Review: EA Sports FC 27 – Das hätte auch eine E-Mail sein können

Wir konnten die letzten Tage EA Sports FC 27 ausgiebig für euch testen. Ob sich ein Umstieg auf den neuen Ableger lohnt und welche wirklichen Neuerungen auf Fans warten, könnt ihr wie immer bei uns im Test nachlesen.

The Grounds: Wirklich eine gelungene Neuerung?

EA Sports FC 27 will mehr sein als nur der nächste Jahresableger der Fußballserie. Neben zahlreichen Anpassungen am Gameplay und Verbesserungen für die Karriere führt Electronic Arts mit The Grounds erstmals eine offene Online-Welt ein. Spieler können dort mit ihrem eigenen Pro verschiedene Fußballvarianten ausprobieren, andere Spieler treffen und ihren Charakter weiterentwickeln. The Grounds verbindet soziale Funktionen, Progression und Multiplayer mit einem Shopsystem, in dem sich nicht nur kosmetische Gegenstände finden. EA verkauft auch Verstärkungen und Verbrauchsgegenstände, die sich auf die Entwicklung und zeitweise auf die Fähigkeiten des eigenen Charakters auswirken können. Damit bewegt sich FC 27 bei der Monetarisierung deutlich über das hinaus, was man von einem reinen Vollpreisspiel erwarten würde und steigert sich gegenüber der Monetarisierung in Ultimate Team, nochmals um ein neues Level.

Besonders kritisch sind die Verstärkungen. Sie können zeitweise konkrete Vorteile für den eigenen Archetypen bieten. Damit beschränkt sich die Monetarisierung nicht ausschließlich auf kosmetische Inhalte. Der Unterschied ist wichtig. Ein gekauftes Trikot verändert nicht, wie gut ein Spieler auf dem Platz funktioniert. Ein Gameplay-Boost kann das dagegen durchaus tun.

Man sollte The Grounds deshalb nicht pauschal als klassisches Pay-to-Win-System bezeichnen. Ein Spieler kann nicht einfach per Kreditkarte der Eltern den perfekten Charakter kaufen und damit automatisch jeden anderen Spieler besiegen. Die Verstärkungen sind begrenzt und viele Fortschritte lassen sich weiterhin, wie auch in Ultimate Team erspielen. Dennoch, wird es sehr präsent im Spiel regelmäßig präsentiert.

Neben den bereits etablierten Rush Mode, hat man viele Elemente aus älteren Teilen, mit ein paar netten Minispielen in einen gemeinsam genutzten Schauplatz zusammengeworfen. Die Idee dahinter ist an sich nett, aber in der Praxis sammeln sich Spieler fast ausschließlich bei Rush, 1vs1 und 2vs2, wodurch die Wartezeiten für alle anderen Modi immens lang ausfallen. Wir hatten auch mehrere Bereiche (Meistens ein unbeabsichtiges Öffnen des Shops) die das Spiel zum Hängen gebracht haben. In manchen Modi sind zusätzlich die Bälle teilweise außerhalb des Feldes hängen geblieben. Man kann natürlich immer wieder bei Multiplayer Modi auf kleine Ungereimtheiten stoßen, aber für so einen großen Titel, war es dann doch ungewöhnlich viel an technischen Problemen, vor allem so spät nach dem Launch. Eine einfache Verbesserung bezüglich dem Matchmaking Problem, wäre Rush aus dem Hub zu entfernen. Da es die meisten Spieler benötigt und viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, wären damit die anderen Modi vielleicht etwas schneller ausgefüllt.

Die Idee ist an sich überzeugend. Statt ausschließlich zwischen Menüs und einzelnen Spielmodi zu wechseln, bewegt sich der eigene Charakter durch eine offene Online-Umgebung. Das Konzept kann sich noch ein Stück besser aufgehen, wenn man ständig 3-4 Freunde online hat und sein gemeinsames Team gründet. Für Solo Spieler, sind die langen Matchmaking Zeiten bei den vielen Modi, eher negativ zu betrachten. Das Erkunden der offenen Umgebung, hebt sich auch für Solo Spieler, viel zu wenig von reinen Menüs ab. Man kann zwar kleine Aktivitäten am Weg zum nächsten Punkt angehen, aber sobald ihr in der Warteschlange für ein Spiel seid, lässt sich nichts mehr davon steuern. Damit ist The Grounds weniger eine eigenständige Karriere, trotz bekannten Gesichtern aus den Vorgängern und der realen Welt und eher ein sozialer Spielplatz.

Auf dem Platz macht FC 27 vieles richtig. Die Defensive verlangt mehr Eigenleistung, die Ballkontrolle wurde verfeinert und auch die Bewegungen der Mitspieler wirken durchdachter. Besonders die Managerkarriere profitiert von mehreren sinnvollen Änderungen. EA hat das Transfersystem deutlich stärker auf echte Managemententscheidungen ausgerichtet. Neu bzw. überarbeitet sind unter anderem:

  • Dynamischere Spielerbewertungen
  • Dealistischere Transferverhandlungen
  • xTV (Expected Transfer Value)
  • Stärker datenbasierte Entscheidungen
  • Unterschiedliche Transferphilosophien von Vereinen
  • Neue Pressekonferenzen
  • Unerwartete Ereignisse
  • Stärker schwankende Spielerleistungen abhängig von Form und Fitness
Natürlich bleibt auch der Manager Modus nicht von technischen Problemen verschont.

