Donkey Kong hat wie Mario in seinem Leben schon einige Rollen eingenommen. Er war als Tennisspieler, Kartfahrer, Bongospieler und Hauptheld in vielen Spielen unterwegs. Nach langer Zeit kehrt er nun in einem 3D Jump’n’Run zurück und muss unter Beweis stellen, ob er die Switch 2 mit Donkey Kong Bananza fast im Alleingang verkaufen kann. Die Antwort, ob dieser Affe das schafft, findet ihr hier im Test.

Glück auf!
Dieses Mal hat sich DK als Minenarbeiter verdingt und befindet sich auf der Suche nach Gold und (wenig überraschend) goldenen Bananen. Doch ein Affe namens Void Kong, macht ihm mit seiner Firma und seinen Schergen einen Strich durch die Rechnung und sorgt für absolutes Chaos im Minenbetrieb. So findet sich Donkey Kong dann tief unter der Erde wieder und findet zunächst ein kleines Steinwesen, dass sich nach kurzer Spieldauer als eine verwandelte junge Pauline herausstellt. Für alle, die die Vorschauvideos noch nicht gesehen haben, ja, es handelt sich um die Bürgermeisterin Pauline aus Super Mario Odysee und die Damsel in Distress aus dem Original Donkey Kong. Bezüglich der Timeline scheint sich Nintendo hier über alle bestehenden Konventionen hinweggesetzt zu haben, denn Cranky Kong ist alt, Donkey im besten Alter und Pauline sollte damit eigentlich auch erwachsen sein. Das soll uns aber nicht am Abenteuer hindern.

Donkeys Minenarbeit scheint ihm neben einem mehr comichaften Facelifting indes eine Superkraft für Dreckwegräumen gegeben zu haben. Denn ein Hauptbestandteil des Gameplays ist es die Umgebung zu demolieren. Egal ob Sand, Stein oder andere Materialien, Donkey prügelt und gräbt sich durch sie hindurch. Zudem kann er einfach ganze Brocken aus seiner Umwelt herausreissen und als Schlag-, Wurf- oder Surfinstrument verwenden. Nur wenige sehr solide Materialien halten Stand und müssen erklettert oder anderweitig umgangen werden. Wichtig ist auch, dass manche Materialien besondere Eigenschaften besitzen und z.B. ganz klassisch Eis bei Lava hilft. Und Gold… ja Gold explodiert. Es ist unklar wieso, aber nützlich ist es allemal.

Super Donkey Kong Odyssey

Während ihr euch durch die Umgebung grabt, sammelt ihr Unmengen an Gold, Fossilien, Banandium Münzen sowie goldenen, essbaren Bananen, die ebenfalls aus Banandium bestehen. Letztere sind das Äquivalent der Monde in Super Mario Odyssey. Und nicht nur das erinnert laufend an Marios letztes Soloabenteuer. Man merkt dem Spiel ununterbrochen an, dass das Team um Odysee an der Entwicklung beteiligt war, da Levelaufbau, die Sammeldynamik und auch die Zerteilung mit Minispielen ständig an das Meisterwerk auf der Switch erinnern. Gleichzeitig hat man durch die zerstörbare Umgebung ein völlig anderes Gameplay als mit dem italienischen Klempner.

Zudem seid ihr zu fast keiner Zeit gezwungen Bananen zu sammeln. Ein Druck auf LB lässt Donkey pfeifen und Pauline singen, was einen Wegweisereffekt erzeugt, der euch zum nächsten Ziel bringt. Denn endgültig gibt es in Bananza nur eine Richtung: Nach unten zum Kern der Welt. Auf dem Weg dorthin lernt ihr allerhand Gestalten und Völker kennen, deren Älteste euch besondere Fähigkeiten mit Hilfe der Bananza verleihen. Die Songs, die ihr dort erlernt verleihen euch die Macht mit Paulines Gesang in eine Tierform zu verwandeln. Mit dabei sind unter anderem eine Gorillaform, eine Straußenform und auch ein Zebra. Die Verwandlungen geben euch somit z.B. die Möglichkeit besonders hartes Material zu zerstören, für kurze Zeit zu fliegen und explosive Eier zu werfen oder sehr schnell zu rennen. Sobald ihr mehrere Bananzas besitzt, könnt ihr zudem direkt zwischen ihnen wechseln. Leider wird dieses Schnellwechsel-Feature kaum durch das Spiel forciert, erleichtert euch aber trotzdem an vielen Stellen voranzukommen, wo Donkeys normale Form mehr Aufwand bedeutet hätte.

