Review: Invincible VS – Viele Helden, wenig Content

Invincible, das zunächst als Comic (2003-2018) und dann vor allem als Cartoon Serie (2001 – laufend) an Bekanntheit erlangte, hat inzwischen eine große Fanbase, die auch mal ein Videospiel ausserhalb eines Handys verdient hätten. Quarter Up und Publisher Skybound Games haben sich diesem Thema mit Invincible VS angenommen und wir haben uns das Team Fighting Game nun intensiv angeschaut.

3vs3 und die Qual der Wahl

Achtzehn Helden und Schurken umfasst die Kämpferriege aus denen ihr euer Dreierteam bilden dürft. Invincible VS ist ein klassischer Tag Fighter wie die Marvel vs. Capcom Reihe oder auch der League of Legends Fighter 2XKO. Neben Invincible, Omni-Man und Atom Eve sind auch weitere Viltrumiten wie Lucan und Anissa oder Aliens wie z.B. Allen the Alien und Battle Beast mit an Bord. Auf dem Papier deckt der Roster dabei klassische Fighting Game Archetypen wie Rushdown, Zoning und Grappling ab. Schlussendlich ist aber mit egal welcher Wahl ein sehr offensives Spiel notwendig, doch dazu später mehr.

Zuerst wollen wir euch nämlich die 8 Knöpfe Steuerung nahebringen, die, egal ob mit Arcade Stick, Hitbox oder Controller, ein wenig (= für Anfänger viel) Einarbeitung erfordert. Dabei gibt es zunächst vier Angriffsknöpfe Light, Middle, Hard und Special, bei denen die ersten drei in aufsteigender Reihenfolge leicht in Combos umgewandelt werden können. Der Special Knopf plus eine Richtung (Vor, Zurück und Unten stehen zur Auswahl) gibt euch Zugriff auf eure – Überraschung – Special Moves, die ihr natürlich auch in eure Combos einbauen sowie im Neutral verwenden könnt.

Darüber hinaus gibt es noch zwei Assist Knöpfe, einen Dash Button und den Boost Button. Mit den Assist Knöpfen könnt ihr eure Teammitglieder in den Kampf rufen, um nach einer Attacke wieder zu verschwinden oder gleich ganz zu wechseln. Während einer Combo könnt ihr so eure Combo verlängern oder im Neutral Momentum aufbauen. Der Dash Knopf tut genau das was er sagt und lässt euch dashen und ist für fliegende Charaktere notwendig, um ihre Flugfähigkeiten in der Luft zu verwenden. Zu guter letzt hilft euch der Boostknopf eure Special Moves und euren Dash zu verstärken, Super Moves auszuführen und um nach einem Knockdown schnell aufzustehen. Für Fighting Game Veteranen sei an dieser Stelle noch gesagt, dass es auch ein 6 Button Layout gibt, dass mit klassischen Viertelkreisen und Shoryuken Motions arbeitet und das uns am Arcade Stick tatsächlich besser gefallen hat.

Training, Training, Training

Das klingt nach viel und das ist es auch. Vor allem wenn man bedenkt, dass es noch weitere Kombinationen gibt, wovon vor allem der sogenannte Assist Breaker (Boost + Assist 1/2) bitter nötig ist. Dieser ermöglicht es euch aus Combos für den Preis von Boost Leiste und regnerierbaren HP zu entkommen. Hier zeigt sich deutlich, dass einige der Entwickler an der Killer Instinct Neuauflage beteiligt waren, denn auch beim Wechsel von Charakteren in Combos, kann sich der Betroffene Spieler wehren und die Combo unterbrechen. Hierbei entwickelt sich gleichzeitig auch ein Mind Game, denn der Angreifer kann seinen Wechsel verzögern und so den Konter umgehen.

Da der allgemeine Schaden von Combos sehr hoch ist, sind diese Techniken zentral, um nicht binnen kürzester Zeit im Dreck zu liegen. Diese ganze Erklärung der Steuerung soll in diesem Test die Grundlage beschreiben, wieso wir erwarten, dass sich viele Invincible Fans hier eine blutige Nase holen könnten. Das Tutorial deckt die o.g. Dinge und noch ein bisschen mehr in kurzen Sequenzen ab, ist aber bei weitem nicht genug, um einem Anfänger genug Mittel zur Hand zu geben, sich effektiv gegen Spieler zu wehren, die bereits Fighting Game Erfahrung besitzen.

Der Trainingsmodus hingegen bietet Frame Data, Hitboxen und Aufnahmefunktionen, um sich, genügend Zeit und Muße vorausgesetzt, sich gut vorzubereiten oder neue Combos auszuprobieren. Hier wären allerdings Combochallenges, Missions Modi oder ähnliche Elemente Gold wert gewesen, um Beginner besser abzuholen. Leider herrscht diesbezüglich aber gähnende Leere und wenn man Tutorial und Trainingsmodus separat zählt, gibt es mit Arcade und Story Modus eigentlich nur vier Singleplayer Modi.

