Review: Legacy of Kain: Ascendance – Raziel hat besseres verdient

Anfang des Monats durften wir bereits Legacy of Kain – Defiance Remaster testen und haben dort bereits Legacy of Kain: Ascendance kurz erwähnt. Nun ist es soweit und wir haben uns den 2D Action Plattformer auf dem PC angesehen (Erscheinen wird Ascendance außerdem für PS5, Xbox Series X|S sowie Nintendo Switch 1 und 2). Und soviel lässt sich schon verraten: Neue Maßstäbe setzt Ascendance leider nicht.

Raziels Schwester

Zeitlich befindet sich Ascendance kurz vor Legacy of Kain: Soul Reaver und verfolgt die Geschichte von Raziel, Kain und Raziels Schwester Elaleth. Das Spiel selbst ist dabei in Kapitel aufgeteilt, die euch jeweils einen der drei spielen lassen oder zumindest die Story vorantreiben. Schnell erfährt man, dass Elaleth als Vampirin auf einem Rachefeldzug gegenüber ihrem Bruder ist und gleichzeitig von Moebius verflucht wurde, was sie unfreiwillig durch die Zeit reisen lässt. Zum Start des Spiels ist Raziel daher auch noch ein Mensch und geht eigentlich davon aus, dass seine Schwester bereits tot ist.

Wie üblich in der Reihe gibt es auch diesmal jede Menge Lore. Diese wird von Dialogen, auffindbaren Schriftrollen und Zwischensequenzen mit noch mehr Dialogen vorangetrieben. Durch die guten englischen Synchronsprecher, die zum Teil bereits aus den anderen Spielen bekannt sind, mausert sich dieser Teil des Spiels zum großen Lichtblick, neben dem leider etwas drögen Gameplay.

Hüpfen, schlagen, saugen

Egal ob ihr Raziel, Kain oder Elaleth spielt, die Grundlagen sind ähnlich, auch wenn Raziel als Mensch natürlich kein Blut trinkt. Ihr hüpft von Plattform zu Plattform und wehrt euch gegen Soldaten, fliegende Gegner und weicht Fallen aus. Elaleth kann dank ihrer schwarzen Flügel gleiten und sogar an Höhe gewinnen, während Kain seine Fledermaustransformation zum Teleportieren an fixe Stellen im Level benutzen kann. Zudem haben alle Charaktere eine Ausweichfähigkeit und können gegnerische Attacken parrieren.

Wer Letzteres gut drauf hat, kann den meisten Gegnern mittels einer Attacke den Garaus machen. Und von denen gibt es reichlich und sie sind im Prinzip immer Kanonenfutter. Gefahr geht von ihnen nur in großer Anzahl aus oder wenn eure Lebensenergie gerade sehr niedrig ist. Das passiert einerseits automatisch, da Vampire aufgrund ihres Blutdursts dauerhaft Schaden nehmen und ständig ihre Opfer aussaugen müssen und andererseits weil Heilungsitems für Raziel selten sind. In Bossfights kommt es dagegen mehr darauf an gut auszuweichen und auszunutzen, dass die Gegner gerne in der Luft rumfuchteln.

Wirklich präzise fühlt sich die Steuerung leider auch nicht an und insbesondere an niedrigen Kanten bleibt man gerne einmal hängen (vermutlich weil der Charakter versucht sich an die Kante zu hängen und dann wieder den Boden berührt). Auch bei den Kämpfen sind die Angriffsmöglichkeiten stark eingeschränkt, was zum o.g. Parrieren verleitet. Das liegt u.a. auch daran, dass man z.B. mit Raziel einfach nur geradeaus nach vorne sticht und daher z.B. über sich einen komplett toten Winkel hat.

