Review: Drag x Drive – Rollstuhlbasketball als Featuredemo

Nintendo liebt seine Hardware Features und Gimmicks. Egal, ob Wii U Bildschirm, (3)DS Touchscreen oder Wiimote: Alles wird auf Teufel komm raus verwendet. Im Fall der Switch 2 haben wir die Joy-Con 2 Maussteuerung, die in beiden Controllern integriert ist. Diese kann z.B. in Cyberpunk 2066 zum Zielen oder weniger erfolgreich in Puyo Puyo Tetris 2 zur Steuerung der Teile verwendet werden. In Drag x Drive ist die Maussteuerung allerdings keine Option, sondern Pflicht und wie gut das funktioniert, wollen wir euch in unserem Test zeigen.

Rollstuhlfahren will gelernt sein

Die Prämisse von Drag x Drive ist schnell erklärt. Man spielt einen Roboter, der im Rollstuhl sitzt und in 3er Teams Basketball spielt. Dabei findet die Steuerung durchgehend mit beiden Joy-Con 2 und im Mausmodus statt. Das heißt, ihr haltet die Joy-Cons mit der Magnetseite nach unten auf einer flachen Unterlage. Wer das nicht zur Verfügung hat, kann auch den eigenen Oberschenkel verwenden. In jedem Fall muss nach vorne Platz sein. Um zu fahren, müsst ihr nämlich die Reifen eures Rollstuhls ähnlich zur Bewegung im echten Leben nach vorne schieben. Das geht natürlich auch nach hinten und wenn nur ein Reifen gedreht wird, könnt ihr wenden. Wer gegenläufig die Räder dreht kann auch gezielt schnelle 180° Wendungen vollführen.

Diese Steuerung bedarf natürlich eines Tutorials, das beim ersten Start diese Grundlagen erklärt. Auch das Passen (L+R), Rad festhalten (ZL oder ZR) und natürlich das Werfen (Joy-Con nach oben reißen und das Handgelenk abknicken) werden erklärt und können sofort ausprobiert werden. Danach landet man in einem sog. Park, der diverse Minispiele und zwei Basketball Courts beinhaltet.

Halfpipes, Seilspringen, Trickshots, … bis die Arme schlapp machen

Nach dem Tutorial und dem dazugehörigen Testspiel fanden wir unsere eigenen Fähigkeiten noch nicht ausreichend höhere Schwierigkeitsgrade der AI Gegner auszuprobieren. Daher haben wir uns im Park umgesehen und die verschiedenen Minispiele ausprobiert. Diese helfen bessere Kontrolle über unseren Rollstuhl zu erlangen. Dort kann man nämlich um Hütchen herumfahren oder zum Beispiel Ziele in der Halfpipe ansteuern. Um die eigene Leistung besser einschätzen zu können, sind zudem zeitliche Zielvorgaben mit dabei. Spezielle Movement Optionen, wie zum Beispiel scharfe Kurven zu fahren, indem man mit genügend Geschwindigkeit eine Seite/ein Rad hochreißt benötigen einiges an Übung bis man sie präzise einsetzen kann.

Einen Effekt, den wir recht schnell bemerkt haben, ist die Ermüdungserscheinung in den Schultern und Armen. Wir reden hier natürlich nicht vom Effekt eines richtigen Workouts, aber die ungewohnte Bewegung ist spürbar. Im selben Zeitraum haben wir aber weitaus mehr Kontrolle über unser Gefährt erlangt und ein Gefühl bekommen. Zeit also uns in mehr Spielen auszutoben.

Basketball mit Zusätzen

Ihr habt für euren Spieler die Wahl zwischen drei verschiedenen Klassen/Positionen: Guard, Forward und Center. Die unterscheiden sich in drei Attributen. Namentlich sind das Rebounding, Strength und Quickness. Während der Guard pfeilschnell ist, opfert der Center Geschwindigkeit für Größe zum Rebounden und wird weniger von Kollisionen beeinflusst. Als Forward wählt man die Balance aus diesen Extremen. Werfen können unserem Empfinden nach alle Positionen gleich gut und es hängt mehr von eurer Positionierung ab, ob ihr euren Ball versenkt.

