Review: Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle – Ein langsam verblassender Glanz

„Hallo! Herzlich willkommen in der Welt der Pokémon! Mein Name ist Eich! Man nennt mich den Pokémon -Professor! Diese Welt wird von Wesen bewohnt, die man Pokémon nennt! Für manche Leute sind Pokémon Haustiere, andere tragen Kämpfe mit ihnen aus. Ich selbst… …habe mein Hobby zum Beruf gemacht und studiere Pokémon. Eine unglaubliche Reise in die Welt der Pokémon erwartet Dich! Eine Welt voller Wunder, Abenteuer und Geheimnisse! Kurz gesagt, ein Traum wird wahr!“

Es war jenes Intro, mit dem viele Kinder am 05.Oktober 1999 in ein unvergessliches Abenteuer gestartet sind. Damals erschien die erste Generation in Europa und wer bis heute der Reihe treu geblieben ist, der durfte noch sieben weitere erleben. Bevor aber die Nächste nach Schwert & Schild vor der Türe steht, hat man sich bei Nintendo etwas überlegt. Mit dem Nintendo DS mischte man zu seiner Zeit den Handheldmarkt gehörig auf. Zu verdanken hatte man das besonders der vierten Generation mit Pokémon Diamant und Perl. Dieses Abenteuer ist mittlerweile mehr als dreizehn Jahre her, Grund genug also, sie in neuem Glanz erstrahlen zu lassen! Diese Remakes tragen nun die Namen Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle und was diese zu bieten haben, erfahrt ihr in unserem Review!

Galaktische Pläne aber optisch ein Schritt zurück

Willkommen in der Sinnoh-Region, eurem Zuhause! Wahlweise weiblich oder männlich wächst ihr gemeinsam mit eurem Freund und zugleich Rivalen im Zweiblattdorf auf. Als ihr euch beide eines Tages dazu beschließt, den See der Kühnheit aufzusuchen macht ihr Bekanntschaft mit Professor Eibe. Dieser vergisst vor Ort jedoch seinen Koffer und darin befinden sich drei Pokébälle. Von zwei aggressiven Staralilis überrascht, bleibt euch nichts anderes übrig, als nach diesen zu greifen. Damit beginnt eure Reise, nicht nur um Champ der Pokémon-Liga sondern auch ein Held zu werden. Denn in den Schatten lauert das Team Galaktik, die sich nichts sehnlicher wünschen, als das Ende der Welt herbeizuführen. Eine große Aufgabe die vor euch liegt, packend, erwachsen und düster zugleich. Zumindest auf dem Papier, denn optisch ist man davon leider meilenweit entfernt.

Die Sinnoh-Region wartet auf euch!

Die markanteste Neuerung von Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle ist allem voran die Optik. Während man sich in den Generationen zuvor immer erwachsener präsentierte, macht man diesmal einen gewaltigen Schritt zurück. Auch wenn man es als Reminiszenz an vergangene Tage betrachten könnte, so richtig eindrucksvoll ist der Chibi Art Style leider nicht. Dafür sieht die Oberwelt aufgrund seiner „Niedlichkeit“ zu detailarm aus. Die Pokémon-Kämpfe hingegen können hier wiederum auf ganzer Linie überzeugen. Dort zeigt man sich dann nämlich wieder in einem modernen, erwachsenen Look. Da stimmt dann sogar die Umgebung, die sich je nach Areal anpasst und besonders in den Arenaleiterkämpfen zur Atmosphäre beiträgt.

Während der Chibi Art Style kaum beeindruckt, …

Ab unter die Erde

Wer zwischendurch aber mal genug vom Kämpfen hat, der kann sein Glück bei der Super-Wettbewerbs-Show versuchen. In den fünf Kategorien Coolness, Schönheit, Putzigkeit, Klugheit und Stärke tretet ihr mit einem eurer Pokémon anderen Trainern gegenüber. Dort gewinnt dann ausnahmsweise mal nicht der Stärkere, denn bewertet werden Style, Tanz und Attacke. Dieser Wettbewerb fand bereits in der dritten Generation Einzug in Pokémon, gelangt mit den Remakes aber zu seinem Höhepunkt. Je nach Schwierigkeit Anfänger-, Könner-, Profi- und Elite wirken wertvolle Preise. Wer sich aber mit derartigen Wettbewerben nicht auseinandersetzen möchte, muss das auch nicht. Denn obwohl diese im Laufe der Handlung kurz vorgestellt werden, sind sie völlig optional. Da lohnt sich für fleißige Sammer vielmehr ein Ausflug in den Untergrund!

… wissen die Trainerkämpfe zu überzeugen.

