Review: Metroid Prime 4: Beyond – Die Rückkehr von Retro Studios, die nicht alle Fans zufrieden stellen wird

Nach Metroid Prime (2002), Metroid Prime 2: Echoes (2004), Metroid Prime 3: Corruption (2007) und Metroid Prime Remastered (2023), dürfen sich Fans der Reihe endlich nach der ersten ursprünglichen Ankündigung in 2017 auf einen neuen Prime Ableger von Retro Studios freuen. Wir konnten den Titel bereits die letzten Wochen ausgiebig für euch auf der Nintendo Switch 2 testen.

Der Planet Viewros und seine Geheimnisse

Nach einem umfangreichen Tutorial, was wir auch bereits auf dem Nintendo Switch 2 Experience Event in Berlin anspielen konnten, verschlägt es unsere Protagonistin Samus Aran auf den Planeten Viewros. Hier wird auch sehr früh der alte Gegenspieler Sylux, bekannt aus dem Spin-off Metroid Prime Hunters, etabliert. Dort angekommen, müsst ihr euch mit einem reduzierten Waffenarsenal erstmal mit der neuen faszinierenden Welt vertraut machen und lernt auch recht früh erste NPCs kennen, die euch dabei unterstützen. Als Hauptziel gilt es fünf Schlüssel zu finden, um den Chrono Tower, der euch recht früh im Spiel vorgestellt wird, zu erreichen. Wie ihr das genau angeht, ist euch bis zu einem gewissen Grad selbst überlassen, wobei sich Metroid Prime 4: Beyond, trotz einer etwas geöffneten Welt, recht linear spielt. Ihr könnt zwar jederzeit in der riesigen Wüste, nach dem Freischalten von Vi-O-La (Das neue Fortbewegungsmittel, das bereits als amiibo vorab enthüllt wurde), frei auswählen, was ihr als nächstes Erkunden wollt, aber sowohl die versteckten Dungeons, als auch Hauptgebiete, haben bis auf ganz wenige Ausnahmen, eine strikte Struktur, ab wann ihr den vollen Zugang erhält. Vi-O-La lässt sich in den meisten Gebieten reduziert einsetzen, ist aber eure Hauptwahl, um die riesige Wüste halbwegs schnell zu durchqueren, da keine Schnellreise möglich ist. In guten zehn Stunden Spielzeit erkundet ihr also, wie üblich für die Serie, Gebiet für Gebiet und könnt mit jeder neuen Fähigkeit, andere Gebiete weiter erkunden oder euch in der Wüste auf die Suche nach Geheimnissen machen.

Wer die Atmosphäre aus Solo Abenteuern von Samus genießt, wird mit Metroid Prime 4: Beyond nicht glücklich werden

Mit der erwähnten Wüste als Verbindung aller Gebiete und Spielwiese für euch zum Erkunden kommen auch ständige Hinweise durch eure Begleiter der Galactic Federation und Sammelaufgaben, die für die Story relevant sind, also mühselige Aspekte mit ins Spiel. Metroid Prime Veteranen werden Gastauftritte der Galactic Federation und NPC-Interaktionen zwar bereits gewohnt sein, aber hier machen sie einen wesentlichen Anteil des gesamten Spiels aus. NPC Dialoge können nicht übersprungen werden, wodurch ihr beispielsweise ein paar sich wiederholende Gesangseinlagen von Armstrong gezwungenermaßen anhören müsst, bevor ihr mit dem eigentlich relevanten Mitglied der Truppe sprechen könnt und es mit der Story weiter geht. Euch wird auch relativ früh im Spiel aufgetragen grüne Kristalle einzusammeln, die quer verteilt über die Wüste positioniert wurden. Ihr bekommt zwar kurz vor dem Ende des Spiels einen passenden Radar zu diesen Kristallen und sie liefern auch nette Upgrades, aber sie zwingend mit dem Voranschreiten in der Story zu verknüpfen, ist etwas traurig, für ein Spiel dieser Klasse. Das ist als optionale Aufgabe für alle, die gerne Spiele auf 100% absolvieren wollen ein netter Zeitvertreib, aber als Kernmechanik für die Geschichte etwas zu flach gestaltet. Wie man die Geschichte rund um die Lamorn über die Welt und Schauplätze verteilt aufdeckt, ist dafür sehr gelungen.

