Review: Gegen Gewohnheiten der Industrie – Titan Quest 2

Ein kleiner Disclaimer vorweg: Hierbei handelt es sich um ein Early-Access-Spiel. Es werden nach und nach neue Inhalte veröffentlicht und das Spiel kontinuierlich verbessert. Daher kann ich nur die aktuelle Version bewerten. Wenn Ihr also Interesse habt, sagt mir direkt Bescheid. Gerne veröffentliche ich zum schlussendlichen Release, der noch nicht bekannt ist, ein Nachtest. Denn so viel sei gesagt: Es lohnt sich. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass dieses Spiel noch nicht fertig ist und es noch Bugs oder kleine Fehler geben kann.

Allerdings gibt es auch hier bereits eine Erfolgsmeldung. 72 Stunden nach der Veröffentlichung wurde das Spiel 300.000 Mal verkauft. Das ist eine sehr beachtliche Zahl für das deutsche Entwicklerstudio aus Bayern.

Es ist ein Gefühl was ich sehr selten habe und was auch nicht wirklich greifbar oder beschreibbar ist aber ich versuche es Euch zu erklären. Ich liebe dieses Genre und habe es vor etwa zwei Jahren mit Path of Exile für mich richtig entdecken dürfen. Natürlich habe ich auch schon früher den Genrevertreter Diablo 2 oder Diablo 3 gespielt. Allerdings gab es vor etwa 17 Jahren ein Spiel wo ich exakt dieses Gefühl von Anfang an gespürt hatte: Sacred 2 Gold aus der Computer Bild Spiele. Vielleicht ist dieser Vergleich unfair. Vielleicht spielt eine große Nostalgie mit hinein. Aber dieses Gefühl und dieses Erlebnis für sich zu spielen. Die Welt. Die Grafik. Sie erinnert mich so stark an vergangene Zeiten, dass ich schon von Anfang an bei Titan Quest 2 gespürt habe. Damit möchte ich keineswegs sagen, dass dieses Spiel altbacken aussieht oder Mechaniken aus der Zeit hat. Sondern lediglich dieses Gefühl beschreibt.

So erstellen wir uns nun den Charakter mit dem wir in die Welt von Titan Quest 2 einsteigen wollen. Es stehen lediglich vorgefertigte Charaktere zur Verfügung. Wir können Sie nicht individualisieren sondern zwischen jeweils 16 Frauen und Männern entscheiden. Da ich gerne mich selbst spiele, habe ich natürlich den passendsten ausgewählt. (Richtig, ich sehe aus wie jeder Dicke aus jeder Serie oder jedem Film.) Und da starten wir nun in die Welt der griechischen Mythologie.

Die Welt sieht wunderschön aus. Nicht nur grafisch ist das Spiel eine Augenweide, sondern auch die kleinen Details. Das Charakterdesign der Gegner und der einzelnen NPCs wirkt unglaublich stimmig und authentisch. Die Bewegungen sind größtenteils nachvollziehbar und wirken wie aus einem Guss. Es gibt dahingehend einen kleinen Wehrmustropfen, es gibt hin und wieder kleinere Clipping-Fehler. Wir bleiben mal an einem kleinen Stein hängen oder die Wand ist größer als angezeigt. Das stört ein wenig den Flow, aber ist bei weitem kein Gamebreaker. Auch die Soundkulisse macht einiges her, da sowohl die Synchronisation als auch die Sounds der Welt und der Gegner unfassbar gut produziert sind. Allgemein kann man hier sagen, dass die Entwickler wirklich auf die Details achten und Fans des Genres sind.

Dabei ist die Welt oft sehr linear gestaltet. Wir werden strukturiert durch die Welt geführt, wobei es immer mal wieder Abzweigungen. Ein kleiner Tipp an dieser Stelle: Auch wenn wir oft guten Loot finden, schaut so oft es bei Händlern nach. Die haben manchmal wirklich gute Items für Euch! An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Es lohnt sich die Seitenstraßen abzusuchen. Denn es gibt dort Truhen und den ein oder anderen Gegner oder gar eine Nebenquest. Nach etwa 20 Minuten Spielzeit müssen wir beispielsweise eine sprechende Urne in eine Höhle voller Spinnen bringen. Sobald wir sie abgestellt haben, werden wir mit einem Item belohnt. Das Besondere daran ist: Wenn wir nach der Belohnung noch einen Angriff starten und etwas warten, werden wir mit einem humoristischen Satz und Erfahrungspunkten belohnt. Sympathisch und unglaublich detailverliebt! In derselben Höhle entdecken wir noch ein weiteres Geheimnis! Das lassen wir euch aber selber erforschen.

