Mit Reanimal betritt ein Titel die Bühne, der sich klar im Schatten atmosphärischer Horror Adventures bewegt und sich zwangsläufig mit Genregrößen vergleichen lassen muss. Die Entwickler von Tarsier Studios, die auch die ersten beiden Titel der Little Nightmares Reihe entwickelt haben, sind ihren Stärken treu geblieben. Besonders im direkten Vergleich mit Little Nightmares III fällt schnell auf, dass Reanimal einen deutlich stärkeren Fokus auf Stimmung und bedrückende Atmosphäre legt.
Deshalb werde ich im Laufe des Tests manchmal Referenzen und Verbindungen zu dem dritten Teil der Little Nightmare Reihe ziehen. Auch weil er so prägnant ist und ich ihn ebenso testen durfte.
Die Atmosphäre ist der klare Gewinner
Reanimal überzeugt in erster Linie durch seine intensive und teilweise unangenehme Atmosphäre. Während Little Nightmares III stärker auf Rätselstrukturen und klar erkennbare Gameplayloops setzt, wirkt Reanimal wesentlich dichter, beklemmender und emotionaler.
Die Spielwelt ist geprägt von düsteren Umgebungen, verstörenden Designs und einer konstanten unterschwelligen Bedrohung. Es gibt viele Momente, in denen man sich nicht sicher ist, ob hinter der nächsten Ecke ein Gegner, eine neue Szenerie oder einfach nur ein weiteres verstörendes Detail wartet. Diese Unsicherheit sorgt dafür, dass die Spannung dauerhaft hoch bleibt. Auch die teils fehlplatzierten Perspektiven und Kamerafahrten tragen zu der Stimmung bei – wenn auch nicht immer positiv.
Die Atmosphäre wirkt dabei nicht nur wie ein kleines Gimmick, sondern wie das zentrale Element des gesamten Spiels. Rätsel existieren zwar und lockern das Gameplay auf, stehen jedoch nicht so stark im Vordergrund wie in vergleichbaren Titeln. Reanimal setzt stattdessen darauf, dass sich der Spieler emotional in die Welt hineinziehen lässt.

Die Masken sind mit Leben gefüllt
Besonders auffällig sind die Masken, die im Spiel eine wichtige visuelle Rolle einnehmen. Diese könnten unterschiedlicher kaum sein. Von surrealen, beinahe grotesken Designs bis hin zu deutlich realistischeren und verstörenden Varianten ist alles vertreten.
Ein Beispiel ist eine Ziegen Bus Maske, die gleichzeitig absurd und unheimlich wirkt. Auf der anderen Seite finden sich Masken, die stark an den Stil eines Resident Evil 7 erinnern und mit ihrem beinahe menschlichen, deformierten Erscheinungsbild für echtes Unbehagen sorgen.
Diese Vielfalt sorgt dafür, dass man als Spieler nie genau weiß, was einen als Nächstes erwartet. Die Masken sind nicht nur ein optisches Highlight , sie tragen maßgeblich zur Identität von Reanimal bei. Sie verstärken das Gefühl, sich in einer Welt zu befinden, die bewusst mit Unbehagen und Übernatürliches arbeitet.

Keine großen Dialoge, dennoch deutsche Synchro
Reanimal setzt auf eine minimalistische Erzählweise. Es wird insgesamt nicht viel gesprochen, was gut zur düsteren Stimmung passt. Die wenigen und kurzen Dialoge wirken dadurch umso gewichtiger.
Besonders positiv fällt auf, dass deutsche Synchronsprecher vorhanden sind, die sehr sympathisch und passend besetzt wirken. Diese Entscheidung verleiht dem Spiel einen eigenen, speziellen Vibe und das Gefühl, dass auch die Sprecher wussten welches Spiel sie synchronisieren. Gerade weil die Sprachanteile begrenzt sind, bleiben einzelne Stimmen und Sätze stärker im Gedächtnis.
Die Vertonung unterstützt die Atmosphäre, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Statt lange Dialoge zu führen, vermittelt das Spiel vieles über Bilder, Geräusche und Umgebung. Das sorgt für ein immersives Erlebnis, das gut mit dem Horroransatz harmoniert.
Versteht mich nicht falsch, es hätte noch ein höherer Horroranteil vorhanden sein können, allerdings ist das Spiel sehr athmosphärisch und kommt über Audio und visuelle Schreckensmomente.

