Nach einem großartigen Einstieg ins Soulslike Genre in 2017, war Entwickler Team Ninja stätig dran, den damit etablierten Mix aus Soulslike und Hack-and-Slash immer weiter zu verfeinern. Mit Wo Long Fallen Dynasty wurde der Einsatz von Magie und das Wechseln zwischen Kampfstilen deutlich erweitert und in Rise of the Ronin offene Areale/Welten, mit vielen Elementen von der Konkurrenz, ausgetestet. Was kommt raus, wenn man all diese Elemente in ein Spiel zusammenwirft? Nioh 3. Warum Team Ninja wohl eines ihrer bisher besten Werke veröffentlicht hat und was das Spiel alles so besonders macht, könnt ihr wie immer bei uns im Test nachlesen.
Zurück in die Zukunft
Wir schreiben das Jahr Genna 8 (1622). Die Burg Edo steht kurz vor der Ernennung des Protagonisten Tokugawa Takechiyo zum nächsten Shogun. Takechiyos jüngerer Bruder, Tokugawa Kunimatsu, verzehrt von Hass auf die Nachfolge seines Bruders, verfällt der Dunkelheit. Von einer finsteren Macht gestärkt, führt er eine Horde Yokai in einem erbitterten Angriff gegen Takechiyo. Die Ära des Friedens verwandelt sich plötzlich in die Hölle, und in verzweifelter Lage überwindet Takechiyo die Zeit selbst durch die geheimnisvolle Kraft seines Schutzgeistes Kusanagi. In guten 35-40 Stunden an Spielzeit lernt ihr klassisch für die Serie bekannte Gesichter aus der japanischen Geschichte in diversen Zeitepochen kennen und helft ihnen ihre Gegenspieler und die mit ihnen verbündeten Yokai zu bezwingen. Die neuen offenen Karten ermöglichen euch so viel Freiheit, wie noch in keinem Titel von Team Ninja. Ihr könnt direkt den Hauptmissionen folgen, Nebenmissionen erledigen, alle versteckten Gegenstände auf der Karte abgrasen, Dörfer von Yokai befreien und vieles mehr. Der Mix aus vielen neuen Charakteren und alt bekannten Gesichtern und die Unabhängigkeit von den anderen Titeln des Studios, macht Nioh 3 zum bisher einsteigerfreundlichsten Titel der Serie.

Entstanden aus Kunimatsus Machtgier, ist der Schmelztiegel ein grauenhaftes Reich, in dem jede Seele, die von ihm verschlungen wird, endlos von Yokai gequält wird. Dieses höllische Gebiet findet sich in jeder Epoche wieder, die ihr bereist. Die Yokai dort sind besonders stark und besitzen einzigartige Buffs, die größeren Schaden verursachen. Im Schmelztiegel füllt sich allerdings eure Amrita-Anzeige schneller als normal, wodurch man spezielle Angriffe („Lebendes Artefakt“) häufiger einsetzen kann. Zusätzlich wurden neben Kodamas euch neue Schreine eingeführt, die euch durchs Sammeln eigene Buffs speziell für den Schmelztiegel bieten. Damit erweitern sich die ohnehin schon recht umfangreichen Areale um eine weitere Ebene. Code Vein 2 hat das zwar auch schon vorgemacht, aber Nioh 3 liefert hier dann doch etwas mehr an Vielfalt und eine deutlich bessere optische Wandlung der einzelnen Gebiete. Gesamt überzeugt die Geschichte durch die Vielzahl an historischen Figuren, Settings und der Gesamtpräsentation. Ein großes Manko ist leider die englische Synchronisation. Es ist wirklich unverständlich, warum man nach so vielen Ableger im Genre und dem dritten Teil einer Serie, der so vielversprechend ausfällt, an den Synchronsprechern spart. Die original japanische Vertonung ist zwar ein Stück besser, aber wer lieber in Englisch spielt, wird hier durch die hölzerne Darbietung von vielen Charakteren oftmals enttäuscht werden.

