Review: Demon Slayer The Hinokami Chronicles – Ring frei für den erfolgreichsten Manga und Anime der vergangenen Jahre

Wenn es einen Manga gab, um den Fans in den vergangenen Jahren nicht drum herumgekommen sind, dann ist das Demon Slayer! 2016 erschien das Werk von Koyoharu Gotōge unter dem japanischen Namen Kimetsu no Yaiba in der Weekly Shōnen Jump. Dort rangierte man lange Zeit im Mittelfeld der Rankings, bis der Anime im Jahr 2019 an den Start ging. Was danach folgte war ein wahnsinnig großer Hype, der zum Finale des Mangas am 18.Mai 2020 alle Rekorde brach. Selbst der brandneue Kinofilm, der das Bindeglied zwischen Staffel 1 und der bald folgenden Staffel 2 des Animes bildet, stellte alles in den Schatten. Die Messlatte liegt dementsprechend hoch für die Entwickler von CyberConnect2, denn hier handelt es sich wahrlich um ein Meisterwerk. Ob man diese Erwartungen auch an das Videospiel erfüllen konnte, das verraten wir euch in unserem Review.

Eine Welt voller Dämonen

Im Mittelpunkt der Geschichte von Demon Slayer steht der Junge Tanjiro Kamado. Als ältester Sohn eines Köhlers aufgewachsen, sorgt er sich liebevoll um seine jüngeren Geschwister und Eltern. Deswegen macht er sich selbst in den tiefsten Wintern auf den Weg in die Stadt. Dort von den Einwohner geliebt, verkauft er Kohle, um die Familie zu ernähren. Doch als er eines Tages nach Hause zurückkehrt, wurden alle Opfer eines Überfalls. Tanjiro fand seine Familie brutal abgeschlachtet vor, die Geschichten über Dämonen die nachts Menschen fressen waren wahr. Was für Tanjiro bislang nur Hörensagen waren, wurde nun zu bitterer Realität. Lediglich seine jüngere Schwester Nezuko schien zu atmen, doch das aus einem besonderen Grund. Vom Blut eines Dämons genährt verwandelte auch sie sich in einen, was einen mächtigen Dämonenjäger auf den Plan rief. Ein schicksalhaftes Treffen für Tanjiro und der Startschuss einer Geschichte, die das Ende der Dämonen endgültig besiegeln sollte.

Hiermit wäre der Anfang von Demon Slayer grob zusammengefasst, für Kenner des Werks nichts Neues. Kalt erwischt es die Neulinge hingegen, die dem Titel ohne Vorkenntnisse eine Chance geben. Denn das Videospiel geht im Grunde davon aus, dass ihr mit der Geschichte vertraut seid. Auf ein Intro wird verzichtet und ihr startet direkt im Tutorial, das mit dem Kampf gegen Sabito loslegt. In weiterer Folge erzählt das Spiel in insgesamt acht Kapiteln alle Geschehnisse aus dem Anime und dem Film nach. Dabei fokussiert man sich jedoch stets auf die Kämpfe, Charakterentwicklungen und Gespräche werden überwiegend in sogenannten Erinnerungsfragmenten erzählt. Dort bietet man die gewohnt schwache Standard-Kost anderer Genre-Vertreter in Form von Standbildern. Obwohl alle Dialoge auf Englisch oder Japanisch vertont sind, bietet das kaum Anreiz für Kenner länger dran zu bleiben. So ertappt ihr euch immer öfter beim Überspringen, bis mit den Kämpfen wieder für Abwechslung gesorgt ist.  

CyberConnect2, die Meister vom Fach

Während die Erzählweise der Story, wie schon bei anderen Videospielumsetzungen kaum überzeugen kann, entschädigt das Kampfsystem für vieles. Dort weiß man nämlich, wie schon im Anime äußerst stilvoll zu überzeugen. Die Steuerung ist einfach erlernt und unterscheidet zwischen leichten und schweren Angriffen, sowie Techniken. Würfe sind ebenfalls anwendbar und ein schneller Sprint zum Gegner hält das Tempo stets hoch. Wer zudem zu einem perfekt getimten Block ansetzt, der hat sogar die Gelegenheit, eine mächtige Parade auszuführen. Abgerundet wird das Geschehen dann mit ultimativen Techniken oder Schüben, die als Trumpfkarte eingesetzt werden können. Selbst ein Unterstützungscharakter steht jederzeit bereit und hat drei unterschiedliche Aktionen. Neben einem Angriff und einer Rettungsaktion während einer gegnerischen Kombo kann selbst der Platz getauscht werden. Zwar teilt man sich dennoch denselben Lebensbalken, kann im Fall der Fälle aber für eine Umkehr des Momentum sorgen.

