Die Entwickler von Bloober Team haben momentan alle Hände voll zu tun. Das erfolgreiche und beliebte Silent Hill 2 Remake was vor knapp einem Jahr erschienen ist und jetzt ein weiteres Horrorspiel was die Aufmerksamkeit vieler erregt hat! Dazu wurde vor kurzem veröffentlicht, dass sie ebenso am Silent Hill 1 Remake arbeiten.
Ein kleiner Disclaimer vorweg: Das Spiel wurde auf der PlayStation 5 getestet. Zum technischen Zustand der anderen Versionen kann ich leider nichts sagen. Ich werde storytechnisch nur die erste Stunde thematisieren, da es für euch angenehmer ist, ohne viel Vorwissen in dieses Spiel hineinzugehen. Vor dem Test wusste ich nur, dass es sich um ein Horror-Survival-Spiel handelt. Da ich diese Art von Spielen wirklich mag, wollte ich vollkommen unbefangen rangehen. Und das bin ich auch!
Die Story ist der wahre Schreck?!
Wie anfangs erwähnt, werde ich nicht viel zur Story schreiben oder Euch dahingehend was vorweg nehmen. Denn es ist nochmal wesentlich besser ohne viele Vorkenntnisse in Cronos einzusteigen!
Dabei beginnt alles in einem Sarkophag wo Euch noch skurrilere Fragen gestellt werden, als ohnehin ihr bei der Musik und der Atmosphäre annehmen würdet. Wir beantworten die Fragen wie z.B. „Was sehen Sie auf dem Bild“ oder „Mutter?“. Dabei ist das recht kontextlos und nicht zuzuordnen welche Antworten sich auf was beziehen oder was sie ggf. ändern.
Uns wird relativ schnell klar, dass das Spiel in Osteuropa stattfindet. Genauer genommen in Polen. Dabei wurden die Häuser und die Wohnkomplexe wirklich gut getroffen. Auch die Einrichtung der jeweiligen Häuser und Wohnungen sind osteuropäisch, was nochmal zusätzlich zur Immersion beiträgt.
Bevor wir die Fragen beantwortet haben, wurden wir mit einer Cutscene begrüßt. Zwischensequenzen werden im laufe des Spieles häufiger vorkommen sind aber dennoch selten, dabei wird aber die grundlegende Geschichte per Briefe und Memos offenbart. Dort erfahren wir, dass die erste Epidemie in den 80er Jahren stattgefunden hat. Allgemein kann man auch hier sagen, dass viele Sachen in den Briefen und den Memos an die Corona Zeit erinnern, was das alles nochmal wesentlich nahbarer macht. Haltet also Ausschau nach Briefen, dort erfahrt Ihr in den einzelnen Häuserkomplexen Familiendramen oder auch Nachbarschaftsstreitigkeiten aber eben auch wie sich das entwickelt hat.

Technik die eher weniger begeistert
Das Spiel sieht wirklich gut aus und wirkt stimmig. Es macht Spaß, sich umzuschauen und in diese schöne Welt einzutauchen. Dabei ist es größtenteils dunkel, was der Grafik natürlich noch einmal zugutekommt. Doch auch die Dunkelheit hat ihre Schattenseiten: Das Spiel wurde mit der Unreal Engine 5 entwickelt – und das sieht man auch! Mit allen Ecken und Kanten. Hier und da ploppen an verschiedenen Stellen mal ein Schreibtisch oder auch kleinere Gegenstände auf – nicht weiter schlimm. Was allerdings schon nerviger ist, sind die Frame Drops und die allgemeinen Frames. Die angepeilten 60 fps werden im Leistungsmodus nur selten erreicht, lediglich in geschlossenen Räumen spüren wir die 60 fps.
Das Sounddesign hingegen ist wirklich gut. Sowohl die Synchronsprecher als auch die Musik und das Einsetzen diverser Jumpscares tragen zu einem immersiven Spielerlebnis bei. Es wurde nicht nur einmal gruselig, wenn eine mystische Stimme mit untermalender Musik durch einen Wohnkomplex geredet hat. Dabei ist auch das Einsetzen der Musik ein wichtiger Faktor: Wenn euch die Infizierten attackieren, steigt durch die Musik der Stresspegel! Genauso, wenn es ganz ruhig ist und wir uns auf einmal erschrecken. In dieser Hinsicht ist das Spiel unberechenbar. Während man bei anderen Spielen weiß, dass sich hinter der Tür etwas befindet, spielt Cronos mit Euch.
Wir würden Euch empfehlen sich die Kopfhörer zu schnappen und Abends zu zocken. Dabei muss Euch bewusst sein, dass das Spiel keine deutsche Sprachausgabe hat – allerdings deutsche Untertitel.

