Review: Directive 8020 – Im Weltall hört dich keiner schreien

Wer sich in den letzten Wochen „Der Astronaut – Project Hail Mary“ im Kino angeschaut hat, wird beim ersten Blick auf Directive 8020 stutzen. Denn in beiden Werken ist die Crew eines Aufklärungsschiffes die letzte Hoffnung der Menschheit und reist in das ferne System Tau Ceti. Kein Wunder also, dass mich die Atmosphäre des Spiels direkt in ihren Bann gezogen hat.

Einmal nach Tau Ceti und wieder zurück

Wir hatten die letzten Tage die Möglichkeit, das neue Werk der Dark Pictures Anthology von Supermassive, dem Studio hinter bekannten Werken wie Until Dawn oder The Quarry, für euch zu testen. Statt in die Haut einer Gruppe Teenager treten wir in diesem cineastischen Horror-Sci-Fi-Abenteuer in die Fußstapfen der Crew der Cassiopeia.

Die Erde steht vor dem Untergang und setzt ihre letzte Hoffnung in das Projekt der Cassiopeia. Ihre Mission besteht darin, den 12 Lichtjahre entfernten Planeten Tau Ceti F auszukundschaften, damit das sechs Monate später eintreffende Kolonialschiff, die Andromeda, mit der Kolonisierung beginnen kann.

Doch als die Cassiopeia kurz vor ihrem Ziel von einem Asteroiden getroffen wird, ändert sich alles. Es stellt sich schnell heraus, dass das Loch im Rumpf das kleinste Problem ist. Mit dem Asteroiden hat sich eine unbekannte Spezies an Bord geschlichen, die scheinbar nur ein Ziel hat: alles Leben auf dem Schiff zu vernichten. Die Cassiopeia war gezwungen, ungeplant auf Tau Ceti F zu landen, doch dort entfaltet die außerirdische Lebensform erst ihren ganzen Schrecken. Sie beginnt, Crewmitglieder nachzuahmen, die Mission zu sabotieren und gezielt Jagd auf die Crew zu machen. Wem kannst du noch vertrauen, wenn jeder eine Bedrohung sein kann?

Das hier erwartet euch

Beim Erstellen eines neuen Spiels kann man sich zwischen drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden entscheiden, wobei es von Hilfsindikatoren bei Gefahr bis hin zu schwereren Quick-Time Events geht.
Man kann aber auch den Schwierigkeitsgrad ganz nach Belieben benutzerdefiniert einstellen.

Ihr habt übrigens auch die Möglichkeit die ganze Geschichte mit bis zu 5 Spielern im Couch-Coop zu bestreiten. Wobei man sich aussuchen kann, ob jeder ein Crewmitglied fest zugeteilt bekommt oder ob die Spieler reihum dran sind. Nach Release soll auch eine Online Multiplayer Funktion nachgeliefert werden.

Directive 8020 spielt sich wie die anderen Werke von Supermassive als interaktiver Film, in dem deine Entscheidungen und Taten den Verlauf der Story maßgeblich beeinflussen. Das Gameplay zeichnet sich durch viele aufwendig inszenierte Zwischensequenzen aus, in denen man in die Rolle verschiedener Crewmitglieder springt, zum Beispiel Pilotin Brianna Young, verkörpert von der Hollywood-Schauspielerin Lashana Lynch. Als diese Charaktere wählt man Dialogoptionen aus, die stets Konsequenzen auf die Story, aber auch auf die Charakterentwicklung der Crewmitglieder haben, untersucht das Schiff, meistert Quick-Time-Events oder versucht in Schleichpassagen der außerirdischen Bedrohung zu entkommen.

Jedes der fünf Crewmitglieder, in deren Rolle man schlüpft, besitzt drei unterschiedliche Charakterpfade, die sich durch unsere Entscheidungen ausprägen und den Verlauf der Geschichte verändern, wie zum Beispiel bei der bereits erwähnten Pilotin Brianna Young.

Eine größere Neuerung gegenüber den vorherigen Spielen ist der Wendepunkt-Baum. Dieser ermöglicht es, bereits getroffene Entscheidungen oder Aktionen jederzeit zu wiederholen oder zu verändern, ohne direkt einen komplett neuen Durchlauf starten zu müssen. Wer mit dem Ausgang einer Situation unzufrieden ist oder einfach neugierig ist, was bei einer anderen Wahl passiert wäre, kann gezielt an den entsprechenden Moment zurückspringen.