Besonders interessant ist Dynamic OVR: Die Gesamtbewertung eines Spielers ist nicht mehr völlig statisch, sondern kann sich abhängig von Form, Fitness und Zufriedenheit verändern. Das bedeutet beispielsweise: Ein Spieler kann nach einer Verletzung oder schlechten Form kurzfristig an Wert verlieren, wodurch Transfers interessanter werden. Das sind keine spektakulären Neuerungen, aber sie verbessern die langfristige Motivation. Die Karriere fühlt sich dadurch mehr nach einem Managementspiel und weniger nach einer Abfolge von Spielen und Transfers an.

Gameplay auf dem richtigen Weg

Die wichtigste Neuerung von FC 27 findet dort statt, wo sie hingehört: auf dem Fußballplatz.

EA hat vor allem die Defensive überarbeitet. Die automatische Unterstützung der KI wurde reduziert, wodurch die Positionierung des eigenen Spielers stärker in den Mittelpunkt rückt. Wer einen Passweg schließen oder einen Zweikampf gewinnen möchte, muss häufiger selbst reagieren, anstatt sich darauf zu verlassen, dass die CPU die Situation automatisch löst. Das sorgt zunächst für eine Umgewöhnungsphase. Nach einigen Partien fühlt sich das System jedoch nachvollziehbarer an. Gute Verteidigung hängt stärker vom eigenen Timing und der Positionierung ab.

Auch das Offensivspiel wurde angepasst. Laufwege der Mitspieler funktionieren besser, Pässe lassen sich kontrollierter spielen und die Ballführung wirkt präziser. Gleichzeitig bleibt die Geschwindigkeit ein entscheidender Faktor. Schnelle Spieler können weiterhin einen enormen Vorteil besitzen, insbesondere im Online-Spiel. Leider ziehen sich diese Änderungen nicht durch alle Modi. Die CPU-Partner die ihr beispielsweise bei Rush zugewiesen bekommt, ersetzen keineswegs echte Spieler. Dadurch seid ihr beispielsweise oftmals chancenlos, wenn ein Spieler mehr im Gegner Team enthalten bleibt, als bei eurem.

Spielerkarriere weniger umfangreich erneuert

Die Spielerkarriere bekommt ebenfalls neue Inhalte, fällt gegenüber der Managerkarriere aber deutlich weniger umfangreich aus. Es gibt zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten und neue Elemente rund um den eigenen Spieler. Eine grundlegende Überarbeitung des Modus bleibt jedoch aus. Wer vor allem eine umfangreiche Einzelspielerkarriere mit seinem selbst erstellten Fußballer erwartet, sollte deshalb keine komplette Neuausrichtung erwarten.

Grafik und Präsentation im Überblick

Technisch präsentiert sich FC 27 weiterhin auf einem hohen Niveau. Stadien, Spielermodelle, Zuschauer und die allgemeine Atmosphäre sorgen für einen überzeugenden Spieltag, wobei der Sprung gegenüber dem Vorgänger nicht unbedingt immens ausgefallen ist. EA konzentriert sich scheinbar stärker auf Animationen, Gameplay und Systeme als auf eine komplette technische Neuentwicklung. Mit der Vielzahl an Modi, steigt auch immer mehr die Erwartungshaltung, wirkliche Neuerungen zu erhalten. Das schafft der Titel dieses Jahr leider nur recht bedingt, vor allem im direkten Vergleich mit dem Vorgänger.

Fazit

EA Sports FC 27 ist ein gutes Fußballspiel, beschränkt auf die Action am Platz selbst. Die überarbeitete Defensive verlangt mehr Eigenleistung, die Ballkontrolle funktioniert präziser und die Managerkarriere bietet mehr Tiefe. Leider entpuppt sich The Grounds als sehr nichtssagende Ergänzung zum umfangreichen Portfolio an Modis und bringt ein neues bedenkliches Level an Monetarisierung mit sich. Wer auf wirkliche Neuerungen gehofft hat, sollte den Titel dieses Jahr eher auslasen. Für den Rest, gibt es zumindest das gewohnt solide Gesamtpaket.

Street Fighter Collection Wertung

– Verbesserte Defensive erfordert mehr eigenes Eingreifen

– Präzisere Ballkontrolle und Dribblings

– Sinnvolle Änderungen an der Managerkarriere

– Enormer Umfang an Modi

– Überzeuende Stadionatmosphäre und Präsentation bei den großen Teams

– The Grounds bringt kaum sinnvolle Neuerungen und nicht für Solo Spieler empfehlenswert

– Keine echte Geschichte für den eigens erstellten Spieler

– Gameplay-Boosts und Progressionskäufe verwischen immer mehr die Grenze zwischen Spiel und Monetarisierung

– Ultimate Team bleibt stark von Mikrotransaktionen geprägt

– Spielerkarriere erhält weniger substanzielle Neuerungen

– Technisch kein großer Sprung gegenüber dem Vorgänger

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Written by: Gabriel Bogdan

Redaktionsleiter/Vernichter von Cornflakes und Vollzeit Gamer

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