Nach Onimusha: Dawn of Dreams (2006) wartet jetzt nach gut 20 Jahren ein neuer Ableger der Reihe auf uns. Wir konnten nach einigen Preview Möglichkeiten, den Titel nun auch endlich über 25 Stunden ausgiebig testen. Ob die Rückkehr der Reihe gelungen ist und was der Titel alles sonst so alles zu bieten hat, findet ihr wie immer bei uns im Test heraus.
Die Handlung spielt im Kyoto der Edo-Zeit, das von einer übernatürlichen Bedrohung heimgesucht wird. Eine mysteriöse Macht namens Malice hat die Stadt verändert und ermöglicht es den Genma, dämonischen Wesen aus der Unterwelt, in die Welt der Menschen einzudringen. Ihr begleitet den noch jungen Samurai Miyamoto Musashi, bei seinem persönlichen Ziel, der stärkste Schwertkämpfer zu werden. Nach einer ersten amüsanten Einleitung und einem Kurztrip in die Hölle begleitet euch die bereits in der Demo etablierte „Gauntlet Lady“, um ein etwas größer angelegtes Ziel zu verfolgen. Die Dynamik zwischen den einzelnen Hauptcharakteren, die euch nach und nach vorgestellt werden, und besagter Dame ist durchgängig gut geschrieben und verleiht dem Spiel etwas mehr an Tiefe. Onimusha leidet hier zwar wie viele große AAA Singleplayer Titel unter dem etwas zu strengem Handhalten des Spielers, liefert aber auch etwas auflockerende Gespräche mit dem Protagonisten, am laufenden Band. Durch die Vielzahl an Charakteren ergeben sich auch sehr weitreichende Storystränge, die neben der Hauptgeschichte auch immer wieder in optionalen Nebenaufgaben weiter geführt werden. Man kann sich zwar auch rein auf die gut 20 Stunden an Hauptaufgaben stürzen, aber es zahlt sich hin und wieder aus, ein paar der größeren Nebenaufgaben mit zu nehmen. Vor allem, weil für deren Abschluss essentielle Ressourcen für Upgrades als Belohnungen auf euch warten.

Neben den Zwischenmeldungen im Kampf selbst, versteift sich der Titel in den ersten 2-3 Stunden auf ein quasi doppeltes Tutorial. Trotz spannenden Aufbaus mit Zwischensequenzen und verschiedenen Schauplätzen, ist das ein ein etwas übertrieben langes Aufzeigen von Mechaniken. Vom Erklären der Steuerung bis hin zur Nutzung der Umgebung zu eurem Vorteil, wird euch alles haarklein erklärt. Im späteren Spielverlauf ist es dann nochmals umso ärgerlicher, dass man so viel Zeit aufwendet, um dem Spieler die Basics doppelt zu erklären, wenn das Spiel so viel mehr an komplexeren Abläufen hat, die man leicht übersehen kann. Sobald ihr euch mit dem Gameplay vertraut gemacht habt, bietet der Titel neue Schauplätze und jede Menge Bosskämpfe und lässt euch frei entscheiden, ob ihr lieber auf Ressourcen und Genma-Jagd geht, oder von einem bis zum nächsten Boss durchkämpft, um in der Geschichte voran zu kommen. Hin und wieder sind hier die Checkpoints nicht ganz ideal gesetzt, aber das Spiel lässt euch neben Schnellreise Punkten, auch immer vom letzten Speicherpunkt laden. Falls ihr euch also mal mit wenig Heiltränken in eine schlechte Lage manövriert habt, könnt ihr auch einen besseren Zeitpunkt zum Zurücksetzen wählen. Zusätzlich gibt es keinerlei Nachteile, wenn ihr am Schrein/Speicherpunkt auf den anderen Schwierigkeitsgrad wechselt. Erfahrene Action RPG Veteranen werden zwar etwas enttäuscht sein, wie leicht der Story Mode ist, aber wer auf dem Action Mode bleibt, bekommt hier eines der schwersten Spielerlebnisse, abseits von FromSoftware Titeln präsentiert.

