Nachdem wir bereits vor Kurzem einen Blick in ausgewählte Missionen werfen durften, können wir nun MY HERO ACADEMIA: All’s Justice von Beginn an und in voller Länge testen. Wie es uns dabei erging und ob genug Langzeitmotivation da ist, erfahrt ihr in unserem Test. Wir haben dabei die PC Version gespielt, aber auch PS5 und Xbox Series X|S Versionen werden erscheinen.
Quirks, Quirks, Quirks

Beginnen wollen wir mit der größten Stärke des Spiels. Der Roster umfasst über 60 Charaktere mit ihren jeweiligen Quirks. Für die Uneingeweihten: Quirks sind spezielle Fähigkeiten, die Menschen in der Welt von My Hero Academia entwickeln und sind vereinfacht gesagt typische Superheldenfähigkeiten wie Feuer-/Eismanipulation, Superstärke, Mutationen etc.. Diese Fähigkeiten können natürlich für das Gute oder das Böse verwendet werden und so ergibt sich ganz automatisch die Dynamik für die gesamte Geschichte des Animes.

Fans der Serie können somit fast unter Garantie ihre Lieblingscharaktere ins Feld führen, wenn es in den 3vs3 Kämpfen um das Schicksal der Welt oder auch nur ein Sparring unter Freunden geht. Die verschiedenen Eigenschaften sind dabei auch gut umgesetzt und es gibt nur wenige „doppelte“ Charaktere, die in unterschiedlichen Stufen zur Verfügung stehen.
Schere, Stein, Papier wie in den ersten Teilen

Zu Beginn werdet ihr mittels eines standardmäßigen Tutorials über die Eigenheiten des Kampfsystems aufgeklärt. Das funktioniert nach dem altbekannten Schema „Textbox erklärt“=>“Spieler drückt das Erklärte ein paar Mal“ und bringt zumindest die Grundkonzepte nahe. Im Kampf wählt man zwischen normalen, unblockbaren und aufladbaren Angriffen, die unterschiedlich gekontert werden können. Normale Attacken sind schneller als unblockbare Angriffe und die aufladbare Version absorbiert normale Attacken. Unblockbaren Angriffe werden dagegen ihrem Namen gerecht und durchdringen die gegnerische Deckung. Natürlich kann man Schaden auch entgehen, indem man Movement Optionen wie Dashes und Sprünge nutzt. Zudem sind viele Attacken mit viel Reichweite bzw. Momentum ausgestattet, wodurch ihr mit manchen Charakteren auch Spezialangriffe zum Bewegen benutzen könnt.

Veteranen der Videospielreihe erkennen, dass man dem Design der Vorgänger treu geblieben ist. Wir hätten uns neben einem neuen aufgepowerten Modus aber etwas drastischere Neuerungen gewünscht. Anwenden könnt ihr das Ganze jedenfalls in verschiedenen Modi. Klassischerweise kann man im Storymode beginnen, da hier der Fokus auf dem Erzählen der Geschichte liegt. Dabei befindet man sich zeitlich in den letzten beiden Staffeln des Animes und die Kapitel des Storymodus wechseln zwischen Kämpfen, Videosequenzen und Bildern mit Text ab. Die Qualität der Darstellung kam uns dabei etwas schwankend vor, wenn z.B. Videosequenzen verwaschen wirken. Top waren hingegen die Sprecher auf Japanisch und Englisch, wobei wir das japanische Original bevorzugt haben.

Nacherzählungen und die große Simulation
Wer sich die altbekannte Geschichte nicht erneut zu Gemüte führen will, für den gibt es noch weitere Modi zu entdecken. Zentral sind dabei die Team Up Missions. Dabei befindet man sich als Hauptfigur der Serie Izuku Midoriya (Heldenname Deku) in einer großen Simulation, die zum Helden Ausbilden verwendet wird. Einstieg sind dabei ausgewählte Missionen, die zum Teil mit vorgegebenen und zum Teil mit selbst gewählten Teams bestritten werden können. In den Missionen trefft ihr auf Klassenkollegen, andere Helden, Feinde und Passanten und könnt euch im Stadtviertel halbwegs frei bewegen. Eure Quirks sind dabei zumeist als Bewegungshilfe einzusetzen, um euch schneller fortzubewegen.

