Die fünf Teile umfassende Legacy of Kain Reihe fand 2003 mit Legacy of Kain: Defiance sein Ende. Die davor spielenden Teile Legacy of Kain Soul Reaver 1 und 2 wurden 2024 von Aspyr remastered. Nun bekommt auch Defiance ein Makeover und wir haben uns auf dem PC und der Playstation 5 Version in die Rolle von Raziel und Kain geworfen. Neben den genannten Plattformen bekommen auch Playstation 4, Xbox Series X|S, die Xbox One und zu einem späteren Zeitpunkt auch die Nintendo Switch 1&2 eine Version.
Der Star des Remasters: Die Kamera
Das unangefochten beste Feature des Remasters ist die frei bewegliche Kamera, die zudem jederzeit mit den ursprünglichen starren Perspektiven gewechselt werden kann. Wer das Original und die Vorgänger kennt, weiß, dass die Kamera keine große Stärke war. Wie bereits bei Soul Reaver 1 und 2 ist der Kampf mit der Sicht nun aber vorbei.

Natürlich ist auch die verbesserte Grafik ein Plus der neuen Version. Allerdings gibt es Stellen an denen der Unterschied nicht so stark auffällt, wie man erwarten würde. Ein gutes Beispiel dafür ist die Unterwelt in der Raziel startet. Durch den (einstellbaren) Unschärfeeffekt sind die verwaschenen Texturen aus Xbox und PS2 Zeiten garnicht so schlimm.


Jede Menge Story
An anderen Stellen fällt das Makeover aber positiv auf und beim Hin- und Herschalten mit R3 (Rechter Joystick) kann man zwischen verwaschenen und scharfen Texturen wunderbar switchen. Somit ist Aspyr wieder nah am Original geblieben und hat dieses solide aufgewertet.


In Sachen Geschichte hat man daher genau garnichts geändert, was aber auch nicht nötig war. Auch heute noch ist die komplizierte Vampirgeschichte mit Zeitparadoxen, Magie und jeder Menge Fantasyklischees gut gelungen, was nicht zuletzt an den hervorragend geschriebenen Dialogen und den ebenso talentierten Sprechern der englischen Version liegt.

Wer allerdings bei den Vorgängern geschlafen hat oder erst mit Defiance einsteigen möchte, dem sei gesagt, dass er der Story definitiv nicht im Detail folgen können wird. Defiance ging damals wie heute davon aus, dass der Spieler Soul Reaver I & II sowie gegebenenfalls dem ersten Blood Omen noch im Gedächtnis hat. Da hilft auch eine schriftliche Zusammenfassung von Kains Geschichte nicht wirklich.
Olle Kamellen
Ein auf den ersten Blick besonderes Feature ist die Inkludierung von „Lost Levels“, die nicht im Original waren. Leider sind diese recht leer und bieten keinen so großen Mehrwert. Eine Demo zum gecancelten Dark Prophecy ist in der Deluxe Version enthalten, die aber ebenfalls aufgrund ihrer Kürze nicht der Rede wert ist. Zusätzlich gibt es in der Deluxe Version auch noch drei kurze Comics zum Lesen. Die Deluxe Version kostet beim sofortigen Kauf 5€ mehr, aber ist selbst für die hard Fans der Reihe nicht wirklich zu empfehlen. Hier kann man aber noch die Heart of Darkness Collection abwarten, die den 2D Plattformer Legacy of Kain: Ascendance im Bundle mit der Deluxe Version von Defiance enthält.

In allen Versionen gibt es aber Konzeptzeichnungen, die man durch das Finden von Büchern im Spiel freischalten kann. Die Inhalte dehnen sich dabei über die gesamte Reihe aus und bieten Fans einen kleinen Einblick hinter die Kulissen.

Nostalgische Gefühle beim Gameplay
Dank der neuen Kamera kann man der Steuerung im Remaster nun ein paar Eigenheiten verzeihen. Nichtsdestotrotz ist die Kontrolle und das ganze Gameplay heutzutage etwas aus der Zeit gefallen. Hier hilft Fans die Nostalgie und Newcomern das Gefühl ein kleines Stück Videospielhistorie mit einer sehr guten Story und Worldbuilding zu spielen.

Rätsel und Plattforming sind daher nach heutigen Standards die meiste Zeit nicht wirklich spaßig und wenn, dann sind die interessanteren Passagen Raziel vorenthalten, da Kain die meiste Zeit kämpft. Auch hier ist das Gameplay etwas repetitiv, da normales Fußvolk zwar schnell erledigt werden kann, dafür aber häufig auftaucht. Mit wenig Abwechslung im eigenen Moveset fühlen sich die Kämpfe daher schnell wie eine Fleißaufgabe an.
Fazit
Legacy of Kain – Defiance Remaster bleibt nah am Original und wurde optisch ansprechend aufgewertet. Das Gamedesign ist aber definitiv aus dem Jahr 2003 und heutzutage altbacken. In Sachen Story, Dialogen und der Darbietung dieser Dialoge hat man aber damals ein grandioses Machwerk geschaffen, dass in diesen Bereichen auch heute noch den Test der Zeit besteht. Fans können das Finale von Raziels Geschichte hier nochmal aufpoliert erleben, aber abseits dessen gibt es nicht viele Gründe sich nochmal nach Nosgoth zu begeben.
Positiv
- Die frei bewegliche Kamera hilft in allen Lebenslagen
- Story und Voice Acting sind heute noch auf hohem Niveau
- Das Optikupgrade ist gelungen und bleibt nah am Original
- Freischaltbare Konzeptzeichnungen und eine Jukebox für Fans
Negativ
- Das Gameplay ist leider repetitiv und aus der Zeit gefallen
- Puzzles und Sprungpassagen sind selten spannend
- Bonus Content der Deluxe Edition enttäuscht