Was Veteranen noch leicht enttäuschen wird, sind die Kampfschriftrollen. Hier sind die klassischen Nebenaufgaben enthalten, die vorhandene Gebiete und Gegner zusammenmischen um euch die Möglichkeit zu bieten, nochmals neue Hintergrundinformationen zu den Charakteren aufzudecken oder Gegner in neuen Varianten zu besiegen. Diese sind aufgrund der riesigen offenen Areale, deutlich kürzer als sonst ausgefallen. Vor allem die letzten Missionen senden euch dann nur noch eine immer größere Anzahl an Bossen auf euch zu. Hier waren die Vorgänger dann doch ein Stück kreativer.
Offene Areale und Ninja Style als große Neuerung
Wie eingangs erwähnt, hat das Studio in ihren bisherigen Werken konkret auf die großen Neuerungen in Nioh 3 lange hingearbeitet und experimentiert. Die neuen offenen Felder werden nicht zwingend jedem Fan der Serie zusagen, sind aber im Vergleich zu Wo Long oder Rise of the Ronin, sehr gelungen. Ihr könnt sie recht flott mit einer neuen Sprint-Art erkunden und es passiert an jeder Ecke der Karte irgendetwas Interessantes. Teilweise sind bestimmte Gebiete erst erreichbar, wenn ihr mehrere Nebenaufgaben erledigt und passende Schutzgeister aus der Geschichte freigeschalten habt. Neu sind auch Bloodedge Dämonen, die eine Ansammlung aller roten Gräber die ihr genutzt habt, darstellen. Wenn ihr also häufig die Gräber anderer Spieler aktiviert habt, sind diese Gegner besonders stark und lassen sich in jedem Areal einmalig finden. Neben dem zusätzlichen Schwierigkeitsgrad, der sich im New Game+ freischalten lässt, eine sehr gute Herausforderung für Veteranen.

Allgemein fehlt es dem Titel nicht an genug Herausforderung, trotz der Tatsache, dass man jetzt wie beispielsweise in Elden Ring, so viele Hilfsmittel wie noch nie in der Serie, zur Verfügung gestellt bekommt. Hier kommt auch der neue Ninja Style ins Spiel. Ihr sammelt Ressourcen und rüstet dieses Mal quasi zwei Charakter Klassen simultan aus. Samurai mit seinen verschiedenen Kampfstellungen, orientiert sich am klassischen Nioh und Ninja vereint alle Experimente, die das Studio mit Wo Long und Rise of the Ronin in der Zwischenzeit versucht hat, zu perfektionieren. Ihr habt viel mehr Möglichkeiten, Attacken zu entgehen und könnt zeitgleich jede Menge neue Waffen, Zauber und Gegenstände aus der Distanz einsetzen. Wer sich also eher bei Spielen wie Ninja Gaiden Zuhause fühlt, wird diesen neuen Kampfstil lieben. Ihr müsst auch teilweise zwingend im Kampf zwischen den Beiden wechseln, um rot leuchtende Spezialangriffe von Gegnern zu kontern, aber man kann den Wechsel auch per Einstellung deaktivieren, wenn man in einem bestimmten Stil fixiert bleiben will.