Allgemein ist die Mischung aus groteskem Horror und Humor wieder gut umgesetzt. Für jede schaurige und brutal inszenierte Szene, folgt meistens eine humorvolle Einlage vom Protagonisten, um die Stimmung leicht anzuheben. Damit führt man die Serie gut in die aktuelle Zeit, ohne den Charme der Reihe aufzugeben. Wer hier ein komplett seriöses Samurai-Epos erwartet, wird recht flott eines Besseren belehrt. Bei den Nebenaufgaben selbst, ist wie beim Schwierigkeitsgrad, ein sehr großer Qualitätsunterschied. Manche Aufgaben enthalten Charaktere aus der Hauptgeschichte und liefern jede Menge an Hintergrundwissen zu Ereignissen während andere nur Sammelaufgaben oder Bogenschießübungen sind, denen gesprochene Dialoge fehlen und sehr grenzwertige NPCs Gesichtsanimationen darbieten. Man muss natürlich die recht großen Gebiete mit einiges an Inhalten füllen, aber hier hätte man sich ein Stück mehr Mühe geben können. Es gibt auch wie beispielsweise in Ghost of Tsushima, zufällige Ereignisse mit Dorfbewohnern, die eure Hilfe benötigen. Damit werden zumindest hin und wieder die Kämpfe gegen Genma, die euch über den Weg laufen, ein wenig aufgelockert und mit sinnvollen Belohnungen für Upgrades erweitert. Generell ist die Involvierung der Dorfbewohner sehr gelungen umgesetzt. In den Nebenaufgaben und Zwischensequenzen aus der Vergangenheiten, wird gut aufgezeigt, wie die einzelnen Dämonen die Bewohner hinters Licht führen, um sich in der Hoffnung vom religösen Wahn Würmer einsetzen zu lassen oder sich zu Wein verarbeiten lassen.
Das Gameplay bleibt das absolute Highlight
Onimusha konnte immer schon mit seinem recht eigenen Mix aus Samurai Kämpfen, mysteriösen Rätseln und dem Einsammeln von Seelen überzeugen. Da sich aber in den letzten Jahren doch einige ausgezeichnete Action RPGs am Markt etabliert haben, musste man dann hier doch etwas nachlegen. Wo ein Sekiro: Shadows Die Twice noch damals mit den originalen Onimusha Ablegern vergleichbar war, kann man jetzt bei Way of the Sword wieder einige Parallelen zurück zu Sekiro ziehen. Natürlich hatte die Reihe nie diese Flexibilität und Geschwindigkeit, aber die phänomenale Art der Inszenierung der einzelnen Kämpfe und der Fokus auf Parieren und dem deflektieren von Attacken, ist bei den Titeln absolut ein Kernelement. Onimusha bietet euch viele der klassischen Gameplay Elemente der Serie an und auch viele neue Tricks, die Stück für Stück über den Verlauf der Geschichte freigeschalten werden. Nach dem bereits erwähnten 2-3 Stunden an Tutorial, könnt ihr alle bekannten Fähigkeiten in einem Trainingsplatz austesten und auch jeden Boss den ihr bereits bezwungen habt, in allen Schwierigkeitsgraden erneut herausfordern.

Letzteres ist zwar ein netter Spielplatz für Veteranen um die eigenen Fähigkeiten zu perfektionieren, ist aber gerade bei diesem Spiel absolut nicht notwendig, da die Vielzahl an Bosse so immens viel wiederverwertet wird, dass ihr sowieso auf viele der Gegenspieler irgendwann die Lust verliert. Natürlich machen diesen Fehler auch Spiele wie Elden Ring oder auch Sekiro, aber in einer weitaus offener und umfangreicheren Spielewelt, gestreckt über deutlich mehr Spielzeit.

