Jahrzehnte lang durfte Capcom mit Marvel vs. Capcom das Zepter schwingen, wenn es um Fighting Games mit Marvel Charakteren ging, doch Infinite wollte 2017 nicht so richtig zünden. 2026 kommt dafür Arc System Works mit Marvel Tōkon: Fighting Souls daher und liefert gameplaytechnisch so richtig ab. Wir haben uns so richtig geprügelt und hatten eine Menge Spaß, müssen aber auch eine Warnung für PC Spieler aussprechen. Alles Weitere erfahrt ihr hier im Test.
Vier gegen vier

Traditionell sind Fighting Games mit Marvel Beteiligung Tagfighter, d.h. ihr steuert ein Team, könnt Assist Angriffe hereinrufen und auch den Charakter wechseln. In Tōkon habt ihr dazu ganze vier Charaktere zur Verfügung, die ihr euch aus dem 20 köpfigen Roster (+ ein freischaltbarer Kämpfer) herauspicken könnt. Die Auswahl ist dabei breit gestreut und bietet euch Avengers, X-Men, Superschurken und ein paar Überraschungen. Zu Beginn eines Kampfes stehen euch von eurem Team aber nur zwei Kämpfer zur Verfügung, deren Anzahl ihr über geschickte Combos mit Wallsplats oder Stage Transitions auf drei bzw. vier erhöhen könnt. Als kleinen Ausgleich nach einer verlorenen Runde bekommt der Unterlegene ebenfalls einen seiner Kämpfer im Team freigeschalten.

Diese Mechanik erzwingt offensives Verhalten, denn wer seine Assist Charaktere freischaltet, der kann wesentlich mehr Druck, stärkere Combos und damit mehr Schaden anrichten. Wer zu diesem Zeitpunkt schon Angst hat, das Spiel kaum erlernen zu können, weil er vier Chars lernen muss, kann beruhigt werden: Tōkon kann man als Anfänger sehr gut mit einem Charakter spielen und ausschließlich Assists der anderen drei Kämpfer nutzen, denn alle teilen sich eine Lebensleiste.

Trotzdem gibt es einiges zu erlernen, denn neben L(eicht), M(ittel) und H(art) als Angriffsknöpfe gibt es noch U(nique) für Spezialattacken, den A(ssist) Button und den T(ag) Button, um zu wechseln, wenn gewünscht. Ein eigener Spezialattacken Knopf ermöglicht es zudem ohne Motioninputs wie Viertelkreise oder dem Shoryuken Input (Vorne, Unten, Vorneunten) zu spielen und stattdessen nur eine Richtung + Knopf zu drücken. Beide Varianten sind dauerhaft aktiv und können auch miteinander kombiniert werden. Um dem allen Herr zu werden, gibt es natürlich einen Trainingsmodus.

Übung macht den Meister

Und der bietet fast alles was das Herz begehrt und insbesondere die Presets zum Üben bestimmter Techniken sind ein willkommenes Feature. Aber auch Standards wie Framedata, Einstellungen für alle Sonderfunktionen der Kämpfer und natürlich das Verhalten des Dummies sind dabei und erschlagen einen fast. Auch hier wurde an Anfänger gedacht, denn man kann das Trainingsmenü auch in eine reduzierte Variante umschalten.

Damit man aber nicht komplett alleine Combos erfinden muss, hat jeder Charakter einen Missionmode in dem Special Moves, erste Combos und der Unique Skill erklärt und ausprobiert werden können. Zum Schluss gibt es sogar ganz spezielle Combochallenges, die ähnlich wie in Persona 4 Arena von „okay“ über „knackig“ bis „als Anfänger unmöglich“ reichen. Hier kann man dann seiner Kreativität freien Lauf lassen, wenn man z.B. Carnages Unique Skill in einer Combo ganze fünf Mal verwenden soll.

Die Herausforderung des Champions


Eine weitere Möglichkeit die Charaktere kennenzulernen ist der Episode Mode, bei dem ihr für jedes der fünf vorgefertigten Teams eine Art vertonten Comic und Zwischensequenzen bekommt, während ihr zwischendrin Kämpfe erledigt, bei denen euch die einzelnen Teammitglieder vorgestellt werden. Wer eine solche Episode durchspielt erhöht damit auch den Schwierigkeitsgrad der weiteren Kämpfe, was einen irgendwann zwingt auch einmal zu blocken oder kreativer zu spielen, wenn die Gegner sich partout nicht treffen lassen wollen.

