Mit Dragon Quest VII Reimagined kehrt ein Klassiker der traditionsreichen JRPG Reihe in modernisierter Form zurück. Für mich ist dieser Teil dabei eine besondere Erfahrung, denn die Ursprungsversion habe ich damals nicht gespielt. Ganz unbedarft bin ich jedoch nicht an das Spiel herangegangen. Mit Dragon Quest XIII hatte ich bereits einen Titel der Reihe erlebt und war überraschend stark vom Spielspaß und der Story begeistert. Entsprechend hoch war die Neugier, wie sich Dragon Quest VII Reimagined heute anfühlt und ob das Spiel auch ohne Nostalgiebrille überzeugen kann.
Die Spielwelt ist wunderschön
Der Einstieg in Dragon Quest VII Reimagined ist bewusst ruhig und fast schon distanziert. Wir schlüpfen in die Rolle eines 16 jährigen Protagonisten dem wir einen Namen geben können und starten unsere Reise im konservativen Dorf Buttsbüttel. Gleich zu Beginn verabschieden wir unseren Vater, der zur Seefahrt aufbricht. Schon hier wird deutlich, wie sehr das Spiel auf Atmosphäre und Story setzt.
Im Dorf wird uns immer wieder eingetrichtert, dass nur diese eine Insel existiert und es nichts außerhalb davon geben soll. Diese Überzeugung wird von den Dorfbewohnern nahezu dogmatisch vertreten und sorgt früh für ein leicht unterschwelliges Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Dragon Quest VII nimmt sich Zeit, diese Welt glaubwürdig zu etablieren und zwingt den Spieler nicht sofort in große Abenteuer oder dramatische Wendungen.

Eine Story die schnell an Fahrt gewinnt mit einem kleinen Manko
Die Geschichte entfaltet sich langsam und genau darin liegt eine ihrer großen Stärken. Anstatt sofort mit einer weltbedrohenden Gefahr zu starten, lernen wir zunächst unsere Heimatinsel kennen. Über kleinere Aufgaben und Gespräche entsteht ein Gefühl von Vertrautheit. Erst nach und nach öffnet sich das Spiel und deutet an, dass die Welt deutlich größer ist, als man uns glauben lassen möchte.
Ein zentrales Element, sind die Steintafeln, die wir im Verlauf der ersten Stunde finden müssen. Diese Quests dienen nicht nur dem Fortschritt der Insel wo wir uns zu Anfang befinden, sondern auch dazu, die Insel spielerisch zu erkunden. Dabei wird der Spieler behutsam an die Mechaniken herangeführt, ohne überfordert zu werden. Die Story lebt weniger von spektakulären Momenten, sondern von vielen kleinen Entdeckungen, die sich nach und nach zu einem größeren Ganzen zusammenfügen.
Leider sind nicht alle Zwischensequenzen vertont. Gerade bei emotionalen oder wichtigen Storymomenten hätte eine vollständige Sprachausgabe der Inszenierung gutgetan. Dennoch gelingt es dem Spiel durch seine Texte, Musik und den Bildern, eine starke Atmosphäre aufzubauen.

Gewohntes Gameplay und eine herausragende Grafik
pielerisch bleibt Dragon Quest VII Reimagined den klassischen Wurzeln der Reihe treu. Rundenbasierte Kämpfe, eine übersichtliche Menüführung und ein gemächliches Tempo prägen das Erlebnis. Wer moderne, schnelle Action erwartet, ist hier falsch. Wer jedoch klassische JRPG Kost schätzt, wird sich schnell zuhause fühlen.
Besonders positiv fallen die Rätsel auf, die immer wieder in den Spielfluss eingebaut werden. Viele davon arbeiten mit Perspektivenwechseln oder der genauen Beobachtung der Umgebung. Dadurch wird das Gameplay angenehm aufgelockert und verhindert, dass sich das Spiel ausschließlich wie eine Abfolge von Kämpfen anfühlt. Diese Rätsel sind selten frustrierend, fordern aber Aufmerksamkeit und belohnen Neugier.
Dragon Quest VII Reimagined ist ein wirklich wunderschönes Spiel. Die farbenfrohe Grafik, die liebevoll gestalteten Umgebungen und die charmanten Charakterdesigns sorgen für eine besinnliche Atmosphäre. Die Spielwelt wirkt lebendig und einladend, ohne dabei überladen zu sein.
Besonders die Landschaften und Dörfer strahlen eine immersive Spielwelt aus, die ich so selten erlebt habe. Dieses Gefühl hatte ich damals bei „Zelda: Breath of the Wild“. Man ist einfach geflashed von der Grafik und dem Artstyle. Auch kleinere Details wie Animationen oder Umgebungsobjekte tragen dazu bei, dass man sich gerne in dieser Welt aufhält. Vielleicht kennt Ihr das, man liest eine Review und der „Schreiberling“ redet davon, dass man stundenlang in der Welt abtauchen könnte. Ich habe das immer irgendwie als Quatsch abgetan, aber bei diesem Spiel wurde ich eines besseren belehrt.

Wer JRPGs liebt wird hier auf seine Kosten kommen – Auch bei der Musik
Die Musik untermalt das Geschehen gewohnt stimmungsvoll. Melodien bleiben im Ohr und unterstützen die emotionale Wirkung der Geschichte. Gerade in ruhigeren Momenten trägt der Soundtrack viel zur Atmosphäre bei. Die fehlende vollständige Vertonung der Zwischensequenzen fällt hier zwar etwas auf, wird aber durch die starke musikalische Untermalung teilweise ausgeglichen.
Dragon Quest VII Reimagined ist kein Spiel für Ungeduldige. Das Tempo ist langsamer, bedachter und manchmal bewusst entschleunigt. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem sehr runden Spielfluss belohnt. Das Spiel gibt dem Spieler Zeit, seine Welt zu entdecken, Charaktere kennenzulernen und Zusammenhänge zu verstehen und sogar zu interpretieren.
Gerade im Vergleich zu moderneren Rollenspielen wirkt dieser Ansatz fast erfrischend. Fortschritt fühlt sich verdient an und neue Erkenntnisse ergeben sich aus dem Spiel heraus.
Fazit
Dragon Quest VII Reimagined ist ein klassisches JRPG, das sich viel Zeit für seine Geschichte, seine Welt und seine Figuren nimmt. Auch ohne die Ursprungsversion gespielt zu haben, funktioniert das Spiel hervorragend und bietet einen gelungenen Einstieg in einen der ruhigeren, erzählerischeren Teile der Reihe.
Die wunderschöne Präsentation, die clever eingebauten Rätsel und der stimmige Spielfluss machen das Abenteuer zu einer lohnenden Erfahrung. Kleine Schwächen wie die nicht vollständig vertonten Zwischensequenzen trüben den Gesamteindruck nur minimal.
Wer Dragon Quest XIII mochte so wie ich oder klassische Rollenspiele schätzt, findet hier ein liebevoll umgesetztes Abenteuer, das wirklich Spaß auf mehr macht in diese Welt einzutauchen.

Positiv
- Wunderschöne Grafik / Toller Artstyle
- Tolle eingehende Story
- Gewohnte Qualität der Welt und Storytelling
Negativ
- Nicht alle Zwischensequenzen sind vertont
- Der Anfang zieht sich ein kleines bisschen