Wer allerdings mehr aus den Halfpipe Rändern hinter den Körben machen will und von dort einen krachenden Dunk mit oder ohne Drehung oder einen Korbleger vollführen will, der hat natürlich mit mehr Geschwindigkeit mehr Chancen das auch zu tun. Das bietet sich auch deswegen an, weil Körbe, die während man einen Trick vollführt werden, ein paar Extrapunkte bringen. Wer z.B. während eines Sprungs trifft bekommt zusätzlich zu den zwei oder drei Punkten (wie im normalen Basketball) 0,1 Punkt zusätzlich. Bei einem Dunk gibt es 0,2 und wer sich dabei sogar dreht bekommt 0,3 Extrapunkte.

Auch hier gilt, dass es einiges an Übung braucht, bis einem die Tricks einfach von der Hand gehen und den Backflip konnten wir in unserer gesamten Reviewzeit nicht meistern. Ganz zu schweigen davon, dass es noch drei Gegenspieler gibt, die versuchen euch am punkten zu hindern. Das können Sie, wir ihr auch, indem sie einerseits mit den Händen vor euch herumfucheln, also die Joy-Cons hochreißen, Pässe abfangen oder sogar vor euch springen. Abgenommen wird einem der Ball bei einem Frontalzusammenstoß, bei dem das Spielgerät einfach wegspringt und wieder eingesammelt werden kann. Die einzige weitere Möglichkeit den Ball zu verlieren ist die Shot Clock Violation die bei Drag x Drive auf 14 Sekunden festgelegt wurde. Wer es in dieser Zeit nicht schafft einen Wurf auf den Korb abzugeben verliert den Ballbesitz.

Keep on rolling

Online könnt ihr mit eurer Switch Online Mitgliedschaft sowohl mit Freunden als auch Fremden im Park treffen und auf zwei Courts in zufälligen Teams spielen. Hier wäre es schön gewesen, wenn gerade bei einem Spiel, dass ein Feature promoten soll die Online Mitgliedschaft nicht zwingend notwendig gewesen wäre. Gratis dagegen sind die kosmetischen Änderungen, um z.B. die Farben des Rollstuhls und des Roboters zu ändern. Das macht spielerisch natürlich keinen Unterschied. Es kommt einzig und allein auf die drei Klassen und euren eigenen Skill an.

Trotz des Multiplayeraspekts haben wir Zweifel, dass sich Drag x Drive bis auf einen harten Kern dauerhaft durchsetzen kann. Die Steuerung bietet zwar einiges zum Lernen, fühlte sich für uns aber bis zum Schluss etwas unpräzise an, das liegt aber nicht an der Ungenauigkeit der Joy Cons, sondern daran, dass selbst kleine Bewegungen viel Beschleunigung liefern. Und auch die Tricks, ein rudimentäres Achievement System und die Minispiele mit Highscore System reichen nicht aus, um hier einen Dauerbrenner zu schaffen. Dazu ist das Basketballspiel an sich etwas zu flach. Allerdings gibt es ein sehr wichtiges Detail zu beachten, um eine abschließende Wertung zu geben. Drag x Drive kostet nur schlanke 20€ und unter diesem Gesichtspunkt ist der Umfang des Spiels weitaus besser zu rechtfertigen. Nintendo hätte hier eventuell aber trotzdem noch weitere (Ball)Sportarten unterbringen können, um noch mehr Wiederspielwert zu schaffen.

Fazit

Drag x Drive ist Spiel, dass seinen Zweck, nämlich die Maussteuerung zu präsentieren, sehr gut erfüllt. Diese innovative Art den eigenen Rollstuhl zu steuern funktioniert erstaunlich gut. Da aber selbst kleine Inputs große Auswirkungen haben, gibt es eine steile Lernkurve sich präzise so zu platzieren und die Kamera so zu drehen, dass man z.B. effektiv verteidigen kann. Die Minispiele machen kurze Zeit Spaß und helfen die Steuerung zu erlernen. Durch den geringen Preis von nur 20€ kann man auch den an sich geringen Umfang entschuldigen und das Spiel als gelungenes Maussteuerungsexperiment sehen. Teurer hätte es aber auf keinen Fall sein dürfen.

  • Innovative Maussteuerung, die grundsätzlich erstaunlich gut funktioniert
  • Online wie offline spielbar
  • Minigames zum Erlernen der Steuerung/Tricks
  • Geringer Preis
  • Es ist viel Übung notwendig, um sich wirklich präzise zu bewegen
  • Wenig spielerische Abwechslung
  • Es gibt sehr wenig zum Freischalten
  • Das Kontrollschema ermüdet durch die ungewohnten und sich wiederholenden Armbewegungen
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Written by: Steve Brieller

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