In der Story geht es um nichts weniger als den Fortbestand der Erde, denn ein mächtiger Weltraumreisender, genannt Champion, fordert Planeten heraus Teams zu bilden und lässt sie in einem Turnier gegeneinander kämpfen. Das siegreiche Team erhält dann die Chance den Champion selbst herauszufordern, um einen Wunsch kosmischen Ausmaßes erfüllt zu bekommen. Im Falle einer Niederlage verschwindet allerdings der eigene Planet. Erzählt wird das Ganze, wie erwähnt, als Comic, der dynamisch aufgebaut wird. Uns haben die Zeichnungen und der Stil sehr gut gefallen, aber Puristen könnten über den allgemein eher animehaften Style des Spiels die Nase rümpfen. Schlussendlich greift alles aber herrvorragend ineinander.

Das Designteam verdient eine Beförderung

Das liegt nicht zuletzt daran, dass mit unheimlich viel Liebe zum Detail ans Werk gegangen und gleichzeitig auch Risiken eingegangen wurden. So gibt es neben Standard Charakteren wie Captain America, Iron Man oder Wolverine auch Überraschungen wie Magik, Danger oder Peni Parker und sogar Vampirjäger Blade ist mit dabei. Besonders gefallen hat uns auch der Merc with a Mouth Deadpool, der mit einer großen Anzahl an Anspielungen aufwartet, die uns jede Menge Lacher innerhalb und ausserhalb der Story gebracht haben. Aber auch die Arroganz eines Dr. Doom kommt im Spiel durch die Vertonung und Gestik perfekt zur Geltung. Ebenso gelungen sind die meisten der neun Arenen, wobei wir uns ein paar mehr gewünscht hätten.

Dafür gibt es mit dem Arcadia Rumble und der All-Star Arena (Arcade Mode mit Buffs/Debuffs und Endless Mode) noch mehr Single- bzw. Multiplayerfutter. In Arcadia Rumble könnt ihr nämlich als Chibifigur eurer Wahl in speziellen 3D Arenen humherrennen, Items aufsammeln und euch immer wieder mit euren Gegnern prügeln. Eine nette Abwechslung für casual Spieler, die nicht immer nur auf Teufel komm raus um den Sieg spielen wollen.
Wieso, Sony?

Nach dieser Lobeshymne müssen wir aber nun zum Elefanten im Raum kommen. Was läuft schief bei Tōkon? In aller Kürze: Die PC Version hat eklatante Performanceprobleme, die bereits aktiv gepatcht werden, aber für manche Spieler den Online Multiplayer unspielbar machen und Playstationspieler dazu bringt Crossplay aktiv abzuschalten. Es gibt hier nämlich Microstuttering und damit einhergehend schlechte Framerates, die wiederum für massive Rollbacks in Onlinefights sorgen. Dadurch ist kein normales Spiel möglich. Nach dem ersten Patch berichten manche Spieler von einer Verbesserung, aber es scheint als seien noch nicht alle Probleme behoben. Auch wir haben Framedrops erlebt und empfehlen PC Spielern ggf. die Rückgabemöglichkeiten von Steam genau zu studieren.

Ein Grund für die Performanceprobleme könnte auch der massive Einsatz von EAC (Easy Anti-Cheat) und mehreren SDKs (Software Development Kits) von Sony sein, die die Installation von Marvel Tōkon mit sich bringt. Diese fressen Ressourcen und bringen teilweise selbst gut ausgestattete Rechner ins Schwitzen. Hier ist der Kosten-/Nutzenfaktor definitiv in schieflage und trübt das Spielerlebnis sehr stark. Konsolenspieler sind nur über Crossplay indirekt betroffen, aber leiden dadurch an einer verminderten Playerbase. Die Community schreit an dieser Stelle bereits seit Release laut und es bleibt zu hoffen, dass Sony hier in Zukunft etwas mehr Fingerspitzengefühl walten lässt. Entwickler Arc System Works war für solche Praktiken nämlich bislang nicht bekannt und es gibt keinen sonstigen erkennbaren Grund, wieso man diesmal auf solche Technologien zurückgegriffen hat.
Fazit
Spielerisch und in Sachen Präsentation liefert Marvel Tōkon: Fighting Souls ein hervorragendes Erlebnis ab. Sowohl Marvel als auch Fighting Game Fans sollten hier auf ihre Kosten kommen. Auch die Singleplayermodi machen Spaß und führen an die Charaktere heran, damit man dann im gut ausgestatteten Trainingsmodus und in den Weiten des Internets seine Skills schärfen kann. Leider sind die massiven Performanceprobleme am PC nach einer Woche nur teilweise gelöst und stören ein ansonsten extrem rundes Gesamtbild des 4on4 Fighters.
Positiv
- Top Design mit viel Liebe zum Detail
- Interessanter Story Mode mit Lernkurve
- Teamsystem auch für Anfänger zugänglich dank gemeinsamen Lebensbalken
- Herrlich chaotische Situationen mit bis zu acht Kämpfern gleichzeitig am Schirm.
Negativ
- Der Anime Stileinschlag ist nicht jedermanns Sache
- Eklatante Performanceprobleme am PC mit teils unspielbarem online Multiplayer



