekt, doch allzu lange soll dieser Zustand nicht halten. Einen großen Anteil daran hat Chris Redfield, der sich im Vorgänger gegen Ende des Spiels erst sehr spät zeigte, diesmal aber eine zentrale Rolle einnehmen wird. Welche das ist, das wollen wir an dieser Stelle aber nicht verraten, denn bis zum Abspann erwarten euch einige Überraschungen und Wendungen. Bis dahin gilt es jedoch eure entführte Tochter aus den Fängen einer mysteriösen Sekte in den trostlosen Landschaften Rumäniens zu retten, wo sich euch zahlreiche Kreaturen und Monster in den Weg stellen werden. 

Ethan Winters, Meister im Versteckspiel.

Damit knüpft Resident Evil Village nahtlos an seinen Vorgänger an, welcher im Optimalfall bekannt sein sollte. Dennoch hat man für Neueinsteiger die Option geboten, in einem filmischen Rückblick alle wichtigen Geschehnisse noch einmal aufzufrischen. Grundsätzlich bleibt auch diesmal das Gesicht von Protagonist Ethan Winters ungelüftet, damit wir uns als Spieler besser mit ihn identifizieren und in ihn hineinversetzen können. Dennoch werden gegen Ende hin viele Brücken zu Teil 7 geschlagen, Fragen beantwortet und Rätsel gelüftet. Auch wenn man sich erzählerisch an einigen Stellen wie in einem klischeehaften Film anfühlt, so schafft es Capcom dennoch, eine packende und emotionale Handlung zu liefern, wo man sogar die eine oder andere Träne am Schluss durchaus verdrückt.

Sightseeing in Rumänien

In Resident Evil 4 war es noch das sonnige Spanien, in Resident Evil Village verschlägt es euch nun in ein kaltes, verschneites Rumänien. Dort besucht ihr diverse Schauplätze, wo euch neben einem verschneiten Dorf und einem prunkvollen Schloss noch einiges mehr erwarten wird. Die Karte ist umfangreich und bietet zahlreiche optionale Orte und Geheimnisse, die definitiv einen Blick wert sind. Aber auch die unterschiedlichen Ansätze, in denen es die diversen Bosskämpfe zu bestreiten gilt, sorgen dafür, dass es kaum langweilig wird. Das erzählerische Tempo ist wohl dosiert und hält den Spannungsbogen über das gesamte Geschehen derart aufrecht, sodass man kaum eine Pause einlegen will. Dabei kommt ihr mit Ethan stets vom Regen in die Traufe, besonders was das Inventar betrifft. Immer wenn ihr denkt, genügend Munition und Heilgegenstände im Gepäck zu haben, belehrt euch das Spiel schnell eines Besseren.

Es gibt einiges zu entdecken im Dorf.

Doch ganz auf euch allein gestellt seid ihr in Resident Evil Village nicht. Ähnlich wie Leon S. Kennedy in Teil 4 bekommt auch Ethan Unterstützung von einem Händler. Dieser nennt sich Duke und ist weitaus gesprächiger als sein mysteriöses Pendant, kauft aber ebenfalls eure gefundenen Wertgegenstände zu einem hohen Preis ein. Diese sammelt ihr entweder von besiegten Feinden oder findet ihr gut versteckt in Räumen von der Decke funkeln. Serientypisch verrät euch die Farbe der Karte, ob ein Abschnitt vollständig erkundet wurde (blau), oder sich darin noch Items verbergen (rot). Genaues Durchsuchen oder Zurückkehren an solche Örtlichkeiten sei an dieser Stelle geraten, denn allein mit der gefundenen Währung Lei werdet ihr beim Duke nicht weiterkommen. Der hat nämlich nicht nur allerhand Gegenstände im Sortiment, sondern ermöglicht auch das Aufwerten des Waffenarsenals. Ein unabdinglicher Service, denn Ethan bekommt einiges zu tun. Wer sich abseits der Story mehr mit der Spielwelt beschäftigt, kann nebenbei auch einige Tiere erlegen, die der Duke dann zu Speisen verarbeitet, die Ethans Attribute dauerhaft verbessern.

Der Duke ist Händler, Waffenexperte und Feinschmecker zugleich.

Gestatten: Ethan Van Helsing, Monsterschlächter

Während ihr zu Beginn also noch verängstigt und unter Munitionsarmut leidend durch das Dorf schleicht, steht Ethan mit weiterem Spielverlauf immer mehr Gerätschaft zur Verfügung, um den Monstern den Garaus zu machen. Pistolen und Schrotflinten werden serientypisch mit Scharfschützengewehren, Granatwerfern und Co. erweitert, die auch bitter notwendig sind. Denn auch die Lykaner haben einige Überraschungen parat und spätestens im letzten Spieldrittel ziehen Action und Schwierigkeit noch einmal an. Schusswaffen sind Trumpf, denn im Nahkampf mit dem Messer bewirkt ihr leider herzlich wenig. Für Abhilfe sorgen da die Bastelfähigkeiten von Ethan, wodurch ihr neben Heilarznei auch Rohrbomben, Minen und alle Arten von Munition in der Schnelle herstellen könnt.