Man hatte außerdem die Möglichkeit, per vorgefertigtem Textchat mit seinen Crewmitgliedern zu schreiben. Auch wenn das meistens optional war, haben auch die Entscheidungen, die man hier getroffen hat, die Persönlichkeit und den Wissensstand des gespielten Charakters beeinflusst. Ich habe es als nettes Feature empfunden, um noch ein wenig tiefer in diese Welt einzutauchen.

Was ich hingegen eher negativ einstufe, waren die diversen Schleichpassagen. Eine große Hürde haben sie nicht geboten und ich war immer recht froh, wenn ich sie beendet hatte, um mehr von der Story zu erfahren. Gut hingegen fand ich die Scanner-Option, wo im Umkreis alle Points of Interest markiert wurden, mit denen man interagieren kann. Allerdings wurden dabei auch Lebensformen markiert, was die Schleichpassagen noch ein wenig einfacher gemacht hat.

Die Questmarker, die man sich per Tastendruck einblenden konnte, haben für mich die Schlauchigkeit noch ein wenig verstärkt. Auch wenn man das nicht musste, habe ich mich immer wieder dabei ertappt, gerade in Schleichpassagen wie eine Motte zum Licht Richtung Questmarker zu laufen.

Trotz der recht kleinen Areale waren immer wieder sogenannte Geheimnisse versteckt. Hauptsächlich bestanden diese aus Textnachrichten oder kurzen Videos zur Hintergrundgeschichte, aber auch zum Beispiel aus Crew-Logs einzelner Personen.

Atmosphäre & Technik

Besonders hat mich die Soundkulisse und die deutsche Synchronisation in den Bann gezogen und bei mir eine starke „Wir sind alleine hier draußen“ Atmosphäre erzeugt. Obwohl ich mit meinem System an der Untergrenze der Systemanforderungen gekratzt habe:

Ryzen 5 3600 | 32 GB RAM | RTX 2070 Super

Hat das Spiel fantastisch ausgesehen, ohne sichtbare Frameeinbrüche.
Zur Atmosphäre haben für mich auch die meistens glaubhaften Charaktere beigetragen. Besonders positiv fiel mir auf, dass wenn man mit mehreren Crewmitgliedern unterwegs war, diese sich immer glaubhaft in der Umgebung verhalten haben, sich Sachen angeschaut oder rumgesucht haben, anstatt einfach stumpf in der Gegend zu stehen.

Als Eingabemethode habe ich sowohl Maus und Tastatur als auch den Controller ausprobiert, beides hat gut funktioniert, wobei ich bei solchen Spielen immer den Controller bevorzugen würde.

Mein Fazit

Ich konnte mich sehr in die Charaktere hineinfühlen und habe bei jeder Entscheidung mitgefiebert, ob es die richtige war. Die guten acht Stunden, die ich für meinen Durchlauf gebraucht habe, hat mich das Spiel mit seiner Story sehr gut unterhalten. Trotz der dichten Atmosphäre waren die Horroraspekte aber recht wenig präsent, für mich war es eher eine sehr gute First-Contact-Story. Das ist aber natürlich sehr personenabhängig.

Die Wendepunkt-Funktion habe ich persönlich kaum benutzt, da ich in solchen Spielen immer gerne die Konsequenzen meiner Entscheidungen erleben möchte, egal wie schlecht sie sind. Ich werde aber definitiv noch einen Durchlauf spielen, um einige Fehler wieder gut zu machen.

Was ich mir außerdem gewünscht hätte, wären etwas offenere Gebiete. Gerade zu Beginn bewegte man sich sehr in schlauchigen Levels, was sich im Laufe des Spiels zumindest ein wenig gebessert hat. Trotzdem sehnte sich mein Erkunderherz immer nach etwas mehr, aber vielleicht hätte das auch den Rahmen des Spiels gesprengt.

Positiv:

  • Dichte, atmosphärische Soundkulisse
  • Überzeugende deutsche Synchronisation
  • Glaubhafte Charaktere mit individuellem Verhalten
  • Wendepunkt-Baum als komfortable Neuerung
  • Couch-Coop mit bis zu 5 Spielern
  • Benutzerdefinierter Schwierigkeitsgrad
  • Fantastische Optik auch an der Systemanforderungsgrenze
  • Nachrichtenfunktion vertieft das Eintauchen in die Welt

Negativ:

  • Schleichpassagen wenig fordernd und wenig spaßig
  • Schlauchige Level, besonders zu Beginn
  • Questmarker verstärken das Schlauchgefühl
  • Online-Multiplayer fehlt zum Launch
  • Horroraspekte für Horror-Fans möglicherweise zu schwach

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Written by: Christoph Heick

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