Review: FATAL FRAME II: Crimson Butterfly REMAKE – Leider mit Verschlimmbesserungen

Project Zero bzw. inzwischen auch bei uns Fatal Frame ist eine Horrorspielreihe von Koei Tecmo, die sich eine treue Fanbase erarbeiten konnte. Nun bekommen eben jene und auch Neueinsteiger ein Remake von Fatal Frame II: Crimson Butterfly, das 2003 für die Playstation 2 und später auch für die XBox erschienen ist. Allerdings ist es nicht das erste Remake, denn bereits 2012 gab es eine Wii Edition für – Überraschung – die Nintendo Wii. Dieses Mal kommt aber keine Platform zu kurz, denn Besitzer von PC, Xbox Series X|S, PS5 und auch der Nintendo Switch 2 dürfen sich diesmal gruseln. Der folgende Test basiert dabei auf der Switch 2 Version.

Folge dem roten Schmetterling

Die beiden Zwillingsschwestern Mio und Mayu Amakura haben seit einem Unfall im Wald ein leicht gespanntes Verhältnis zueinander, besuchen aber zu beginn des Spiels den Ort des Unglücks, da der Wald aufgrund eines Bauprojekts bald verschwinden wird. Dort finden sie einen blutroten Schmetterling, der beide in das verfluchte Dorf Minakami führt, aus dem es kein Entkommen gibt und das von Geistern heimgesucht wird.

Ihr spielt Mio und findet bald gruselige Details über das Dorf heraus. Im Zuge der Erkundung der verlassenen Häuser findet ihr dann auch die Camera Obscura, ein Fotoapparat, der in der Lage ist Geister zu exorzieren. Das ist auch bitter nötig, denn ab diesem Zeitpunkt werdet ihr häufig von Geistern angegriffen und eure einzige Möglichkeit euch zu wehren ist Fotos zu schießen. Zu allem Überfluss scheint Mayu auch nicht mehr Herrin ihrer Sinne zu sein und läuft bald von ihrer Schwester davon.

Bitte einmal recht freundlich

Doch wie funktionieren die Kämpfe mit den sog. Nachtmahren? Sobald ein Gegner in eurer Reichweite ist, könnt ihr mittels linkem Trigger durch den Sucher der Kamera blicken und versucht den Geist auf Film zu bannen. Hilfreich ist dabei, dass der nächste Geist mittels einer Richtungsanzeige markiert wird, sodass die sich teilweise teleportierenden Geister nicht verloren gehen. Umso näher ihr beim Foto dran seid umso mehr Schaden könnt ihr dabei verursachen. Wer kurz vor einem Angriff auf den Auslöser drückt, bekommt den sog. Fatal Frame und verursacht nochmals extra Schaden und betäubt den Geist kurz. Dabei geht man mit dieser parryähnlichen Mechanik aber ein großes Risiko ein, da man bei einem Misserfolg auch leicht selbst Schaden nimmt.

Während der Kämpfe hat man zudem verschiedene Filme (lies: Munition) und verschiedene Filter zur Verfügung. Letztere sind im Remake neu und ersetzen Objektive. Sie funktionieren am ehesten wie verschiedene Waffenarten und haben unterschiedliche Eigenschaften, wie andere Reichweiten und Schadenswerte sowie Spezialbilder. Während der Kämpfe kann man on the fly wechseln, aber das geht erst nach einiger Zeit gut von der Hand, da die ersten Erfahrungen mit dem Kampfsystem sehr stressig sind. Als Anfänger wirkt es zudem so, als ob die Geistern viel zu viel HP haben. Das ändert sich im Laufe des Spiels allerdings, da man dann mit den o.g. Möglichkeiten des Spielsystems mehr Schaden macht und zudem auch Upgrades durchgeführt hat.

Stolpern kostet Willenskraft

Neben den Filtern ist auch die Willenskraftanzeige neu. Diese nimmt ab bei Spezialfotos, schnelles Gehen in Kämpfen (!) und für das Ausweichen, das mehr wie ein Stolpern aussieht, allerdings richtig viele iframes (invincibility Frames = Unverwundbarkeit) hat. Neben dem aktiven Ausgeben, kosten auch Angriffe der Geister Willenskraft und wer ohne Willenskraft einen Treffer kassiert, landet auf dem Allerwertesten und muss im Liegen ein Foto machen, während ein Geist sich auf einen stürzt. Leider ist die Willenskraft Mechanik vor allem nervig, denn die Spezialfotos sind zwar nett, aber wenn die Geister einem mit Spezialangriffen die Energie dafür rauben, kann man sie schlicht und ergreifend nicht nutzen. Zudem ist das auf den Boden fallen immer mit demselben Abwehrritual verbunden.

Leider sind wir immer noch nicht mit den fragwürdigen Erweiterungen des Originals fertig. Es gibt jetzt auch eine Enrage Mechanik, bei der ein Geist HP regeneriert und widerstandsfähiger wird. Auch wenn eine bestimmte Systemmechanik solchen Geistern dann mehr Schaden zufügen kann (wohl dem der die Tutorialfenster liest), führen dieses zufallsausgelösten Ereignisse nur zu längeren Kämpfen und können schnell frustrieren. Auf der Switch 2 hatten wir zudem das Gefühl, dass man ohne Autolockfunktion sich schlicht selbst das Leben schwer macht. Die Lockfunktion liegt nämlich hinter R3 und beim Drücken des rechten Sticks verzieht man gern einmal die Kamera und schon ist der Geist nicht mehr im Bild. Fazit: Tut euch den Gefallen und schaltet diese Option sofort an.