Neben den Hauptmissionszielen wie „Besiege x“, „Sprich mit y“ könnt ihr anderen Charakten helfen, mit ihnen Kämpfen oder auch nur mit ihnen sprechen. Wählt ihr die richtige Option gewinnt ihr die Person als Unterstützung, damit diese euren Angriff, eure HP oder eure Punktzahl erhöht und bekommt in jedem Fall Punkte auf euer Konto gutgeschrieben. Die Punktzahl entscheidet am Schluss über eure Missionsbewertung. Wer alles mit S abschließen will sollte sich also auf ein bisschen Grinden einstellen. Ein weiteres Merkmal der Team Up Missions ist, dass hier versucht wurde etwas Abwechslung neben bzw. in den Kämpfen zu etablieren. So gibt es Suchaktionen, bei der ihr einen Weg auf ein Dach finden müsst, „Parkoursläufe“, bei denen Checkpoints abgelaufen werden müssen oder Kämpfe unter speziellen Bedingungen mit z.B. mehreren Feinden gleichzeitig. Leider sind diese „Minispiele“ allgemein sehr schwach umgesetzt und wirken aufgrund der semioptimalen Steuerung etwas aufgesetzt.

Geschichten, die das Leben schreibt
Zumindest ist die Story in Team Up Missions extra für All’s Justice geschrieben. Das gilt auch für die Hero Diaries bei denen ihr für alle Klassenkameraden von Deku drei kleine zusammenhängende Episoden freischalten könnt, sobald ihr den Charakter unlocked habt. Die Betonung liegt dabei auf klein, denn diese drei Stories pro Charakter sind wirklich, wirklich kurz. Teilweise gibt es nicht einmal eine Interaktion. Gleich zu Beginn verfolgt man z.B. einen Lehrer durch die Stadt, was nichts weiter ist als zu einem Checkpoint zu laufen, um zu einem Checkpoint zu laufen, um zu einem Checkpoint zu laufen, um ein Gespräch mit dem Lehrer zu führen. Das ist in weniger als 1:30 Minute erledigt. Man muss auch keinen Abstand zum Lehrer halten oder einen besonderen Weg wählen, nein, es geht wirklich nur darum von A nach B (wobei B in Sicht ist) zu laufen. Die Stories sind zumeist leicht humoristisch angehaucht und richten sich definitiv an Fans, um ihnen einen kleinen Grinser zu entlocken. Wir befürchten aber, dass das nicht ausreicht, weil hier einfach zu wenig geboten wird.

Das ist zudem ein Gefühl, dass sich durch das ganze Spiel zieht. Egal, ob man sich im Storymodus, in den Team Up Missions oder eben im Hero Diary Modus befindet, es gibt zu wenig hochwertige Abwechslung. Die Kämpfe machen Spaß, sind optisch gut inszeniert und wie oben bereits erwähnt sind die Charaktere/Quirks gut umgesetzt. Aber dazwischen bekommt man steife Animationen in den Team Up Missions, halbgare Minispiele und eben erstaunlich wenig Content. Ein wenig wettgemacht wird das durch einen Regen an Customizingitems nach quasi jedem Abschnitt in der Story bzw. in Team Up Missions. Die Lieblingscharaktere können farblich oder mit Kostümen angepasst, Posen ausgewählt und der Kommentator für die Kämpfe geändert werden. Hier kann man sich dann austoben, ist aber nicht dermaßen frei, wie z.B. in Tekken 8s Kostümen.

Als passabler Arenaprügler für ein paar Runden zwischendurch, macht My Hero Academia: All’s Justice aber durchaus Laune und kann getrost auch als Buttonmasher gespielt werden. Auch akustisch hat uns der fetzige Soundtrack gefallen, wenngleich er sich schnell wiederholt. Diese „ja, aber“ Bewertung hat sich wie ein roter Faden durch unser Spielerlebnis gezogen und gleichzeitig auch für etwas Enttäuschung gesorgt, hier wäre nämlich aus unserer Sicht mehr zu holen gewesen.

Fazit
In unserem Erleben hat My Hero Academia: All’s Justice in Sachen Kampfgameplay das bislang beste Ergebnis der Reihe abgeliefert und mit seinem starken Roster können unzählige Matchups nachgespielt werden. Abseits dessen hat man leider das enorme Potential der Marke wieder einmal nicht gehoben und der Versuch Abwechslung neben den Kämpfen einzubauen, ist ebenfalls aufgrund mangelnder Qualität gescheitert. Fans können einen Blick riskieren, müssen aber mit diesen Enttäuschungen leben.
Positiv
- Das Kampfgameplay ist das beste der My Hero Academia Arena Fighter
- Großer Roster und gute Umsetzung der Fähigkeiten
- Sprecher überzeugen
- Viele Customizingmöglichkeiten/Freischaltbares
- Der Versuch mehr Abwechslung neben den Kämpfen unterzubringen, war da,….
Negativ
- …aber die Qualität bei vielen Elementen des Team Up Missions Modus lässt zu wünschen übrig
- Gelungene Idee mit dem Hero’s Diary Modus, aber viel zu kurz und mit viel zu wenig Interaktion
- Keine großen Änderungen/Neuerungen zu vorhergehenden Titeln in Sachen Gameplay