Das ist auch wichtig, denn die Dämonen im Abenteuer-Modus wissen auch ordentlich auszuteilen. Dort trefft ihr auf all jene Widersacher, die in den einzelnen Arcs der Story als Antagonisten auftauchen. Darin schlüpft ihr dann abwechselnd in die Haut von Tanjiro, Nezuko, Zenitsu, Inosuke und Co., um die Dämonen zu besiegen. An dieser Stelle muss aber auch Kritik geübt werden, denn zur Auswahl steht leider nur ein geringer Anteil des Casts. Hier merkt man leider deutlich, dass die Entwickler sich strikt an dem Anime orientieren mussten. Überraschungen gibt es keine, nicht einmal einen Ausblick auf Staffel 2 mit Tengen Uzui. Lediglich die aus dem Manga bekannten Schul-Versionen der Charaktere sind als freischaltbare Kämpfer zu bekommen.  Hier hätte es Wunder gewirkt, wenn nach dem Durchspielen auch die wichtigsten Dämonen aus der Story spielbar gewesen wären. Dadurch verschenkt man schlussendlich enorm viel Potenzial, das dem Spiel hinten raus ein wenig zum Verhängnis wird.

Linearer geht es kaum

Ebenfalls enorm viel Potenzial verschenkt man auch bei der Spielwelt. Während die Trailer diese aufregend suggeriert haben, stellt sich das im fertigen Spiel eher als Mogelpackung heraus. Die sehr klein gehaltenen Gebiete haben alle feste Pfade und bieten kaum nennenswerte Interaktionsmöglichkeiten. Hier und da kann mit einem NPC geredet werden, Mehrwert bietet das keinen. Vereinzelt lassen sich zumindest sogenannte Kimetsu-Punkte ergattern, die im Shop für Kosmetik ausgegeben werden können. Nebenmissionen sind aber nicht existent, weswegen sich die Gebiete nur als ein Strecken der Spielzeit anfühlen. Wenn man das dann mit Dragon Ball Z: Kakarot vergleicht, ebenfalls Werk von CyberConnect2, dann ist das eine herbe Enttäuschung. Eine frei erkundbare Spielwelt gepaart mit einem Level-System für Charaktere oder Waffen hätten hier womöglich zu Traumwertungen geführt.

Für mehr Abwechslung kann da dann auch der VS-Modus bzw. der Trainings Modus nicht sorgen. Zwar dürfen jeweils zehn Herausforderung pro Charakter absolviert werden, mehr als Kimetsu Punkte und Trophäen springen da aber nicht heraus. Mit diesen Punkten können dann wie bereits erwähnt neue Profilbilder, Musikstücke oder gar Charaktere freigekauft werden. Letztere sind aber kaum der Rede wert und im Vorfeld bereits bekannt gewesen. So gesehen entpuppt sich das Spiel als ein kurzes Vergnügen, das über den Abenteuer-Modus hinaus aber kaum mehr zu bieten hat. Lediglich all jene, die in Online-Kämpfen ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen wollen, bleiben noch etwas länger dran.

Fazit

Leider schafft es Demon Slayer: The Hinokami Chronicles nicht, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Der Titel krankt an den üblichen Schwächen diverser anderer Umsetzungen, die man trotz dem tollen Kampfsystem nicht ausbügeln kann.  Dementsprechend mangelt es dem Spiel an allen Ecken und Enden an Spielinhalten, die das solide Grundgerüst leider erschreckend schwach wirken lassen.  

Positiv:

+ Sehr gutes Kampfsystem

+ Detailgetreue Schauplätze und Animationen, komplett vertont

+ Story mit insgesamt acht Kapiteln, …

Negativ:

– … jedoch ohne Überraschungen oder Vorgeschmack auf Staffel 2 des Animes

– Sehr überschaubares Kämpferfeld OHNE Dämonen

– Lineare und völlig ideenlose Spielwelt

– Keine Nebenmissionen und kein Level-System

– Bis auf den VS-Modus kaum Wiederspielwert

Demon Slayer The Hinokami Chronicles ist am 13.Oktober 2021 für PC, PlayStation und Xbox erschienen.  

Während unserem Review sind keinerlei Bugs aufgetreten, die das Spielerlebnis beeinträchtigt hätten. Getestet wurde von uns die PlayStation 5 Version.

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Written by: Manuel Barthes

Passionierter Achievementjäger und Manga-Experte

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