Neue Sidequests

Neben den Kämpfen gibt es aber für die Kamera auch noch einen weiteren Zweck. Die Filter sind dazu in der Lage euch unsichtbare bzw. vergangene Dinge anzuzeigen und euch so durch die Welt zu führen. Während ihr durch das Dorf geht findet ihr auch allerhand Gegenstände (vor allem Film) und Upgrade Gebetsperlen, die die Kamera verbessern und euren Schaden z.B. durch mehr Fokuspunkte stark erhöhen können. Aber Achtung, beim Türen öffnen und Gegenstände aufheben kann euch jederzeit ein Jumpscare Geist eurer Willenskraft berauben und euch in einen Kampf zwingen. Durch die dauerhafte Dunkelheit, das gelungene Sounddesign und diese andauernde Bedrohung, herrscht dadurch außerhalb der Kämpfe zu jeder Zeit eine gruselige, angespannte Stimmung, für die die Reihe bekannt ist.

Dieser japanische Horrorstil, den man gut mit The Grudge oder The Ring vergleichen kann, funktioniert somit grundsätzlich recht gut und ist die große Stärke des Spiels. Um die Geschichte und die Atmosphäre um das verfluchte Dorf dabei noch weiter auszubauen, hat das Remake zudem Sidequests bekommen. Diese beleuchten das (Ab)leben bestimmter Geister näher und bringen euch teilweise sogar in neue Gebiete. Neben diesem neuen Content sowie dem angepassten Kampfsystem, gibt es noch eine weitere große Änderung mit der Kameraperspektive. Anstatt mit fixen Winkeln, arbeitet man jetzt mit der Schulterperspektive und einer frei beweglichen Kamera. Das hat Vor- und Nachteile zugleich. Einerseits hat man nicht die typischen Probleme von fixen Kamerwinkeln, wie plötzlicher Orientierungslosigkeit beim Wechsel der Position, andererseits muss man nun Geister aktiv suchen, wenn man in die falsche Richtung blickt.

Aus dem Fokus verloren

Team Ninja hat sich beim Remake fast schon zuviel getraut. Den namensgebenden Schmetterling hat man als fast schon dauerhaften Weg- und Questmarker eingebaut, der Mio durch das Spiel leitet. Weiterhin wurde die Betonung auch wesentlich stärker auf die Kämpfe geschoben, die, wie oben beschrieben, sich besonders zu Beginn sehr ziehen können und obskure Rätsel, die in solchen Spielen ja gang und gebe sind, fallen unter den Tisch. Wir finden, dass der Survival Horror Aspekt hier etwas aus dem Fokus geraten ist und dann mit Gewalt über Features wie das Willpower System wieder „eingebaut“ wurde.

Da hilft auch die grafische Verbesserung nicht viel, da sie zwar ansehnlich ist, aber trotzdem hinter aktuellen Titeln weit zurückbleibt und auf der Switch 2 auch nicht so gut wie auf den anderen Konsolen ist. Technisch kommt man allen Platformen außer dem PC zudem nicht über 30 FPS hinaus. Durch die ständige Dunkelheit kann man aber argumentieren, dass diese Einschränkungen nicht so stark ins Gewicht fallen, wie sie es bei anderen Titeln würden.

Fazit

FATAL FRAME II: Crimson Butterfly spaltet die Gemüter vor allem mit seinen Neuerungen. Der Fokus auf Kämpfe und die Einführung diverser Spielmechaniken wird viele Fans der Serie eher stutzig machen. Neulinge müssen sich zudem zu Beginn auf etwas Frust und das Gefühl von Bullet Sponge Geistern umgeben zu sein einstellen. Im Verlauf des Spiels relativiert sich das aber und die gruselige Stimmung von Minakami zieht den Spieler in den Bann. Wer mit der etwas eingeschränkten Performance kein Problem hat und neben Resident Evil und Silent Hill ein etwas anderes Horrorgameerlebnis haben möchte, kann einen Blick durch die Camera Obscura wagen, auch wenn man zu Beginn sich ein wenig durchbeißen muss.

  • Die Stimmung des Originals wurde außerhalb der Kämpfe sehr gut eingefangen
  • Auch die Story ist damals wie heute gelungen
  • Freie Kamera statt fixer Winkel
  • Neue Sidequests für Fans der Serie mit mehr Hintergrundinfos
  • Einige neue Features sind mehr Fluch als Segen (z.B. Willenskraft)
  • Fokus auf Kämpfe lässt manchmal den Survival Horror etwas hinter sich zurück
  • Zu Beginn des Spiels sind die Kämpfe sehr mühsam
  • Gewöhnungsbedürftige Steuerung
  • Technisch nicht auf der Höhe der Zeit
Teilt uns eure Meinung mit

Written by: Steve Brieller

No comments yet.

Leave Your Reply