Ein Koffer voller Waffen darf diesmal nicht fehlen.

Leider leidet die Immersion zwischendurch immer wieder unter der Unverwüstlichkeit von Ethan. Dieser wird nicht nur einmal ausgespießt, verliert Finger oder gar seine Hand, doch ein paar Tropfen der Heilarznei und alles ist wieder gut. Das verleiht dem Ganzen eine ungewollte Komik, die den Schrecken der lauernden Gefahren mit der Zeit immer mehr mindern. Was zu Beginn noch ein schweißtreibendes Katz und Maus Spiel mit Lady Dimitrescu und ihren Töchtern ist, verliert früh an Spannung, denn hier gilt dasselbe Prinzip wie mit Jack Baker, Mr. X oder Nemesis, nämlich einfach nur weglaufen.  Nichts Neues also für Veteranen der Serie. Dennoch sei hier erwähnt, dass auf diesen Kritikpunkt sogar innerhalb der Handlung erzählerisch eingegangen wird, was man Capcom definitiv zu Gute halten muss.

Keine Angst, Ethan hat genügend Bastelkleber dabei.

Kurzes Vergnügen oder Langzeit-Horror?

Wer sich in Resident Evil Village nur auf die Story fokussiert, der wird bis zu sieben Stunden beschäftigt sein. Wollt ihr jedoch alles von der Karte sehen, dann verlängert sich die Spielzeit um weitere drei Stunden. Doch das soll es nach dem Durchspielen natürlich nicht gewesen sein. Erst dann öffnet der Bonusshop, wo hart verdiente Punkte aus den Herausforderungen für zusätzliche Waffen und unendlich Munition ausgegeben werden können. Auch die unterschiedlichen Erfolge bzw. Trophäen, wie beispielsweise das Spiel in unter drei Stunden oder mit maximal vier benutzten Heilarzneimitteln abschließen, erhöhen den Wiederspielwert enorm. Auch die höchste Schwierigkeitsstufe „Dorf der Schatten“ kann im New Game Plus in Angriff genommen werden und hat darüber hinaus noch einige Überraschungen parat.

The show must go on, Ethan!

Wem die Story aber beim mehrmaligen Durchspielen zu langweilig ist, der kann sich mit dem Södner-Modus beschäftigen. Dieser sollte Veteranen aus Resident Evil 4 noch bestens in Erinnerung sein, wo in Village die Punktejagd in leicht veränderter Form munter weitergeht. Hier dürft ihr in vier unterschiedlichen Karten euer Geschick im Kampf gegen die Monster unter Beweis stellen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Eine große Neuerung sind die Fähigkeiten, die während jeder Runde gefunden werden können und euch wahlweise gewisse Verbesserungen gewähren. Wer dabei fleißig Höchstwertungen einheimst, der kann sich im Bonusshop ebenfalls über brandneue Waffen freuen, wo die allseits bewährte Handkanone natürlich nicht fehlen darf.

Fazit

Capcom setzt mit Resident Evil Village das Experiment Ethan Winters fort und schließt dessen Akte auf eine beeindruckende Weise. Der spielerische Mix aus Teil 4 und 7 überzeugt mit rasanter Action, einer packenden Handlung und einigen Überraschungen. Mit den Ursprüngen der Serie hat das zwar nicht mehr viel zu tun, wer dieser Neuausrichtung aber dennoch positiv gegenübergestellt ist, wird eine fantastische Zeit im schaurig schönen Dorf verbringen.

Positiv:

+ Schöne, abwechslungsreiche Spielwelt

+ Interessante Bosskämpfe mit verschiedenen Ansätzen

+ Spielerisch eine starke Kombination aus Teil 4 und 7

+ In Sachen Optik und Monsterdesign strotzt man nur so vor Details

+ Enorm hoher Wiederspielwert dank dem Bonusshop und Söldner-Modus

+ Die Handlung erzählt sich packend und rasant ohne großartige Hänger, …

Negativ:

– … wirkt aber stellenweise ein wenig trashig.

– Gegen Spielende mehr Survival und zu wenig Horror

Resident Evil Village ist am 07.Mai 2021 für PC, Playstation 4, Playstation 5, Xbox One und Xbox Series erschienen.

Teilt uns eure Meinung mit

Written by: Manuel Barthes

Passionierter Achievementjäger und Manga-Experte

1 Comment Added

Join Discussion
  1. Pingback: Resident Evil Village – Alle Tipps und Tricks zum Überleben, von Standard bis Dorf der Schatten - Cerealkillerz 12. Mai 2021

    […] ihr wissen wollt, wie sich die Reise von Ethan bei uns im Test geschlagen hat, dann könnt ihr das hier […]

Leave Your Reply