Was als Leidenschaftsprojekt einer einzelnen Person begann, hat sich dank der Bemühungen des wachsenden Teams von UltiZero Games sowie der umfassenden Zusammenarbeit und Unterstützung von SIE und des China Hero Projects zu etwas viel Größerem entwickelt. Wir konnten Lost Soul Aside die letzten Tage für euch anspielen. Mehr dazu wie immer im Test.
Rettet die Welt, eure Schwester und die eigene Seele
Das in Shanghai ansässige Studio Ultizero Games präsentiert Lost Soul Aside, ein originelles und stylisches Action-Adventure-RPG. Als eindringende Wesen aus einer anderen Dimension, bekannt als Voidrax, die Seele seiner geliebten Schwester rauben, muss Kaser sich auf eine gefährliche Reise begeben, um sich dieser schrecklichen neuen Bedrohung zu stellen, seine Schwester zu retten und die Menschheit zu befreien. Auch wenn das Intro direkt aus Final Fantasy 7 und 8 geklaut wirkt, entwickelt das Spiel über die Spielzeit von 10-12 Stunden doch seinen eigenen Charme. Nach einer kurzen Vorstellrunde des Casts, inklusive der wichtigsten Protagonisten der Geschichte, werdet ihr mit einem Partner, Arena, vertraut gemacht. Der Alien/Fantasy Mix, geht an sich relativ gut auf und verschlägt euch in sehr unterschiedliche Schauplätze mit ihren eigenen Geheimnissen und Gegenspielern.

Die gemeinsame Reise von Kaser und Arena führt euch durch fremde neue Welten und gefährliche Dimensionen mit schneebedeckten Landschaften, längst vergessenen Ruinen, alten außerirdischen Relikten und geheimnisvoller Architektur. Das Spiel wechselt hier sehr gerne zwischen futuristischen Ansätzen und altertümlichen/geistlichen Designs, hin und her. Zusätzlich wechseln auch die Prioritäten der beiden Hauptcharaktere immer wieder zwischen der Rettung der gesamten Welt und Kasers Schwester, wobei beide Ziele im späteren Spielverlauf eine Gesamtlösung bekommen. Aramon dient euch die meiste Zeit als Gegenspieler und liegt euch neben Arena ständig im Ohr mit Zwischenkommentaren. Generell fällt hier Arena eher schwach zusammen mit dem restlichen Cast aus, was sinnvolle Gespräche angeht. Als wären Kristalle und die Rettung der Menschheit nicht generisch genug, sind auch alle NPCs denen ihr begegnet, sehr hölzern. Die schlechten Synchronsprecher machen es nicht wirklich angenehmer.

Belohnungen für den Abschluss von Tutorial Challenge Dungeons sind fast direkt aus Devil May Cry übernommen und bieten rein optionale Herausforderungen für Veteranen unter Zeitdruck. Auto Dialoge, müssen jedes Mal erneut pro Dialog per Viereck manuell aktiviert werden. Dafür ist so gut wie jeder Dialog im Spiel komplett synchronisiert. Immerhin werdet ihr damit erinnert, dass ihr sie auch per X-Taste, einfach durchspringen könnt. Eine weitere Enttäuschung ist der Soundtrack. Bis auf einen Bosskampf, der sich ein paar Riffs von Mick Gordon (Doom 2016) ausleiht, sind alle Stücke so monoton ausgefallen, dass man fast schon den Ton allgemein abstellen will.

Optik ist nicht alles
Man merkt leider an jeder Ecke, dass es hier etwas an Qualitätskontrolle und Liebe zum Detail fehlt. Besonders schlimm ist eine der vielen Surfszenen, wo euch kein expliziter Sprung-Button zur Verfügung steht, sondern ausschließlich eine Attacken-Animation. Im allgemeinen funktionieren die Sprungpassagen dagegen, trotz des minimalistischen Umfangs an Bewegungsmöglichkeiten, überraschend gut. Euch steht ein Sprung, ein Doppelsprung und ein Dash in der Luft zur Verfügung. Letzterer ist aber oftmals ein Todesurteil.
Eine weitere interessante Desigentscheidung: Heiltränke bekommt ihr nur beim Speicherplatz/Checkpoint. Hier könnt ihr auch craften oder in einer Kampfsimulation unendlich gegen Gegnerwellen trainieren. Die Möglichkeit zu craften ist zwar schön und gut, aber die Tränke die daraus entstehen, sind sehr selten notwendig. Ausdauer geht euch so gut wie nie aus und auch alle anderen Buffs, sind wohl eher nur im Endgame auf den höchsten Schwierigkeitsgraden relevant. Heiltränke sind fixiert in ihrer Anzahl und stellen sich erst beim Speichern wieder her. Dadurch könnt ihr nach einem Boss recht weit im Level sein und müsst dann entweder mit einer reduzierten Anzahl durchbeißen, oder zum Checkpoint zurücklaufen.

Das Highlight des Spiels ist definitiv das Kampfsystem. Neben den vielseitigen Skillbäumen für alle vier Waffen, habt ihr jede Menge Combo-Möglichkeiten und könnt immens schnell, zwischen den einzelnen Waffen beliebig hin und her wechseln. Es ersetzt kein Devil May Cry, God of War oder auch Ninja Gaiden, aber für ein erstes Projekt, hat das Studio hier ein sehr solides Gameplay geschaffen, was auch nach mehreren Stunden an Spielzeit, noch Lust auf mehr macht.

Technisch gab es bis auf einem kompletten Absturz und leichte Sound-Aussetzer die verteilt in manchen Zwischensequenzen eingetreten sind, wenig zu bemängeln. Der Titel sieht optisch top aus, großteils der Engine geschuldet. Spielerisch findet man dennoch einige fehlerhafte Übergänge zwischen Spielablauf und Zwischensequenz, oder auch beim Erkunden der einzelnen Schauplätze, die aber weniger ins Gewicht fallen. Generell macht der Titel an sich vieles richtig und fängt den Charme von PS3/PS4-Ära Action-RPGs gut gemixt mit aktuellen Elementen ein, nur hätte es dann doch in sehr vielen Bereichen ein etwas größeres Team benötigt um die vielen Unschönheiten auszubügeln.
Lost Soul Aside ist ab sofort für PlayStation 5 und PC erhältlich.
Fazit
Lost Soul Aside zeigt beeindruckend auf, was aus der Idee eines ambitionierten Entwicklers entstehen kann, wenngleich doch etwas Hilfe von außerhalb notwendig war. Dennoch hinkt der Titel leider in sehr vielen Bereichen hinter der Konkurrenz. Auch wenn man sich an Größen des Genres in vielen Aspekten richtig bedient hat, überschatten die vielen Fehler und generisch eingesetzten Elemente in der Story und im Sound, das eigentlich solide Grundgerüst.

Positiv
- Gameplay bietet mehr als genug Vielfalt und sieht super stylisch aus
- Solide grafische und technische Leistung was die Optik angeht auf der PS5
- Interessante Combo Ansätze und Challenge Dungeons, ähnlich wie in Devil May Cry
Negativ
- Generisches Voice Acting, Charaktere und Soundtrack, mindern das Spielerlebnis enorm
- Einige technische Schnitzer und Fehler, die vermutlich dem kleinen Team dahinter geschuldet sind
- Etwas zu wenig um sich wirklich von dem doch sehr überladenen Genre hevorzuheben
- RPG-Elemente (Vor allem das Crafting) gehen komplett unter