Die Bosskämpfe ähneln stark denen aus Path of Exile 2: Sie sind sehr fordernd, sofern man sich kein Build raussucht, und vermitteln ein ähnliches Gefühl wie bei Soulslikes, wenn man die Bosse besiegt hat. Da ich für einige Bosse doch mehrere Versuche gebraucht habe und mich wirklich fokussieren musste. Dabei muss man ebenso auch im richtigen Moment ausweichen und zurückschlagen. Allgemein ist das Kampferlebnis wirklich gut und macht Spaß! Wenn auch noch nicht komplett ausgereift, so müssen wir die aktuelle Attacke abbrechen um uns zu buffen oder die Gegner zu schwächen. Realistisch? 100%, aber es stört den Spielfluss ein wenig. Das Gute dabei ist: Nachdem Path of Exile 2 die WASD-Steuerung in dieses Genre groß gemacht hat, bietet auch Titan Quest 2 diese Option. Natürlich könnt ihr auch mit der Maus steuern!

Das Skillsystem ist recht simpel, aber dadurch auch nachvollziehbar gestaltet. Es gibt vier große Überbegriffe, die wir bei jedem Levelaufstieg skillen können. Diese sind: Agilität, Wissen, Macht und Kraft. Dadurch bestimmen wir auch, welche Rüstungen wir tragen können. Wir haben Macht priorisiert, da ich gerne schwere Rüstungen trage und einen „Hau-Drauf“-Typen spiele. So sind wir geschützt und teilen gleichzeitig ordentlich Schaden aus. Dabei schalten wir auch verschiedene Angriffe und passive Fähigkeiten frei. Wir können das Lied Right Round von Flo Rida nachspielen oder unsere Gegner einfach spalten. Zusätzlich können wir noch mehr Wut generieren, um unseren Schaden zu maximieren. Dabei sind wir aber nicht auf eine Klasse festgelegt! Nach etwa einer Stunden Spielzeit können wir eine weitere Klasse aus den anderen drei wählen. So gibt es viele Möglichkeiten, sich zu individualisieren, und zusätzlich können Mechaniken gespielt werden, die gut miteinander harmonieren.

Die gut erzählten Quests durch Konversationen mit den Einheimischen fühlen sich dahingehend eher wie guter Durchschnitt an. Die Story wird sehr intuitiv erzählt und ihr erfahrt durch die Welt genug, sodass ihr eine solide Kampagne erlebt. Da wird es in Zukunft auch noch Nachschub geben, denn 9 Haupt- und 14 Nebenquests hören sich auf den ersten Blick nach wenig an, aber ein Durchgang dauert etwa 20 Stunden. Dabei ist nicht jeder NPC ansprechbar, allerdings reden sie oft wenn Ihr an ihnen vorbeigeht und geben lustige aber teils auch wichtige Kommentare ab. Das passt gut zur Stimmung und man konzentriert sich auf die Erlebnisse.

Auf höchstem Niveau der größte Kritikpunkt

Ein großer Kritikpunkt ist allerdings, dass die deutsche Sprache nicht vorhanden ist. Weder in schriftlicher noch akustischer Form. Zwar wird diese sicherlich im Laufe der kommenden Monate hinzugefügt, allerdings ist das Spiel für Neulinge des Genres momentan ein wenig komplizierter. Gerade Item-Beschreibungen oder Specs auf den jeweiligen Items sind nicht immer verständlich. Wenn ihr allerdings die anderen Genrevertreter gespielt habt, werdet ihr schnell verstehen, was welcher Spec bedeutet. Denn es bleibt weiterhin ein ARPG, was sich von anderen Spielen inspirieren lässt aber zeitgleich eine eigene Welt kreiert.

Dabei müssen wir herausstellen, dass dieses Spiel auf jede Art des Live-Services verzichtet. Ihr müsst hier keinen Pass freischalten. Es gibt keine Mikrotransaktionen. Das Beste dabei ist, dass ihr, wenn ihr das Spiel besitzt, alles komplett frei erkunden könnt. Das ist wirklich eine willkommene Abwechslung. Diablo 4 und Path of Exile 1/2 mögen in ein paar Hinsichten vielleicht besser sein, aber hier bekommt ihr eine komplette Einzelspieler-Erfahrung, die ohne jeden Schnickschnack auskommt. Vielleicht ist genau das das Gefühl, das ich früher hatte und versucht habe zu beschreiben?

Also für wen ist dieser Early Access was? Auf jeden Fall für Leute die allgemeine Lust auf Action Rollenspiele haben. Die sich vielleicht nach alten Tagen zurücksehnen und die keine Lust auf Live-Service Aspekte haben. Als kompletter Neuling in das Genre sollte man vielleicht noch ein wenig warten bis die deutsche Sprache unterstützt wird. Auf jeden Fall hat es das Spiel verdient gespielt zu werden.

  • Schön anzuschauende Grafik mit viel Liebe zum Detail
  • KEIN LIVESERVICE
  • Fordernde Bosskämpfe dennoch sehr fair
  • Sounddesign und Synchro zieht Euch in den Bann
  • Für ein deutsches Entwicklerstudio keine deutsche Übersetzung
  • Kein Charaktereditor
  • Wenige Gegner auf einem Fleck
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Written by: Chris Hoke

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