Durch die große Anzahl an Fertigkeiten und Oni-Upgrades, könnt ihr euch später im Spiel immer präziser auf jeden einzelnen Bosskampf spezialisieren. Wenn ein Boss zu stark wirkt, lässt euch das Spiel immer die Möglichkeit offen, die Schauplätze nach Ressourcen zu durchforsten, oder sogar bei einem einzigen Händler, gezielt mit den gesammelten Seelen zu kaufen, falls ihr einen der drei Hauptrüstungsgegenstände verbessern wollt. Manchmal ist das zwingend notwendig, da man sich dafür entschieden hat, trotz der limitierten Anzahl von aufwertbaren Ausrüstungen, möglichst viel verschiedene notwendige Materialien in der Spielewelt zu verteilen. Wenn ihr euch da nur auf die Hauptaufgaben verlässt, könnte euer Upgradeplan nicht immer so aufgehen, wie ihr es haben wollt.

Es gibt im Prinzip keine Attacke, die ihr nicht mit einem gut platzierten Ausweichen oder parieren, entkommen könnt. Zusätzlich gibt es für so ziemlich jedem Gegner eigene Animationen, abgestimmt auf die jeweiligen Attacken und ihr könnt oftmals Gegenstände in der Umgebung gegen die Genma einsetzen. An sich ist das Zeitfenster für diese Abwehrmanöver recht großzügig gewählt, im Gegensatz zu klassischen Soulslikes, aber gerade die späteren Bosse haben mehrere Phase und immens hohe Lebensanzeigen. Dadurch ist im Action Modus die reine Anzahl an Attacken die ihr mindestens parieren müsst, äußerst hoch angesetzt. Ein Ansporn für alle, die das System meistern wollen, der aber doch Öfters etwas unnötig in die Länge gezogen wird.
Grafisch ist Onimusha: Way of the Sword interessanterweise, einer der schwächeren Capcom hauseigenen RE Engine Titel. Abseits von den sehr ansehnlichen Zwischensequenzen, wirkt es als wäre allgemein die Performance mehr im Vordergrund. Keine besondere Weitsicht, trotz recht großén und offenen Gebieten. Keine modernen Wind Effekte oder feinere Details in den vielen Waldabschnitten und auch die begehbaren Häuser in den einzelnen Dörfern, sind relativ ident aufgebaut. Natürlich liegt hier der Fokus auf die Geschichte und die Hauptereignisse, aber wenn man dem Spieler so viel Freiheiten gibt, könnte man auch hier die Latte etwas höher ansetzen. Spielerisch kann man dafür absolut nichts bemängeln. Das Spielt läuft stabil auf der PS5 Pro und uns ist in 30 Stunden an Spielzeit, kein einziger Absturz oder Framerate Einbrüche untergekommen.
Onimusha: Way of the Sword erscheint am 4. September 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X/S, PC (Steam, Epic Games Store, Windows) und die Nintendo Switch 2. Hier könnt ihr den Titel bereits vorbestellen.
Fazit
Onimusha: Way of the Sword glänzt mit einem fantastischen Gameplay, was durch die Masse an Parier und Abwehreinlagen, sogar einem Sekiro Konkurrenz macht. Der Mix aus dunklen grotesken Themen und einem leicht naiven Humor wurde gelungen in ein modernes Performance-Gewand verpackt und überzeugt zusammen mit der gelungenen Geschichte und der Vielzahl an Bosskämpfen. Leider nutzen sich diese große Anzahl an Bossen, zusammen mit den etwas durchschnittlich ausgefallenen NPCs schnell ab, was zusammen mit den weit auseinander liegenden Schwierigkeitsgraden, das größte Manko des Spiels ausmacht. Wer aber damit leben kann, bekommt hier eines der besten Action RPGs der letzten Jahre serviert.

Positiv
+ Grotesker Horror und Humor zieht sich gut durch die gesamte Geschichte
+ Großartig inszenierte Zwischensequenzen und Bosskämpfe
+ Gameplay und Performance überzeugen durchgängig
Negativ
– Einzelne Bosse werden viel zu oft wiederverwertet
– Schere zwischen Story und Action Schwierigkeitsgrad etwas zu groß
– Liebe zum Detail fehlt etwas abseits von den Hauptereignissen und umfangreicheren Nebenaufgaben