Die Einstellungen und Anpassungsmöglichkeiten der einzelnen Waffen, Fähigkeiten und Moves sind so umfangreich wie noch nie. Ihr könnt jedes kleinste Detail im Spiel von der Karte bis hin zur Anzeige eurer Gegenstände personalisieren. Oftmals sind viele der Einstellungen sehr versteckt und nicht besonders intuitiv ausgefallen, aber mit etwas Zeit kommt man auch als Neueinsteiger damit zurecht. Wir haben hier die meiste Zeit im neuen Ninja Style verbracht und ein wechseln war relativ selten notwendig. An den zusätzlichen Mehraufwand, für zwei Charaktere Rüstungen und co. zu verwalten, gewöhnt man sich auch recht schnell, wobei das noch etwas an Verbesserungspotenzial aufweist.
Performance und Co-Op
Nioh 3 liefert auf der PS5 eine solide technische Leistung ab. Leichte Framerate-Einbrüche waren für uns in gut 40 Stunden an Testzeit sehr selten bemerkbar. Kurze verteilte Momente waren hier eher die Übeltäter, als wirklich hohes Gegner-Aufkommen oder andere grafisch fordernde Bereiche aufgetaucht sind. Selbst eine Salve von allen Fähigkeiten, die man als Ninja so raushauen kann, mit einem gerufenen Co-Op Partner und aufwendigen Boss Angriffen, hat bis auf eine visuelle Überladung, die Framerate nicht dauerhaft einbrechen lassen. Auch die Kameraführung verhält sich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, wenn man die Bosse an bestimmte Enden von Arealen drängt, durchgängig solide. Grafisch kann man ebenfalls wenig bemängeln. Die einzelnen Areale sehen fantastisch aus, bieten mehr als genug zum Erkunden und unterscheiden sich pro Epoche sehr stark. Selbst die Schmelztiegelvarianten bieten in Sachen Designs genug Abwechslung. Yokai und Bosse bieten auch mehr als genug Vielfalt, auch wenn man viele bereits aus den Vorgängern kennt.

Online konnten wir bisher nicht all zu viel in der Testphase ausprobieren, aber selbst offline bietet das Spiel mehr als genug Hilfestellungen für Spieler um jeden einzelnen Boss meistern zu können. Durch die offenen Areale, zwischen denen ihr jederzeit herumwechseln könnt, kann man hier wie schon damals in Elden Ring, einfach ein paar andere Gebiete angehen, aufleveln und sich erneut an einem knackigen Boss versuchen. Wer nicht schon Erfahrungen mit den bisherigen Projekten von Team Ninja sammeln konnte, muss sich hier jedoch einiges an Zeit nehmen, um mit den vielen Elementen und Eigenheiten der Serie zurechtzukommen. Vermutlich kann die Vielzahl an Anpassungsmöglichkeiten auch einige Spieler zuerst etwas überfordern. Falls sich jemand um den Co-Op Fortschritt Sorgen macht: Im Story Modus behaltet ihr beide euren Fortschritt, außer bei Myths Quests.
Nioh 3 erscheint am 6. Februar 2026 für PlayStation 5 und PC (via Steam). Hier könnt ihr den Titel bereits vorbestellen.
Fazit
Nioh 3 vereint alle bisherigen Ausflüge von Team Ninja in verschiedene Genres in ein umfangreiches Gesamtpaket, was das wohl bisher beste Gameplay der Serie zu bieten hat. Die offenen Areale und das Ausrüstungsmanagement, werden zwar nicht jeden Fan der Serie begeistern, aber sonst wartet hier eines der besten Spiele des Studios bisher. Wir empfehlen auch den Titel im japanischen Original zu spielen, aufgrund der schlechten englischen Synchronsprecher.

Positiv
+ Offene Areale sind voll gestopft mit jeder Menge neuer und alt bekannter Inhalte
+ Ninja Style entpuppt sich als perfekte Gameplay Erweiterung für die Serie
+ Unmengen an neuen Waffen und Anpassungsmöglichkeiten die selbst Veteranen genug zum experimentieren bieten
+ Story und Gesamtpräsentation überzeugen, auch wenn große Überraschungen ausfallen
Negativ
– Ausrüstungsmanagement von zwei Charakteren kann trotz der unzähligen Filter manchmal etwas mühsam sein (Trotz Filter)
– Furchtbare Synchronsprecher im Englischen
– Bekannte Bosse aus den Vorgängern werden hin und wieder etwas zu oft eingesetzt