Der reichste Affe der Welt
Die oben erwähnten Ressourcen könnt ihr übrigens auch Ausgeben. Während die Fossilien für Kostüme mit passiven Boni für DK und Pauline da sind, könnt ihr Banandium Münzen gegen Bananen tauschen, die schlussendlich alle fünf Stück einen Skill Punkt erzeugen. Diese könnt ihr sammeln und so eure Bananzas verlängern und verstärken, das Trümmersurfen verbessern oder schlicht mehr Lebenspunkte erhalten. Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist aber die Abrisskraft von DK zu erhöhen, sodass auf tieferen Ebenen auch härteres Gestein unter den Schlägen nachgibt. Trotzdem ist keine der Fähigkeiten zwingend erforderlich, sodass ihr euch nie im Zwang befindet Bananen farmen zu gehen.

Das ist auch deshalb nicht nötig, weil ihr das Staudengewächs ununterbrochen findet. Sei es einfach Vergraben oder in den zahlreichen Arenen/Bereichen, die durch Portale und abgedeckte Löcher betreten werden können. Diese Portale werfen euch in eigens designte Hinderniskurse und enthalten im Normalfall drei Bananen, wovon eine meist sehr gut versteckt ist, während euch unter den Löchern Arenen erwarten in denen ihr unter Zeitdruck Gegner besiegen müsst. Diese Bereiche waren unsere persönlichen Highlights, da hier kurzzeitig der Schwierigkeitsgrad anzieht und zum Teil sehr kreative Leveldesigns verwendet wurden. Dadurch fühlen sie sich ein wenig wie Minispiele an und wurden auch sehr gut genutzt, um nostalgische Elemente einzubauen. Level wie aus Donkey Kong Country 1 und 2 mit passender Musikuntermalung holen z.B. Fans der Serie gut ab, während manche der Gebiete explizit die Fähigkeiten einer der Bananzaformen benötigt.
Aber auch die Standardlevels sind gut designed und haben immer ein Thema, wie z.B. Strand, Winter oder Dschungel. Später wird es noch ein wenig wilder, aber wir wollen nicht zuviel verraten. In jedem Fall gibt es immer einen Haufen zu sehen und zu entdecken und die Open World ähnliche Struktur lässt euch freie Hand, wohin die Reise gehen soll. Auch hier gibt es unzählige Anspielungen auf vorherige Teile, wie z.B. Lorenwagen oder Fässer, die euch herumschießen.

Übrigens gibt es sogar einen Co-Op Mode bei dem ein zweiter Spieler Pauline steuert und explosive Geschosse mit ihrem Gesang verteilen kann. Dabei kommt Nintendos liebstes Kind die Maussteuerung zum Tragen. Das hat ein wenig etwas von einem 3rd Person Shooter und macht manche Bossfights trivial (aber nicht minder unterhaltsam). Wer Freunde mit eigener Switch (1 oder 2) Konsole hat, der kann das Spiel sogar off- und im Fall einer Switch 2 auch online über Gameshare teilen.
Banaaanzaaaa

Und da das Thema Musik erwähnt wurde: Das Haupthema von Donkey Kong Bananza ist definitiv die Musik. Pauline erkennt im Laufe des Spiels ihre Fähigkeiten als Sängerin und kann dadurch u.a. Siegel brechen, die Void Kong in der Welt verteilt hat. Außerdem sind die Bananza Transformationen an ihren Gesang gebunden und im Co-Op Modus sind ihre Schreie sogar eine Waffe. Insgesamt ist die Integration dieses Themas gelungen und auch der Soundtrack selbst hat uns gefallen, wenngleich die Tracks aus der DKC Reihe einem bewusst machen, wie schwer es ist solche Meilensteine wie z.B. Stickerbrush Symphony zu wiederholen.

Die Story dagegen entfaltet sich nur langsam und ist, wenig überraschend, nicht wirklich der Rede wert. Auf der Suche nach dem Kern der Welt erfährt man irgendwann, warum Void Kong auch dort hin will und soviel sei gesagt: Auch das ist keine Überraschung. Ganz ohne Plotttwists geht es aber auch nicht und zumindest die funktionieren. Wir verraten natürlich nichts, aber ihr müsst dranbleiben, wenn ihr zum interessanteren Teil der Story gelangen wollt. Das Finale selbst ist dann ein absoluter Hammer, der uns wirklich mitgerissen hat.