Viel Action, wenig Story

Der Story Modus bringt dafür ein exklusives Abenteuer bei dem sowohl Helden als auch Schurken integriert wurden. Zwischen den Kämpfen für euch als Spieler wird in Zwischensequenzen ebenfalls hauptsächlich gefightet und solange die Action am Laufen ist, sieht das Ganze auch sehr gut aus. Sobald allerdings Dialoge stattfinden, fallen die etwas hölzernen Animationen auf. Ein Vergleich mit der Serie zeigt aber, dass man hier sehr nah dran ist und darum fällt das nicht gar so sehr ins Gewicht.

Allgemein ist man in Sachen Darstellung sehr nah an der animierten Serie geblieben und hat auch mit Blut und Gewalt nicht gespart. So sehr sogar, dass es einen Warnhinweis beim Starten des Spiels gibt. Wer mit Super Moves gewinnt zerlegt nicht selten den Gegner in an Mortal Kombat erinnernde menschliche Puzzleteile. Das macht Gaudi und gibt den Moves „oomph“.

Weniger oomph hat dagegen der geringe Umfang der Geschichte. Wir waren alles in allem bereits nach 1 1/4 Stunden durch den gesamten Story Mode auf Normal durch. Das Ende fühlte sich für uns auch nicht wirklich befriedigend an. Danach kann man dann den Arcade Mode in den verschiedenen Schwierigkeitsgraden angehen und dadurch sehr kurze Sequenzen für den jeweiligen Charakter, der euer 3er Team anführt, freischalten. Gleichzeitig sammelt ihr dadurch Erfahrungspunkte und schaltet mittels Level Ups Titel für euer Profil oder Artworks frei.

Die liebe Zielgruppe

Das ist eindeutig zu wenig, um im Singleplayer dauerhaft zu motivieren und so fragt man sich, für wen ist Invincible VS tatsächlich. Und hier kommt endlich das spaßige Gameplay zum Zug: Im Multiplayer auf der Couch oder im Internet sind die superschnellen Kämpfe sehr spaßíg. Der Netcode hat in unseren Testkämpfen ebenfalls eine sehr gute Figur abgeliefert. Wie so oft in Tag Fightern ist aber das Balancing nicht wirklich perfekt, durch die dreier Teams kann man allerdings sehr wohl auch mit schwächeren Charakteren und genug Skill gute Ergebnisse erzielen. Wie man bereits in der Beta erfahren konnte, muss man sich allerdings damit abfinden, dass es Kämpfer gibt, die einfacher viel Schaden verursachen können.

Wie oben bereits erwähnt ist das Spiel sehr, sehr offensiv ausgelegt und durch das Tag System ist der Verlust eines Teammitglieds ein großer Nachteil und Comebacks mit nur einem Charakter dürften eine Seltenheit darstellen. Hier wurde offensichtlich bewusst auf eine Comebackmechanik wie z.B. X-Factor aus Ultimate Marvel vs. Capcom 3 verzichtet. Daher wiegt es schwer, wer zuerst einen seiner Kämpfer verliert.

An dieser Stelle sei auch nochmal ein Wort der Warnung ausgesprochen: Wer aus der Invincible Fanbase kommt und keinen Fighting Game Background hat, wird sich ohne entsprechendes Zeitinvest die Zähne ausbeissen. Das ist leider die Realität, der man ins Auge blicken muss. Da hilft auch die Autocombo, die durch Light Attacks mashen aktiviert wird, nicht. Ohne externe Ressourcen, wie zum Beispiel Youtube Tutorials, und viel Übung bekommt man online als Fan der Serie/der Comics verhältnismäßig wenig Spaß aus dem Spiel.

Fazit

Als Tag Fighter für zwischendurch überzeugte uns Invincible VS sehr wohl, wenngleich der Markt für diese Spiele mit dem kommenden Marvel Tōkon: Fighting Souls oder 2XKO gut bedient ist. Leider ist der Singleplayer Content wirklich sehr schwach und der Fan Service hält sich aus unserer Sicht in Grenzen. Fans der Serie sollten sich gut überlegen, ob ihnen ein kurzer Story Mode und Couch Versus genug sind oder ob sie sich in den Kern des Spiels für einen sehr guten Online Multiplayer einarbeiten wollen.

  • In Kämpfen wird der Stil der Show wunderbar eingefangen
  • Schnelle, intensive Fights
  • Genug Spieltiefe für Profis
  • In unseren Tests sehr guter Netcode
  • Nur zwei „echte“ Singleplayer Modi (Arcade + Story)
  • Extrem kurzer Story Mode
  • Anfänger werden durch das 8 Button Layout und die vielen Mechaniken maßlos überfordert
  • Unlockables sind grindy und bieten wenig
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Written by: Steve Brieller

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