Das Scannen der Umgebung bietet euch nützliche Informationen zu den Bewohnern von Viewros, ihrer Geschichte und auch Hinweise, wie ihr Bosse und Gegner am besten bezwingen könnt

Was die ständigen NPC-Interaktionen noch mit sich bringen, ist ein starkes an-der-Hand-halten, des Spielers. Die Serie lebt von ihren Geheimnissen und dem Lösen von Rätseln. Wie aus beispielsweise God of War Ragnarök bekannt, lässt man den Spieler viel zu wenig Zeit, selbst auf eine Lösung zu kommen. Manchmal bekommt ihr direkt nachdem ihr nach einem neuen Upgrade wieder in die Wüste startet, entweder das Gebiet direkt auf der Karte markiert oder ein NPC sagt euch nach wenigen Minuten, was ihr nicht versuchen solltet. Kombiniert mit der schlechten Qualität der einzelnen Dialoge und der Tatsache, dass ihr NPCs auch im Kampf wiederbeleben müsst, beweisen sie sich leider in allen Aspekten, als riesiges Manko von Metroid Prime 4: Beyond. Man hätte hier deutlich mehr Zeit in die Welt und ihre Lebewesen stecken können, oder auch die Gegnervariationen mit mehr Qualität als Quantität versehen, als dem Spieler diese Begleiter umzuhängen.

Gameplay und Performance überzeugen

Wo sich Veteranen der Serie weniger Sorgen machen müssen, ist das Gameplay an sich und die technische Performance des Titels auf der Nintendo Switch 2. Die einzelnen Schauplätze sehen großartig aus und uns ist kein einziger technischer Schnitzer in über 10 Stunden an Spielzeit untergekommen. Wir haben hier die meiste Zeit den Grafikmodus (4K 60fps) im Einsatz gehabt. Die neuen psychischen Kräfte, mit denen ihr Türen oder Magnet-Mechanismen und sogar die Flugbahn eures Strahls beeinflussen könnt, erweitern das klassische Waffenarsenal sehr gelungen. Uns ist zwar kein Rätsel untergekommen, das immens viel Zeit verschlungen hat, aber dafür wird jede einzelne Fähigkeit gezielt vom Spieler abgefragt.

Bei vielen Stellen, fragt man sich doch manchmal, ob man nicht gerade ein neues Halo spielt, weil der Titel so unglaublich gut aussieht.

Ein wirkliches Highlight sind die Bosskämpfe. Hier verlangt das Spiel alles von euch ab und variiert stark zwischen jedem einzelnen Kampf. Eine kleine Enttäuschung sind ein paar, in mehrere Abschnitte aufgeteilte Missionen, die leider zwischen Zwischensequenzen keine Checkpoints setzen, wodurch ihr hin und wieder den gesamten Abschnitt komplett von vorne spielen müsst. Alle Bosskämpfe die Fahrzeuge involvieren, sind auch nicht sonderlich spektakulär ausgefallen, aber ansonsten, warten hier einige knackige Kämpfe auf euch.

Die verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten, die wir auch bereits beim Event damals in Berlin austesten konnten, sind auch sehr gelungen umgesetzt. Wir haben uns zwar durchs gesamte Spiel per Pro Controller gekämpft, aber der schnelle Wechsel per Joy-Con auf die Maussteuerung funktioniert einwandfrei. Ihr könnt das ganze auch in den Einstellungen näher auf eure Bedürfnisse anpassen.

Etwas enttäuschend ist aber das Sound Design des Titels ausgefallen. Kein einziger Track bleibt länger in Erinnerung und viele der generischen Synthesizer Beats, kombiniert mit den vielen Warnsignalen, wirken oftmals eher nervig als irgendetwas zur Atmosphäre beizutragen. Wenn eure NPC Partner Heilung brauchen, eure Raketen ein gewisses Limit erreichen und ihr vielleicht selbst wenig Leben zur Verfügung habt, kombiniert mit den generischen Tracks, kann oftmals eine sehr spezielle Gefühlslage auslösen. Auch hier hätte man sich von dem legendären Studio, etwas mehr erwartet.

Fazit

Metroid Prime 4: Beyond spielt sich fantastisch, sieht großartig aus und liefert ein paar der besten Bosskämpfe der Serie. Leider ziehen unnötig generische Begleiter, ein schwacher Soundtrack und Sammelaufgaben verknüpft mit der Geschichte, das Gesamtbild etwas herunter. Fans der Prime Ableger, werden hier trotzdem mehr als genug Spaß mit dem Titel haben.

+ Neue Gameplay Features überzeugen

+ Solide technische Performance

+ Das klassische Metroid Feeling wurde gekonnt in die einzelnen Schauplätze integriert

– Begleiter wirken eher nervtötend, forciert, müssen im Kampf geheilt werden und liefern zu schnell Hinweise

– Sound Design überzeugt leider selten

– Generische Sammelaufgaben in einer riesigen Wüste verknüpft mit dem Abschluss der Geschichte

Teilt uns eure Meinung mit

Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer

No comments yet.

Leave Your Reply