Nahkampf Nay – Fernkampf Yay
Hier ist es sehr schwierig, das Kampfsystem zu bewerten. Aus diesem Grund werde ich Nahkampf und Fernkampf unterscheiden. Denn diese unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Während wir zu Anfang ein überschaubares Waffenarsenal haben, stehen uns im Nahkampf über den Großteil des Spiels lediglich ein Tritt und ein Schlag zur Verfügung.
Dabei können wir die Waffen aufladen, um mehr Schaden zu verursachen. Ein gutes System – wäre da nur nicht die Kleinigkeit, dass wir, sobald die Waffe vollständig aufgeladen ist, direkt losschießen und den Schuss leider nicht verzögern können. Dadurch kann es vorkommen, dass unsere Gegner hinter einem Felsen steckenbleiben und wir hoffen müssen, dass sie hervorkommen. Dabei verschießen wir unsere knapp bemessene Munition. Insgesamt fühlen sich die Waffen aber sehr wuchtig an und es macht viel Spaß, damit zu schießen.
Lieber wenige, gut durchdachte Waffen als viele, die sich alle gleich anfühlen. Das trifft es genau auf den Kopf. Zu Anfang haben wir lediglich eine Pistole, nach etwa einer Stunde Spielzeit schalten wir eine Pumpgun frei. Dabei können wir sie modifizieren und verschiedene Aspekte der Waffe auswählen. Möchten wir mehr Schaden machen? Oder wollen wir lieber ein größeres Magazin? Ähnlich ist es bei unserer Ausrüstung! Wir finden Kerne, die wir verwerten können. So können wir beispielsweise unseren Inventarplatz oder die Menge der gecrafteten Sachen erhöhen.
Der Nahkampf macht leider überhaupt keinen Spaß. Mit R1 schlagen wir zu, mit R2 treten wir. So können wir viele Kisten zertrümmern, in denen sich die Ingame-Währung „Energie” befinden kann. Die Tritte und Schläge fühlen sich ziemlich schwach an und man kann nicht erkennen, ob wir damit überhaupt Schaden verursachen. Die Gegner reagieren gar nicht auf den Nahkampf und greifen uns unbeeindruckt weiter an. Dabei sind es immer nur die gleichen zwei Animationen, die wir im Nahkampf ausführen – keine Variation.

Dead Space meets Resident Evil
Cronos: The New Dawn ist ein sehr lineares Spiel, in dem es vereinzelt kleinere Areale gibt, die wir ein wenig erkunden können. Es gibt kleinere Umwege, hinter denen sich Loot versteckt. Das können Munition, Energie, Metallteile oder Briefe/Kassetten sein, die die Story vorantreiben. Daher lohnt es sich bei der etwa 20-stündigen Kampagne, immer mal wieder die Umgebung zu erkunden und so seine Ausrüstung zu verbessern.
Aber warum ausgerechnet Dead Space und Resident Evil?
Als wir Cronos zum ersten Mal gestartet haben, hatten wir direkt ein beklemmendes Gefühl, ähnlich wie bei Dead Space. Dabei werden viele Parallelen zu Dead Space gezogen. Die Musik und auch die Jumpscares wirken stark an der Vorlage orientiert. Auch der Anzug spielt eine ebenso wichtige Rolle.
Als Referenzwert für die kleineren Rätselpassagen nehme ich Resident Evil. Zwar sind sie nicht so ausgefeilt wie in Resident Evil 2, aber durch den Bolzenschneider, den wir finden, können wir weitere Areale freischalten. Ebenso spielt Crafting eine kleine Rolle. Ähnlich wie bei Resident Evil können wir Items zusammenfügen, um uns selbst zu heilen. Das Inventarmanagement ist ebenso wichtig wie die Items selbst. So haben wir zwar begrenzten Inventarplatz, aber zeitgleich gibt es an den „Checkpoint“-Plätzen eine Truhe, die wir für unsere Items nutzen können.

Nemesis-System in kleinerer Form
Könnt ihr Euch noch an das Nemesis-System aus den Spielen Mittelerde: Mordors Schatten und Mittelerde: Schatten des Krieges erinnern? Vereinfacht gesagt: Je mehr die Gegner gegen euch verloren haben, desto stärker wurden sie und konnten sich an euch erinnern. Das ist hier zwar nicht der Fall, da sich Warner Bros. das System patentieren hat lassen. Aber ein kleiner Kniff ist dennoch vorhanden. Wenn ihr die Infizierten vernichtet, und nicht mit Eurem Flammenwerfer verbrennt, können die „lebenden” Infizierten die Getöteten „aufsaugen” und werden dadurch stärker. Das ist auch wirklich merkbar und verändern teilweise auch das Aussehen.

Fazit
Cronos: The New Dawn wirkt wie ein geheimer Nachfolger der Dead-Space-Reihe, der wieder zum ersten Teil zurückkehrt. Das Spiel besticht durch einen unglaublichen Sound und eine fesselnde Atmosphäre. Dazu kommt eine tolle Grafik, die ihren Tribut in Form von FPS zollt. Der Nahkampf ist bei mangelnder Munition ein Witz – Wird aber durch den durchdachten Waffen wett gemacht. Die Story ist ein erfrischendes Erlebnis mit Gruselfaktor.

Positiv
- Tolle Atmosphäre und toller Sound
- Viele Schreckensmomente wenn man sich darauf einlässt.
- Gunplay macht wirklich Lust mit dem Waffenarsenal
- System der die Gegner direkt stärker macht
Negativ
- Im Leistungsmodus angepeilten 60fps werden selten erreicht
- Nahkampf macht gar keinen Spaß
- KI der Gegner manchmal nervig
0.5 Punkte aufgrund des technischen Zustands abgezogen. Werden diese behoben bekommt das Spiel eine 8.5.