Nicht ganz so viele Rätsel, dafür mehr Momente Miteinander
Auch wenn Reanimal durchaus Rätselpassagen enthält, sind diese nicht der Hauptfokus des Spiels. Sie dienen eher als Abwechslung und als Mittel, den Spieler weiter durch die Welt zu führen.
Im Vergleich zu Little Nightmares III, das deutlich stärker auf Rätsel und Mechaniken setzt, wirkt Reanimal mehr wie ein atmosphärisches Erlebnis. Die Aufgaben sind meist überschaubar und selten besonders komplex. Dafür bleibt der Spielfluss konstant erhalten und wird nicht durch längere Denkpausen unterbrochen.
Dieser Ansatz wird nicht jedem gefallen. Spieler, die gezielt nach anspruchsvollen Rätselpassagen suchen, könnten sich hier etwas unterfordert fühlen. Wer jedoch Wert auf Stimmung und Immersion legt, wird diese Entscheidung sehr begrüßen.

Durchschnittliche Technik mit einer tollen Soundkulisse
So stark die Atmosphäre auch ist, die Grafik selbst hätte besser sein können. Gerade im Leistungsmodus zeigt sich, dass Texturen und Details nicht immer das Niveau erreichen, das man von aktuellen Produktionen erwartet. Hier sei aber auch erwähnt, dass das Spiel keineswegs schlecht aussieht sondern einfach nur kein Schönling ist.
Positiv ist immerhin, dass man zwischen Qualitätsmodus und Leistungsmodus wählen kann. Diese Option bietet, je nachdem ob man Wert auf höhere FPS oder bessere Darstellung legt. Dennoch bleibt das Gefühl, dass das visuelle Gesamtbild technisch mehr Potenzial gehabt hätte.
Die Bilder die gezeichnet werden sind wunderschön, man merkt, dass die Entwickler wirklich Lust auf das Spiel hatten, aber die reine technische Umsetzung wirkt stellenweise etwas unausgereift. Besonders in ruhigeren Szenen fallen Detailschwächen stärker auf.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Steuerung, die sich gelegentlich etwas schwammig anfühlt. Bewegungen reagieren nicht immer so präzise, wie man es sich wünschen würde. Gerade in Passagen, die exaktes Timing erfordern, kann das zu kleinen Frustmomenten führen. Da wir häufig springen müssen, fallen wir dementsprechend auch gerne mal in einen Hang hinab.
Die Steuerung ist nicht unspielbar, aber sie erreicht nicht die Genauigkeit, die man aus anderen Spielen kennt. Mit etwas Eingewöhnung lässt sich das Spiel dennoch gut bewältigen.

Fazit
Reanimal ist ein Spiel, das seine größte Stärke klar in seiner Atmosphäre hat. Die Welt wirkt dichter, bedrückender und emotional intensiver als in Little Nightmares III. Wer ein Horror Adventure sucht, das mehr Wert auf Stimmung als auf komplexe Rätsel legt, findet hier ein sehr interessantes Erlebnis.
Die abwechslungsreichen und teilweise verstörenden Maskendesigns, die minimalistische Erzählweise und die sympathische deutsche Vertonung sorgen für einen eigenständigen Charakter. Gleichzeitig verhindern technische Schwächen wie die nur durchschnittliche Grafik und die etwas schwammige Steuerung eine noch höhere Wertung.
Trotz dieser Kritikpunkte bleibt Reanimal ein bemerkenswertes Spiel, das vor allem durch seine Stimmung und seine visuelle Identität im Gedächtnis bleibt. Es ist kein perfekter Titel, aber einer, der zeigt, wie stark Atmosphäre ein Spielerlebnis tragen kann.
Aber um die anfängliche Frage zu beantworten: Auch wenn es die Wertung nicht aussagt, mag ich dieses Spiel mehr als Little Nightmares 3.

Positiv
- Atmosphäre unbeschreiblich intensiv
- Tolle Soundkulisse
- deutsche Synchro, mit Liebe zum Detail
- Die Masken sind gut gewählt und wirken skurril aber durchdacht
Negativ
- Durchschnittliche Grafik
- Steuerung manchmal doch zu schwammig
- Nicht so viele Rätselpassagen – Für mich perfekt, für manche vielleicht ein NoGo