Sobald ihr aber einmal nicht mehr der Story folgen wollt, könnt ihr ab einem bestimmten Punkt jederzeit wieder in die oberen Ebenen zurück und mit Hilfe eurer Klatsch Sonarfähigkeit weiter auf die Suche nach Ressourcen gehen. Damit die Suche aber nicht allzu aufwendig wird, hat man sich ein kluges System einfallen lassen: Beim Umgraben der Gegend findet ihr Truhen mit Schatzkarten, die zufällig Fossilien und Bananen auf eurer jederzeit aufrufbaren Karte markieren. Dadurch schaltet ihr passiv immer mehr Marker frei und wenn ihr partout nichts mehr finden könnt, euch das Menü aber sagt, da gibt es noch etwas, dann könnt ihr die Schatzkarten sogar gegen Gold, das ihr in Hülle und Fülle sammelt, kaufen. Die Komplettierer unter euch haben dabei auf jeden Fall einiges zu tun, denn jede neue Ebene wartet mit einer Vielzahl an Banandium Gems und Fossilien auf. Außerdem gibt es auch noch als Zufallsfunde Schallplatten für jeden Track im Spiel zu finden.
Die Switch 2 an der Grenze, wir nicht
Bis jetzt habt ihr sicherlich bemerkt, dass wir ziemlich von Donkey Kong Bananza begeistert sind. Ein paar Kritikpunkte gibt es aber dennoch. Allen voran Framerateeinbrüche, die Puristen sicherlich stören werden. Die verwendete Voxeltechnologie der Engine (in aller Kürze: Ein Voxel ist das 3D Äquivalent eines 2D Pixels) fordert an manchen Stellen ihren Tribut. Wenn sehr viel der Landschaft z.B. durch Explosionen zerstört wird geht ganz kurz die Framerate in die Knie. Das hat spielerisch absolut keine Auswirkung und sollte zudem nicht mit Hitstopps bei Treffern, die für mehr „ooomph“ sorgen, verwechselt werden. Dennoch merkt man, dass die Switch 2 ins Schwitzen gerät.

Was beim Spielen mehr stört, ist die manchmal störrische Kamera. Grundsätzlich wurde das Problem der Sichtbarkeit beim Graben durch Transparenzeffekte gelöst, aber wenn man sich Nahe an der Oberfläche oder am Rand eines Berges befindet möchte die Kamera manchmal nicht so wirklich. In unserem Playthrough hat uns das effektiv aber nur ganze zwei Mal das Leben gekostet, was in Bananza kein Beinbruch ist, da man nur etwas Gold verliert. Genervt waren wir trotzdem.

Etwas enttäuschend war auch, dass der Schwierigkeitsgrad mit wenigen Ausnahmen nur sehr langsam steigt. Das man nicht den gewohnten Hardcoreschwierigkeitsgrad der DKC Reihe replizieren wollte ist allerdings in Ordnung. Doch obwohl sterben nicht wirklich schlimm ist, blieb man bei den Herausforderungen aussergewöhnlich zahm. Nur selten gerät man unter Druck und muss mehrere von Donkeys vielfältigen Bewegungs- und Verwandlungsmöglichkeiten kombinieren. Falls es euch aber trotzdem einmal zu schwer sein sollte, kann auf den Assist Modus umgestellt werden, der dauerhaft anzeigt, wo ihr hingehen sollt und zudem den Schaden, den ihr erleidet halbiert. Das dürfte sich an jüngere und casual Gamer richten, die 3D Jump ’n‘ Runs noch nicht gewohnt sind. Wir würden allerdings empfehlen den Assistmodus zunächst ausgeschaltet zu lassen und nur im Bedarf anzuknipsen.

Fazit
Die in der Überschrift gestellte Frage lässt sich eindeutig mit einem Ja beantworten. Donkey Kong Bananza ist der System Seller, den die Switch 2 dringend braucht. Nach 26 Jahren bekommen wir nach Donkey Kong 64 wieder einen 3D Donkey spendiert, das einfach nur Spaß macht. Die kleinen technischen Gebrechen und der insgesamt sehr zahme Schwierigkeitsgrad sind für uns nur ein winziger Dämpfer im Vergleich zum Gameplay, das motiviert und zum Ausprobieren sowie Erkunden einlädt. Der Couch Co-op ist zusätzlich eine nette Option. Wer eine Switch 2 besitzt sollte sich Bananza auf jeden Fall anschauen und wer sich noch nicht für die neue Konsole erwärmen konnte, hat jetzt einen guten Grund dazu nochmal darüber nachzudenken.
Positiv
- Das Kerngameplay macht unheimlich viel Spaß
- Die Steuerung hat viele Optionen, funktioniert aber einwandfrei
- Das Leveldesign ist trotz Open World und Zerstörbarkeit der Umgebung äußerst gelungen
- Genau die richtige Menge an Nostalgie
- Grafisch wie soundtechnisch greift alles wunderbar ineinander
- Co-op als nette Dreingabe und sogar mit Switch 1 möglich
Negativ
- Leichte Framerateeinbrüche, wenn viel auf dem Bildschirm passiert
- Die Lernkurve ist unheimlich flach und es wird selten eine Kombination aus Fähigkeiten gefordert
- Die Kamera hat in speziellen Situationen nervige Aussetzer
- Flache Story mit wenig Twists (aber mit bombastischem Finale!)