Die Untergrundhöhlen waren zu seiner Zeit ein Novum von Pokémon Diamant und Perl. Dort hatte man damals aber lediglich die Möglichkeit, nach Fossilien zu graben oder eine Geheimbasis zu errichten. Mit den Remakes hingegen kommen nun auch die Unterschlüpfe hinzu. Das sind zahlreiche Biotope, die einige Pokémon beherbergen, die es in der Oberwelt nicht zu finden gibt. So lassen sich zum Beispiel schon früh Exemplare wie Schlurp, Hundemon oder gar ein Absol dort fangen. Je nach Art des Unterschlupfs, von Wald, Wüste bis hin zu brodelnder Lava, unterscheiden sich auch die zu fangenden Typen. Dadurch, dass die Pokémon dort sichtbar herumlaufen, erinnert das ein wenig an die Naturzone und bietet definitiv einen Mehrwert. Zudem lässt es sich dort gut trainieren, sei es eben durch Fangen oder Besiegen. So richtig notwendig wird das aber leider zu keinem Zeitpunkt, denn auch hier wurde eine Neuerung in die Remakes mitgenommen.

Ein riesiger Untergrund ist unter der Sinnoh-Region zu erkunden.

Von Herausforderung keine Spur

Kommen wir nun zu einer Mechanik, die von vielen Fans als Genickbruch der Reihe angesehen wird: Dem nicht ausschaltbaren EP-Teiler! Was früher nur als Item für ein Pokémon galt, um Erfahrungspunkte zu sammeln, ist seit einigen Ablegern leider zum Standard für das gesamte Team geworden. Das hat zur Folge, dass ihr nicht jedes eurer Pokémon einzeln trainieren müsst, sondern alle gleichzeitig hochleveln. An und für sich eine richtig gute Idee, wäre da nicht die Flut an Erfahrungspunkten. Wir haben die Remakes ganz normal gespielt, Trainer bekämpft und Pokémon gefangen. Was harmlos klingt, hatte bereits beim ersten Arenaleiter einen Vorsprung von zehn Stufen zur Folge. Ein Zustand, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Abenteuer zieht. Das ist zum einen nicht nur extrem langweilig, sondern hebelt die taktische Komponente im Kampf komplett aus. Typennachteile werden durch Gewalt gelöst und auch die spielerische Bindung zu den einzelnen Pokémon bleibt aus.

Schon zu Beginn werdet ihr extrem überlevelt sein für sämtliche Herausforderungen.

Besonders für Veteranen bleibt die Herausforderung auf der Strecke, was auch den Spielspaß stark beeinträchtigt. Warum Nintendo hier nicht eine Option zum Ausstellen des EP-Teilers anbietet, ist uns ein Rätsel. Wenn man auf Zwang jeden Ableger einsteigerfreundlich gestalten will, dann vergrault man dadurch seine alteingesessenen Fans. Diese besänftigt man zumindest mit der Übernahme einiger Funktionen der siebten Generation. Nicht verlernbare Attacken die für den Spielfortschritt notwendig sind, die sogenannten versteckten Maschinen (VMs) gehören der Vergangenheiten an. Zu verdanken hat man das dem sogenannten Pokétch, einem Gadget mit verschiedenen Funktionen. Von Itemradar, Zutraulichkeitsstatus, Uhrzeit bis hin eben zu den VMs bietet das einen enormen Mehrwert. Selbiges gilt auch für das Lagerungssystem, auf das ebenfalls wieder von überall aus zugegriffen werden kann. Einziger Wermutstropfen ist es, dass Pokémon nicht frei sichtbar im Gras herumlaufen sondern wieder zu zufälligen Begegnungen werden.

Frei herumstreunende Pokémon seht ihr leider nur im Untergrund.

Fazit

Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle sind ein Paradebeispiel, wenn man auf Nummer sicher geht. Man bleibt dem Originalspiel treu und implementiert einige Neuerungen vergangener Generationen. Diese fallen jedoch nicht immer zu Gunsten des Spielerlebnisses aus, denn von einer Herausforderung fehlt jegliche Spur. Obwohl die Kämpfe gut aussehen, wirkt der Chibi Art Style drumherum optisch einfallslos und nicht mehr zeitgemäß.  

Positiv:

+ Sehr schöner Look in den Pokémon Kämpfen

+ Treu der Vorlage, ohne unnötige oder langwierige Dialoge

+ Einige Verbesserungen wie das Lagerungssystem von Schwert und Schild übernommen

+ Untergrund ist motivierend und sehr groß ausgefallen

Negativ:

– Mit Platin hätte es eine bestmögliche Version gegeben

Fehlende Auswahl der Schwierigkeit gestaltet das Abenteuer viel zu einfach

Der kindliche Look der Oberwelt ist detailarm und wirkt deplatziert

Pokémon Strahlender Diamant & Leuchtende Perle sind am 19.November 2021 für Nintendo Switch erschienen. Während unserem Review sind keinerlei Fehler aufgetreten, die das Spielerlebnis beeinträchtigt hätten.

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Written by: Manuel Barthes

Ehemaliger freier Redakteur bei Cerealkillerz

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