Es gibt ein zu episch

Die Levels selbst sind sehr linear und verstecken zwar eine handvoll Health-/Vampirenergie Upgrades sowie Lorefragmente hinter zerstörbaren Wänden, aber Spaß macht die Suche leider nicht. Das liegt daran, dass tödliche Abgründe/Wasser sich von oben nicht von Wegen unterscheiden. Die einzige Chance, die man hat sind Leaps of Faith oder mit Wandsprüngen zu arbeiten. Falls man dann doch stirbt sind die großteils fair gesetzten Rücksetzpunkte zumindest ein kleiner Ausgleich. Aber obacht, falls es euch, wie uns, passiert, dass ihr von weiter oben im Level nach unten fallt und einen unausgelösten Checkpoint aktiviert, dann sind die bereits aktivierten Checkpoints nicht mehr verfügbar. Das passiert zwar selten, ist aber ein absolut unnötiger Stolperstein.

Weiterhin sind die Kapitel im Spiel am Stück zu erfüllen. Checkpoints gelten nur für eure Session und wenn ihr das Spiel beendet, startet ihr wieder am Anfang des Kapitels. Alle Zwischensequenzen sind indes auch nicht unterbrechbar. Wohl dem, der das jeweilige Kapitel direkt durchspielt. Der Soundtrack, der euch dabei begleitet ist sehr episch (Elaleth) oder auch sehr aggressiv (Kain) ausgelegt und wir müssen leider feststellen, dass es hier ein „zuviel“ gibt. Während man umher hüpft und Gegner Reihenweise ausschaltet klingen die jeweiligen Stücke völlig übertrieben, da sie eher zu einem Bosskampf passen würden. Dabei ist der OST selbst nicht schlecht, einzig die Verwendung ist nicht geeignet eine passende Atmosphäre zu erzeugen.

Playstation Ära Referenzen

Grafisch haben wir mit der Pixelgrafik und Animationen die an alte 2D Castlevania erinnern ein zwar dauerhaft sehr dunkles, aber stimmiges Konzept. Interessanterweise sind die Charaktere in Dialogen gezeichnet und in Zwischensequenzen wird eine Playstation Ära artiger Grafikstil hinzugemischt. Uns hat dieser Mix gefallen, aber nicht jedem wird diese Mischung schmecken. Insgesamt merkt man, dass die Entwickler sehr viel Wert auf Style gelegt haben und auch die Lore der Reihe respektieren. Ab und an sterben die Gegner zwar etwas zu oft mit dem Ruf nach ihrer abgetrennten Hand (Elaleth trennt explizit gerne rechte Hände ab), aber ansonsten werden die Storyinfos gut vermittelt und füllen sogar ein paar Details der Hauptreihe.

Wer sich die Kämpfe quasi nicht antun will, der kann den Schwierigkeitsgrad daher folgerichtig auf „Story“ setzen und ist damit praktisch unverwundbar. Das Spiel führt aber Statistik darüber, wieviele der Secrets ihr pro Kapitel gefunden habt und welches der höchste Schwierigkeitsgrad ist, auf dem ihr den Level abgeschlossen habt. Completionists müssen also auf jeden Fall auch auf „Nightmare“ durch.

Fazit

Leider kann Legacy of Kain: Ascendance auf einer spielerischen Ebene nicht überzeugen. Die Steuerung fühlt sich für einen Plattformer zu schwammig an und die Kämpfe sind langweilig. Stark finden wir dagegen die Texte und Dialoge, die perfekt zur Reihe passen und in Dialogen von den bekannten Sprechern ausgezeichnet vorgetragen werden. Der Soundtrack wäre auch zu loben, ist aber an den völlig falschen Stellen viel zu intensiv und macht die Atmosphäre mehr kaputt als dass er sie unterstützt. Alles in Allem ist dieser Ausflug nach Nosgoth nur Hardcore Fans zu empfehlen, die noch ein paar Stückchen Lore haben wollen.

  • Die Präsentation traut sich mit Pixelgrafik, gezeichneten Charakteren und PS1 Ära Zwischensequenzen einen Mix, der uns gefallen hat
  • Sprecher, Story und Texte auf gewohnt hohem Niveau der Serie
  • Das Gameplay ist repetitiv, nicht herausfordernd und unpräzise in der Bedienung
  • „Leap of Faiths“ im Leveldesign frustrieren und sind unnötig
  • Musikstücke sind viel zu intensiv an den falschen Stellen im Spiel
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Written by: Steve Brieller

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